- Der Produktionsstart war bislang für März 2028 vorgesehen, Flasch bringt nun 2027 ins Spiel
- Das Video zeigt eine geänderte Abgasanlage, andere Bremszangen und einen serientauglichen Luftfilterkasten
- Basis bleibt der Big Boxer der R 18 mit 1.802 Kubik, für die R20 auf rund 2.000 Kubik vergrößert
Seit dem Frühjahr 2024 hält BMW Motorrad die Motorradwelt mit der R20 hin. Damals rollte Markus Flasch die Studie beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este auf die Bühne, knallrosa lackiert, mit riesigem Boxermotor und fast nichts drumherum. Seitdem ist viel passiert: sechs seriennahe Prototypen auf einem Foto im Mai 2026, Erlkönig-Aufnahmen im August, und jetzt ein offizielles BMW-Video, in dem eine schwarze R20 ohne Tarnung durchs Bild fährt. Offiziell ist das Motorrad immer noch eine Studie. Praktisch spricht der Firmenchef darin schon über den Verkaufsstart.
Warum will Markus Flasch die BMW R20 früher auf den Markt bringen?
Flasch ist die ersten Prototypen selbst gefahren und will den Zeitplan deshalb straffen. Im Video sagt er dazu: „So I’m so much looking forward to bring this to sales and maybe we’ll get it a bit accelerated because it’s already in such a good shape. I think I need to talk to my engineers.“ Auf Deutsch: „Ich freue mich sehr darauf, sie in den Verkauf zu bringen, und vielleicht bekommen wir das ein wenig beschleunigt, weil sie schon in so gutem Zustand ist. Ich glaube, ich muss mit meinen Ingenieuren sprechen.“
Er beschreibt außerdem, wie sich die Maschine anfühlt: „The torque is amazing. The sound is amazing.“ Also: „Das Drehmoment ist beeindruckend. Der Sound ist beeindruckend.“ An die Grundidee erinnert er sich als Bild von „an engine with very little motorcycle around it, the complete reduction, like a minimalist approach, but a huge engine“, zu Deutsch: „ein Motor mit sehr wenig Motorrad drumherum, die vollständige Reduktion, ein minimalistischer Ansatz, aber ein riesiger Motor.“
Das ist mehr als eine Randbemerkung. Laut Medienberichten war der Produktionsstart des Serienmodells bislang für März 2028 geplant, dieses Datum sei einem Fachmedium zugespielt worden. Wenn Flasch seinen Wunsch durchsetzt, könnte die R20 stattdessen schon im Laufe des Jahres 2027 in Serie gehen.
Was zeigt das neue BMW-Video von der R20?
Das Video ist die erste Folge der BMW-Reihe „The Ones Who Ride“ und trägt den Titel „Vision“. Es dauert knapp zehn Minuten, erschien am 4. September 2026 und dreht sich um Flasch selbst, seine Motorräder und seinen Blick auf die Marke. Neben der R20 kommen darin auch die Sechszylinder-Studie Vision K18 und das Goodwood Festival of Speed vor.
Zwischen den Aufnahmen taucht immer wieder eine schwarze R20 auf, die deutlich weiter entwickelt ist als die Studie von 2024. BMW selbst bezeichnet das Motorrad auf der zugehörigen Seite weiterhin als R20 Concept. Einen Termin, einen Preis oder finale technische Daten nennt der Hersteller nicht. Offiziell hat BMW mit dem Video also nichts angekündigt. Gezeigt hat der Konzern trotzdem ein Motorrad, das kaum noch nach Studie aussieht.
Welche Technik hat sich gegenüber der Studie geändert?
Die auffälligsten Änderungen betreffen Abgasanlage, Ansaugung und Bremsen. Die Studie fuhr mit einer durchgehenden Anlage und übergroßen Megafon-Endtöpfen, also ohne Dämpfung und ohne Katalysator. Am Motorrad im Video sitzt stattdessen eine tiefer liegende Konstruktion, die offenbar um einen großen Sammelkasten herum gebaut ist. Darin dürfte auch der Katalysator stecken. Die kurzen Endstücke am Heck sind geblieben, ein großer Teil der Technik ist unter den Motorblock gewandert.
Am anderen Ende des Motors fehlen die offenen Ansaugtrichter aus Aluminium. An ihrer Stelle sitzt ein geschlossener Luftfilterkasten unter dem frei schwebenden Solo-Sattel, wie ihn eine Typgenehmigung verlangt. Auch die Bremsen sind bodenständiger geworden: Aus den aufwendig gefrästen Sechskolben-Zangen des schwedischen Herstellers ISR sind konventionell wirkende Vierkolben-Zangen mit BMW-Schriftzug geworden, die vermutlich auch am Serienmodell sitzen. Die Gabel wirkt ebenfalls weniger exotisch als an der Studie.
Vieles andere ist geblieben. Der große runde LED-Scheinwerfer sieht aus wie 2024, die markante zweiseitige Schwinge hat nur kleine Änderungen erfahren, und Tank, Sitzposition und kurzer Radstand halten das Bild des Muskelmotorrads aufrecht. Verschoben haben sich die Fußrasten etwas nach hinten, der Lenker steht etwas höher. Das deutet auf eine Ergonomie hin, die im Alltag funktionieren soll.
Was die Erlkönige aus dem August bereits verraten haben
Im August 2026 tauchten Fotos eines Testmotorrads auf, die viele dieser Details vorweggenommen haben. Zu sehen waren Reflektoren an der Gabel, ein umlaufender Kennzeichenhalter und Blinker, die zugleich als Rücklicht dienen. Messtechnik zum Aufzeichnen von Fahrdaten war nicht zu erkennen, was für ein weit fortgeschrittenes Stadium spricht.
Vor dem Motor sitzt ein großer Ölkühler, direkt darüber ein dezenter Lenkungsdämpfer. Beides fehlte an der Studie. Der Radstand von 1.550 Millimetern und der Lenkkopfwinkel von 62,5 Grad stammen noch aus den Angaben zur Studie, die Testmaschine wirkt in den Proportionen ähnlich. Der Hinterreifen ist von 200/55 auf 190/55 in 17 Zoll geschrumpft. Vorn läuft ein Speichenrad, hinten ein Gussrad. Nach Angaben von Fachmedien wurden Testmotorräder sowohl in Deutschland als auch in Südfrankreich gesichtet. Auf Nachfrage wollte sich BMW zu den Bildern nicht äußern.
Wie viel Leistung hat die BMW R20?
Offiziell ist dazu bislang nichts bekannt. BMW hat weder Leistung noch Drehmoment, weder Gewicht noch Elektronikausstattung genannt. Fest steht nur der Hubraum von rund 2.000 Kubik. Der luft- und ölgekühlte Zweizylinder-Boxer ist eine vergrößerte Version des Big Boxer aus der R 18, der es auf 1.802 Kubik bringt.
Als Anhaltspunkt taugen die Werte der R 18: 91 PS (67 kW) bei 4.750 Umdrehungen und 163 Nm (120 lb-ft) bei 3.000 Umdrehungen. Für die R20 werden in Fachkreisen 180 bis 200 Nm (133 bis 148 lb-ft) und mindestens 120 PS (88 kW) erwartet. Belastbar ist das nicht. Die Daten der Studie lassen sich ohnehin nicht eins zu eins auf das schwarze Vorserienmotorrad übertragen, weil sich Bremsen, Ansaugung und Auspuff bereits verändert haben.
Wann kommt die BMW R20 auf den Markt?
Ein offizieller Termin fehlt weiterhin. Der bisher genannte Plan sieht den Produktionsstart für März 2028 vor, spätestens im Frühjahr 2028 soll das Motorrad also gebaut werden. Flaschs Äußerung im Video verschiebt diese Erwartung nach vorn, verbindlich ist sie aber nicht. Der Chef spricht von einem Wunsch und davon, dass er mit den Ingenieuren reden müsse.
Als nächster realistischer Anlass für eine echte Vorstellung gilt die EICMA in Mailand im November 2026. Dort könnte BMW erstmals ein Datenblatt zeigen und einen Verkaufsstart nennen.
Der Big Boxer wächst zur eigenen Baureihe
Die R20 steht nicht allein. BMW hat mit der R 18 und der R12 bereits zwei Modellfamilien um Boxermotoren herum aufgebaut, und vieles spricht dafür, dass der Name R20 künftig ebenfalls für mehrere Varianten steht. Für den Modelljahrgang 2027 und 2028 wäre das der auffälligste Neuzugang im Programm der Marke, der zugleich zeigt, in welche Richtung BMW die Retro-Baureihen entwickelt. Der Konzern setzt beim größten je gebauten Boxer nicht auf einen Cruiser, sondern auf einen Roadster mit sportlicher Sitzposition.
Häufige Fragen
-
Wann kommt die BMW R20 auf den Markt?
Ein offizieller Termin liegt nicht vor. Der bisher berichtete Plan nennt März 2028 als Produktionsstart, spätestens Frühjahr 2028. BMW-Chef Markus Flasch hat im September 2026 angedeutet, dass er den Start gerne auf 2027 vorziehen möchte.
-
Wie viel Hubraum hat die BMW R20?
Der Boxermotor der R20 kommt auf rund 2.000 Kubik. Er ist eine vergrößerte Version des Big Boxer aus der R 18, der 1.802 Kubik hat. Damit wäre es der größte Motor, den BMW Motorrad je gebaut hat.
-
Was hat sich gegenüber der R20 Concept geändert?
Auffällig sind drei Punkte: die Abgasanlage mit tief liegendem Sammelkasten statt offener Megafon-Endtöpfe, ein geschlossener Luftfilterkasten anstelle der offenen Ansaugtrichter und Vierkolben-Bremszangen von BMW statt der Sechskolben-Zangen von ISR. Optik, Schwinge und Scheinwerfer sind dagegen weitgehend gleich geblieben.
-
Wird die BMW R20 auf der EICMA 2026 vorgestellt?
Bestätigt ist das nicht. Die Messe in Mailand im November 2026 gilt aber als naheliegender Termin für eine offizielle Präsentation samt technischer Daten. BMW selbst spricht bislang weiterhin von einer Studie.












