- Der neue Moto2-Motor ist laut Steve Sargent ausdrücklich nicht der Antrieb der Tiger Sport 800
- Die Entwicklungsrichtung ist diesmal umgedreht: erst der Rennmotor, danach das Serienmodell
- Der Hubraum liegt über 765 cm³, aber nicht bei 800 cm³ und unter den 850 cm³ der MotoGP
Anfang August haben Triumph und MotoGP gemeinsam bekannt gegeben, dass die Moto2-Weltmeisterschaft ab 2027 mit einem neuen Rennmotor fährt. Rund sechs Prozent mehr Spitzenleistung, zwei Kilogramm weniger Gewicht, ein neuer Zylinderkopf und ein veränderter Hubraum. Seitdem beschäftigt eine andere Frage die Branche stärker als die reinen Motordaten: Aus welchem Serienmotorrad stammt dieser Dreizylinder eigentlich, und in welchem wird er später landen. Die naheliegende Antwort ist inzwischen vom Tisch.
Woher stammt der neue Triumph-Dreizylinder?
Der neue Moto2-Motor basiert nicht auf der 798er-Plattform aus der Trident 800 und der Tiger Sport 800. Steve Sargent, Chief Product Officer bei Triumph, hat das laut Medienberichten unmissverständlich klargestellt.
Auf die Frage, ob der Rennmotor die Architektur der frisch eingeführten 800er-Modelle teilt, antwortete er: „It’s categorically not the Tiger Sport 800 engine. It’s a completely different set-up.“ Auf Deutsch: „Das ist kategorisch nicht der Motor der Tiger Sport 800. Es ist ein völlig anderer Aufbau.“
Damit fällt die Erklärung weg, die viele nach der Ankündigung für die naheliegendste hielten. Triumph hat die 798-cm³-Baureihe erst vor kurzem in den Markt gebracht, unter anderem in der Trident 800, die im Programm den Platz der eingestellten Street Triple R übernommen hat. Der Rennmotor hat mit dieser Baureihe nach Angaben des Herstellers nichts zu tun.
Warum ist die Entwicklungsrichtung diesmal umgedreht?
Weil Triumph zuerst den Rennmotor gebaut hat und das Serienmotorrad erst danach folgt. 2019 lief es genau andersherum.
Sargent beschreibt den Unterschied deutlich. Damals habe man einen fertigen Serienmotor gehabt, den man anschließend zum Rennmotor weiterentwickelt habe, diesmal sei das anders. Ausgangspunkt sei die Frage gewesen, was die Moto2 überhaupt braucht, um sich weiterzuentwickeln. Beim bisherigen 765er sei die Balance zwischen Leistung und Haltbarkeit ungefähr ausgereizt gewesen, deshalb habe eine Überarbeitung des bestehenden Aggregats nicht mehr gereicht.
Das ist mehr als eine Randnotiz. Bisher galt in der Moto2 immer, dass ein serienbasierter Motor zum Rennmotor umgebaut wurde. Das war bei dem Vierzylinder auf Basis der Honda CBR600RR so, der die Klasse bis 2018 prägte, und das war auch bei dem 765er der Fall, der von der Street Triple 765 RS abgeleitet ist. Erstmals startet nun ein Antrieb in der Klasse, der von Anfang an als Rennmotor gezeichnet wurde.

Was bedeutet das für die Street Triple 2027?
Triumph äußert sich offiziell ausschließlich zum Rennmotor. Ein Serienmodell mit diesem Antrieb ist damit aber nicht ausgeschlossen, im Gegenteil.
Sargent hält an dem Grundsatz fest, dass Rennsport und Serie bei Triumph zusammenhängen. Er spricht davon, dass der Moto2-Motor und die Straßenmotoren einander seit jeher befruchten und dass zwangsläufig ein Teil dessen, was für die Moto2 entwickelt wird, den Weg in Serienmotorräder finden wird. Einen Zeitpunkt nennt er nicht.
Ein Indiz liefert die Zulassungslage. Für das Modelljahr 2027 ist nach Medienberichten bislang nur die Street Triple 765 RX mit dem bekannten 765er zertifiziert. Für die RS, die R und die Moto2 Edition liegt demnach keine Freigabe vor. Ein Beweis ist das nicht, denn Zertifizierungen können nachgereicht werden. Es passt aber zu der Annahme, dass an einem neuen Serienmotor gearbeitet wird.
Wie groß ist der Hubraum des neuen Moto2-Motors?
Der Hubraum liegt über den bisherigen 765 cm³, aber nicht bei 800 cm³ und unterhalb der 850 cm³, die ab 2027 in der MotoGP gelten. Die genaue Zahl nennt Triumph erst später.
Diese Einordnung stammt von Sargent selbst und räumt mit einer verbreiteten Annahme auf. In vielen Berichten ist von einem 800er die Rede, was sich aus der Nähe zur neuen 798-cm³-Baureihe erklärt. Genau diese Zahl schließt Triumph aus. Zum Zeitplan sagte Sargent: „The big talking point in 2027 is changes to engine capacity and there will also be a change in Moto2. We will be revealing the exact capacity at a later date.“ Übersetzt: „Das große Gesprächsthema 2027 sind Änderungen beim Hubraum, und auch in der Moto2 wird es eine Änderung geben. Wir werden den genauen Hubraum zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.“
Es bleibt also ein Dreizylinder in Reihe, mit einem Hubraum irgendwo zwischen 765 und 850 cm³. Alles Weitere ist bisher offen.
Könnte daraus ein Supersportler werden?
Möglich ist es, bestätigt ist es nicht. In Medienberichten wird die Vermutung geäußert, dass der neue Motor auf ein vollverkleidetes Sportmotorrad hindeuten könnte.
Der Gedanke stützt sich auf zwei Beobachtungen. Zum einen bringt Triumph seit Jahren keine verkleidete Variante der Street Triple, obwohl der Name Daytona dafür bereitliegt. Zum anderen bewegt sich das Segment gerade: Modelle wie die Yamaha R9 und die KTM 990 RC R bedienen eine neue Generation von Supersportlern, die auch bei privaten Rennfahrern ankommt. Ein Serienmotorrad, das dieselbe technische Herkunft wie ein Moto2-Motorrad vorweisen kann, wäre für die Vermarktung ein starkes Argument.
Belegt ist davon nichts. Triumph hat kein entsprechendes Modell angekündigt, und Sargent hat sich zur Herkunft des Motors bewusst bedeckt gehalten.
Wie ist die Mittelklasse von Triumph aktuell aufgestellt?
Die sportliche Mittelklasse besteht derzeit aus der Trident 800 und den 765er-Modellen der Street Triple. Beide Baureihen decken unterschiedliche Ansprüche ab.
Die Trident 800 fährt mit 798 cm³ und leistet 115 PS (84,6 kW) bei 10.750 Umdrehungen pro Minute, das maximale Drehmoment liegt bei 84 Nm bei 8.500 Umdrehungen. Sie ist als Alltagsmotorrad ausgelegt, rollt auf voll einstellbaren Showa-Federelementen und kostet ab 9.695 Euro (circa 11.200 US-Dollar). Marktstart war im April 2026.
Deutlich sportlicher tritt die Street Triple 765 RX an, die seit Februar 2026 im Handel steht. Sie nutzt den bekannten 765-cm³-Dreizylinder mit 130 PS (95,6 kW) bei 12.000 Umdrehungen und 80 Nm bei 9.500 Umdrehungen. Dazu kommen eine voll einstellbare Öhlins-NIX30-Gabel mit 115 Millimetern Federweg, ein Öhlins-STX40-Federbein und Clip-on-Lenker, die für eine gestrecktere Sitzposition sorgen. Der Preis beginnt bei 13.995 Euro (circa 16.170 US-Dollar).
Darüber steht die weltweit auf 1.000 Stück limitierte Street Triple 765 Moto2 Edition. Sie bringt Karbonteile an Seitendeckeln, Vorderradabdeckung und Bugverkleidung mit, dazu eine einzeln nummerierte, aus dem Vollen gefräste obere Gabelbrücke und ein fahrfertiges Gewicht von 188 kg (415 Pfund). Sie kostet 15.795 Euro (circa 18.250 US-Dollar) und wird seit April 2026 ausgeliefert.

Was ist bis 2027 gesichert und was nicht?
Gesichert ist der Zeitplan für den Rennmotor. Alles, was das Serienmotorrad betrifft, ist es nicht.
Nach Angaben von Triumph läuft das Projekt seit rund zweieinhalb Jahren. Entwickelt wurde der Motor von der etwa 40 Mann starken Rennabteilung am Stammsitz in Hinckley. Die Erprobung beginnt grundsätzlich auf dem Prüfstand, weil ein völlig neuer Motor nach Sargents Worten nicht sofort unter einen Fahrer gehört. Danach folgt eine Belastungsphase auf der Strecke, bei der ehemalige und teils aktive Rennfahrer Runde um Runde nahe am Renntempo abspulen, ohne bis ans Limit zu gehen. Erste Streckentests sind für die kommenden Monate angekündigt, der Renneinsatz beginnt 2027. Der Vertrag mit Dorna läuft bis Ende 2029.
Eine Änderung, die zunächst ausbleibt, betrifft den Kraftstoff. Die Moto2 fährt derzeit mit 40 Prozent nachhaltigem Anteil und steigt 2027 noch nicht auf 100 Prozent um. Sargent begründet das damit, dass man nicht zu viele Dinge gleichzeitig verändern wollte, weil das die Entwicklungsarbeit erheblich erschwert.
Der neue Dreizylinder ist damit Teil eines größeren Umbaus, der 2027 alle Grand-Prix-Klassen erfasst. In der MotoGP sinkt der Hubraum auf 850 cm³, in der Moto2 steigt er. Welches Serienmotorrad am Ende von dieser Entwicklung profitiert, ist die letzte große offene Frage.
Häufige Fragen
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Kommt der Motor der Triumph Street Triple 2027 aus der Trident 800?
Nein. Steve Sargent hat ausgeschlossen, dass der neue Moto2-Motor auf der 798-cm³-Baureihe der Trident 800 und der Tiger Sport 800 basiert. Er sprach von einem völlig anderen Aufbau.
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Wie viel Hubraum hat der neue Triumph-Moto2-Motor?
Der genaue Wert ist offen. Bestätigt ist nur, dass er über den bisherigen 765 cm³ liegt, nicht bei 800 cm³ und unterhalb der 850 cm³ der MotoGP. Triumph will die Zahl später nennen.
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Wie stark ist der neue Rennmotor?
Triumph nennt keine absolute Leistung, sondern nur den Zuwachs von rund sechs Prozent gegenüber dem aktuellen Motor. Dazu kommen zwei Kilogramm weniger Gewicht und mehr Drehmoment über das gesamte Drehzahlband.
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Wann kommt ein Serienmotorrad mit dem neuen Motor?
Einen Termin gibt es nicht. Triumph äußert sich offiziell nur zum Rennmotor, betont aber, dass Erkenntnisse aus der Moto2 zwangsläufig in Serienmotorräder einfließen.
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Wechselt die Moto2 2027 auf 100 Prozent nachhaltigen Kraftstoff?
Nein. Die Klasse bleibt zunächst bei 40 Prozent nachhaltigem Anteil. Triumph wollte nicht zu viele Änderungen in einer Saison bündeln.












