- Farbige Streifen kennzeichnen ab 2027 jede Mischung und jeden Reifentyp, der Intermediate kehrt zurück
- Dritte Lieferung an die fünf Hersteller: 400 Reifen, 80 pro Marke, erstmals mit Farbmarkierung
- Nur sechs der 22 Fahrer des Jahrgangs 2027 bringen nennenswerte Pirelli-Erfahrung mit
Die Saison 2027 bringt der MotoGP den größten Regelumbruch seit Jahren. Die Motoren schrumpfen von 1.000 auf 850 Kubikzentimeter, die Ride-Height-Devices verschwinden, die Aerodynamik wird beschnitten, der Kraftstoff kommt vollständig aus nicht fossilen Quellen. Und mitten in diesem Paket steckt der Wechsel des Einheitsreifenlieferanten: Pirelli löst Michelin ab, das seit 2016 als alleiniger Ausrüster der Königsklasse aufgetreten ist. Rund um das Wochenende in Aragon wurde nun bekannt, dass sich damit auch etwas ändert, das jeder Zuschauer sofort bemerken wird.

Warum bekommen die MotoGP-Reifen 2027 farbige Markierungen?
Pirelli versieht die Reifen ab 2027 mit einem farbigen Streifen an der Flanke, damit sich die verschiedenen Mischungen und Reifentypen auf einen Blick unterscheiden lassen. Bei Michelin war das bislang kaum möglich. Die bisherigen Kennzeichnungen sind so klein und unauffällig, dass von der Tribüne oder vom Fernseher aus praktisch nicht zu erkennen ist, ob ein Fahrer gerade auf der weichen, der mittleren oder der harten Mischung unterwegs ist.
Genau das stört den neuen Lieferanten. Pirelli greift deshalb auf ein Prinzip zurück, das die Marke aus einem anderen Bereich des Motorsports kennt. In der Formel 1 rüstet das Unternehmen bereits seit 2011 alle Teams aus und arbeitet dort seit Jahren mit einem festen Farbschema.
Welche Farbe steht künftig für welche Mischung?
Das ist noch nicht entschieden. Fest steht bisher nur, dass jede Mischung und jeder Reifentyp eine eigene Farbe bekommt, also weich, mittel und hart ebenso wie Trocken-, Regen- und Intermediate-Reifen. Als Vorbild gilt laut Medienberichten das System aus der Formel 1, wo Rot für die weiche, Gelb für die mittlere und Weiß für die harte Mischung steht, während Grün den Intermediate und Blau den Regenreifen kennzeichnet.
Dass sich dieses Schema übertragen lässt, hat einen praktischen Grund. Beim Test in Brünn wurden die sieben Front- und acht Heck-Spezifikationen bereits auf die drei Härtegrade weich, mittel und hart aufgeteilt. Dazu kommt eine Rückkehr: Der Intermediate, den Michelin 2017 aus dem Programm gestrichen hatte, wird unter Pirelli wieder Teil des Angebots. Damit ergeben sich fünf Kategorien und damit genau die Bandbreite, die das Formel-1-Muster abdeckt.

Wie weit ist Pirelli mit der Entwicklung?
Pirelli hat den Herstellern inzwischen die dritte Reifenlieferung übergeben. Der Auftrag wurde im März 2025 verkündet, eine erste Charge ging Ende 2025 an Aprilia, Ducati, Honda, KTM und Yamaha. Beim Spanien-GP in Jerez folgte ein zweites Paket mit 80 Reifen je Hersteller.
Am Donnerstag des Aragon-Wochenendes brachte Pirelli nach Motorland dann insgesamt 400 Einheiten, also erneut 80 pro Marke. Diese Reifen trugen die Farbmarkierungen bereits. Mit diesem Kontingent sollen die Werke ihre privaten Testfahrten abschließen, bevor der erste offizielle Vorsaisontest am 1. Dezember in Valencia stattfindet. Bislang haben ausschließlich die Hersteller mit den Mischungen gearbeitet, dazu kam der offizielle Testtag mit Stammfahrern nach dem Tschechien-GP am 22. Juni in Brünn. Am Montag nach dem Österreich-GP, dem 21. September, folgt ein Test, der auch den Privatteams offensteht.
Was ändert sich für die Fahrer beim Wechsel von Michelin auf Pirelli?
Nach Einschätzung von Pol Espargaro deutlich mehr, als vielen im Fahrerlager bewusst ist. Der Spanier entwickelt für KTM den neuen 850er-Prototyp und hat auf den Pirelli-Reifen bereits viele Kilometer gesammelt. Er beschreibt sie als grundlegend andere Reifen und sagt über seine Kollegen: „the riders are not really aware of the change that is coming“ („die Fahrer sind sich der bevorstehenden Änderung nicht wirklich bewusst“).
Espargaro hat den Umstieg von Bridgestone auf Michelin im Jahr 2016 selbst miterlebt und ordnet den kommenden Wechsel als den größeren der beiden ein. Damals hätten beide Lieferanten ihre Stärken und Schwächen gehabt, die Fahrweise sei aber ähnlich geblieben. Mit den Pirelli-Reifen ändere sich dagegen alles, das Motorrad fühle sich an wie aus einer anderen Welt.
Pirelli-Rennchef Giorgio Barbier beschreibt denselben Punkt aus Herstellersicht. Die Fahrer hätten elf Jahre lang gelernt, sich dem Charakter eines bestimmten Reifens anzupassen, und die Motorräder seien genau darauf abgestimmt. Die neuen Reifen hätten andere Stärken, und darauf müssten sich beide Seiten einstellen. „Wir werden keine Michelin-Pirelli-Reifen herstellen, sondern Pirelli-Reifen“, stellt er in einem Interview klar. Einige Fahrer müssten ihren Stil ändern, die Ingenieure womöglich Teile des Motorrads.

Wer profitiert vom Wechsel auf Pirelli?
Vor allem jene, die die Reifen schon kennen. Von den 22 Piloten des Jahrgangs 2027 verfügen lediglich sechs über umfangreiche Pirelli-Erfahrung. Dazu zählen die vier Moto2-Aufsteiger David Alonso, Daniel Holgado, Senna Agius und Izan Guevara, denn die mittlere Klasse fährt seit 2024 auf Pirelli. Hinzu kommen Toprak Razgatlioglu, der auf diesen Reifen drei Superbike-Weltmeisterschaften gewann, sowie Nicolo Bulega, der aus derselben Meisterschaft kommt und 2027 bei VR46 erwartet wird.
Espargaro verweist auf einen Präzedenzfall. Als Pirelli 2024 in der Moto2 den bisherigen Lieferanten Dunlop ablöste, hätten plötzlich Fahrer funktioniert, die zuvor nicht vorne mitgefahren waren, während andere zuvor konkurrenzfähige Piloten zurückfielen. Dass sich das in der MotoGP wiederholt, hält er für ausgemacht. Bulega traut er zu, von Beginn der Saison an schnell zu sein, nicht erst nach einer Eingewöhnungsphase.
Auch bei den Herstellern erwartet er eine Verschiebung. Ducati sieht er im Vorteil, weil die 2027er Maschine im Kern einem etwas größeren Superbike entspreche und der Konzern diese Kategorie sehr gut kenne. Wer aus der seriennahen Meisterschaft komme, starte mit einem Vorsprung.

Weniger Spitzentempo, ähnliche Rundenzeiten
Ob der Wechsel unterm Strich gut oder schlecht ist, will Espargaro nicht bewerten. Er spricht davon, dass es für die einen gut und für die anderen schlecht werde. Die Motorräder würden langsamer, verlören aber nichts an Beschleunigung. Bei den Rundenzeiten erwartet er trotz geringerer Leistung ein ähnliches Niveau, weil die 850er leichter ausfallen. Genau dieses geringere Gewicht bei weniger Spitzentempo mache die Maschinen zugleich weniger gefährlich.
Ein ausgeglichenes Feld erwartet er allerdings nicht sofort. Erst ab der zweiten Saisonhälfte, wenn die Hersteller ein brauchbares Niveau erreicht haben, dürfte die Klasse enger zusammenrücken. Für die Meisterschaft hält er das für einen Gewinn.
Häufige Fragen
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Warum bekommen die Pirelli MotoGP 2027 Reifen farbige Markierungen?
Damit Zuschauer sofort erkennen, welche Mischung ein Fahrer nutzt. Bei Michelin sind die Kennzeichnungen so klein, dass sie von der Tribüne oder im Fernsehen praktisch unsichtbar bleiben. Pirelli überträgt das Prinzip aus der Formel 1, wo die Marke seit 2011 als Alleinausrüster arbeitet.
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Welche Farben bekommen die MotoGP-Reifen 2027?
Die konkrete Zuordnung steht noch nicht fest. Fest steht nur, dass jede Mischung und jeder Reifentyp eine eigene Farbe erhält. In der Formel 1 steht Rot für weich, Gelb für mittel, Weiß für hart, Grün für Intermediate und Blau für Regen.
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Wann testen die MotoGP-Fahrer die Pirelli-Reifen erstmals gemeinsam?
Der erste offizielle Vorsaisontest findet am 1. Dezember in Valencia statt, dort beliefert Pirelli sämtliche Teams mit dem kompletten Katalog für 2027. Bereits am 21. September, dem Montag nach dem Österreich-GP, gibt es einen Test, der auch Privatteams offensteht.
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Welche Fahrer kennen die Pirelli-Reifen bereits?
Sechs der 22 Piloten des Jahrgangs 2027. Es sind die Moto2-Aufsteiger David Alonso, Daniel Holgado, Senna Agius und Izan Guevara sowie die Superbike-Piloten Toprak Razgatlioglu und Nicolo Bulega.












