- NHTSA-Rückrufnummer 26V478, Meldeeingang am 23. Juli 2026
- Betroffen sind die Modelljahre 2020 bis 2026 sowie eine gesondert gelistete US-Version des Modelljahres 2024
- Rund 300 dokumentierte Fälle weltweit, davon etwa zehn in Deutschland
Ein kleines Bauteil im Zündschloss bringt BMW eine umfangreiche Werkstattaktion ein. Bei der supersportlichen S 1000 RR kann sich ein elektrischer Kontakt im Zündschloss mit der Zeit abnutzen. Die Folge ist ein Wackelkontakt, der im schlimmsten Fall den Motor während der Fahrt abstellt und gleichzeitig Display, Licht und ABS lahmlegt. Den Anfang macht der US-Markt, andere Länder sollen folgen.

Welche Modelle sind vom Rückruf betroffen?
Der Rückruf gilt der BMW S 1000 RR der Modelljahre 2020 bis 2026, zusätzlich führt die US-Behörde NHTSA eine eigene US-Version des Modelljahres 2024 auf. In den Vereinigten Staaten sind damit 16.736 Maschinen erfasst.
Technisch geht es um die zweite Generation des Superbikes mit der internen Typbezeichnung K67. Von dieser Baureihe hat BMW nach eigenen Angaben von Januar 2019 bis Juli 2026 rund 77.000 Exemplare produziert und weltweit ausgeliefert. Diese Zahl beschreibt zunächst die Produktionsmenge, nicht die bereits offiziell erfasste Rückrufmenge. BMW will trotzdem jede Maschine dieser Serie in die Aktion aufnehmen. Auf Deutschland entfallen nach Werksangaben rund 7.000 Exemplare.
Was genau ist am Zündschloss defekt?
Im Zentrum steht die sogenannte Klemme 15 im Kunststoffgehäuse des Zündschlosses. Über diesen Kontakt wird der Pluspol der 12-Volt-Batterie auf das Bordnetz geschaltet, also genau der Moment, in dem sich die Zündung einschaltet und die Elektronik hochfährt.
Das Zündschloss stammt vom deutschen Zulieferer GKS und trägt die Teilenummer 51257108720. In den Unterlagen der NHTSA wird das Bauteil als „anscheinend nicht robust genug konstruiert“ beschrieben. Verantwortlich für die Abnutzung sind offenbar die hochfrequenten Vibrationen des über 200 PS starken Reihenvierzylinders. Sie wirken dauerhaft auf den Kontakt und beschädigen ihn mit der Zeit. Die genaue Untersuchung im Werk ist noch nicht abgeschlossen.

Welche Folgen kann der Wackelkontakt im Fahrbetrieb haben?
Wenn die Stromversorgung über Klemme 15 kurz abreißt, verliert das Bordnetz Spannung. Das kann mehrere sicherheitsrelevante Systeme gleichzeitig treffen.
Im Einzelnen nennen die Rückrufunterlagen den Ausfall des Kombiinstruments, den Ausfall der Heckbeleuchtung samt Blinker und Bremslicht sowie den Ausfall des ABS. Weil auch Benzineinspritzung und Zündung betroffen sein können, stirbt der Motor unter Umständen mitten in der Fahrt ab, ohne Vorwarnung und auch im Stand. Die NHTSA stuft den Fall deshalb als sicherheitsrelevant ein und spricht von einem erhöhten Sturzrisiko. Unfälle oder Verletzungen, die sich auf den Defekt zurückführen lassen, sind BMW und der Behörde bislang nicht bekannt.
Wie BMW dem Problem auf die Spur kam
Aufmerksam wurde der Hersteller im April 2025, als die Zahl der Garantiefälle rund um das Zündschloss spürbar zunahm. Eine erste Auswertung ergab eine Fehlerquote von unter 0,1 Prozent der Flotte.
Bei der Untersuchung ausgetauschter Bauteile zeigte sich ein wiederkehrendes Muster: vibrationsbedingter Verschleiß an einem Kontaktpin. Im April 2026 lag die Quote der auffälligen Fahrzeuge bereits bei rund 0,5 Prozent, mit weiter steigender Tendenz. Für BMW war das der entscheidende Hinweis darauf, dass die Wahrscheinlichkeit mit der Laufleistung wächst. Bisher sind rund 300 Fälle dokumentiert, davon etwa zehn in Deutschland. Im Zuge der Analyse wurden auch andere Vierzylindermodelle geprüft.

Wann werden betroffene Halter benachrichtigt?
Die US-Händler wurden am 30. Juli 2026 informiert, die Halter sollen um den 14. September 2026 herum ein erstes Schreiben erhalten. Ein zweites Schreiben folgt, sobald die Reparaturlösung freigegeben ist.
Diese Lösung befindet sich noch in der Entwicklung. Ob am Ende ein reiner Tausch des Zündschlosses steht oder ein umfangreicheres Paket, ist damit offen. Fest steht, dass die Maßnahme für die Halter kostenlos ist. Ab dem 14. September 2026 sollen die betroffenen Fahrgestellnummern in der NHTSA-Datenbank abrufbar sein, sodass sich dort online prüfen lässt, ob eine bestimmte Maschine erfasst ist. Für Rückfragen nennt BMW in den USA die Kundendienstnummer 1-800-525-7417, die NHTSA ist unter 1-888-327-4236 erreichbar.
Was gilt für Halter in Deutschland?
Für Deutschland gibt es bislang keinen konkreten Zeitplan. Das Kraftfahrt-Bundesamt hatte Ende Juli noch keine eigene Veröffentlichung zu diesem Zündschloss-Rückruf.
Erst wenn BMW die Unterlagen fertig hat, soll der Rückruf auch hierzulande offiziell anlaufen. Für Europa, Asien und Australien ist ein Start in den nächsten Wochen und Monaten geplant. Ob eine bestimmte Maschine dazugehört, zeigt die Fahrgestellnummer. BMW-Händler können sie prüfen, außerdem bietet BMW eine Abfrage über seine Serviceportale und Apps an. Erfasst werden auch Motorräder, deren Zündschloss schon einmal wegen eines Wackelkontakts repariert wurde, sowie alle S 1000 RR, die noch neu gebaut werden.

Welche Symptome deuten auf das Problem hin?
Der Fehler kann sich durch kurze Stromaussetzer bemerkbar machen. Dazu gehören ein Kombiinstrument, das kurz flackert oder dunkel wird, Licht, das für einen Moment wegbleibt, und ein Motor, der ohne Grund abstirbt.
Wer so etwas an seiner S 1000 RR bemerkt, fährt bis zur Klärung besser zurückhaltend und lässt die Maschine bald in einer BMW-Werkstatt ansehen. Mit jedem Kilometer nutzt sich der Kontakt weiter ab. Deshalb steigt das Risiko mit der Laufleistung.
Sind andere BMW-Modelle vom Zündschloss-Rückruf betroffen?
Nein, die Aktion beschränkt sich auf die S 1000 RR der Baureihe K67. Für M 1000 RR, S 1000 R, S 1000 XR und M 1000 XR gibt es laut den Rückrufunterlagen keine Hinweise auf denselben Defekt.
Parallel entsteht bereits die dritte Generation der S 1000 RR. Vorserienmaschinen fuhren im Juli 2026 kaum getarnt auf der Nürburgring-Nordschleife.

Häufige Fragen
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Welche Baujahre betrifft der BMW S 1000 RR Rückruf?
Erfasst sind die Modelljahre 2020 bis 2026 sowie eine gesondert aufgeführte US-Version des Modelljahres 2024. Technisch geht es um die zweite Generation mit der Typbezeichnung K67, die seit Januar 2019 gebaut wird.
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Wie viele Motorräder sind betroffen?
In den USA sind laut NHTSA 16.736 Maschinen erfasst. Für Deutschland nennt BMW rund 7.000 Fahrzeuge, weltweit wurden von der zweiten Generation etwa 77.000 Exemplare gebaut.
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Was kostet die Reparatur?
Die Maßnahme ist für Halter kostenlos. Wie umfangreich der Werkstattaufenthalt ausfällt, hängt von der technischen Lösung ab, die BMW derzeit noch entwickelt.
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Darf die Maschine weiter gefahren werden?
Ein Fahrverbot wurde nicht ausgesprochen, die NHTSA hat weder einen Park- noch einen Fahrstopp verhängt. Bei elektrischen Aussetzern, flackerndem Display oder unerklärlichen Motorabschaltungen ist ein Werkstattbesuch trotzdem ratsam.
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Ist die BMW M 1000 RR ebenfalls betroffen?
Nein. Nach Werksangaben ist nur die S 1000 RR der Baureihe K67 betroffen. Auch bei S 1000 R, S 1000 XR und M 1000 XR gibt es keine Hinweise auf denselben Fehler.












