- Harley-Davidson und Hero MotoCorp wollen ihre Kooperation für weltweit verkäufliche Einstiegsmodelle ausbauen
- Erstes Modell der Offensive ist die Harley-Davidson Sprint, der Marktstart wird noch für 2026 erwartet
- X440 und Hero Mavrick kamen zusammen zuletzt auf 14.375 verkaufte Einheiten im Geschäftsjahr
Harley-Davidson baut seine Zusammenarbeit mit dem indischen Zweiradkonzern Hero MotoCorp aus. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Entwicklung von Einstiegsmodellen und Cruisern, die in Indien gefertigt und anschließend auch außerhalb des indischen Marktes verkauft werden sollen. Als erstes Modell dieser erweiterten Partnerschaft gilt die Harley-Davidson Sprint, deren Marktstart noch für dieses Jahr erwartet wird. Für den US-Hersteller ist das Vorhaben Teil einer breiter angelegten Strategie, mit der die seit Jahren rückläufigen Verkaufszahlen stabilisiert werden sollen.

Was planen Harley-Davidson und Hero MotoCorp gemeinsam?
Harley-Davidson und Hero MotoCorp wollen künftig gemeinsam Einstiegs-Performancemotorräder und Cruiser in Indien entwickeln und bauen, um sie weltweit anzubieten. Für das laufende Geschäftsjahr ist dazu eine Reihe von Neuvorstellungen geplant, mit denen beide Unternehmen ihre Position im Premiumsegment stärken wollen. Ein Teil dieser Modelle soll laut Brancheninsidern erstmals in Schwellenländer exportiert werden, ohne dass bislang konkrete Zielmärkte genannt wurden.
Harley-Davidson bestätigte die Pläne in einer knappen Stellungnahme und bezeichnete Hero als wichtigen Partner, mit dem man weiter daran arbeite, den Zugang zur Marke in Schlüsselmärkten zu erweitern. Detaillierte Angaben zu den geplanten Produkten machte der Konzern nicht. Hero-Vorstandschef Harshavardhan Chitale bestätigte, dass in diesem Jahr weitere Harley-Modelle anstehen, ließ aber offen, ob diese auch international verkauft werden. Zur Frage des Auslandsverkaufs äußerte er sich grundsätzlich: „The Hero-Harley collaboration doesn’t restrict sales to India only. If Harley finds suitability for the product in its global markets, it can take it from Hero to sell elsewhere; that decision rests with Harley.“ Übersetzt bedeutet das: Die Hero-Harley-Kooperation beschränke den Verkauf nicht allein auf Indien; wenn Harley für ein Produkt in seinen globalen Märkten eine Eignung sehe, könne der Konzern es von Hero übernehmen und anderswo anbieten, wobei diese Entscheidung bei Harley liege.
Welche Rolle spielt die Harley-Davidson Sprint?
Die Harley-Davidson Sprint gilt als erstes Modell der erweiterten Partnerschaft und soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Weitere Produkte sollen in den folgenden Monaten nachrücken. Offen ist bislang, auf welcher technischen Basis die Sprint stehen wird.
Unklar ist insbesondere, ob das Modell die Plattform der bereits erhältlichen X440 übernimmt oder auf einer neuen, gemeinsam entwickelten Architektur aufsetzt. Auch zu Hubraum und Motorbauart liegen keine gesicherten Angaben vor. In Berichten wird die Möglichkeit genannt, dass die Sprint entweder den 440 Kubikzentimeter großen Motor der X440 nutzt oder eine größere Motorisierung erhält. Bestätigt ist davon nichts.

Warum fertigt Harley-Davidson in Indien?
Harley-Davidson nutzt Indien als Produktions- und Entwicklungsbasis, weil hohe Einfuhrzölle den Verkauf importierter Motorräder dort lange erschwert haben. Der Hersteller hatte 2011 ein Werk im nordindischen Bawal eröffnet, die eigene Fertigung im Land jedoch 2019 wegen schwacher Absatzzahlen und anhaltender Verluste wieder eingestellt. 2020 folgte ein Lizenz- und Vertriebsabkommen mit Hero MotoCorp, das neben Verkauf und Service auch die gemeinsame Entwicklung und Fertigung von Motorrädern vorsah.
Erstes gemeinsames Produkt war die X440, ein 440 Kubikzentimeter großes Modell, das in Indien gegen die dort starke 350 Kubikzentimeter-Klasse von Royal Enfield positioniert ist. Der Einstiegspreis liegt bei rund 235.000 Rupien (circa 2.300 Euro / 2.480 US-Dollar). Hero verkauft mit der Mavrick eine eigene Variante auf gleicher technischer Basis. Zusammen kamen beide Modelle im vergangenen Geschäftsjahr auf 14.375 verkaufte Einheiten, was einem Anteil von etwa elf Prozent in der Klasse zwischen 350 und 500 Kubikzentimeter entspricht. Damit liegt das Duo hinter Bajaj Auto und Royal Enfield auf dem dritten Platz. Für den weiteren Ausbau richtet Hero MotoCorp sein Werk im rajasthanischen Neemrana gezielt auf Premiummotorräder aus. Parallel wächst das Netz reiner Premium-Schauräume, das nach Unternehmensangaben inzwischen über 130 Standorte umfasst und weiter ausgebaut wird.
Was bedeutet das Handelsabkommen zwischen Indien und den USA?
Das Handelsabkommen zwischen Indien und den USA betrifft vor allem importierte Großmotorräder und ist von der indischen Fertigung der Einstiegsmodelle zu trennen. Im Zuge der handelspolitischen Annäherung entfallen die Einfuhrzölle für in den USA gebaute Harley-Modelle mit einem Hubraum zwischen 800 und 1600 Kubikzentimeter, die zuvor mit hohen Abgaben belegt waren.
Für die gemeinsam mit Hero entwickelten Einstiegsmodelle wie die X440 oder die kommende Sprint ist dieser Zollwegfall zunächst nicht entscheidend, da diese Motorräder in Indien gebaut werden. Beide Entwicklungen ergänzen sich jedoch. Importierte Großmodelle können künftig zollfrei als Imageträger dienen, während die lokal gefertigten, kleineren Modelle das Volumen liefern und neue Käufergruppen erschließen sollen. In vielen asiatischen Märkten machen großvolumige Motorräder nur einen kleinen Teil des Gesamtmarktes aus, weshalb eine breitere Modellpalette für den Hersteller an Bedeutung gewinnt.

Wie steht Harley-Davidson wirtschaftlich da?
Harley-Davidson steht wirtschaftlich unter Druck und reagiert mit einer produktgetriebenen Strategie, die im Unternehmen als „Back to Bricks“ bezeichnet wird. Nach Angaben des Konzerns sind die weltweiten Einzelhandelsverkäufe zwischen 2019 und 2025 um 40 Prozent zurückgegangen, die Margen sanken in diesem Zeitraum um 18 Prozent und die Profitabilität der Händler verschlechterte sich um 80 Prozent.
Um gegenzusteuern, will Harley-Davidson über die nächsten drei Jahre 20 neue Modelle und Varianten auf Basis bestehender Plattformen einführen und damit die Einstiegshürde senken. Konzernchef Artie Starrs stellte die Pläne im vergangenen Monat vor Investoren vor. Begleitend dazu soll eine neue Fahrzeugarchitektur mit der Bezeichnung RIDE entstehen, die mehrere Modelle tragen und modernere Technik bieten soll. Die erweiterte Zusammenarbeit mit Hero MotoCorp ordnet sich in diese Strategie ein, in der Indien sowohl als Absatzmarkt als auch als Fertigungsstandort für den Export an Bedeutung gewinnt.

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Häufige Fragen
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Was ist die Harley-Davidson Sprint?
Die Harley-Davidson Sprint ist das erste Modell der erweiterten Partnerschaft zwischen Harley-Davidson und Hero MotoCorp. Der Marktstart wird noch für 2026 erwartet, wobei technische Details wie Hubraum und Motorbauart bislang nicht bestätigt sind. Das Motorrad soll in Indien gefertigt werden.
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Warum fertigt Harley-Davidson Motorräder in Indien?
Harley-Davidson nutzt Indien als Produktions- und Entwicklungsbasis, weil hohe Einfuhrzölle den Verkauf importierter Motorräder dort lange erschwert haben. 2020 schloss der Konzern ein Lizenz- und Vertriebsabkommen mit Hero MotoCorp, das die gemeinsame Entwicklung und Fertigung von Motorrädern in Indien vorsieht.
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Wie erfolgreich ist die Harley-Davidson X440 bisher?
Die X440 und die technisch verwandte Hero Mavrick kamen im vergangenen Geschäftsjahr zusammen auf 14.375 verkaufte Einheiten. Das entspricht einem Anteil von rund elf Prozent in der Klasse zwischen 350 und 500 Kubikzentimeter in Indien. Damit liegt das Duo hinter Bajaj Auto und Royal Enfield auf dem dritten Platz.
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„Back to Bricks“ – was bedeutet die Harley-Davidson-Strategie?
„Back to Bricks“ ist Harley-Davidsons produktgetriebene Gegenstrategie zu den seit 2019 um 40 Prozent gesunkenen Einzelhandelsverkäufen. Der Konzern will über die nächsten drei Jahre 20 neue Modelle und Varianten auf Basis bestehender Plattformen einführen und damit die Einstiegshürde senken.











