- 81 Meilen (rund 130 Kilometer) ohne Navigationsgerät, die Distanz entspricht Hydes Lebensalter
- Spendenstand am 26. August 2026: 3.343,22 Pfund (circa 3.908 Euro / 4.557 US-Dollar) plus 452,75 Pfund Gift Aid
- Die Aktion läuft über das gesamte Jahr 2026
Wer sich mit britischen Motorrädern der Sechziger und Siebziger beschäftigt, kommt an diesem Namen kaum vorbei. Norman Hyde war Entwicklungsingenieur bei Triumph in Meriden, Rekordfahrer und später Hersteller von Tuningteilen für genau die Motorräder, an denen er zuvor im Werk gearbeitet hatte. Jetzt ist der 81-Jährige aus einem anderen Grund im Gespräch: Bei ihm wurde Demenz diagnostiziert. Statt sich zurückzuziehen, hat er daraus eine landesweite Spendenaktion gemacht.

Was steckt hinter der Aktion „Ride to Recall“?
„Ride to Recall“ ist eine Spendenaktion zugunsten der britischen Organisation Dementia UK, bei der Motorradfahrer 81 Meilen ohne elektronische Navigationshilfe zurücklegen und anschließend einen frei wählbaren Betrag spenden. Die Zahl 81 ist bewusst gewählt, sie steht für Hydes Alter in diesem Jahr.
Hyde selbst beschreibt den Ablauf so: „Take a ride into the unknown, solo or with others. Ditch the Sat-Nav and all other navigational aids and have a real adventure, not knowing where you’ll end up. Set off and 81 miles later celebrate by making a donation of whatever you can afford to Dementia UK on the JustGiving page.“ Übersetzt: „Fahr ins Unbekannte, allein oder mit anderen. Lass das Navi und alle anderen Navigationshilfen weg und erlebe ein echtes Abenteuer, ohne zu wissen, wo du landest. Fahr los und feiere 81 Meilen später, indem du auf der JustGiving-Seite an Dementia UK spendest, was du dir leisten kannst.“
Der Verzicht auf das Navigationsgerät ist kein Gag, sondern der inhaltliche Kern. Die Aktion soll zeigen, wie sehr Orientierung von Erinnerung abhängt, und genau darum geht es bei einer Demenzerkrankung. Wer ohne Navi losfährt, muss sich Abzweigungen, Ortsnamen und Wegmarken merken, um wieder nach Hause zu finden.
Seine eigene Runde hat Hyde bereits hinter sich gebracht. Er fuhr 81 Meilen durch die nördlichen Cotswolds, begleitet von rund 20 Freunden und Kollegen aus der Motorradbranche. Die Aktion läuft über das gesamte Jahr 2026 weiter, andere Fahrer sollen ihre eigenen 81-Meilen-Runden absolvieren.
Wie viel Geld ist bislang zusammengekommen?
Auf der offiziellen Spendenseite standen am 26. August 2026 insgesamt 3.343,22 Pfund (circa 3.908 Euro / 4.557 US-Dollar). Dazu kommen 452,75 Pfund (circa 529 Euro / 617 US-Dollar) über Gift Aid, eine britische Regelung, bei der der Staat auf Spenden von Steuerzahlern einen Zuschlag erstattet.
Der komplette Betrag stammt bislang aus Online-Spenden, Offline-Spenden sind auf der Seite mit null ausgewiesen. Der Aufruf richtet sich nach Angaben auf der Spendenseite ausdrücklich nicht nur an Einzelfahrer, sondern auch an alle Ortsgruppen und Mitglieder des Triumph Owners’ Motor Cycle Club. Neben Ausfahrten werden dort Messeauftritte, Veranstaltungen und Concours-Wettbewerbe als Gelegenheiten genannt, um Geld zu sammeln.
Warum unterstützt die Aktion ausgerechnet Dementia UK?
Dementia UK ist nach eigenen Angaben die einzige landesweit tätige britische Organisation, die sich auf spezialisierte Demenzpflege konzentriert. Ihre Pflegekräfte, die sogenannten Admiral Nurses, beraten und begleiten Betroffene und deren Familien kostenlos.
Die Zahlen dahinter erklären, warum die Organisation auf Spenden angewiesen ist. In Großbritannien leben derzeit rund 944.000 Menschen mit Demenz. Darunter sind 70.800 Menschen mit einer früh einsetzenden Form, bei der die Symptome bereits vor dem 65. Lebensjahr beginnen. Dem gegenüber stehen weniger als 500 Admiral Nurses. Dementia UK ist als gemeinnützige Organisation unter der Nummer 1039404 registriert.
Für viele Motorradfahrer ist das Thema nicht abstrakt. Sie haben Demenz bereits über Angehörige, Partner oder Freunde erlebt, so die Darstellung in der offiziellen Mitteilung zur Aktion.
Wer ist Norman Hyde?
Norman Hyde ist ein früherer Entwicklungsingenieur von Triumph, der als Rekordfahrer und Teilehersteller über Jahrzehnte mit der Marke verbunden blieb. Sein Name gilt in Großbritannien als eng verknüpft mit dem alten Triumph-Werk in Meriden.
Hyde kam 1964 mit 16 Jahren als Lehrling zu Triumph. Drei Jahre lang durchlief er jeweils sechs Monate pro Jahr die verschiedenen Abteilungen, bevor er als Assistent des Entwicklungschefs Doug Hele übernommen wurde. An diese Bewerbung erinnert er sich mit einer gewissen Selbstironie: „I had an interview with the great Doug Hele. I proudly took him a photograph and told him about my racing stuff, which rather put him off because he was worried it would distract my attention from the work in hand… which of course it did!“ Auf Deutsch: „Ich hatte ein Vorstellungsgespräch mit dem großen Doug Hele. Stolz zeigte ich ihm ein Foto und erzählte ihm von meinen Rennsachen, was ihn eher abschreckte, weil er befürchtete, es würde mich von der eigentlichen Arbeit ablenken… was es natürlich auch tat!“
Nach einer Ausbildung zum Maschinenbauingenieur wechselte er in die Rennentwicklung. Dort war er an mehreren wichtigen Zweizylindern und Dreizylindern der Marke beteiligt, genannt werden die Modelle T120, T140, T150, T160 und T180. Auch im Rennprogramm arbeitete er mit, unter anderem mit dem Werksfahrer Percy Tait.
Der Rekord mit „Roadrunner III“
Parallel zur Arbeit im Werk baute Hyde eine Karriere als Sprintrennfahrer auf. Am Ende standen 22 Geschwindigkeitsrekorde zu Buche, seine Frau Diana saß dabei als Beifahrerin im Seitenwagen. Wie er dazu kam, beschreibt er nüchtern: „I got into the records side of it all when I built a supercharged 350 and noticed that the sidecar records were pre-war. I thought I could beat those! I changed the top half and made the 350 twin into a 500 twin and got the sidecar record.“ Übersetzt: „Zu den Rekorden kam ich, als ich eine aufgeladene 350er baute und bemerkte, dass die Seitenwagenrekorde noch aus der Vorkriegszeit stammten. Ich dachte, die könnte ich schlagen! Ich tauschte den oberen Teil und machte aus dem 350er-Twin einen 500er-Twin, und schon hatte ich den Seitenwagenrekord.“
Sein bekanntester Auftritt datiert auf den 24. September 1972. Auf der Startbahn des Luftwaffenstützpunkts RAF Fairford in Gloucestershire schob er sein Gespann „Roadrunner III“ an den Start, angetrieben von einem Triumph-Trident-Dreizylinder, der mit einer Mischung aus Nitromethan und Methanol lief. Zum Hubraum liegen unterschiedliche Angaben vor, genannt werden 830 Kubikzentimeter und 850 Kubikzentimeter. Der dabei aufgestellte Weltrekord für Seitenwagen soll mit einem Durchschnitt von 161,8 Meilen pro Stunde (rund 260,4 Kilometer pro Stunde) zu Buche stehen und mehr als 35 Jahre Bestand gehabt haben.
Vom „Roadrunner“ gab es insgesamt drei Ausbaustufen. Ein vollständig restauriertes Exemplar steht heute im National Motorcycle Museum und überstand dort den verheerenden Brand des Jahres 2003.
Vom Gästezimmer zur eigenen Werkstatt
Als das Triumph-Werk in Meriden zusammenbrach, blieb Hyde den britischen Motorrädern treu. Mit seiner Abfindung von 600 Pfund (circa 701 Euro / 818 US-Dollar) gründete er 1976 ein eigenes Unternehmen und fertigte Bauteile für Triumph-Zweizylinder und -Dreizylinder sowie für andere Marken. Angefangen hat er im Gästezimmer, später zog der Betrieb in eine rund 900 Quadratfuß große Halle in Warwick, das entspricht ungefähr 84 Quadratmetern. Vierzig Jahre lang führte er das Geschäft, dann verkaufte er es.
1987 folgte das wohl bekannteste eigene Projekt: die Hyde Harrier, aufgebaut um Triumph-Motoren und ein Fahrwerk von Harris Performance. Sie gilt als typisches Beispiel für die britische Spezialistenszene jener Jahre. Auch nach dem Neustart der Marke im Werk Hinckley entwickelte Hyde weiter Teile für Triumph und hielt damit die Verbindung zwischen alter und neuer Generation britischer Motorräder aufrecht.
Es ist nicht die erste Spendenaktion des Ingenieurs. Nach seiner eigenen Behandlung sammelte er über Vorträge und öffentliche Auftritte mehr als 2.700 Pfund (circa 3.156 Euro / 3.681 US-Dollar) für Prostate Cancer UK. Über die anhaltende Aufmerksamkeit für seine Rekordfahrten äußerte er sich 2023 sichtlich überrascht: „I’m stunned at how many people are still pleased to shake my hand. After all, my land speed record was 50 years ago!“ Also: „Ich bin verblüfft, wie viele Leute sich immer noch freuen, mir die Hand zu schütteln. Immerhin liegt mein Landgeschwindigkeitsrekord 50 Jahre zurück!“
Wie kann man sich an „Ride to Recall“ beteiligen?
Teilnehmen kann jeder mit Motorrad und Führerschein, eine Anmeldung oder Startgebühr gibt es nicht. Wer mitmachen will, fährt seine eigene Runde über 81 Meilen ohne Navigationshilfe und spendet danach über die Spendenseite der Aktion unter justgiving.com/page/ridetorecall.
Zusätzlich gibt es Kleidung zur Aktion. Hyde ist Schirmherr des Triumph Owners’ Motor Cycle Club, über dessen Onlineshop unter tomccmerchandise.com/shop läuft der Verkauf. Im Angebot stehen fünf Artikel, jeweils zuzüglich Versandkosten: ein T-Shirt für 17 Pfund (circa 20 Euro / 23 US-Dollar), ein T-Shirt im Damenschnitt zum gleichen Preis, ein Poloshirt für 21 Pfund (circa 25 Euro / 29 US-Dollar), ein Sweatshirt für 24 Pfund (circa 28 Euro / 33 US-Dollar) und ein Hoodie für 28 Pfund (circa 33 Euro / 38 US-Dollar). Von jedem Verkauf geht ein Anteil an Dementia UK.
Damit reiht sich „Ride to Recall“ in eine ganze Reihe von Wohltätigkeitsausfahrten ein, die die britische Motorradszene über das Jahr verteilt organisiert. Die Hürde ist hier allerdings besonders niedrig, weil weder ein fester Termin noch eine vorgegebene Strecke einzuhalten ist.
Häufige Fragen
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Was ist Norman Hydes „Ride to Recall“?
„Ride to Recall“ ist eine Spendenaktion für die britische Organisation Dementia UK, die Norman Hyde nach seiner eigenen Demenzdiagnose ins Leben gerufen hat. Teilnehmer fahren 81 Meilen ohne Navigationsgerät und spenden anschließend einen Betrag ihrer Wahl. Die Aktion läuft über das gesamte Jahr 2026.
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Warum sind es genau 81 Meilen?
Die Distanz entspricht Norman Hydes Lebensalter, er wird in diesem Jahr 81 Jahre alt. 81 Meilen sind umgerechnet rund 130 Kilometer. Der Verzicht auf jede elektronische Navigationshilfe soll den Zusammenhang zwischen Orientierung und Erinnerung deutlich machen.
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Welchen Rekord hat Norman Hyde aufgestellt?
Am 24. September 1972 stellte Hyde auf dem Luftwaffenstützpunkt RAF Fairford mit dem Trident-Gespann „Roadrunner III“ einen Weltrekord für Seitenwagen auf. Der Durchschnittswert soll bei 161,8 Meilen pro Stunde (rund 260,4 Kilometer pro Stunde) gelegen haben und über 35 Jahre gehalten haben. Insgesamt kommt Hyde auf 22 Geschwindigkeitsrekorde.
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Wie viel Geld hat die Aktion bisher gesammelt?
Am 26. August 2026 lag der Spendenstand bei 3.343,22 Pfund (circa 3.908 Euro / 4.557 US-Dollar), dazu kommen 452,75 Pfund über die britische Gift-Aid-Regelung. Der gesamte Betrag stammt bislang aus Online-Spenden.
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Wo gibt es Merchandise zur Aktion?
Der Verkauf läuft über den Onlineshop des Triumph Owners’ Motor Cycle Club unter tomccmerchandise.com/shop, dessen Schirmherr Hyde ist. Erhältlich sind T-Shirts, ein Poloshirt, ein Sweatshirt und ein Hoodie zu Preisen zwischen 17 und 28 Pfund zuzüglich Versand. Von jedem Verkauf fließt eine Spende an Dementia UK.












