- Auflage: 50 durchnummerierte Motorräder auf Basis der Suzuki GSX-R1000 der ersten Generation
- Leistung laut Yoshimura-Datenblatt: 170 PS (125 kW) bei 12.000 Umdrehungen pro Minute
- Preis: 40.000 Euro (rund 46.200 US-Dollar) bei 6.986 Kilometern Laufleistung
Yoshimura kennt fast jeder Motorradfahrer als Hersteller von Auspuffanlagen und als Tuner, der eng mit Suzuki verbunden ist. Dass die Firma auch komplette Motorräder gebaut hat, wissen deutlich weniger. Die Tornado S-1 ist das bekannteste dieser Projekte, und sie zählt zu den seltensten straßenzugelassenen Sportmotorrädern aus Japan. Ein Exemplar aus dieser Serie ist jetzt wieder auf dem Markt aufgetaucht.

Was macht die Yoshimura Tornado S-1 so selten?
Yoshimura baute nur 50 Stück der Tornado S-1, jedes davon mit eigener Nummer. Das Motorrad war ausschließlich für den japanischen Markt bestimmt und wurde nie offiziell exportiert. Nach Angaben italienischer Medienberichte waren alle Exemplare bereits verkauft, bevor die Produktion überhaupt begann.
Zum Vergleich wird in Medienberichten angeführt, dass diese Stückzahl unter der von Kleinserien wie der Ducati Desmosedici und der Honda RC213V-S liegt. Yoshimura selbst führt die Tornado S-1 als Modell des Jahres 2001, das laut der offiziellen Firmenchronik 2002 in den Verkauf ging. Der Listenpreis lag bei 3.780.000 Yen, nach heutigem Kurs rund 20.600 Euro (23.700 US-Dollar). Zum damaligen Wechselkurs entsprach das etwa 30.300 Euro (35.000 US-Dollar), kaufkraftbereinigt wären das heute rund 55.500 Euro (64.000 US-Dollar).
Wie viel Leistung hat die Yoshimura Tornado S-1?
Das Datenblatt von Yoshimura nennt über 170 PS (125 kW) bei 12.000 Umdrehungen pro Minute und rund 108 Nm (80 lb-ft) bei 10.000 Umdrehungen. Diese Werte wurden am Hinterrad ermittelt, weshalb an anderer Stelle auch von über 177 PS (130 kW) die Rede ist. Die Serien-GSX-R1000 des Jahres 2001 kam auf rund 162 PS (119 kW) und etwa 110 Nm (81 lb-ft) an der Kurbelwelle bei rund 170 Kilogramm (374 Pfund) Trockengewicht.
Der Weg dorthin führte über den Zylinderkopf. Er wurde nachgearbeitet und mit einer dünneren Kopfdichtung versehen, wodurch die Verdichtung von serienmäßig 12,0:1 auf 13,2:1 stieg. Dazu kamen Nockenwellen der Yoshimura-Baureihe ST-1 und stärkere Ventilfedern, die den 988 Kubikzentimeter großen Reihenvierzylinder 500 Umdrehungen höher drehen lassen, bis zu einer Grenze von 12.700 Umdrehungen pro Minute.
Die Serienelektronik von Suzuki wich einer eigenen Motorsteuerung von Yoshimura. Über einen Dreifachschalter am Lenker konnte der Fahrer während der Fahrt zwischen verschiedenen Kennfeldern für Zündung und Gemischaufbereitung wechseln, was 2002 noch alles andere als üblich war. Dazu kamen ein Schaltautomat, der Gangwechsel ohne Kupplung erlaubt, und eine Schaltblitzanzeige im Cockpit. Eine überarbeitete Ölwanne fasst 300 Kubikzentimeter mehr Öl als die Serienlösung, eine Anleihe aus dem Langstreckensport, in dem Yoshimura seit Jahrzehnten aktiv ist. Die Abgasanlage ist eine Vier-in-eins-Konstruktion aus Titan mit ovalem Endschalldämpfer und Carbon-Hülse.

Welche Technik steckt in Fahrwerk und Bremsen?
Yoshimura verbaute vorn und hinten Federelemente von Öhlins mit eigener Abstimmung sowie einen Lenkungsdämpfer der gleichen Marke. Dazu kamen ein überarbeiteter Lenkkopf, eine geänderte Umlenkung der Hinterradfederung und eine eigens gefertigte Schwinge.
An der Bremse arbeiten überarbeitete Sechskolbenzangen von Nissin, kombiniert mit einem radial angeordneten Hauptbremszylinder und Stahlflexleitungen. Statt der Serienräder sitzen leichte Aluminiumräder von BBS im Fahrwerk, bereift mit Dunlop D208 Super Sport in den Größen 120/70 ZR 17 vorn und 190/50 ZR 17 hinten. Das Fahrzeuggewicht wird mit rund 187 Kilogramm (412 Pfund) vollgetankt angegeben.
Karosserie, Ausstattung und Zubehör
Die komplette Verkleidung besteht aus Carbon und wurde von Yoshimura selbst entworfen und gefertigt. Sie verdeckt die Herkunft aus dem Hause Suzuki so weitgehend, dass die Tornado S-1 auf den ersten Blick kaum als GSX-R1000 zu erkennen ist. Der Tank fasst 24 Liter und besteht aus Aluminium, verschlossen von einem Renn-Tankdeckel. Hinzu kommen Scheinwerfer mit Gasentladungslampen und Projektionstechnik, Aluminium-Kettenräder von AFAM und Rennfußrasten.
Jedes der 50 Motorräder erhielt ein Typenschild mit eigener Seriennummer. Ausgeliefert wurde es zusammen mit einem Buch zur S-1, einem Werkzeugsatz von Snap-On und einer Abdeckplane.

Wer war Pops Yoshimura?
Hideo Yoshimura, von amerikanischen Soldaten „Pops“ genannt, wurde am 7. Oktober 1922 in Fukuoka geboren und gilt als einer der einflussreichsten Motorentuner der Motorradgeschichte. Im Zweiten Weltkrieg lernte er den Beruf des Flugzeugmechanikers, nach Kriegsende schraubte er an den Motorrädern amerikanischer Soldaten nahe dem Stützpunkt Itazuke. Der Spitzname blieb ihm bis zuletzt.
1954 gründete er in Fukuoka den Betrieb Yoshimura Motors, in dem seine Frau Naoe, seine Tochter Namiko und sein Sohn Fujio mitarbeiteten. 1964 gewann eine von ihm vorbereitete Maschine das 18-Stunden-Rennen von Suzuka, ein Jahr später zog die Firma nach Fussa bei Tokio um. Der entscheidende Schritt kam 1971, als Pops und Fujio nach Los Angeles gingen und in North Hollywood eine Werkstatt eröffneten. Der Wechsel zu Suzuki im Jahr 1978 brachte den Durchbruch: Steve McLaughlin gewann das Superbike-Rennen in Daytona, Wes Cooley und Mike Baldwin siegten beim ersten Acht-Stunden-Rennen von Suzuka. 1979 holte Cooley den ersten AMA-Superbike-Titel für Yoshimura. Pops starb am 29. März 1995 im Alter von 72 Jahren an Krebs, im Jahr 2000 wurde er in die AMA Motorcycle Hall of Fame aufgenommen.
Welche Modelle gingen der Tornado S-1 voraus?
Der Name Tornado stand bei Yoshimura schon lange vor der S-1 für die aufwendigsten Umbauten der Firma. Den Anfang machte 1987 die Tornado 1200 Bonneville auf Basis der GSX-R1100, von der lediglich drei Stück entstanden.
Danach folgten im Jahr 2000 die Hayabusa X-1 mit 100 Exemplaren auf Grundlage der GSX1300R und 2001 die Katana 1135R, von der nur fünf Motorräder gebaut wurden. Die Tornado S-1 setzte diese Reihe fort und markiert innerhalb der japanischen Sondermodelle der frühen 2000er-Jahre den bislang umfassendsten Umbau eines straßenzugelassenen Superbikes durch Yoshimura.

Was kostet eine Yoshimura Tornado S-1 heute?
Für das aktuell angebotene Exemplar werden 40.000 Euro (rund 46.200 US-Dollar) aufgerufen. Bei den seltenen Gelegenheiten, zu denen eine Tornado S-1 überhaupt auf dem Markt auftaucht, lagen die Preisvorstellungen zuletzt zwischen rund 26.000 Euro (30.000 US-Dollar) und deutlich über 36.400 Euro (42.000 US-Dollar).
Ein Beispiel dafür lieferte ein Motorrad, das Anfang 2023 aus Lissabon heraus verkauft wurde. Es hatte 13.400 Kilometer gelaufen, aufgerufen waren 36.800 Euro (42.500 US-Dollar) oder ein Angebot des Käufers.
Das jetzt angebotene Motorrad trägt die Nummer 21 und zeigt 6.986 Kilometer. Der Verkäufer beschreibt es als durchgehend im Sammlerzustand mit sehr gut erhaltenem Originallack. Es kam 2025 aus Japan in die Europäische Union, im März 2026 folgte in Polen eine Wartung mit Öl- und Filterwechsel sowie einer gründlichen Aufbereitung. Angeboten wird es mit den Papieren für eine internationale Zulassung. Bemerkenswert ist dabei, dass dasselbe Motorrad bereits im Frühjahr 2026 über eine Auktionsplattform angeboten wurde und nun erneut den Besitzer sucht, diesmal zum Festpreis.

Häufige Fragen
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Wie viele Yoshimura Tornado S-1 wurden gebaut?
Es entstanden genau 50 Exemplare, jedes mit einer eigenen Seriennummer auf einem Typenschild. Alle waren für den japanischen Markt bestimmt, ein offizieller Export fand nicht statt.
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Auf welchem Motorrad basiert die Yoshimura Tornado S-1?
Grundlage ist die Suzuki GSX-R1000 der ersten Generation mit 988 Kubikzentimeter großem Reihenvierzylinder. Yoshimura überarbeitete Motor, Fahrwerk, Bremsen und Karosserie so umfassend, dass von der Serienmaschine optisch kaum etwas übrig blieb.
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Wie viel PS hat die Yoshimura Tornado S-1?
Laut Datenblatt des Herstellers leistet sie über 170 PS (125 kW) bei 12.000 Umdrehungen pro Minute und rund 108 Nm (80 lb-ft) bei 10.000 Umdrehungen. Diese Werte beziehen sich auf das Hinterrad, weshalb in anderen Angaben auch von über 177 PS (130 kW) die Rede ist.
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Was kostete die Yoshimura Tornado S-1 neu?
Der Listenpreis lag 2002 bei 3.780.000 Yen, nach heutigem Kurs rund 20.600 Euro (23.700 US-Dollar). Zum damaligen Wechselkurs entsprach das etwa 30.300 Euro (35.000 US-Dollar).
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Wo steht die angebotene Yoshimura Tornado S-1?
Das Motorrad mit der Nummer 21 befindet sich in Polen und wird für 40.000 Euro (rund 46.200 US-Dollar) angeboten. Es hat 6.986 Kilometer gelaufen und wird mit den Unterlagen für eine internationale Zulassung verkauft.











