- Sieben neue Modelle und drei überarbeitete CB350-Varianten
- Erster Roller in Indien für Kraftstoff mit bis zu 85 Prozent Ethanol
- Rund 15 Milliarden Rupien für eine dritte Fertigungslinie in Tapukara
Honda Motorcycle & Scooter India, kurz HMSI, hat am 24. Juli 2026 in Neu-Delhi zehn Modelle auf einmal gezeigt. Sieben davon sind komplett neu, drei bekommen lediglich neue Farben. Die Bandbreite reicht vom Elektroroller über zwei Cruiser und zwei Geländemodelle bis zu einem Retro-Roadster mit einem halben Liter Hubraum. Gemeinsam ist allen, dass sie künftig im Land selbst vom Band laufen sollen, statt teilweise als Komplettfahrzeuge eingeführt zu werden. Damit reiht sich die Vorstellung in einen Trend des Modelljahrgangs 2026 ein, bei dem Hersteller ihre Fertigung stärker nach Asien verlagern.
Welche Modelle hat Honda Indien vorgestellt?
Neu sind der Roller ADV 160, der Roadster CB500, die Cruiser Rebel 300 und Rebel 500, die Geländemodelle XR 300L und XR 300 Rally sowie der Elektroroller QC3. Dazu kommen die CB350, die CB350C und die CB350RS mit frischen Farben.
Der Hersteller ordnet das Paket in eine Strategie ein, die er selbst als Mehrwege-Ansatz beschreibt. Gemeint ist, dass Verbrenner, Elektroantrieb und Kraftstoffe mit hohem Ethanolanteil nebeneinander bestehen sollen, weil die Lade- und Tankinfrastruktur in Indien sehr unterschiedlich ausgebaut ist. Nach Angaben von Honda Indien verschiebt sich der Markt gerade weg vom reinen Nutzfahrzeug hin zu Motorrädern, die zum Lebensstil passen sollen. Ausgewählte Modelle bekommen deshalb auch die E-Clutch. Diese Technik steuert die Kupplung automatisch, der Fahrer muss beim Anfahren und Halten also nicht selbst kuppeln.
Wie unterscheiden sich Rebel 300 und Rebel 500?
Die Rebel 300 ist der Einstiegs-Cruiser mit einem 286 cm³ großen flüssigkeitsgekühlten Einzylinder, die Rebel 500 nutzt einen Zweizylinder mit 471 cm³. Beide sollen in einer Standardversion und mit E-Clutch angeboten werden.
Zur Leistung liegen bislang nur Erwartungswerte vor. Die Rebel 300 soll rund 26 PS (19,1 kW) und 27,5 Nm (20,3 lb-ft) leisten, die Rebel 500 etwa 46 PS (33,8 kW) und 43,3 Nm (31,9 lb-ft). Als Fahrfertiggewicht werden 172 kg (379 lbs) für die kleinere und 191 kg (421 lbs) für die größere Maschine genannt. Beide arbeiten mit sechs Gängen, hohem Lenker, weit vorn liegenden Fußrasten und einer Sitzhöhe von 690 mm. Optisch bleibt es beim bekannten Bobber-Auftritt mit tiefer Sitzposition. Neu ist vor allem, dass auch die Rebel 500 künftig in Indien gebaut wird und nicht mehr importiert werden muss.
Was können die XR 300L und die XR 300 Rally?
Beide teilen sich einen 293,5 cm³ großen luftgekühlten Einzylinder mit Ölkühler. Erwartet werden etwa 27 PS (20,1 kW) und 26,6 Nm (19,6 lb-ft), dazu ein Sechsganggetriebe.
Federweg und Sitzhöhe sind mit 260 mm und 830 mm bei beiden Modellen identisch. Der Unterschied liegt in der Ausrichtung. Die XR 300L ist als Dual-Purpose-Modell gedacht, also als Motorrad, das im Alltag genauso funktioniert wie auf leichtem Gelände. Honda hebt dabei geringes Gewicht und handliches Fahrverhalten hervor. Die XR 300 Rally baut auf derselben Basis auf, orientiert sich aber an der Rallye-Historie des Hauses und ist auf längere Strecken und wechselnde Untergründe ausgelegt. Damit besetzt Honda in Indien eine Klasse, in der die Marke bislang kein passendes Angebot hatte.
ADV 160 und QC3: Roller mit E85 und Elektroantrieb
Die ADV 160 ist ein Roller im Abenteuer-Look mit einem 160 cm³ großen wassergekühlten Motor. Honda hebt hervor, dass sie als erster Roller in Indien Kraftstoff mit bis zu 85 Prozent Ethanolanteil verträgt. Der Tank fasst 8,1 Liter, unter der Sitzbank stehen 27 Liter Stauraum zur Verfügung. Beides bezeichnet der Hersteller als Bestwerte in dieser Klasse.
Die QC3 ist der neue Elektroroller und fährt mit einer 3 kWh großen Batterie. Nach dem indischen Messzyklus IDC soll sie 151 km weit kommen. Von leer auf 80 Prozent dauert das Laden 2 Stunden und 40 Minuten. Dazu gibt es 32 Liter Stauraum, einen schlüssellosen Zugang und ein 5 Zoll großes Farbdisplay mit Konnektivitätsfunktionen.
Was ändert sich bei CB350-Reihe und CB500?
Bei der CB350-Reihe ändert sich technisch nichts. Die CB350, die CB350C und die CB350RS behalten den 348,6 cm³ großen luftgekühlten Einzylinder mit rund 21 PS (15,4 kW) und 29,5 Nm (21,8 lb-ft) sowie das Fünfganggetriebe. Neu sind Lackierungen und geänderte Grafiken auf Tank und Seitenteilen.
Darüber positioniert Honda die neue CB500. Sie nutzt einen eigens entwickelten Einzylinder mit 501 cm³, Luftkühlung und zusätzlichem Ölkühler, der 28 PS (20,6 kW) und 43,3 Nm (31,9 lb-ft) leistet. Angeboten wird sie in drei Ausführungen, einmal mit Gussrädern und zweimal mit schlauchlosen Speichenrädern, davon eine Version mit zusätzlichen Grafiken. Sie ist damit das einzige Modell der Präsentation, das die 500er-Marke erreicht.
Wann kommen die Modelle in den Handel?
Einen Termin gibt es bislang nicht. Honda führt die Modelle in Indien schrittweise ein und will Preise, Termine und Verfügbarkeit jeweils kurz vor dem Verkaufsstart nennen.
Für Europa bleibt damit offen, ob eines der Modelle den Weg hierher findet. Auf Nachfrage wollte sich die britische Honda-Niederlassung laut Medienberichten nicht zu künftigen Modellen äußern. Anhaltspunkte gibt es trotzdem. Die in Japan gebaute GB 350 S kostet in Großbritannien 3.999 Pfund (circa 4.670 Euro / 5.387 US-Dollar) und kam dort 2025 auf den Markt. Der Motorradverband MCIA meldete für Juni 2026 allein 212 Neuzulassungen, womit das 350er-Modell in der Hubraumklasse von 126 bis 500 cm³ das meistverkaufte Motorrad in Großbritannien war. Ein Retro-Modell mit 500 cm³ könnte sich dort einordnen, wo bislang die CL500 mit 5.699 Pfund (circa 6.655 Euro / 7.677 US-Dollar) steht.
Wie stark wächst Hondas Produktion in Indien?
Honda will die Jahreskapazität in Indien von derzeit 6,25 Millionen auf rund acht Millionen Einheiten bis 2028 steigern. Ein zentraler Baustein ist eine dritte Fertigungslinie im Werk Tapukara in Rajasthan.
Wie das Unternehmen im März 2026 mitteilte, investiert HMSI dafür rund 15 Milliarden Rupien (circa 136 Millionen Euro / 157 Millionen US-Dollar) und kauft 74.000 Quadratmeter Land neben dem bestehenden Werk. Die neue Linie soll 2028 anlaufen, 670.000 Fahrzeuge pro Jahr fertigen und 2.000 Arbeitsplätze schaffen. Das zweite Werk käme damit auf 2,01 Millionen Einheiten. Unabhängig davon soll die dortige Kapazität durch Automatisierung von aktuell 1,3 Millionen auf 1,34 Millionen Einheiten steigen, und zwar noch vor dem Ende des Geschäftsjahres am 31. März 2027.
Wie groß Indien für Honda ist, zeigt ein weiterer Vergleich. Die vier Werke in Manesar, Tapukara, Narasapura und Vithalapur beschäftigen rund 24.000 Menschen, das Händlernetz umfasst über 7.000 Anlaufstellen und mehr als 76 Millionen Kunden. Am 22. Mai 2025 lief in Indien das 500-millionste Honda-Motorrad vom Band. Nach Angaben des Herstellers aus dem Jahr 2025 produziert Honda weltweit etwa 20 Millionen Zweiräder jährlich, wovon der asiatische Markt inklusive Indien, Indonesien, Thailand und Vietnam rund 85 Prozent ausmacht.
Firmenchef Tsutsumu Otani ordnet die Modelloffensive genau in diesen Rahmen ein. Er spricht davon, dass Indien einer der strategisch wichtigsten Märkte für Honda bleibt und das Land zugleich als Fertigungs- und Exportstandort im weltweiten Verbund an Bedeutung gewinnt: „This not only allows us to bring Honda’s global technologies closer to Indian customers, but also reinforces India’s role as an important manufacturing and export hub within Honda’s global operations.“ Übersetzt heißt das: „Das erlaubt uns nicht nur, Hondas globale Technologien näher an die indischen Kunden zu bringen, sondern stärkt auch Indiens Rolle als wichtiger Fertigungs- und Exportstandort innerhalb von Hondas weltweiten Aktivitäten.“
Vertriebsdirektor Mutsuo Usui begründet die Auswahl der Modelle mit verändertem Kaufverhalten. Nach seiner Darstellung suchen indische Kunden inzwischen Fahrzeuge, die zum Lebensstil passen und nicht nur den Weg zur Arbeit abdecken: „Indian customers today are looking for products that complement their lifestyles as much as their mobility needs.“ Auf Deutsch: „Indische Kunden suchen heute Produkte, die ihren Lebensstil ebenso ergänzen wie ihren Mobilitätsbedarf.“
Häufige Fragen
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Welche zehn Modelle hat Honda Indien gezeigt?
Neu sind ADV 160, CB500, Rebel 300, Rebel 500, XR 300L, XR 300 Rally und der Elektroroller QC3. Dazu kommen die überarbeiteten CB350, CB350C und CB350RS mit neuen Farben. Alle Modelle sollen in Indien gebaut werden.
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Wie viel PS hat die Honda Rebel 500?
Für die Rebel 500 werden etwa 46 PS (33,8 kW) und 43,3 Nm (31,9 lb-ft) erwartet. Der Zweizylinder misst 471 cm³ und arbeitet mit Flüssigkeitskühlung. Offizielle Werte hat Honda noch nicht veröffentlicht.
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Wie weit kommt der Honda QC3?
Der Elektroroller QC3 soll nach dem indischen Messzyklus IDC 151 km weit kommen. Die Batterie hat eine Kapazität von 3 kWh und lädt in 2 Stunden und 40 Minuten auf 80 Prozent. Unter der Sitzbank stehen 32 Liter Stauraum bereit.
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Was kosten die neuen Honda-Modelle?
Preise hat Honda bislang nicht genannt. Die Einführung erfolgt schrittweise, Preise und Termine sollen jeweils kurz vor dem Verkaufsstart des einzelnen Modells bekannt gegeben werden.
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Kommen die Modelle nach Europa?
Dazu gibt es keine offizielle Aussage. Die Palette wurde zunächst für den indischen Markt vorgestellt, eine Vertriebsentscheidung für andere Regionen steht aus.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: Neue Motorräder 2026: Alle Modelle, Neuheiten und Highlights im Überblick. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.












