- Crowe Brothers mit 47 Sekunden Vorsprung auf Peter Founds und Jevan Walmsley
- Neue Restriktoren senken die Höchstgeschwindigkeit von 161,6 auf 154,6 mph
- Session nach Vorfall bei Brandish mit roter Flagge vorzeitig beendet
Die Isle of Man TT 2026 hat am Dienstagabend ihr erstes zeitgewertetes Qualifying erlebt, und in der Sidecar-Klasse war das Ergebnis so eindeutig wie selten zuvor. Ryan und Callum Crowe fuhren aus dem Stand eine Rundenzeit von 19:08,900 Minuten, was einem Schnitt von 118,224 mph entspricht. Damit lagen die Titelverteidiger satte 47 Sekunden vor dem zweitplatzierten Gespann von Peter Founds und Jevan Walmsley. Trotz neuer technischer Einschränkungen untermauerten die Crowe Brothers ihre Favoritenrolle für die beiden Sidecar-Rennen der TT 2026 auf eindrucksvolle Weise.

Was ändern die neuen Sidecar-Regeln bei der TT 2026?
Die Sidecar-Klasse fährt in diesem Jahr erstmals mit 27-Millimeter-Restriktoren, die den Luftdurchsatz und damit die Motorleistung spürbar begrenzen. Der Effekt zeigte sich bereits im Speed Trap: Der bisherige Höchstgeschwindigkeitsrekord lag bei 161,6 mph, die Crowe Brothers erreichten im ersten Qualifying 154,6 mph. Das entspricht einem Rückgang von rund sieben Meilen pro Stunde, und das bei einem Team, das seine Abstimmung bereits intensiv auf die neuen Bedingungen hin optimiert hat.
Zusätzlich müssen alle Sidecar-Teams in diesem Jahr den sogenannten Manx-Fuel verwenden, einen lokal vorgeschriebenen Kraftstoff. Wie Alan Founds im Gespräch mit den Kommentatoren erklärte, liegt die Herausforderung vor allem in der Konsistenz des Kraftstoffs. Für die elektronische Motorsteuerung und das Mapping sei eine gleichbleibende Zusammensetzung entscheidend, und genau die sei bei Pumpbenzin weniger gegeben als bei Rennkraftstoff. Die elektronischen Systeme könnten das zwar bis zu einem gewissen Grad kompensieren, der tatsächliche Einfluss auf die Performance werde sich aber erst im Laufe der Woche zeigen.
Wie schnell sind die Crowe Brothers trotz der Einschränkungen?
Ryan und Callum Crowe fuhren mit ihrer stehenden Runde von 118,224 mph ein Tempo, das nur knapp unter ihrem Eröffnungsrundenniveau des Vorjahres lag. Das ist bemerkenswert, denn 2025 stellten sie mit 121,1 mph den schnellsten jemals gefahrenen Sidecar-Rundenschnitt auf dem Mountain Course auf. Dass sie trotz reduzierter Motorleistung bereits im ersten Training so nah an ihre Vorjahresform herankommen, überraschte selbst die erfahrenen Kommentatoren im Fahrerlager.
Der Vorsprung von 47 Sekunden auf Peter Founds und Jevan Walmsley verdeutlicht die aktuelle Überlegenheit des Teams. Die Crowe Brothers haben die letzten vier Sidecar-Rennen der TT gewonnen und tragen in diesem Jahr die Nummer eins. Ihr überarbeitetes LCR-Gespann mit Honda-Motor wurde in Zusammenarbeit mit Lumbley Engineering weiterentwickelt und stellt laut Hersteller einen deutlichen Schritt gegenüber dem Vorjahresmodell dar.

Alan Founds wechselt die Rolle: Vom Fahrer zum Mechaniker
Alan Founds, selbst mehrfacher TT-Podiumsfahrer, ist in diesem Jahr nicht als Fahrer gemeldet. Stattdessen unterstützt er seinen Bruder Peter im Team. Im Gespräch erklärte er, dass er sich im vergangenen Jahr vom aktiven Rennsport zurückgezogen habe, aber die TT nicht komplett hinter sich lassen könne. Er kümmert sich um die Elektronik und das Mapping im Gespann seines Bruders und beschrieb die Zusammenarbeit als typisch für die enge Sidecar-Gemeinschaft, in der sich die Teams gegenseitig unterstützen.
Alan Founds bestätigte, dass Peter Founds und Jevan Walmsley vor der TT Unterstützung von einem Teilehersteller erhalten hatten, der kurzfristig vor Beginn der Veranstaltung neue Komponenten lieferte. Diese seien bei Tests erprobt worden, und die bisherigen Ergebnisse stimmten das Team positiv.
Neues Chassis, neue Aerodynamik: Die technische Seite der Crowe Brothers
Das Crowe-Team ging mit einem neuen Chassis und einer komplett überarbeiteten Verkleidung in das Training. Die neue Verkleidung kam so spät an, dass sie erst wenige Minuten vor dem ersten Trainingsausritt fertig montiert werden konnte. Am Vortag hatte ein Kettenproblem die Verkleidung beschädigt, dazu kam ein loser Kabelstrang in der Elektrik, der während der Nachmittagspause gefunden und repariert wurde.
Das Chassis selbst wurde in Frankreich getestet und war laut Teamangaben bei der Erstausfahrt am Bray Hill sofort auf dem gewünschten Niveau. An der Fahrwerksabstimmung musste kaum etwas verändert werden, was dem Team Vertrauen für die kommenden Sessions gab. Der Fokus lag stattdessen auf der Aerodynamik: Da die Restriktoren die verfügbare Motorleistung begrenzen, versuchen die Teams, über bessere Aerodynamik Geschwindigkeit zu gewinnen. Die Crowe Brothers haben den Unterboden ihres Gespanns komplett geschlossen, um einen Bodeneffekt zu erzeugen, der das Fahrzeug stärker auf die Straße drückt.
Hitzeproblem durch geschlossene Aerodynamik
Die geschlossene Verkleidung hat allerdings einen Nachteil: Der Fahrer sitzt quasi eingekapselt über dem Motor, ohne nennenswerten Luftstrom. Die Abgasanlage verläuft im Inneren des Gespanns, die Bremsscheiben glühen bei starker Beanspruchung rot, und kleine Metallpartikel oder Gummistücke können den Fahrer treffen. Einige Teams experimentieren daher mit Abluftöffnungen an der Rückseite des Gespanns, um Wärme abzuführen. Die kühleren Abendtemperaturen am Dienstag dürften für die Fahrer eine willkommene Erleichterung gewesen sein, nachdem am Vortag mehrere Teams über die extreme Hitze im Cockpit geklagt hatten.

Welche anderen Sidecar-Teams fielen auf?
Lee Crawford und Scott Hardy, die im Vorjahr in beiden Rennen erstmals auf dem Podium standen, gingen mit Zuversicht in die neue Saison. Crawford fährt in diesem Jahr mit KTech-Federelementen an Front und Heck, und das Gespann machte laut Beobachtern aus dem Fahrerlager einen stabilen Eindruck.
Weniger Glück hatten einige andere Teams: Bruce und Ashley Moore mussten ihre Session nach einer Reifenpanne vorzeitig beenden. Ein weiteres Gespann blockierte die Vorderradbremse in einer Kurve, was auf eine zu weiche Abstimmung an der Front hindeutete. Maria Costello, die in diesem Jahr ihr 30. TT-Jubiläum feiert, stürzte bei Governor’s Dip, blieb aber unverletzt und konnte anschließend mit Beifahrer Shaun Parker in der Sidecar-Session an den Start gehen.
Warum wurde die Session mit roter Flagge beendet?
Die Sidecar-Session wurde etwa acht Minuten vor dem geplanten Ende mit roter Flagge gestoppt. Die Veranstalter teilten mit, dass die Rennleitung einen Vorfall bei Brandish bearbeite. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt gegeben, die Strecke blieb nach der roten Flagge gesperrt.
Bereits am Montag war es zu einem folgenschweren Zwischenfall gekommen: Am Ausgang des Parliament Square hatte es während des ungetimten Trainings einen Unfall gegeben, bei dem Fahrer Martin Morris und acht Zuschauer verletzt wurden. Sieben der Verletzten, darunter Morris selbst, wurden inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen, zwei Personen wurden zur weiteren Behandlung nach Großbritannien geflogen. Das Montagsqualifying war in der Folge komplett gestrichen worden.

Solo-Qualifying: Dean Harrison setzt die erste Bestmarke
Neben den Sidecars fanden am Dienstagabend auch die ersten Qualifying-Sessions der Solo-Klassen statt. In der Superbike-Wertung setzte Dean Harrison auf der Honda CBR1000RR-R von Honda Racing UK mit 133,925 mph die Bestzeit, ein deutlicher Vorsprung auf Michael Dunlop (130,341 mph) und Nathan Harrison (130,010 mph). Im Superstock führte Josh Brookes auf der DAO Racing Honda mit 130,197 mph vor Peter Hickman (129,420 mph). Michael Dunlop war zudem mit 125,955 mph der schnellste Supersport-Pilot, und Paul Jordan führte die Sportbike-Klasse mit 120,208 mph an.
Die TT 2026 steht damit nach einem turbulenten Start mit dem Montagszwischenfall und der roten Flagge am Dienstag bereits unter besonderer Beobachtung. Im Sidecar-Feld haben die Crowe Brothers ein unmissverständliches Signal gesendet: Trotz neuer Restriktoren und veränderter Rahmenbedingungen sind sie das Maß der Dinge auf dem Mountain Course, und die Konkurrenz hat erheblichen Rückstand aufzuholen.

Häufige Fragen
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Wie schnell waren die Crowe Brothers im ersten Sidecar-Qualifying der TT 2026?
Ryan und Callum Crowe fuhren im ersten zeitgewerteten Training eine stehende Runde mit einem Schnitt von 118,224 mph, was einer Rundenzeit von 19:08,900 Minuten entspricht. Damit lagen sie 47 Sekunden vor dem zweitplatzierten Gespann von Peter Founds und Jevan Walmsley.
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Was bewirken die neuen Sidecar-Restriktoren bei der TT 2026?
Die neuen 27-Millimeter-Restriktoren begrenzen die Motorleistung der Sidecar-Gespanne spürbar. Im Speed Trap sank die Höchstgeschwindigkeit von zuvor 161,6 mph auf 154,6 mph. Die Teams kompensieren den Leistungsverlust durch verbesserte Aerodynamik und optimierte Getriebeübersetzungen.
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Warum wurde das Sidecar-Qualifying am Dienstag abgebrochen?
Die Sidecar-Session wurde etwa acht Minuten vor dem geplanten Ende mit roter Flagge gestoppt. Grund war ein Vorfall bei Brandish, zu dem die Veranstalter zunächst keine weiteren Details bekanntgaben. Die Strecke blieb nach dem Abbruch gesperrt.
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Wer führt das Superbike-Qualifying der TT 2026 an?
Dean Harrison setzte auf der Honda CBR1000RR-R von Honda Racing UK mit 133,925 mph die schnellste Runde im ersten Superbike-Qualifying. Michael Dunlop folgte mit 130,341 mph auf Platz zwei, Nathan Harrison komplettierte die Top drei mit 130,010 mph.












