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Motorcycles.News – Motorrad Magazin
Startseite » Aprilia gibt beim ersten 850er-Test in Brünn den Ton an, Marquez stürzt glimpflich
Jorge Martín in Seitenansicht auf der Aprilia RS-GP – MotoGP Tschechien-GP Brno 2026
Jorge Martín (Aprilia Racing, Startnummer 89) – Tschechien-GP Brno, MotoGP 2026
MotoGP

Aprilia gibt beim ersten 850er-Test in Brünn den Ton an, Marquez stürzt glimpflich

By Andreas Denner24 Juni, 2026
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Auf dem Automotodrom Brünn liefen am Montag erstmals Stammfahrer mit den neuen 850er-Prototypen und Pirelli-Reifen. Aprilia setzte die schnellsten kolportierten Zeiten, während Marc Marquez einen leichten Sturz verzeichnete.
  • Erster offizieller MotoGP-Test mit 850-cm³-Maschinen und Pirelli-Reifen, durchgeführt mit Vertragsfahrern
  • Alle fünf Hersteller waren mit je zwei Motorrädern vertreten, der Tag fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt
  • Reifenhersteller Pirelli zog ein positives Fazit, die nächsten Tests folgen nach dem Österreich-GP und in Valencia

Einen Tag nach dem Grand Prix von Tschechien hat die MotoGP auf dem Automotodrom Brünn einen wichtigen Schritt in Richtung der Saison 2027 gemacht. Am Montag absolvierten die Hersteller dort den ersten gemeinschaftlich organisierten Test mit der neuen Motorradgeneration, die im übernächsten Jahr die aktuelle Klasse ablösen wird. Im Mittelpunkt standen zwei tiefgreifende Veränderungen: ein auf 850 Kubikzentimeter verkleinerter Motor anstelle der bisherigen 1000 cm³ sowie der Wechsel des Reifenausrüsters. Ab 2027 wird der italienische Hersteller Pirelli alleiniger Reifenlieferant der Königsklasse und löst damit Michelin ab, das diese Rolle seit Anfang 2016 innehat.

Pirelli-Rennreifen für die Superbike-Weltmeisterschaft

Was wurde beim Brünn-Test getestet?

Im Brünn-Test ging es vor allem darum, die für 2027 entwickelten Pirelli-Reifen erstmals durch Vertragsfahrer bewerten zu lassen. Bisher hatten ausschließlich die Testfahrer der Hersteller die neuen Pneus erprobt. Auf der Strecke waren zwei Fahrzeugkonzepte im Einsatz: zum einen echte Prototypen der künftigen 850er-Maschinen, zum anderen aktuelle 1000er-Motorräder, die gedrosselt und modifiziert wurden, um die technische Konfiguration von 2027 zu simulieren. Pirelli hatte jeden Hersteller gebeten, mindestens einen Stammfahrer abzustellen, dazu ein oder zwei Testfahrer auf der zweiten Maschine.

Die Umstellung auf das Jahr 2027 geht weit über Motor und Reifen hinaus. Neben dem kleineren Hubraum und dem Reifenwechsel werden die Ride-Height-Devices verboten, also die Systeme zur Veränderung der Fahrzeughöhe, und die Aerodynamik wird stärker beschnitten. Ein Teil dieser Regeländerungen wurde sogar mit sofortiger Wirkung vorgezogen: Die Holeshot-Devices wurden bereits verboten, ursprünglich war dieser Schritt erst für 2027 vorgesehen. Beim Test ließen sich die unterschiedlichen technischen Ansätze der Hersteller bereits äußerlich erkennen. Der 850er-Prototyp von Ducati fiel durch ein großes Aero-Paket am Heck auf, während die Aprilia mit ausgeprägten vertikalen Flügeln antrat.

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Das Testprogramm war vorab mit den Herstellern und der Teamvereinigung IRTA abgestimmt worden und sah für die beiden Maschinen jedes Herstellers unterschiedliche Fahrpläne vor, um möglichst viele Daten zu sammeln. Einige Fahrer absolvierten dabei Sprint-Simulationen und Runs über die volle Renndistanz. Toprak Razgatlioglu hatte bereits am Sonntagabend angekündigt, dass bei Yamaha direkt eine Sprintsimulation auf dem Programm stehe.

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Welche Fahrer waren in Brünn im Einsatz?

In Brünn fuhren acht Stammfahrer sowie drei Testfahrer der fünf Hersteller. Weil zahlreiche Piloten zur Saison 2027 den Hersteller wechseln, war das Starterfeld bewusst klein gehalten. Für Ducati gingen Marc Marquez und Fermin Aldeguer an den Start, Aprilia setzte auf Marco Bezzecchi und Raul Fernandez. Honda war mit Joan Mir und Luca Marini vertreten, bei Yamaha fuhr Toprak Razgatlioglu, der die Pirelli-Reifen aus seinen drei WM-Titeln in der Superbike-Weltmeisterschaft bestens kennt. Für KTM war Pedro Acosta der einzige Stammfahrer.

Hinzu kamen die Testfahrer Dani Pedrosa und Pol Espargaro für KTM sowie Augusto Fernandez für Yamaha. Eine Quelle führt zudem Takaaki Nakagami als dritten Honda-Vertreter auf. Stammfahrer wie Francesco Bagnaia, Fabio Quartararo, Fabio Di Giannantonio oder Jorge Martin waren dagegen nicht für den Test vorgesehen. Bezzecchi, der den Grand Prix am Sonntag wegen einer Sperre verpasst hatte, kehrte beim Test auf die Strecke zurück.

Marc Márquez in tiefer Schräglage auf der Ducati Desmosedici GP26 – MotoGP Tschechien-GP Brno 2026
Marc Márquez (Ducati Lenovo Team, Startnummer 93) – Tschechien-GP Brno, MotoGP 2026

Wie lange und unter welchen Bedingungen wurde gefahren?

Gefahren wurde acht Stunden, aufgeteilt in zwei jeweils vierstündige Sessions am Vormittag und am Nachmittag, unterbrochen von einer einstündigen Mittagspause. Die Strecke war von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Über den gesamten Montag schien die Sonne, am Nachmittag zogen einige Wolken auf. Die Temperaturen lagen knapp unter der 30-Grad-Marke und damit etwas niedriger als beim Rennwochenende, an dem teils drückende Hitze herrschte.

Das 5,4 Kilometer lange Automotodrom bot durch das vorangegangene Rennwochenende sehr guten Grip, eingefahrener Gummi lag bereits auf dem Asphalt. Verschmutzungen auf der Strecke spielten keine Rolle. Der Test fand vollständig hinter verschlossenen Türen statt, weder Zuschauer noch Journalisten waren zugelassen. Eine offizielle Zeitnahme gab es nicht, weshalb die Teams auf eigene Stoppuhren angewiesen waren, um die Leistung der Konkurrenz einzuschätzen.

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Welche Rundenzeiten wurden in Brünn gefahren?

Offizielle Zeiten gab es nicht, doch einige Werte sickerten durch und deuten auf einen Vorteil für Aprilia hin. Nach Angaben des Journalisten Rosario Triolo vom Sender Sky Italia sollen Marco Bezzecchi und Raul Fernandez die neue Aprilia mit jeweils 1:53,9 Minuten an die Spitze gesetzt haben. Fermin Aldeguer soll mit der Ducati rund eine Zehntelsekunde dahinter gelegen haben. Razgatlioglu wird mit 1:54,2 Minuten für Yamaha geführt, gefolgt von Acosta mit 1:54,3 Minuten auf der KTM. Marc Marquez soll mit 1:54,4 Minuten auf Rang sechs gelegen haben, die beiden Honda von Marini und Mir werden im Bereich von 1:55,0 Minuten verortet.

Diese Werte sind mit Vorsicht zu behandeln, da sie nicht aus einer offiziellen Zeitnahme stammen und fünf verschiedene Front- und Heck-Mischungen einen direkten Vergleich erschweren. Zur Einordnung dienen die Zeiten vom Rennwochenende: Die Pole-Bestzeit von Ai Ogura auf der aktuellen 1000er-Aprilia lag bei 1:51,139 Minuten, die schnellste Rennrunde fuhr Fabio Di Giannantonio auf Ducati mit 1:53,122 Minuten. Damit lagen die schnellsten Testzeiten der 850er rund drei Sekunden hinter der Pole und nur wenige Zehntel hinter der schnellsten Rennrunde des Wochenendes.

Marco Bezzecchi in tiefer Schräglage auf der Aprilia RS-GP – MotoGP Tschechien-GP Brno 2026
Marco Bezzecchi (Aprilia Racing, Startnummer 72) – Tschechien-GP Brno, MotoGP 2026

Gab es Zwischenfälle oder Stürze?

Marc Marquez stürzte beim Test, blieb dabei aber unverletzt. Spanischen Medienberichten zufolge ereignete sich der Sturz auf dem Weg zu seiner schnellsten Runde, die Zeitangaben dazu schwanken zwischen Vormittag und Nachmittag. Verletzungen zog sich der amtierende Weltmeister nicht zu, was bei einem Entwicklungstest dieser Art ein wichtiger Aspekt für alle beteiligten Fahrer ist. Darüber hinaus drangen nur wenige Details über das Geschehen auf der Strecke nach außen.

Wie bewertet Pirelli den Test?

Pirelli zog ein positives Fazit und sprach von einem wichtigen Meilenstein auf dem Weg in die MotoGP. Giorgio Barbier, Motorrad-Rennsportdirektor bei Pirelli, fasste das Ergebnis so zusammen: „The overall test outcome was positive, both in terms of feedback quality and constructive contribution made by riders and Manufacturers. All developments are progressing according to plan.“ Übersetzt bedeutet das: Das Gesamtergebnis des Tests sei sowohl hinsichtlich der Qualität des Feedbacks als auch des konstruktiven Beitrags der Fahrer und Hersteller positiv ausgefallen, alle Entwicklungen verliefen nach Plan.

Barbier verwies zugleich auf die anspruchsvollen Bedingungen. Nach einem von hoher Hitze geprägten Rennwochenende und nur wenige Tage vor dem nächsten Grand Prix habe es zahlreiche Lösungen zu bewerten gegeben. Erstmals habe man nach den bisher ausschließlich mit Testfahrern durchgeführten Sessions auch von einigen Stammfahrern nützliches Feedback zu den 2027er-Reifen für die künftigen 850er einholen können. Alle Hersteller hätten die vereinbarten Programme absolviert, mit unterschiedlichen Fahrplänen für die beiden Maschinen, um die Datenausbeute zu maximieren. Die Teilnahme der Stammfahrer erlaubte es, die bereits in früheren Tests gesammelten Informationen mit realem Feedback zum Leistungsniveau in der MotoGP zu verknüpfen.

Zum Reifenkontingent liegen unterschiedliche Angaben vor. Übereinstimmend ist von insgesamt 400 Reifen die Rede, die Pirelli nach Brünn mitbrachte. Wegen der großen Hitze kamen Regen- und Intermediate-Reifen nicht zum Einsatz.

Marc Márquez bespricht in der Box mit seinem Techniker die Daten – MotoGP Tschechien-GP Brno 2026
Marc Márquez (Ducati Lenovo Team) in der Box – Tschechien-GP Brno, MotoGP 2026

Wie geht es nach dem Brünn-Test weiter?

Der Test in Brünn war der erste von drei Terminen mit Stammfahrern in dieser Saison. Der nächste folgt am Montag nach dem Großen Preis von Österreich auf dem Red Bull Ring in Spielberg, ein weiterer am Dienstag nach dem Saisonfinale in Valencia. Auch der September-Test soll hinter verschlossenen Türen stattfinden, erst im Spätherbst in Valencia wird voraussichtlich erstmals öffentlich getestet. Dann dürften auch die übrigen Stammfahrer der Saison 2027 erstmals auf den neuen Maschinen Platz nehmen, ein bestätigter Termin steht dafür allerdings noch aus.

Offen ist beim September-Test, ob alle Hersteller genügend 850er-Prototypen bereitstellen können und ob Fahrer, die das Team wechseln, zumindest die neuen Reifen auf den aktuellen 1000ern ausprobieren dürfen. Die Entwicklung begann im Vorjahr in Misano, am Dienstag nach dem Grand Prix von San Marino, zunächst mit Testfahrern. Es folgten zahlreiche private Sessions, die zur Spezifikation der nun in Brünn erprobten Reifen führten. Private Testfahrten mit den jeweiligen Testfahrern bleiben den Herstellern weiterhin jederzeit möglich. Der Brünn-Test ordnet sich damit in den langfristigen Übergang der MotoGP in eine neue technische Ära ein, deren Eckpfeiler kleinerer Hubraum, reduzierte Aerodynamik, der Wegfall der Höhenverstellsysteme und der Reifenwechsel zu Pirelli bilden.

Ducati-Technikchef Gigi Dall'Igna in der Box des Ducati Lenovo Teams – MotoGP Tschechien-GP Brno 2026
Gigi Dall'Igna (Technischer Direktor, Ducati Lenovo Team) – Tschechien-GP Brno, MotoGP 2026

Häufige Fragen

  • Was wurde beim ersten 850er-Test in Brünn getestet?

    Im Mittelpunkt standen die neuen Pirelli-Reifen und die 850-cm³-Prototypen für die Saison 2027. Erstmals bewerteten Stammfahrer die Pneus, die bislang nur von Testfahrern erprobt worden waren. Zum Einsatz kamen sowohl echte 850er-Prototypen als auch gedrosselte 1000er-Maschinen.

  • Welche Fahrer nahmen am Brünn-Test teil?

    Acht Stammfahrer und drei Testfahrer fuhren für die fünf Hersteller: Marc Marquez und Fermin Aldeguer für Ducati, Marco Bezzecchi und Raul Fernandez für Aprilia, Joan Mir und Luca Marini für Honda, Toprak Razgatlioglu für Yamaha sowie Pedro Acosta für KTM. Hinzu kamen die Testfahrer Dani Pedrosa, Pol Espargaro und Augusto Fernandez.

  • Welche Rundenzeiten wurden beim 850er-Test gefahren?

    Offizielle Zeiten gab es nicht, doch durchgesickerte Werte deuten auf einen Vorteil für Aprilia hin. Bezzecchi und Fernandez sollen mit 1:53,9 Minuten die Schnellsten gewesen sein, gefolgt von Aldeguer auf Ducati mit rund einer Zehntelsekunde Rückstand.

  • Hat Marc Marquez beim Test einen Sturz gehabt?

    Ja, Marquez stürzte beim Test, blieb aber unverletzt. Der Sturz ereignete sich laut spanischen Medienberichten auf dem Weg zu seiner schnellsten Runde.

  • Wann findet der nächste 850er-Test statt?

    Der nächste Test mit Stammfahrern folgt am Montag nach dem Großen Preis von Österreich auf dem Red Bull Ring in Spielberg. Ein weiterer Termin ist für den Dienstag nach dem Saisonfinale in Valencia geplant.

➜ Mehr zum Thema auch in unserem Überblick: MotoGP 2027: Der komplette Überblick.

➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: MotoGP-Saison 2026: Der komplette Überblick – Teams, Fahrer, Kalender & WM-Stand. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.

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Redakteur bei Motorrad Nachrichten. Fokus auf Technik, Szene und Motorradpolitik – neutral, sachlich, verständlich. Verantwortlich für die Seiten www.Motorcycles.News, www.Motorrad.Training und den YouTube-Kanal "Motorrad Nachrichten", sowie deren social Media-Seiten.

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