- Die ehemalige Werks-MV-Agusta von 1965 erzielte einen Zuschlag von 967.000 Pfund (circa 1.116.000 Euro / 1.305.000 US-Dollar) bei einem Schätzpreis von 160.000 bis 220.000 Pfund.
- Barry Sheenes WM-Suzuki RG500 XR14 von 1977 wurde für 506.000 Pfund (circa 584.000 Euro / 683.000 US-Dollar) versteigert, mehr als das Doppelte der Erwartung.
- Beide Maschinen wurden ohne Mindestpreis angeboten und waren Teil der „Connoisseurs Collection, Part II“.
Die Bonhams Spring Stafford Sale gehört seit Jahren zu den wichtigsten Terminen im Kalender für Sammler historischer Motorräder. Am Wochenende des 25. und 26. April 2026 fand die Auktion erneut im Rahmen der International Classic MotorCycle Show auf dem Staffordshire County Showground statt, mit mehr als 350 Losen über zwei Tage verteilt. Doch zwei Maschinen stahlen allen anderen die Schau: Eine MV Agusta Vierzylinder 500cc aus dem Jahr 1965 und eine Suzuki RG500 XR14 aus dem Jahr 1977, die gemeinsam knapp 1,5 Millionen Pfund (circa 1,73 Millionen Euro / 2,03 Millionen US-Dollar) erzielten.

Die MV Agusta 500cc Grand Prix von 1965: Fast eine Million Pfund für lebendige Geschichte
Das Highlight der Auktion war zweifellos die ehemalige Werksmaschine von MV Agusta. Die Vierzylinder-500cc-Grand-Prix-Maschine stammt aus der dominanten Phase der italienischen Marke Mitte der 1960er Jahre und soll von Mike Hailwood, Giacomo Agostini oder beiden während der Saison 1965 eingesetzt worden sein. In jenem Jahr sicherte sich Hailwood seinen vierten 500cc-Weltmeistertitel in Folge, bevor er zu Honda wechselte. Agostini beendete die Saison als Vizeweltmeister.
Der Schätzpreis lag bei 160.000 bis 220.000 Pfund (circa 185.000 bis 254.000 Euro / 216.000 bis 297.000 US-Dollar). Als der Hammer fiel, stand das Ergebnis bei 967.000 Pfund (circa 1.116.000 Euro / 1.305.000 US-Dollar), also mehr als dem Vierfachen der oberen Schätzung.
Die Maschine gilt als die einzige noch weitgehend im Originalzustand erhaltene MV aus der Saison 1965. Authentifiziert wurde sie durch Enrico Sironi, den Direktor des Agusta-Museums. Seit 2005 befand sich das Motorrad in einer privaten Übersee-Sammlung. Davor war es ab 1986 im Besitz von John Surtees, dem siebenmaligen Grand-Prix-Weltmeister, der die Maschine seinerzeit direkt von MV Agusta erworben hatte.
Surtees hatte die MV Agusta nach dem Kauf komplett zerlegen, prüfen und wieder zusammenbauen lassen. In einer Stellungnahme anlässlich des Besitzerwechsels im Jahr 2005 erklärte er: „This particular machine was the only one that the factory kept as a complete machine.“ (Auf Deutsch: „Diese Maschine war die einzige, die das Werk als vollständige Maschine behalten hat.“) Der Sitz sei erneuert und ein Paar Nachbau-Federbeine an der Hinterachse montiert worden, ansonsten sei die Maschine vollständig original. Surtees wies zudem auf die Kastenprofil-Schwinge hin, die eine der letzten Weiterentwicklungen von MV Agusta an diesem Motorrad gewesen sei. Alle Details wie Naben, Speichen und Felgen seien original geblieben.
Barry Sheenes WM-Suzuki: 506.000 Pfund für den Titelgewinner von 1977
Nicht weniger beeindruckend verlief die Versteigerung der Suzuki RG500 XR14 mit der Rahmennummer RG500-1201 und der Motornummer RR 1202 RG500. Es handelt sich um eine von nur zwei bestätigten Werks-XR14-Maschinen, die Barry Sheene während seiner dominanten Saison 1977 eingesetzt hatte. Die Suzuki ist sogar das Motorrad, mit dem der Brite seinen zweiten 500cc-Weltmeistertitel in Folge sicherte.
Im Vorfeld der Auktion lag der Schätzpreis bei 160.000 bis 200.000 Pfund (circa 185.000 bis 231.000 Euro / 216.000 bis 270.000 US-Dollar). Der tatsächliche Zuschlag von 506.000 Pfund (circa 584.000 Euro / 683.000 US-Dollar) lag deutlich über dem Doppelten der oberen Erwartung.
In der Saison 1977 gewann Sheene sechs der elf Saisonrennen, wurde in zwei weiteren Zweiter und Sechster und holte den Titel mit 107 Punkten vor Steve Baker. Das Motorrad trägt noch die ikonische rot-gelb-weiße Suzuki-Lackierung sowie Sheenes charakteristische gelb-schwarze Startnummer 7. Typisch für Rennmaschinen dieser Ära sitzt die Gangschaltung auf der rechten Seite, vier Auspuffausgänge und Doppelscheibenbremsen vorne komplettieren die Optik.
Die Suzuki war seit 1987 im Besitz des letzten Eigentümers und tauchte bei der Bonhams-Auktion zum ersten Mal seit fast 40 Jahren wieder auf dem offenen Markt auf. Ben Walker, International Department Director von Bonhams Collectors‘ Motorcycles, sprach im Vorfeld der Auktion von einer „once-in-a-generation opportunity for the most discerning two-wheel collector“ (auf Deutsch: „einer einmaligen Gelegenheit für den anspruchsvollsten Zweirad-Sammler“). Walker betonte zudem, dass Maschinen dieses Kalibers und dieser Bedeutung nur selten auf den Markt kämen, schon gar nicht eine, die dem verstorbenen Barry Sheene gehört habe.

Sheene-Jubiläum 2026: Goodwood feiert 50 Jahre nach dem ersten WM-Titel
Die Versteigerung der Sheene-Suzuki fällt in ein besonderes Jahr: 2026 markiert das 50-jährige Jubiläum von Barry Sheenes erstem Weltmeistertitel, den er 1976 gewonnen hatte. Aus diesem Anlass sind im Laufe des Jahres mehrere Veranstaltungen bei Goodwood geplant. Beim Members‘ Meeting am 18. und 19. April sollen bis zu 30 historische 500cc-Grand-Prix-Maschinen aus Sheenes Karriere auf die Strecke gehen. Beim Festival of Speed vom 9. bis 12. Juli werden zehn GP-Maschinen den legendären Hillclimb-Kurs befahren. Beim Revival-Wochenende vom 18. bis 20. September sollen Sheenes WM-Suzukis vor den Rennen um die Barry Sheene Memorial Trophy auf dem Goodwood Motor Circuit zu sehen sein.
Weitere Highlights der Bonhams-Auktion in Stafford
Neben den beiden Grand-Prix-Legenden bot die Auktion auch für Sammler mit kleinerem Budget interessante Lose. Unter den günstigeren Angeboten fanden sich Projektfahrzeuge ebenso wie eine Honda NSR125, die ohne Mindestpreis angeboten wurde und auf mindestens 1.500 Pfund (circa 1.730 Euro / 2.025 US-Dollar) geschätzt war. Eine Honda Fireblade von 1992 wurde mit 3.000 bis 5.000 Pfund (circa 3.460 bis 5.770 Euro / 4.050 bis 6.750 US-Dollar) taxiert, eine Suzuki GSX-R750J Slingshot von 1988 mit 4.000 bis 6.000 Pfund (circa 4.620 bis 6.920 Euro / 5.400 bis 8.100 US-Dollar).
Für Fans des modernen Rennsports standen unter anderem zwei Norton V4 aus Werksbeständen, eine Aprilia RS125R, die 2002 den Weltmeistertitel in der 125er-Klasse gewann, und Peter Hickmans BMW S1000RR Superstocker zur Auswahl. Mit letzterer hatte Hickman 2019 den Ulster GP, die North West 200 und zwei Rennen bei der Isle of Man TT gewonnen. Der Schätzpreis für die BMW lag bei 35.000 bis 38.000 Pfund (circa 40.400 bis 43.870 Euro / 47.250 bis 51.300 US-Dollar).












