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Motorcycles.News – Motorrad Magazin
Startseite » Acosta kritisiert 850er-Motor und fordert mehr Fahrereinfluss in der MotoGP
Pedro Acosta und das Red Bull KTM Team beim Gruppenfoto am Tissot-Board – MotoGP Ungarn GP Balaton Park 2026
Das Red Bull KTM Team feiert mit Pedro Acosta – Ungarn GP, MotoGP 2026
MotoGP

Acosta kritisiert 850er-Motor und fordert mehr Fahrereinfluss in der MotoGP

By Andreas Denner20 Juni, 2026
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Pedro Acosta äußert sich beim GP in Brno klar gegen die Hubraumreduzierung auf 850 Kubikzentimeter und sieht die MotoGP auf dem Weg zum reinen Ingenieursport. Gleichzeitig zeigt sich der KTM-Pilot bereit, am Montag die neue RC16 850 mit Pirelli-Reifen zu testen.
  • Acosta hält den geplanten 850er-Motor für einen Rückschritt und plädiert für den Verbleib bei 1.000 Kubikzentimetern
  • KTM lässt Acosta trotz seines bevorstehenden Wechsels zu Ducati am Montag die RC16 850 in Brno testen
  • Der Spanier fordert das Komplettverbot aller Ride-Height-Devices und kritisiert die geplante Ein-Motorrad-Regel

Die MotoGP steht vor dem größten Regelumbruch seit dem Wechsel von 800 auf 1.000 Kubikzentimeter im Jahr 2012. Ab 2027 schrumpft der Hubraum auf 850 Kubikzentimeter, Pirelli ersetzt Michelin als Reifenlieferant, die Aerodynamik wird beschnitten, und sämtliche Ride-Height-Devices fallen weg. Pedro Acosta beobachtet diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Beim Grand Prix der Tschechischen Republik in Brno hat der 22-jährige KTM-Pilot deutliche Worte für die Zukunft seiner Sportart gefunden.

Pedro Acosta auf der Red Bull KTM RC16 in Schräglage am Kerb, Nahaufnahme – MotoGP Ungarn GP Balaton Park 2026
Pedro Acosta (Red Bull KTM Factory Racing, Startnummer 37) – Ungarn GP, MotoGP 2026

Warum hält Pedro Acosta den 850er-Motor für einen Rückschritt?

Acosta sieht in der Hubraumreduzierung einen falschen Ansatz. „Der Rückgang auf den 850er-Motor wäre ein Schritt nach hinten. Die MotoGP sollte nicht einfach sein“, sagte er am Freitag in Brno. Er befürwortet zwar die Abschaffung der Devices und die Reduzierung der Aerodynamik, hätte aber den 1.000-Kubikzentimeter-Motor gerne behalten. „Der 1.000er-Motor hätte die Rennen unterhaltsamer gemacht, weil er anspruchsvoller gewesen wäre. Das ist das Einzige, was mir an den neuen Regeln nicht gefällt“, erklärte Acosta.

Dieser Standpunkt ist insofern bemerkenswert, als Acosta selbst bereits vor seinem MotoGP-Debüt mit 1.000-Kubikzentimeter-Maschinen gefahren ist. Der Spanier gab kürzlich an, schon mit 14 Jahren auf solchen Motorrädern trainiert zu haben, noch bevor er seinen ersten WM-Lauf in der Moto3 bestritt. Die Leistungsfähigkeit der aktuellen Prototypen kennt er also aus erster Hand.

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Wird die MotoGP zum reinen Ingenieursport?

Eine zentrale Aussage Acostas betrifft die Machtverhältnisse zwischen Fahrer und Technik. „Dieser Sport wird wirklich zu einem Sport für Ingenieure“, kritisierte er. Vor zehn Jahren habe man nicht das beste Motorrad gebraucht, um zu gewinnen. Damals seien Hondas und Yamahas zwar die besten Maschinen gewesen, aber auf der einen Strecke habe die eine gewonnen, auf der anderen die andere. Beide seien konkurrenzfähig gewesen. Heute sei die Lage anders: „Wenn du die richtigen Komponenten in irgendeinem Teil des Motors hast, bist du schnell. Man muss die Dinge so akzeptieren, wie sie sind.“

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Acosta zog dabei einen Vergleich zur Formel 1, wo die Situation seiner Meinung nach sogar noch extremer sei. Die Motorräder hätten sich zwar in diese techniklastige Richtung entwickelt, doch wenn das System im Hintergrund nicht funktioniere, mache man keine Fortschritte. Es gebe viele Dinge, die jenseits der Kontrolle des Fahrers liegen.

Pedro Acosta auf der KTM RC16 an der Spitze einer Fahrergruppe vor den Tissot-Banden – MotoGP Ungarn GP Balaton Park 2026
Pedro Acosta (Red Bull KTM Factory Racing, Startnummer 37) – Ungarn GP, MotoGP 2026

Warum braucht Acosta schnellere KTM-Teamkollegen?

Trotz seines Talents als aktuell bester KTM-Fahrer sieht Acosta ein strukturelles Problem. „Ich halte mich nicht zurück, aber wenn ich sage, dass ich Fünfter werden kann, dann meine ich genau das“, stellte er klar. Was er brauche, seien andere KTM-Piloten, die einen Schritt nach vorne machten. Dieser Schritt könne bereits am Freitag gemacht werden, doch oft gelinge das nicht, wie etwa in Mugello. „Ich brauche die anderen KTMs, damit sie schnell sind und mir Informationen geben, die mir helfen können, schnell zu sein.“

Damit spricht Acosta ein bekanntes Dilemma an: Als einziger konkurrenzfähiger KTM-Fahrer fehlen ihm Vergleichsdaten von Teamkollegen. Während Ducati auf fünf und Aprilia auf vier schnelle Piloten zurückgreifen kann, die untereinander Set-up-Informationen austauschen, steht Acosta auf KTM-Seite häufig allein da.

Wie realistisch sind KTMs Titelchancen 2026?

In der WM-Wertung spricht Acosta eine nüchterne Einschätzung aus. „Im Moment nicht. Wir sind noch weit weg und brauchen mehr Potenzial. Es ist schwer, in der Meisterschaft Punkte aufzuholen, wenn das beste Ergebnis ein zweiter oder dritter Platz ist“, erklärte er. Den Druck im Titelkampf sieht er derzeit bei Aprilia und Marc Márquez.

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Nach acht von 22 Saisonrennen führt Marco Bezzecchi auf der Aprilia die WM mit 180 Punkten vor Jorge Martín mit 160 Zählern an. Acosta selbst hatte beim Ungarn-GP in Balaton Park seinen 13. MotoGP-Podiumsplatz eingefahren, wartet aber weiterhin auf seinen ersten Sieg in der Königsklasse. Am Freitag in Brno beendete er den Trainingstag als Sechster, knapp eine halbe Sekunde hinter dem Schnellsten Ai Ogura auf der Trackhouse-Aprilia, aber unter dem bestehenden Streckenrekord.

Pedro Acosta entspannt und lächelnd in der Red Bull KTM Box – MotoGP Ungarn GP Balaton Park 2026
Pedro Acosta (Red Bull KTM Factory Racing, Startnummer 37) – Ungarn GP, MotoGP 2026

Was hat es mit dem 850er-Test am Montag auf sich?

KTM hat entschieden, Acosta trotz seines so gut wie bestätigten Wechsels ins Ducati-Werksteam für 2027 am Montag in Brno die neue RC16 850 mit Pirelli-Reifen testen zu lassen. Acosta selbst kommentierte die Pläne mit typischer Gelassenheit: „Ihr wisst mehr als ich. Mir hat noch niemand etwas gesagt. Ich bin vor Ort, und wenn sie wollen, dass ich meinen Anzug anziehe, dann mache ich das.“ Alles, was dem Hersteller helfe, helfe am Ende auch ihm.

Begleiten soll ihn bei dem Test entweder Dani Pedrosa oder Pol Espargaró, die beide die neue KTM bereits bei privaten Tests gefahren haben. KTM folgt damit dem Beispiel von Honda, das Joan Mir und Luca Marini ebenfalls auf seinen 2027-Prototypen testen lässt. Ducati hingegen verweigert abgehenden Fahrern wie Francesco Bagnaia, der 2027 zu Aprilia wechselt, den Zugang zu den neuen Maschinen bis zum Saisonfinale in Valencia.

Der Test in Brno ist der erste, bei dem reguläre MotoGP-Rennfahrer die 850er-Maschinen mit Pirelli-Reifen auf der Strecke bewegen. Zwei weitere Testgelegenheiten folgen am Red Bull Ring nach dem Österreich-GP im September und beim traditionellen Post-Season-Test in Valencia Ende November. Fahrer, die den Hersteller wechseln, sollen die Pirelli-Reifen am Red Bull Ring zwar mit ihren aktuellen Maschinen probieren dürfen, die Kombination aus 850er-Motor und Pirelli aber erst in Valencia erleben.

Wie positioniert sich Acosta in der Lowering-Device-Debatte?

Die Sicherheitsdiskussion rund um die Ride-Height-Devices hat nach den schweren Kurve-1-Unfällen beim Katalonien-GP (Johann Zarco) und beim Ungarn-GP (Martín/Bezzecchi-Kollision) an Fahrt aufgenommen. In Brno testeten die Fahrer am Freitag erstmals Starts ohne aktiviertes Front-Device. Acosta äußerte sich dabei differenziert. Im GP-One-Interview sagte er zunächst, dass die jüngsten Unfälle seiner Meinung nach nicht direkt mit den Lowering-Devices zusammenhängen, sondern auf andere äußere Faktoren zurückzuführen seien.

Gleichzeitig sprach er sich in einem separaten Interview klar für ein Komplettverbot aus, wenn schon eines komme. „Alles oder nichts“, forderte Acosta. Nur das Front-Device zu verbieten sei „nicht das Sicherste“. Er verwies auf ein konkretes Risiko: Wenn das hintere Device unter dem Bremsen in Kurve 1 nicht auslöse, werde es ohne das ausgleichende Front-Device gefährlich. „Mit dem hinteren Device unten kannst du nicht lenken. Das Vorderrad ist dann in der Luft.“ Die MotoGP plant, das Verbot des Front-Devices beim Britischen Grand Prix nach der Sommerpause umzusetzen, die Gridabstände sollen bereits ab dem Sachsenring vergrößert werden.

Pedro Acosta auf der KTM RC16 in Schraglage – MotoGP Italien GP Mugello 2026
Pedro Acosta auf der KTM RC16 in Schräglage – MotoGP Italien GP Mugello 2026

Acosta gegen die Ein-Motorrad-Regel

Ein weiteres Reizthema für Acosta ist der Vorschlag, ab 2027 nur noch ein Motorrad pro Fahrer im Training zuzulassen. Sein Sturz im FP1 am Freitag in Brno untermauerte seine Ablehnung. „Ich halte das nach wie vor für keine gute Idee. Wenn so etwas im FP1 passiert, kommt man wirklich am Limit ins Training“, erklärte er. Besonders im Hinblick auf die neuen Pirelli-Reifen ab 2027 sei es wichtig, maximale Streckenzeit zu bekommen, und dafür brauche man zwei Motorräder. Auch ein technisches Problem an einer seiner Maschinen im zweiten Training bestärkte seine Bedenken.

Besuch bei Verstappen: Wenn zwei Kämpfer sich treffen

Abseits der Strecke nutzte Acosta das rennfreie Wochenende für einen Besuch beim Formel-1-Grand-Prix in Barcelona. Dort traf er unter anderem auf Max Verstappen, der nach Platz vier beim Heimrennen von Lewis Hamilton aktuell nur WM-Siebter mit 55 Punkten ist, 101 Zähler hinter Spitzenreiter Kimi Antonelli. Acosta zeigte sich überrascht von der Persönlichkeit des viermaligen Formel-1-Weltmeisters.

„Ich war überrascht, was für ein toller Typ er ist. Er hat mich sogar aktiv aufgesucht. Ich dachte, das Rennen ist vorbei, er ist bestimmt sauer, also sollte ich vielleicht besser nicht… Aber er war wirklich zugänglich.“ Auch Carlos Sainz, Oscar Piastri und Lando Norris hätten sich als offen und umgänglich erwiesen. Auf die Frage nach einem Rat von Verstappen meinte Acosta, der Niederländer habe es insofern leichter, als er zum Nürburgring fahren und sich beim 24-Stunden-Rennen ablenken könne. „Er geht damit gut um. Besser, als ich erwartet hätte.“

Die Parallele zwischen beiden Sportlern ist offensichtlich: Sowohl Acosta als auch Verstappen kämpfen 2026 mit einem unterlegenen Gesamtpaket gegen die Konkurrenz, ohne dabei den Anspruch aufzugeben.

Die KTM RC16 mit der Startnummer 37 von Pedro Acosta mit Ready-to-Race-Schild in der Boxengasse – MotoGP Ungarn GP Balaton Park 2026
Pedro Acosta (Red Bull KTM Factory Racing, Startnummer 37) – Ungarn GP, MotoGP 2026

➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: MotoGP-Saison 2026: Der komplette Überblick – Teams, Fahrer, Kalender & WM-Stand. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.

  • Warum ist Pedro Acosta gegen den 850er-Motor in der MotoGP?

    Acosta hält die Hubraumreduzierung für einen Rückschritt, weil der 1.000-Kubikzentimeter-Motor die Rennen anspruchsvoller und damit unterhaltsamer gemacht hätte. Er befürwortet dagegen die Abschaffung der Devices und die Reduzierung der Aerodynamik, da diese Maßnahmen den Fahrer wieder stärker in den Vordergrund rücken sollen.

  • Testet Pedro Acosta die KTM RC16 850 in Brno?

    KTM hat Acosta trotz seines bevorstehenden Wechsels zu Ducati für den Test am Montag nach dem Brno-GP freigegeben. Begleitet wird er dabei von einem der KTM-Testfahrer Dani Pedrosa oder Pol Espargaró. Es ist der erste 850er-Test mit regulären MotoGP-Rennfahrern.

  • Was fordert Acosta beim Lowering-Device-Verbot?

    Acosta fordert ein Komplettverbot beider Devices, also des vorderen und des hinteren. Nur das Front-Device zu verbieten sei nicht die sicherste Lösung, da ein nicht auslösendes Heck-Device ohne Gegengewicht des vorderen die Lenkfähigkeit des Motorrads in Kurve 1 stark einschränke.

  • Wie steht Pedro Acosta in der MotoGP-WM 2026?

    Nach acht Saisonrennen liegt Acosta hinter den Aprilia-Piloten Bezzecchi und Martín sowie dem verteidigenden Weltmeister Márquez. Er hat 13 MotoGP-Podiumsplätze gesammelt, wartet aber noch auf seinen ersten Sieg in der Königsklasse.

  • Warum braucht Acosta schnellere KTM-Teamkollegen?

    Als einziger konkurrenzfähiger KTM-Fahrer fehlen Acosta die Vergleichsdaten, die Ducati und Aprilia durch ihre jeweiligen vier bis fünf schnellen Piloten generieren können. Schnellere Teamkollegen würden ihm ab dem Freitag wichtige Set-up-Informationen liefern.

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Redakteur bei Motorrad Nachrichten. Fokus auf Technik, Szene und Motorradpolitik – neutral, sachlich, verständlich. Verantwortlich für die Seiten www.Motorcycles.News, www.Motorrad.Training und den YouTube-Kanal "Motorrad Nachrichten", sowie deren social Media-Seiten.

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