- Das Institut für Zweiradsicherheit (ifz) weist darauf hin, dass hohe Temperaturen Konzentration und Reaktionsfähigkeit spürbar beeinträchtigen können.
- Gesundheitlich kritisch wird es nach ärztlicher Einschätzung bei Temperaturen über 30 Grad, direkter Sonneneinstrahlung und Standphasen von mehr als 20 Minuten.
- Als Trinkmenge gelten rund fünf Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde.
Ein warmer Sommertag und eine freie Strecke gehören für viele Motorradfahrer zum Schönsten überhaupt. Sobald die Temperaturen jedoch deutlich klettern, kann aus dem Fahrvergnügen schnell eine körperliche Belastung werden. Anders als im Auto gibt es auf dem Motorrad keinen klimatisierten Innenraum, und unter Helm und Schutzkleidung staut sich die Wärme. Dehydration, Erschöpfung und Überhitzung kündigen sich oft nicht deutlich an, beeinträchtigen aber Konzentration und Reaktionszeit, lange bevor das eigentliche Problem bewusst wird. Wer im Hochsommer unterwegs ist, profitiert deshalb von etwas mehr Vorbereitung als an einem gewöhnlichen Wochenende.
Warum ist Motorradfahren bei Hitze gefährlich?
Motorradfahrer sind der Witterung weitgehend ungeschützt ausgesetzt. Während Autofahrer die Klimaanlage einschalten können, trägt ein Motorradfahrer Helm, Jacke, Handschuhe und Stiefel, die zwar bei einem Sturz schützen, aber die Wärmeabgabe des Körpers erheblich einschränken. Das Institut für Zweiradsicherheit (ifz) weist darauf hin, dass hohe Temperaturen Konzentration und Reaktionsfähigkeit spürbar beeinträchtigen können. Wer müde oder unkonzentriert fährt, erkennt Gefahren später und reagiert langsamer. Das Unfallrisiko steigt, ohne dass die meisten Fahrer den schleichenden Leistungsabfall bewusst wahrnehmen.
Was passiert im Körper bei großer Hitze?
Bei Außentemperaturen oberhalb von 30 Grad Celsius gerät die körpereigene Temperaturregulation unter Druck. Der Körper versucht, überschüssige Wärme vor allem über Schweiß abzugeben. Auf dem Motorrad funktioniert dieser Mechanismus eingeschränkt, weil Schutzkleidung die Verdunstung behindert und der Fahrtwind bei niedrigem Tempo oder im Stau kaum Kühlung bringt. Dr. Christoph Haasper, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin sowie Sprecher des ifz, beschreibt die Situation so: „Messungen zeigen, dass die Körpertemperatur eines Fahrers mit üblicher Schutzausstattung bei Außentemperaturen über 30 Grad Celsius und Standphasen von mehr als 20 Minuten auf 38,5 Grad klettern kann.“ Das entspricht leichtem Fieber und geht mit Symptomen wie Erschöpfung, Kopfschmerzen und nachlassender Aufmerksamkeit einher.
Wie viel sollte man bei Hitze trinken?
Flüssigkeitsmangel ist einer der häufigsten und zugleich am leichtesten vermeidbaren Risikofaktoren bei sommerlichen Fahrten. Wer schwitzt, verliert nicht nur Wasser, sondern auch Mineralstoffe, die für die Muskelfunktion und die Konzentration wichtig sind. Haasper empfiehlt als Richtwert „rund fünf Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde“. Bei einem Fahrer mit 80 Kilogramm entspricht das etwa 0,4 Liter pro Stunde. Wichtig sei, bereits vor dem Start ausreichend zu trinken und nicht erst auf das Durstgefühl zu warten, da Durst ein spätes Signal sei. Am besten eignen sich Wasser, ungesüßte Tees oder isotonische Getränke. Stark gezuckerte Limonaden oder Kaffee in großen Mengen können den Flüssigkeitshaushalt eher belasten als stabilisieren.
Tourenplanung und Pausen bei Hitze
Ein bewusster Umgang mit Strecke und Fahrzeit kann das Risiko einer Überhitzung deutlich verringern. Haasper rät dazu, „Fahrten in die kühleren Morgen- oder Abendstunden zu legen, schattige Strecken zu bevorzugen und alle 60 bis 90 Minuten eine Pause im Schatten einzuplanen“. In der Pause sollte die Schutzkleidung geöffnet oder ausgezogen, der Helm abgenommen und ausreichend getrunken werden. Kurze Pausen von zehn bis fünfzehn Minuten reichen dabei in der Regel aus, um den Körper spürbar zu entlasten. Wer auf der Autobahn unterwegs ist, sollte Raststätten mit Schattenmöglichkeiten einplanen.
Welche Kleidung schützt bei Hitze am besten?
Die Versuchung, bei großer Hitze auf Schutzkleidung zu verzichten, ist verständlich, aber riskant. Weniger Kleidung kühlt nicht zwangsläufig besser, da die direkte Sonneneinstrahlung auf ungeschützte Haut den Körper zusätzlich aufheizt. Sinnvoller ist gut belüftete Sommerbekleidung mit Mesh-Einsätzen, die den Fahrtwind an den Körper lässt und dennoch über Protektoren verfügt. Darunter empfiehlt sich feuchtigkeitsableitende Funktionsunterwäsche, die den Schweiß von der Haut wegtransportiert und so den kühlenden Verdunstungseffekt unterstützt. Helle Farben reflektieren zudem mehr Sonnenlicht als dunkle. Bei Helm und Handschuhen lohnt es sich, auf Modelle mit guter Ventilation zu achten. Manche Fahrer setzen auf Kühlwesten, die vor der Fahrt in Wasser getränkt werden und über mehrere Stunden einen spürbaren Kühlungseffekt bieten.
Woran erkennt man eine Hitzeerschöpfung?
Typische Warnzeichen sind Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskelkrämpfe, Übelkeit und Konzentrationsprobleme. Wer solche Symptome bemerkt, sollte umgehend an einer sicheren Stelle anhalten, in den Schatten gehen, die Schutzkleidung ablegen und kleine Schlucke Wasser trinken. Im Zweifelsfall ist es besser, die Tour abzubrechen, als eine Situation zu riskieren, in der die Reaktionsfähigkeit nicht mehr für eine sichere Fahrt ausreicht.
Motorradfahren bei Hitze ist kein Grund, das Motorrad in der Garage zu lassen. Es erfordert aber eine ähnliche Vorbereitung wie eine Tour bei Regen oder Kälte: die richtigen Ausrüstungsentscheidungen, eine angepasste Planung und die Bereitschaft, auf die Signale des eigenen Körpers zu hören. Wer das beherzigt, kann auch an heißen Tagen sicher und mit Freude unterwegs sein.
-
Wie viel sollte man beim Motorradfahren bei Hitze trinken?
Als Richtwert gelten rund fünf Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde. Bei 80 Kilogramm entspricht das etwa 0,4 Liter pro Stunde. Wichtig ist, bereits vor der Fahrt zu trinken und nicht erst auf das Durstgefühl zu warten.
-
Ab welcher Temperatur wird Motorradfahren bei Hitze kritisch?
Gesundheitlich kritisch wird es nach ärztlicher Einschätzung bei Temperaturen über 30 Grad, direkter Sonneneinstrahlung und Standphasen von mehr als 20 Minuten. Unter solchen Bedingungen kann die Körpertemperatur eines Fahrers mit üblicher Schutzausstattung auf 38,5 Grad steigen.
-
Sollte man bei Hitze ohne Schutzkleidung fahren?
Nein, weniger Kleidung kühlt nicht zwangsläufig besser und kostet vor allem Schutz. Sinnvoller sind gut belüftete Sommerbekleidung mit Mesh-Einsätzen und feuchtigkeitsableitende Funktionsunterwäsche. Bei längeren Standzeiten kann die Schutzkleidung kurz geöffnet werden.
-
Woran erkennt man eine Hitzeerschöpfung beim Motorradfahren?
Typische Warnzeichen sind Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskelkrämpfe, Übelkeit und Konzentrationsprobleme. Wer solche Symptome bemerkt, sollte umgehend an einer sicheren Stelle anhalten, in den Schatten gehen und abkühlen.











