- Honda kommt nach elf Rennen auf 109 Punkte, im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 141
- Puig sieht technische Fortschritte an der RC213V, aber zu wenig für den nächsten großen Schritt
- Die Entwicklungsarbeit richtet sich bereits auf das Motorrad für 2027
Vor dem Saisonstart klang es bei Honda deutlich zuversichtlicher. Nach dem Aufwärtstrend im Vorjahr rechnete das Werksteam damit, dass sich die Linie fortsetzt. Zur Sommerpause hat Teammanager Alberto Puig gegenüber der offiziellen MotoGP-Website nun eine Bilanz gezogen, die diese Erwartung nicht bestätigt. Die Punktzahl liegt unter der des Vorjahres, obwohl das Motorrad nach seiner Einschätzung besser geworden ist.

Wie fällt die Halbzeitbilanz von Honda in der MotoGP 2026 aus?
Honda hat nach elf Rennen 109 Punkte gesammelt. Zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison waren es 141 Punkte.
Damit bleibt die Marke hinter dem eigenen Anspruch zurück. Im Vorjahr hatte Honda einen Sieg beim Frankreich-Grand-Prix geholt und dazu drei weitere Podestplätze bei trockenen Bedingungen. Diese Ausbeute dient nun als Vergleichsmaßstab, und den erreicht die Saison 2026 bislang nicht.
In der Fahrerwertung liegt Luca Marini als bester Honda-Pilot auf Rang zehn mit 79 Punkten. An der Spitze steht Jorge Martin mit 208 Punkten. Der Abstand zur Spitzengruppe ist also erheblich.
Was hatte Honda vor der Saison erwartet?
Honda ging mit klar formulierten Ambitionen in das Jahr. Nach dem Wintertest in Sepang sprach Puig von einem großen Schritt und nannte als Ziel, so schnell wie möglich zu gewinnen.
Damals hatte Honda in Malaysia die Bestzeit an einem Testtag gesetzt, und Joan Mir schaffte es in der kombinierten Wertung auf Rang fünf. Puig beschrieb die RC213V seinerzeit nicht als komplette Neuentwicklung, sondern als gezielte Überarbeitung der Bereiche, bei denen Honda selbst Schwächen erkannt hatte. Er verwies auf eine bessere Motorleistung, ein geringeres Gewicht und darauf, dass die Fahrer mit dem Motorrad zufrieden seien.
Ein Detail erklärt einen Teil der heutigen Lage: 2026 ist die letzte Saison mit den 1000er-Motorrädern. Ab 2027 gilt ein neues technisches Reglement, was die Prioritäten innerhalb der Hersteller verschiebt.

Warum reicht der Fortschritt an der RC213V nicht für bessere Ergebnisse?
Nach Puigs Einschätzung wurde das Motorrad weiterentwickelt, aber nicht stark genug für den zweiten großen Schritt. Das Niveau vom Ende der Vorsaison sei gehalten worden, bei den Ergebnissen habe sich das jedoch kaum niedergeschlagen.
Puig fasste die Lage in einem Satz zusammen: „We got the podium in Barcelona, but maybe we were expecting something more.“ Übersetzt: „Wir haben das Podium in Barcelona geholt, aber vielleicht hatten wir mit etwas mehr gerechnet.“
Ein Punkt fällt in seiner Bilanz positiv aus. Im Durchschnitt sei Honda in diesem Jahr etwas konstanter als 2025. Die großen Ausreißer nach unten treten also seltener auf, dafür fehlt der Sprung nach vorn.
Die Updates, die im Laufe der Saison an der RC213V eingeführt wurden, ordnet Puig anders ein, als es zunächst wirkte. Sie sollen vor allem helfen, das Motorrad für die kommende Saison besser zu verstehen. Aus dieser Sicht liefern sie Erkenntnisse, auch wenn sie 2026 keine besseren Platzierungen bringen.
Was hat Honda in der ersten Saisonhälfte zusätzlich zurückgeworfen?
Zwei Ereignisse haben die Bilanz belastet. Ein bereits erreichtes Podium ging nachträglich verloren, und ein Fahrer fällt seit Monaten aus.
Joan Mir fuhr beim Katalonien-Grand-Prix in Barcelona unter die ersten drei. Die Platzierung wurde ihm anschließend wegen eines Verstoßes beim Reifendruck aberkannt. In der MotoGP gilt ein Mindestdruck, der über eine festgelegte Renndistanz eingehalten werden muss. Wird er unterschritten, folgt eine Strafe.
Johann Zarco fehlt seit Mai verletzungsbedingt. Ersetzt wurde er von Cal Crutchlow. Takaaki Nakagami, seit dem Ende der Saison 2024 Testfahrer bei HRC, kam 2026 bislang nicht zum Einsatz.

Was bedeutet der Fokus auf 2027 für die zweite Saisonhälfte?
Puig rechnet nicht mehr mit einem großen technischen Sprung. Ein erheblicher Schritt sei schwierig, weil sich die Entwicklung inzwischen auf das neue Motorrad richte.
Innerhalb des Projekts beschäftigen sich viele Mitarbeiter bereits mit dem Motorrad für die kommende Saison. Für Honda geht es in den verbleibenden Rennen deshalb darum, gute Wochenenden zusammenzubekommen und passende Abstimmungen zu finden. Kleinere Anpassungen seien möglich, ansonsten wolle man aus dem vorhandenen Paket das Maximum herausholen. Puig hält fest, dass noch etliche Rennen ausstehen und Honda mit besseren Resultaten rechnet.
Ein Termin sticht dabei heraus. Beim Japan-Grand-Prix vom 2. bis 4. Oktober tritt Nakagami mit einer Wildcard an. Er begründet den Einsatz mit seiner Rolle als Entwicklungsfahrer und dem Ziel, die Testarbeit unter Rennbedingungen zu überprüfen. Solche Einzelstarts sind ab 2027 nicht mehr erlaubt, weshalb es sich um einen der letzten Auftritte dieser Art handeln dürfte.
Wer fährt 2027 für Honda?
Fabio Quartararo und David Alonso wechseln zur kommenden Saison zu Honda. Offen ist, in welchem Team Alonso antritt.
HRC hat den Kolumbianer mit einem mehrjährigen Werksvertrag ausgestattet. Alonso ist 20 Jahre alt, gewann 2024 den Moto3-Titel und war schon als Neuling 2023 Gesamtdritter. In der Moto2 gelang ihm beim Ungarn-Grand-Prix 2025 der erste Sieg, aktuell liegt er in der Meisterschaft auf Rang vier. Über Moto3 und Moto2 zusammengerechnet kommt er auf 20 Siege, 30 Podestplätze und neun Pole-Positions. Sein erster Test auf dem 2027er-Honda-Motorrad ist für den Termin nach dem Saisonfinale in Valencia vorgesehen.
Die offene Frage betrifft Diogo Moreira. Der Brasilianer fährt seine erste MotoGP-Saison bei LCR und beendete bis auf zwei Rennen alle in den Punkten, mit Platz sechs beim Ungarn-Grand-Prix als bestem Ergebnis. Zur Sommerpause steht er auf Rang 16 der Gesamtwertung. Denkbar ist deshalb, dass Moreira ins Werksteam aufrückt und Alonso zunächst bei LCR fährt.
Für Joan Mir und Luca Marini ist es die letzte Saison bei Honda. Beide sind seit 2024 für die Marke im Einsatz.

Ein Wechsel an der Teamspitze zum Jahresende
Die Zwischenbilanz fällt in eine Phase, in der sich auch die Führung des Werksteams verändert. Puig tritt mit dem Saisonende 2026 zur Seite und übernimmt bei Honda eine Aufgabe im Management, in der er seine Erfahrung als Berater einbringen soll. Ein Nachfolger wurde bislang nicht vorgestellt.
Puig leitet das Honda-Werksteam seit 2018. In seinen ersten beiden Jahren gewann Honda mit Marc Marquez die Fahrer-, die Hersteller- und die Teamwertung. Der Oberarmbruch von Marquez in Jerez 2020 wurde zum Wendepunkt, danach folgten mehrere schwierige Jahre. Als Fahrer gewann Puig 1995 in Jerez als erster Spanier ein 500er-Rennen.
Aus dem Fahrerlager kommen wohlwollende Stimmen. Marini beschreibt ihn als direkten Gesprächspartner, der klar sage, was Sache ist. Mir hebt die Transparenz hervor und verweist auf schwierige Phasen, in denen Puig ihn eingeschätzt und beruhigt habe.

Häufige Fragen
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Wie viele Punkte hat Honda MotoGP 2026 nach elf Rennen gesammelt?
Honda steht nach elf Rennen bei 109 Punkten. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 141 Punkte. Bester Honda-Fahrer in der Fahrerwertung ist Luca Marini auf Rang zehn mit 79 Punkten.
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Warum verlor Joan Mir sein Podium in Barcelona?
Mir wurde die Platzierung wegen eines Verstoßes gegen die Reifendruckvorgaben aberkannt. In der MotoGP muss ein Mindestdruck über eine festgelegte Distanz eingehalten werden. Der Katalonien-Grand-Prix war damit die einzige Podestfahrt, die Honda in der ersten Saisonhälfte gelang.
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Wer fährt ab 2027 für das Honda-Werksteam?
Fabio Quartararo und David Alonso haben für 2027 bei Honda unterschrieben. Ungeklärt ist, ob Alonso im Werksteam oder bei LCR antritt, da auch Diogo Moreira für einen Werksplatz infrage kommt. Joan Mir und Luca Marini beenden ihre Zeit bei der Marke nach der laufenden Saison.
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Warum erwartet Honda in der zweiten Saisonhälfte keinen großen Sprung?
Die Entwicklungsarbeit ist bereits auf das Motorrad für 2027 ausgerichtet. 2026 ist die letzte Saison mit den 1000er-Motorrädern, ab dem kommenden Jahr gilt ein neues technisches Reglement. Honda will deshalb vor allem das vorhandene Paket optimal nutzen.












