- 436,5 Kilometer mit einer Ladung, der alte Rekord lag bei 310,689 Kilometern
- Serien-DS mit optionalem Power Tank und 19,2 kWh Akkukapazität
- Alle drei Zero-Motorräder der Gruppe fuhren weiter als der bisherige Rekordhalter
Zero Motorcycles hat den Guinness-Weltrekord für die längste Fahrt mit einem Elektromotorrad und einer einzigen Akkuladung übernommen. Der Belgier Jelle Verstaen kam mit einer Zero DS auf 436,5 Kilometer. Das sind 125,8 Kilometer mehr als beim bisherigen Rekord, ein Plus von über 40 Prozent. Die Strecke wurde per GPS aufgezeichnet und laut Hersteller von Guinness World Records unabhängig geprüft und bestätigt. Für Zero kommt der Rekord in einem besonderen Jahr: Das 2006 gegründete Unternehmen feiert 2026 sein 20-jähriges Bestehen.

Wie weit fährt die Zero DS mit einer Akkuladung?
Offiziell gibt Zero für die DS eine Reichweite von bis zu 249 Kilometern im Stadtverkehr an. Bei der Rekordfahrt kam die Maschine mit zusätzlichem Power Tank auf 436,5 Kilometer.
Ab Werk hat die DS einen Akku mit 15,6 kWh maximaler Kapazität, nominal sind es 13,6 kWh. Der Power Tank ist ein regulär erhältliches Zubehör und bringt weitere 3,6 kWh mit. Zusammen ergibt das 19,2 kWh. Für die gemischte Fahrt aus Stadt und Autobahn nennt Zero deutlich kleinere Werte: 185 Kilometer bei 89 km/h und 161 Kilometer bei 113 km/h. Die Rekorddistanz liegt damit weit über allen offiziellen Angaben. Nach Darstellung des Herstellers zeigt sie, wie viel Reichweite sich mit vorausschauender Fahrweise aus dem vorhandenen Akku holen lässt.
Technische Daten der Zero DS
Der Motor vom Typ Z-Force 75-7 ist ein passiv luftgekühlter Wechselstrommotor mit innenliegenden Permanentmagneten. Er leistet maximal 61 PS (45 kW) bei 3.650 U/min, die Dauerleistung liegt bei 15 PS (11 kW). Das Drehmoment gibt Zero mit 132 Nm (97 lb-ft) an, die Höchstgeschwindigkeit mit 139 km/h. Die Kraft geht ohne Kupplung und Schaltgetriebe direkt über einen Zahnriemen von Gates ans Hinterrad.
Leer wiegt die DS 239 kg (527 lbs). Sie rollt auf Gussrädern in 19 Zoll vorne und 17 Zoll hinten, ab Werk mit Pirelli Scorpion Trail II. Vorne arbeitet eine voll einstellbare 47-mm-Gabel von Showa, hinten ein Showa-Federbein, jeweils mit 190 Millimetern Federweg. Der integrierte Lader schafft 3,3 kW. Damit dauert das Laden von 20 auf 80 Prozent laut Hersteller 2,5 Stunden.
Welche Rolle spielte der Power Tank beim Rekord?
Der Power Tank war die einzige Abweichung vom Grundmodell und ist bei Zero als Zubehör im Programm. Darüber hinaus blieb das Motorrad nach Herstellerangaben komplett serienmäßig.
Zusätzliche Akkus oder technische Änderungen gab es nicht. Auch Reifen und Reifendruck entsprachen dem Serienzustand. Selbst ein Wechsel auf Reifen mit geringerem Rollwiderstand war nach den Vorgaben von Guinness ausgeschlossen, denn das Motorrad musste regulär erhältlich und unverändert sein. Als Grund für die Distanz nennt Zero die hohe Energiedichte des Z-Force-Akkus, geringe Verluste im Antriebsstrang und die Rekuperation. Gemeint ist damit die Rückgewinnung von Energie beim Bremsen und im Schiebebetrieb, die Strom zurück in den Akku speist.
Warum Zero für den Rekord die DS wählte
Bei der Modellwahl ging es laut Zero um Effizienz und Komfort. Die Gussräder der DS sollen aerodynamische Vorteile gegenüber den Speichenrädern der stärkeren DSR/X bieten. Der schwächere Motor hält zudem das Gewicht niedrig. Die vollverkleidete SR/S wäre zwar leichter und windschlüpfiger gewesen. Für eine Fahrt, die voraussichtlich mehr als acht Stunden dauern sollte, gab aber die aufrechte Sitzposition der DS den Ausschlag.

Wo fand die Rekordfahrt statt?
Die Fahrt führte von Les Claux bei Vars in den französischen Alpen bis an die Mittelmeerküste. Gestartet wurde gegen 19 Uhr, gefahren wurde durch die Nacht.
Die Route verlief über Nebenstraßen und französische Départementstraßen mit jeweils einer Spur pro Richtung. Autobahnen waren tabu. Unterwegs ging es über Bergpässe, durch Städte und Dörfer und über offene Landstraßen. Ein Zwischenstopp führte die Gruppe nach Arles. Die Fahrer hielten nachts außerdem kurz für Snacks und Toilettenpausen an. Begleitet wurden sie von einem Fahrzeug für Videoaufnahmen und zwei Transportern, die die Motorräder einsammeln sollten, sobald deren Akkus leer waren.
Bis zur Camargue blieb es trocken und mild. Dann zog ein heftiges Unwetter auf, das bis zum Ziel anhielt. Die letzten 100 Kilometer fuhr die Gruppe im strömenden Regen, in den letzten rund 25 Minuten kamen stürmische Seitenwinde dazu.
Mit welcher Fahrweise kam die Zero DS so weit?
Entscheidend war nach Angaben des Teams nicht eine einzelne Maßnahme, sondern die Kombination aus Streckenwahl, Tempo und Technik. Ziel war ein möglichst gleichmäßiger Fahrfluss ohne ständiges Anfahren und Bremsen.
Deshalb wurde nachts gefahren, wenn weniger Verkehr unterwegs ist. Die Route war so geplant, dass Stopps an Ampeln und Kreuzungen möglichst selten vorkamen. Wo Straßenverhältnisse und Tempolimits es zuließen, hielt die Gruppe im Schnitt etwa 52 km/h. Der Grund ist der Luftwiderstand: Er steigt mit der Geschwindigkeit, und der Verbrauch steigt mit ihm deutlich an.
Auf den Bergabfahrten in den Alpen nutzte Verstaen gezielt die Rekuperation. Eigene Fahrmodi erlaubten es, Leistungsabgabe und Bremswirkung der Rekuperation an die Bedingungen anzupassen, der Tempomat half beim gleichmäßigen Tempo. Auf ausgewählten Abschnitten zog das Team sogar in Betracht, den Motor über den Notausschalter abzuschalten, um den Widerstand im Antriebsstrang zu senken. Auch der Reifendruck spielte eine Rolle, allerdings innerhalb der Serienvorgaben.

Wie wurde der Weltrekord überprüft?
Die Fahrt wurde mit zwei professionell geprüften GPS-Trackern aufgezeichnet und anschließend von einer Jurorin von Guinness World Records kontrolliert. Damit sollte so wenig Raum für Zweifel wie möglich bleiben.
Vor dem Start wurde die DS vollständig geladen und der Ladeanschluss mit Klebeband versiegelt. So wäre ein Nachladen unterwegs sofort aufgefallen. Ein Fahrtenbuch hielt Uhrzeiten, Pausen, Standortfotos und Zeugenaussagen fest. Ein Zeuge fuhr im Begleitfahrzeug mit. Am Ziel prüfte Anouk de Timary, die für Guinness World Records vor Ort war, die Belege mehr als eine Stunde lang, erfasste die endgültigen Werte und nahm Aussagen auf.
Drei Zero-Motorräder fahren über den alten Rekord hinaus
Verstaen war nicht allein unterwegs. Drei Fahrer starteten gemeinsam auf drei serienmäßigen Motorrädern von Zero, und alle drei kamen über die alte Marke von 310,689 Kilometern hinaus.
Der Franzose Louis Renaud ist Kunde von Zero und sollte ursprünglich nur als unabhängiger Zeuge dabei sein. Er entschied sich dann, mit seiner eigenen, serienmäßigen SR/S mitzufahren. Bei 350 Kilometern beendete er seine Fahrt mit 4 Prozent Restladung, gerade als der Regen stärker wurde. Jenny Brookes, Senior Global Brand Manager bei Zero, kam auf einer serienmäßigen DSR/X 384 Kilometer weit, bis der Akku leer war. Einen Teil der Strecke fuhr sie mit dem Videografen als Sozius durch den Regen. Nachdem das Display bereits 0 Prozent zeigte, legte sie noch 15 Kilometer zurück. Verstaen kam mit der DS am weitesten: Erst bei 436,5 Kilometern war der Akku leer und das GPS blieb stehen.
Zero-Chef Pierre-Martin Bos sieht genau darin den Kern der Aktion: „A record only means something if riders can relate to it. These were three production motorcycles, exactly as they leave our dealers, ridden on public roads — one of them by a Zero Motorcycles customer. All three surpassed the previous record. That is no one-off; it demonstrates what our technology can deliver today, and we intend to keep raising the bar.“ Auf Deutsch: „Ein Rekord bedeutet nur dann etwas, wenn Motorradfahrer sich damit identifizieren können. Das waren drei Serienmotorräder, genau so, wie sie unsere Händler verlassen, gefahren auf öffentlichen Straßen, eines davon von einem Kunden von Zero Motorcycles. Alle drei haben den bisherigen Rekord übertroffen. Das ist kein Einzelfall, sondern zeigt, was unsere Technologie heute schon leisten kann, und wir wollen die Messlatte weiter anheben.“

Wer hielt den bisherigen Rekord?
Der bisherige Rekord von 310,689 Kilometern stammte von Verge Motorcycles aus Finnland. Die Briten Sam Clarke und Sara Sloman fuhren ihn am 22. März 2025 mit einer unveränderten Verge TS Pro rund um London.
Die Fahrt führte damals durch Vororte innerhalb des Londoner Autobahnrings M25 und dauerte etwas mehr als 16 Stunden. Die beiden Fahrer wechselten sich in regelmäßigen Abständen ab, der Verkehr entsprach dem einer Großstadt. Auch hier war der Ladeanschluss versiegelt, die Strecke wurde per Tracker aufgezeichnet. Laut Verge hatte der Akku nach dem Rekord noch etwa 7 Prozent Ladung. Im Schnitt war die Verge damals mit rund 12 mph unterwegs, also etwa 19 km/h. Die Zero-Gruppe fuhr mit etwa 52 km/h deutlich zügiger.
Was will Zero mit dem Rekord zeigen?
Zero will mit der Fahrt vor allem die Sorge um die Reichweite entkräften. Marketingchef Jarno Middelbosch bezeichnet diese Sorge als Hürde für viele potenzielle Käufer von Elektromotorrädern.
Middelbosch verweist darauf, dass Zero seit 20 Jahren an der Technik von Elektromotorrädern arbeitet und die Kunden der Marke inzwischen Millionen von Kilometern gefahren sind. Mit einer Reichweite von mehr als 400 Kilometern unter realen Bedingungen will das Unternehmen nach seinen Worten zeigen, was möglich ist, und eine neue Generation von Fahrern für die Marke gewinnen. Er betont dabei, dass die Werkzeuge für eine größere Reichweite von der Rekuperation bis zum effizienten Antriebsstrang zur Serienausstattung gehören. Es kommt also darauf an, sie gezielt einzusetzen.

Was kostet die Zero DS und wer darf sie fahren?
Die Zero DS kostet in Deutschland laut Hersteller 17.660 Euro (circa 19.760 US-Dollar). Der Power Tank aus der Rekordfahrt kostet zusätzlich 4.009 Euro (circa 4.485 US-Dollar).
Die DS ist ein Dual-Sport-Motorrad, also eine Mischung aus Straßenmaschine und leichter Reiseenduro. Innerhalb der Modellpalette ist sie die leichtere Schwester der DSR/X. Gefahren werden darf sie mit dem Führerschein der Klasse A1, in Deutschland auch mit der Schlüsselzahl B196 zum Pkw-Führerschein. Zero gibt auf Motorrad und Akku jeweils fünf Jahre Garantie, beim Akku ohne Kilometerbegrenzung.

Häufige Fragen
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Wie groß ist die Reichweite der Zero DS?
Zero gibt für die DS bis zu 249 Kilometer im Stadtverkehr an. Bei 89 km/h sind es laut Hersteller 185 Kilometer, bei 113 km/h 161 Kilometer. Mit dem optionalen Power Tank kam eine Serien-DS bei der Rekordfahrt auf 436,5 Kilometer.
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Wie lautet der Guinness-Rekord für Elektromotorräder mit einer Ladung?
Der aktuelle Guinness-Weltrekord liegt bei 436,5 Kilometern und wurde mit einer Zero DS aufgestellt. Der bisherige Rekord von 310,689 Kilometern wurde 2025 mit einer Verge TS Pro in London gefahren.
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Wie viel kWh hat die Zero DS mit Power Tank?
Der Akku der DS hat ab Werk 15,6 kWh maximale Kapazität. Der Power Tank ergänzt 3,6 kWh, zusammen sind es 19,2 kWh.
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Was kostet die Zero DS?
Die unverbindliche Preisempfehlung in Deutschland liegt bei 17.660 Euro (circa 19.760 US-Dollar). Der optionale Power Tank kostet 4.009 Euro (circa 4.485 US-Dollar) extra.
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Darf man die Zero DS mit dem Autoführerschein fahren?
Ja, in Deutschland ist das mit der Schlüsselzahl B196 möglich. Ansonsten reicht der Führerschein der Klasse A1.












