- Zusage über drei Jahre: Von 2027 bis 2029 stehen je zwei Seitenwagen-Rennen im Programm
- Statt 600-ccm-Vierzylindern kommen seriennahe Motoren nach britischem Sportbike-Reglement
- Einheitliche Steuerelektronik und ein Balance-of-Performance-Ansatz sollen die Leistung begrenzen
Nach dem Abbruch der Klasse bei der TT 2026 war offen, ob die Gespanne überhaupt noch einmal auf den Snaefell Mountain Course zurückkehren würden. Am 9. September 2026 hat der Veranstalter diese Frage beantwortet. Die Seitenwagen sind ab 2027 wieder Teil der Veranstaltung, allerdings unter Vorzeichen, die sich deutlich von allem unterscheiden, was in den vergangenen Jahrzehnten galt. Damit setzt sich die Neuaufstellung fort, die nach der Aussetzung der Klasse im Frühsommer 2026 begonnen hatte.

Wie lange ist die Rückkehr der Seitenwagen abgesichert?
Die Zusage gilt für drei Jahre, konkret von 2027 bis 2029. In jedem dieser Jahre sollen zwei Seitenwagen-Rennen ausgetragen werden.
Diese Festlegung ist mehr als eine Formalie. Teams und Konstrukteure müssen für das neue Reglement in Technik investieren, und das lohnt sich nur, wenn die Klasse nicht nach einer einzigen Saison wieder zur Disposition steht. Paul Phillips, Head of Motorsport der Isle of Man TT Races, nennt genau diesen Punkt als Grund für den Dreijahreszeitraum. Fahrer und Konstrukteure bräuchten Sicherheit, wenn von ihnen verlangt werde, in Veränderung zu investieren.
Zur grundsätzlichen Perspektive der Klasse sagt Phillips: „We believe there is a future for the class.“ Auf Deutsch: „Wir glauben, dass es eine Zukunft für die Klasse gibt.“ Eine schlichte Rückkehr zur alten Formel sei dagegen nie die richtige Antwort gewesen.
Vorausgegangen war ein Nachhaltigkeits-Review, das nach der Aussetzung der Klasse angestoßen wurde. Dessen erster Bericht hatte im Sommer 2026 einen möglichen Weg zurück beschrieben, allerdings ohne Zusage und mit der klaren Ansage, dass eine unveränderte Rückkehr nicht infrage kommt. Die jetzt vorgestellten Regeln sind das Ergebnis dieser Arbeit.
Welche Motoren dürfen die Gespanne ab 2027 nutzen?
Erlaubt sind künftig seriennahe Motoren, die sich an den technischen Vorschriften für britische Sportmotorräder orientieren. Als Beispiele nennt der Veranstalter die Yamaha R7, die Aprilia RS660 und die Kawasaki Ninja 650, weitere Motoren innerhalb des festgelegten Rahmens sind ausdrücklich möglich.
Damit endet die Ära des klassischen 600-ccm-Vierzylinders, der die Klasse über Jahrzehnte geprägt hat. Der Grund dafür ist zweigeteilt. Zum einen soll die Leistung der Gespanne besser kontrollierbar werden. Zum anderen hat sich der Markt verändert: Die klassische Supersport-Plattform mit 600 cm³ und vier Zylindern stößt bei den aktuellen Serienmaschinen und in der Entwicklung der Hersteller zunehmend an ihre Grenzen. Neue Motoren dieser Bauart kommen schlicht kaum noch nach.
Statt die bestehende Formel weiter einzuschnüren, setzt der Veranstalter deshalb auf eine Plattform, die sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln lässt. Die genannten Mittelklasse-Zweizylinder sind in Serie breit verfügbar und werden auch in anderen Rennserien eingesetzt.

Einheitselektronik und Balance of Performance
Zum Motorenwechsel kommt eine einheitliche Steuerelektronik. Alle Gespanne sollen künftig eine ECU von Mectronik verwenden, also ein Motorsteuergerät, das den Motor regelt und die Einspritzung sowie die Zündung steuert.
Der Vorteil aus Sicht der Rennleitung liegt in der Kontrolle. Ein einheitliches Elektronik-Framework gibt dem technischen Direktor der Tourist Trophy deutlich mehr Möglichkeiten, das Leistungsniveau der Klasse zu steuern und zu überprüfen. Ergänzt wird das durch einen Balance-of-Performance-Ansatz, der die zulässigen Motoren leistungsmäßig aneinander angleichen soll. Aus dem Automobilsport ist dieses Prinzip seit Langem bekannt.
Dahinter steht ein Problem, das der Veranstalter offen benennt. Nach der bisherigen Regelung konnten erhebliche Investitionen in die Motorenentwicklung den finanzstärksten Teams einen spürbaren Vorteil verschaffen. Die neuen Vorschriften sollen diesen Spielraum einschränken.
Gary Thompson MBE BEM, Clerk of the Course der Tourist Trophy, ordnet den Schritt als deutliche Veränderung ein, die der Rennleitung aber sehr viel mehr Möglichkeiten gebe, die Leistung der Klasse zu steuern. Er verweist zudem auf die Richtung der Motorradbranche insgesamt. Die 600er-Vierzylinder hätten dem Gespannsport hervorragende Dienste geleistet, gebraucht werde nun jedoch eine Formel auf Basis moderner Serienmotoren. Sein Fazit zur Zielsetzung: „The aim is a more controlled and competitive formula.“ Übersetzt: „Das Ziel ist eine stärker kontrollierte und wettbewerbsfähigere Formel.“ Stärker zählen sollen künftig Vorbereitung, Fahrwerksabstimmung und am Ende die Leistung von Fahrer und Beifahrer.
Was ändert sich an Chassis und Karosserie?
Bestehende Fahrgestellkonstruktionen bleiben zulässig. Ein einheitliches Chassis wie in manchen anderen Serien ist nicht vorgesehen, die Teams müssen ihre Rahmen also nicht ersetzen.
Neu sind allerdings die Anforderungen rund um das Chassis. Konstruktion, Identifizierung, Änderungen, Reparaturen und Inspektionen werden strenger geregelt. Jedes Gespann soll damit technisch nachvollziehbar werden, was bei teils betagten Rahmen bislang nicht durchgängig der Fall war.
Deutlich schärfer fallen die Vorgaben zur Karosserie aus. Für Böden, Unterverkleidungen, Radkästen und andere aerodynamische Elemente kommen klarere Grenzen. Separate Flügel, Tragflächen, Finnen und Spoiler werden verboten. Der Veranstalter will damit die aerodynamische Entwicklung einbremsen, gleichzeitig aber die strukturelle Festigkeit verbessern und die technische Abnahme erleichtern. Ein weiterer Punkt betrifft die Sicherheit im Ernstfall: Medizinisches Personal und Rettungskräfte sollen leichter an die Insassen herankommen.
Weitere Maßnahmen zu Gewicht, Flüssigkeitsrückhaltung, Maschinensicherheit und technischer Konformität sollen Teil des endgültigen Regelwerks werden.

Wie lang werden die Seitenwagen-Rennen 2027?
Beide Läufe gehen 2027 über zwei Runden auf dem Mountain Course. Die Renndistanz für 2028 und 2029 soll erst nach den Erfahrungen mit dem neuen Paket festgelegt werden.
Der Veranstalter beschreibt das Format für 2027 ausdrücklich als Ausgangspunkt und nicht als endgültige Form der neuen Seitenwagen-Formel. Die bestehenden Regelungen für die Qualifikationsphase und die Seitenwagen-Sessions bleiben erhalten, die kürzeren Distanzen sollen im ersten Jahr mit neuer Technik einen konservativeren Rahmen bieten. Phillips formuliert es so, dass es nicht darum gehe, die Gespannklasse der Vergangenheit über Nacht wiederherzustellen, sondern 2027 eine tragfähige Plattform zu schaffen und diese danach sauber weiterzuentwickeln.
Bewertet wird die neue Formel anschließend anhand technischer Daten, der Aufzeichnungen von Zwischenfällen, des Feedbacks der Teilnehmer sowie der Teilnehmerzahlen und der Erfahrungen aus Qualifikation und Rennen.
Strengere Anforderungen an die Teilnehmer
Nicht nur die Technik wird neu geregelt. Auch Teilnahmebedingungen und Qualifikationsstandards werden verschärft, mit größerem Gewicht auf aktueller Wettkampferfahrung, medizinischer Eignung und nachgewiesener Vorbereitung auf die Anforderungen des Mountain Course.
Damit greift der Veranstalter einen Punkt auf, der schon im Nachhaltigkeits-Review als Problem beschrieben wurde. Wer künftig auf der Insel starten will, muss belegen, dass er dem Anspruch der Strecke gewachsen ist und nicht nur gelegentlich Rennen fährt.

Wie fällt die Reaktion aus dem Fahrerlager aus?
Grundsätzlich positiv, aber mit einem deutlichen Vorbehalt bei den Kosten. Lee Crawford, der 2025 zwei Podiumsplatzierungen bei der Sidecar TT erreicht hat, bezeichnet die Rückkehr der Klasse als ideale Nachricht, warnt zugleich aber vor extremen Kosten bei der Umsetzung.
Für manche Teams dürfte die Umstellung nach seiner Einschätzung eine große Herausforderung werden. Das ist nachvollziehbar, denn ein anderer Motor samt Einheitselektronik bedeutet Umbauarbeit an jedem einzelnen Gespann, dazu kommen Anschaffungskosten. Wie hoch der Aufwand am Ende ausfällt, hängt davon ab, welche Umbauten das Reglement im Detail verlangt.
Wann liegt das vollständige Reglement vor?
Die technischen Vorschriften für 2027 werden derzeit ausgearbeitet und sollen laut Medienberichten noch vor Dezember 2026 verfügbar sein. Geregelt werden darin unter anderem die zulässigen Motoren, die erlaubten Modifikationen, die Elektronik, Chassis und Karosserie sowie Gewicht und technische Konformität.
Details zum Sportreglement, zu den Meldebedingungen und zum Zeitplan will der Veranstalter ebenfalls noch bekannt geben. Den Teams bliebe damit der Winter, um ihre Fahrzeuge umzurüsten. Die TT 2027 findet vom 31. Mai bis 12. Juni statt und dürfte damit zum wichtigsten Termin der Road-Racing-Saison werden.

Häufige Fragen
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Fahren die Seitenwagen bei der TT 2027 wieder mit?
Ja. Der Veranstalter hat am 9. September 2026 bestätigt, dass die Klasse ab 2027 wieder Teil der Tourist Trophy ist. Die Zusage gilt für drei Jahre bis einschließlich 2029, mit je zwei Rennen pro Veranstaltung.
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Welche Motoren sind für die Seitenwagen TT 2027 erlaubt?
Zugelassen sind seriennahe Motoren nach den technischen Vorschriften für britische Sportmotorräder. Der Veranstalter nennt unter anderem die Yamaha R7, die Aprilia RS660 und die Kawasaki Ninja 650, weitere Motoren innerhalb des Rahmens sind möglich. Die bisherigen 600-ccm-Vierzylinder entfallen.
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Warum wurde die Seitenwagen-Klasse bei der TT 2026 ausgesetzt?
Nach einem schweren Zwischenfall der Brüder Ryan und Callum Crowe in der Qualifikation setzte die Rennleitung die Klasse für den Rest der Veranstaltung aus. Der Schritt wurde mit Sicherheitsbedenken begründet und zog das Nachhaltigkeits-Review nach sich.
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Sind aerodynamische Anbauteile bei den Gespannen künftig verboten?
Separate Flügel, Tragflächen, Finnen und Spoiler werden untersagt. Für Böden, Unterverkleidungen, Radkästen und weitere aerodynamische Elemente gelten klarere Grenzen, damit die aerodynamische Entwicklung nicht weiter eskaliert.
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Wann erscheint das Reglement für die Seitenwagen TT 2027?
Das vollständige Regelwerk soll laut Medienberichten noch vor Dezember 2026 vorliegen. Damit bleibt den Teams der Winter, um ihre Gespanne auf die neuen Motoren und die einheitliche Steuerelektronik umzubauen.












