- KTM testete in Misano zwei 850-ccm-Prototypen mit Pol Espargaró und Dani Pedrosa
- Der Lufteinlass sitzt fast an derselben Stelle wie bei der Aprilia RS-GP, hat aber eine andere Form
- Das F-Duct-Prinzip stammt ursprünglich aus der Formel 1, vom McLaren MP4-25 des Jahres 2010
Die MotoGP steht vor ihrem größten technischen Umbruch seit Jahren, und in Misano hat sich angedeutet, in welche Richtung die Entwicklung läuft. Auf dem Misano World Circuit Marco Simoncelli drehten die neuen 850-ccm-Prototypen ihre Runden, mit denen ab 2027 gefahren wird. Eines der auffälligsten Details brachte KTM mit: einen Lufteinlass, der dem F-Duct-System der derzeit starken Aprilia sehr ähnlich sieht.

Was hat KTM beim Misano-Test gezeigt?
KTM brachte in Misano zwei 850-ccm-Prototypen mit, die beide einen F-Duct-ähnlichen Lufteinlass trugen. Gefahren wurden die Maschinen von Pol Espargaró und Dani Pedrosa, den beiden wichtigsten Testfahrern des Werks. Für Espargaró war es die Rückkehr auf ein MotoGP-Bike, nachdem er sich im April bei einem Dirtbike-Trainingsunfall an der Hand verletzt hatte.
Der Einlass sitzt an einer Position, die fast deckungsgleich mit der Lösung an der Aprilia RS-GP ist. Damit ist KTM nach übereinstimmenden Medienberichten der erste Hersteller, der diese aus der Formel 1 stammende Aerodynamik-Technik aufgreift, nachdem Aprilia sie zuvor in der MotoGP eingeführt hatte. Beim ersten öffentlichen Auftritt des 850er-Prototyps im Dezember in Jerez war dieses Bauteil noch nicht zu sehen.
Wie funktioniert das F-Duct-System?
Das F-Duct-System beeinflusst gezielt die Luftströmung an der Seitenverkleidung, um auf den Geraden mehr Topspeed zu erreichen. Bei Aprilia wurden dafür kleine Lüftungsschlitze links und rechts neben dem Lufteinlass in die Frontverkleidung geschnitten. Im oberen Bereich der Seitenverkleidung sitzen zwei Öffnungen auf Höhe der Unterarme des Fahrers.
Legt sich der Fahrer auf der Geraden flach auf den Tank, verdecken seine Unterarme diese Öffnungen. Dadurch soll sich die Luftströmung entlang der Seitenverkleidung ablösen, was die Höchstgeschwindigkeit erhöhen soll. Aprilia hatte das Bauteil erstmals in der Vorsaison-Testphase eingesetzt. Werksfahrer Jorge Martin beschreibt den Effekt aus Fahrersicht eher zurückhaltend. Er spricht davon, auf den Geraden deutlich etwas mehr Luft zu spüren, stuft den Unterschied für die Fahrer aber nicht als gewaltig ein.
Wie stark der reine Geschwindigkeitsgewinn ausfällt, lässt sich von außen schwer beziffern. Ein Anhaltspunkt aus dem Renngeschehen: Beim Lauf in Buriram waren Aprilia und Ducati mit jeweils gemessenen 345 km/h die schnellsten Motorräder in der Speed-Trap.

Woher stammt die F-Duct-Idee?
Die Grundidee des F-Ducts kommt aus der Formel 1 und geht auf den McLaren MP4-25 aus der Saison 2010 zurück. Bei diesem Auto führte ein Luftkanal von der Front des Monocoques durch das Cockpit bis zum Heckflügel. An der linken Cockpitseite saß eine Öffnung. Verdeckte der Fahrer sie mit der Hand, ließ sich die Anströmung des Heckflügels gezielt stören.
Der Effekt: Je nach Länge der Geraden soll das System dem Auto bis zu 10 km/h mehr Spitze gebracht haben. Aprilia hat dieses Prinzip als erstes MotoGP-Team auf ein Motorrad übertragen. Hintergrund ist, dass die RS-GP durch ihre diffusorartige Seitenverkleidung viel Kurvenstabilität erzeugt, diese aggressive Verkleidung zuvor aber Topspeed kostete. Das F-Duct-System soll diesen Nachteil ausgleichen.
Wie unterscheidet sich KTMs Lösung von der Aprilia?
KTMs Einlass sitzt zwar an nahezu derselben Stelle wie bei Aprilia, ist aber anders geformt und weiter von der Verkleidung abgesetzt. Bei der Aprilia RS-GP fällt der Lufteinlass länger und schmaler aus. An der KTM wirkt das Bauteil dagegen komplett anders geformt und ist zudem weiter vom Rest der Verkleidung entfernt positioniert.
Das deutet darauf hin, dass KTM nicht einfach eine Kopie aufgeklebt hat, sondern eine eigene Interpretation des Prinzips testet. Das italienische Aprilia-Konzept wurde von Techniker Fabiano Sterlacchini öffentlich erläutert, während die genaue Funktionsweise der KTM-Variante bislang offen ist.

Welche Hersteller waren in Misano dabei?
Neben KTM brachten auch Aprilia, Honda und Yamaha ihre 850-ccm-Prototypen nach Misano. Bei Aprilia saß Lorenzo Savadori auf der RS-GP 850, Honda setzte auf Takaaki Nakagami, und bei Yamaha drehte Augusto Fernández seine Runden auf der M1. Ducati fehlte bei diesem Test auffällig.
Ergänzend waren weitere Maschinen auf der Strecke: Jonathan Rea fuhr mit der Fireblade in Superbike-Konfiguration, Max Biaggi mit einer RSV4. Die Streckenbedingungen galten als günstig, da am Wochenende zuvor bereits die Superbike-WM in Misano gefahren war.
Warum experimentieren die Teams vor der 850er-Ära mit Aerodynamik?
Weil die Aerodynamik bei den 850ern eine kleinere Rolle spielt und die Teams ihr angesammeltes Wissen anders nutzen müssen. Mit dem Reglementwechsel werden die Aero-Bauteile beschränkt, weshalb beim Misano-Test vor allem Daten gesammelt und Konzepte ausprobiert wurden. Bewährte Lösungen aus der bisherigen Generation, wie eben das F-Duct-Prinzip, lassen sich dabei weiter untersuchen und auf die neue Bike-Generation übertragen.
Wie viel davon am Ende sichtbar wird, bleibt vorerst offen. Der nächste Test ist für Brno angesetzt, allerdings ohne Medienzugang. Damit dürfte ein Teil der Entwicklungsarbeit zunächst hinter verschlossenen Türen stattfinden. Der Misano-Test ordnet sich damit in einen längeren Entwicklungsprozess ein, an dessen Ende die komplett neue 850-ccm-Generation der MotoGP steht.

Häufige Fragen
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Was ist das F-Duct-System in der MotoGP?
Das F-Duct-System ist ein aerodynamisches Bauteil, das die Luftströmung an der Seitenverkleidung gezielt beeinflusst, um auf Geraden mehr Topspeed zu erreichen. Verdeckt der Fahrer beim flachen Anliegen bestimmte Öffnungen mit den Unterarmen, soll sich die Strömung ablösen. Aprilia hat das Prinzip als erstes MotoGP-Team eingeführt.
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Wer hat die KTM 850 in Misano getestet?
Die KTM 850 wurde in Misano von Pol Espargaró und Dani Pedrosa getestet. Beide gehören zu den wichtigsten Testfahrern des Werks. Für Espargaró war es die Rückkehr auf ein MotoGP-Motorrad nach einer Handverletzung aus dem April.
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Woher kommt die F-Duct-Idee ursprünglich?
Die F-Duct-Idee stammt aus der Formel 1 und wurde 2010 vom McLaren MP4-25 bekannt. Dort konnte der Fahrer durch das Verdecken einer Öffnung die Anströmung des Heckflügels stören. Je nach Länge der Geraden soll das System bis zu 10 km/h mehr Spitze gebracht haben.
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Wann fährt die MotoGP mit 850-ccm-Motoren?
Die MotoGP stellt zur Saison 2027 auf 850-ccm-Motoren um. Damit gehen auch beschränkte Aerodynamik und weitere technische Änderungen einher. Die Prototypen werden bereits jetzt bei Tests wie in Misano erprobt.
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Worin unterscheidet sich KTMs F-Duct von dem von Aprilia?
KTMs Lufteinlass sitzt an nahezu derselben Stelle wie bei Aprilia, ist aber anders geformt und weiter von der Verkleidung abgesetzt. Der Aprilia-Einlass fällt länger und schmaler aus. Die genaue Funktionsweise der KTM-Variante ist bislang nicht öffentlich erläutert worden.











