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Motorcycles.News – Motorrad Magazin
Startseite » Indian Pursuit fährt 201.901 Meilen in einem Jahr: Was die Rekordfahrt über die Haltbarkeit verrät
Indian Pursuit 2025 – Seitenansicht der schwarzen Tourenmaschine mit KLIM-Topcase, Zusatztank und PowerPlus-112-V2 vor einem Leuchtturm an der Atlantikküste
Indian Pursuit 2025 mit Zusatztank und Topcase – das Motorrad für 324.928 Kilometer in zwölf Monaten
Charity

Indian Pursuit fährt 201.901 Meilen in einem Jahr: Was die Rekordfahrt über die Haltbarkeit verrät

By Andreas Denner4 September, 2026
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Patrick Cornell hat mit seiner Indian Pursuit 2025 innerhalb von zwölf Monaten 201.901 Meilen zurückgelegt und dabei vier Weltrekorde aufgestellt. Hinter der Fahrt steckt eine Spendenaktion für eine seltene Muskelkrankheit, die seine Familie seit Generationen betrifft.
  • 201.901 Meilen (324.928 Kilometer) in zwölf Monaten durch die USA und Kanada
  • Vier Weltrekorde, anerkannt von Atlas World Records
  • 150.000 US-Dollar (circa 129.000 Euro) Spenden für die Myotonic Dystrophy Foundation

Mehr als 1.000 Meilen am Tag, über Wochen und Monate hinweg, mit einem gebrochenen Schlüsselbein und einer gebrochenen Rippe unterwegs: Was Patrick Cornell zwischen Mai 2025 und dem Frühjahr 2026 auf seiner Indian Pursuit geleistet hat, geht weit über eine normale Langstreckentour hinaus. Der 60 Jahre alte Navy-Veteran, pensionierte Feuerwehrmann und Ersthelfer vom 11. September 2001 ist in der Szene unter dem Namen „Vroom Old Man“ bekannt. Indian Motorcycle hat die Fahrt jetzt offiziell gewürdigt und vier Weltrekorde bekannt gegeben. Für Cornell selbst stand allerdings nie der Rekord im Mittelpunkt, sondern eine Krankheit, von der die meisten Menschen noch nie gehört haben.

Indian Pursuit 2025 – Seitenansicht der schwarzen Tourenmaschine mit PowerPlus-112-V2, Topcase und Zusatzgepäck, davor die vier gerahmten Urkunden von Atlas World Records
Indian Pursuit 2025 mit PowerPlus-112-Motor und den vier Weltrekord-Urkunden am Zielort

Welche vier Weltrekorde hat Patrick Cornell mit der Indian Pursuit aufgestellt?

Cornell hält laut Indian Motorcycle vier Rekorde, die von Atlas World Records anerkannt wurden. Sie betreffen die meisten aufeinanderfolgenden Tage mit mindestens 1.000 Meilen (1.609 Kilometer) auf einem Motorrad, den längsten zusammenhängenden Zeitraum mit einem Durchschnitt von mindestens 1.000 Meilen pro Tag, die größte dokumentierte Distanz auf einem Motorrad in einem einzigen Land vor der Rückkehr nach Hause sowie die größte dokumentierte Distanz auf einem Motorrad in zwölf aufeinanderfolgenden Monaten.

Die Rekorde waren nicht von Anfang an fest eingeplant. Noch im Juni 2026 hieß es in einer Mitteilung eines Zubehörherstellers, der Cornell ausgestattet hatte, man hoffe auf eine Anerkennung durch Guinness. Bestätigt wurden die vier Titel schließlich durch Atlas World Records. Das Ergebnis der Fahrt ist eine Gesamtstrecke von 201.901 Meilen, also 324.928 Kilometern. Die Zahl ist kein Zufall: Sie erinnert an das Gründungsjahr von Indian Motorcycle, 1901. Über das gesamte Jahr gerechnet ergibt das im Schnitt mehr als 550 Meilen (rund 885 Kilometer) pro Tag, Pausen und Verletzungen eingeschlossen. Zur Einordnung: Die Strecke entspricht mehr als acht Erdumrundungen am Äquator.

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Warum fährt Cornell 200.000 Meilen für die Myotonic Dystrophy Foundation?

Cornell fährt für die Familie seiner Frau Janice, in der die Myotone Dystrophie seit Generationen auftritt. Alle vier Schwestern seiner Frau sind erkrankt, zwei von ihnen sind laut Cornell bereits an den Folgen gestorben.

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Die Myotone Dystrophie ist eine erbliche, fortschreitende neuromuskuläre Krankheit. Sie kann nicht nur die Skelettmuskulatur betreffen, sondern auch Herz, Lunge, Verdauungstrakt, Hormonsystem und Gehirn. Laut der Myotonic Dystrophy Foundation leben in den USA mehr als 150.000 Menschen mit der Krankheit. Bis zur richtigen Diagnose vergehen im Schnitt sieben bis zehn Jahre. Cornell beschreibt die Folgen in der Familie seiner Frau drastisch: Viele Angehörige tragen Defibrillatoren, die das Herz im Notfall wieder in Gang bringen sollen.

Cornell lernte die Krankheit 2016 kennen, als er seine spätere Frau traf. Zunächst beteiligte er sich an Spendenläufen. Als diese in der Corona-Zeit ausfielen, suchte er nach einer anderen Möglichkeit, Geld für die Sache zu sammeln. Die Antwort fiel ihm leicht: Er mag Motorräder. Den Anstoß für die konkrete Distanz gab ein Freund, der 100.000 Meilen gefahren war. Wenn Chris 100 schaffe, könne er vielleicht 125, sagte Cornell später mit einem Lachen.

Auf die Frage, wie er die Fahrt geschafft habe, gab Cornell gegenüber Indian eine kurze Antwort: „Ride for someone else, don’t ride for yourself.“ (Fahr für jemand anderen, nicht für dich selbst.)

Indian Pursuit 2025 – Patrick Cornell mit Ehefrau Janice vor einem Indian-Händler, daneben die vier gerahmten Weltrekord-Urkunden und ein Banner der Myotonic Dystrophy Foundation
Indian Pursuit 2025: Patrick Cornell und Ehefrau Janice mit den vier Urkunden von Atlas World Records

Wie wurde aus 125.000 Meilen in 125 Tagen ein ganzes Jahr?

Der ursprüngliche Plan sah 125.000 Meilen in 125 Tagen und 125.000 US-Dollar (circa 108.000 Euro) an Spenden vor, passend zum 125-jährigen Bestehen von Indian Motorcycle. Weil die Spenden langsamer eingingen als die Kilometer, verlängerte Cornell die Fahrt mehrfach und setzte sich schließlich 200.000 Meilen in einem Jahr zum Ziel.

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Der Start fiel auf den 1. Mai 2025. Indian stellte die Pursuit für das Projekt zur Verfügung, wobei Cornell das Modell selbst auswählen durfte. Am 2. September 2025 erreichte er bei einem Indian-Händler in Newport News im Bundesstaat Virginia sein erstes Ziel: 125.000 Meilen (201.168 Kilometer) in 125 Tagen. Cornell beschrieb den Moment so, als sei ihm eine Last von den Schultern genommen worden. Die Spendensumme lag zu diesem Zeitpunkt aber erst bei rund 73.000 US-Dollar (circa 63.000 Euro).

Also fuhr er weiter. Cornell forderte seine Unterstützer heraus: Für jeden Tag, an dem 1.000 US-Dollar an Spenden zusammenkamen, wollte er am nächsten Tag weitere 1.000 Meilen fahren. Nach 145 Tagen erklärte er wegen der Schulterverletzung und anderer Verpflichtungen im Monument Valley in Utah seinen letzten offiziellen Ausdauertag. Auf dem Heimweg kam unbeabsichtigt noch ein weiterer 1.000-Meilen-Tag dazu, was am Ende 146.000 Meilen (234.964 Kilometer) in 146 Tagen ergab.

Doch damit war die Sache nicht erledigt. Weil das Spendenziel weiter nicht erreicht war, entschied sich Cornell für die nächste Stufe. Seine Formel dafür: ein Mann, eine Mission, 200.000 Meilen, ein Jahr, ein Motorrad. Im Februar 2026 stand er bei rund 175.000 Meilen und hatte noch bis zum 30. April Zeit, die 200.000 zu erreichen. Das Spendenziel von 125.000 US-Dollar war zu dieser Zeit noch etwa 20.400 US-Dollar (circa 17.600 Euro) entfernt. Der Zieleinlauf fand schließlich bei einem Indian-Händler in Fort Myers in Florida statt. Inzwischen sind 150.000 US-Dollar (circa 129.000 Euro) zusammengekommen, das neue Ziel liegt bei 200.000 US-Dollar (circa 172.000 Euro). Die Fahrt geht bis Oktober weiter.

Wie hat die Indian Pursuit die 200.000 Meilen überstanden?

Motor und Getriebe der Indian Pursuit blieben laut Indian über die gesamte Distanz ohne einen einzigen Defekt. Auch Kupplung, Kupplungszug, Antriebsriemen und Anlasser sind bis heute die Originalteile.

Verschleiß gab es natürlich trotzdem. Cornell verbrauchte 16 Hinterreifen und 12 Vorderreifen, ließ die Kraftstofffilter fünfmal wechseln und absolvierte zahlreiche Ölwechsel. Ersetzt werden musste zudem der Stator, also der feststehende Teil der Lichtmaschine, bei etwas mehr als 100.000 Meilen. Davor hatte Cornell bereits die Kraftstoffpumpe getauscht. Drei gebrochene Felgen erklären nach seiner Einschätzung den vergleichsweise hohen Verbrauch an Vorderreifen. Die restlichen Arbeiten waren vorbeugende Wartung. An zwei Tagen im Jahr ließ er dafür bei zwei verschiedenen Händlern hintereinander die hintere und die vordere Hälfte des Motorrads komplett durchsehen.

Die Pursuit ist das vollausgestattete Tourenmodell von Indian mit dem PowerPlus-112-Motor, einem V2 mit 112 Kubikzoll Hubraum. Er leistet 93 kW (126 PS) und liefert 180 Nm (133 lb-ft) Drehmoment. Cornell selbst brachte es gegenüber Indian so auf den Punkt: „More than anything, I needed a motorcycle I could trust.“ (Mehr als alles andere brauchte ich ein Motorrad, dem ich vertrauen kann.) Die Pursuit habe ihm nie einen Grund gegeben, an ihr zu zweifeln, und so habe er sich darauf konzentrieren können, warum er überhaupt unterwegs war.

Welche Umbauten hat Cornell an der Pursuit vorgenommen?

Die wichtigste Änderung ist ein Zusatztank. Damit kommt Cornell nach eigenen Angaben rund 400 Meilen (etwa 644 Kilometer) weit statt 200. Das Tanken dauert zwar länger, dafür entfallen viele Stopps, bei denen man den Highway verlassen, die Karte durchziehen und wieder anfahren muss.

Dazu kommen ein Sitz nach Maß sowie ein Sitzkissen, das Druckstellen vermeiden und Regenwasser ableiten soll. Denn irgendwann, so Cornell, werde jeder Sitz heiß oder nass. Eine Halterung am Lenker trägt Navigation, Radarwarner und Kommunikationstechnik, außerdem sind Tanks für Trinkwasser und Kühlung verbaut. Cornell vergleicht das Fahren mit dieser Ausstattung mit einem Tag im Fernsehsessel vor dem Naturkanal. Zu den Ausrüstungspartnern gehören neben Indian auch Denali Electronics und KLIM.

Indian Pursuit 2025 – Patrick Cornell auf seiner schwarzen Pursuit während der Rekordfahrt auf einem Highway im US-Südwesten, mit Topcase, Zusatztank und Lenkerhalterung für Navigation
Indian Pursuit 2025: Patrick Cornell unterwegs auf seiner Rekordfahrt über 201.901 Meilen

Was hat Cornell unterwegs erlebt?

Cornell hat alle 48 zusammenhängenden US-Bundesstaaten befahren und dabei nach eigenen Angaben jede Ecke des Landes mindestens einmal besucht. Im weiteren Verlauf plante er Fahrten durch Oregon, Washington und British Columbia bis nach Hyder in Alaska, um innerhalb eines Jahres alle 50 Bundesstaaten abzuhaken.

Der Tiefpunkt kam an Tag 73. Cornell brach sich das Schlüsselbein und eine Rippe und fiel vier bis fünf Tage aus. Die fehlenden 5.000 Meilen musste er anschließend aufholen, um 100.000 Meilen in 100 Tagen zu schaffen. Kurvige Strecken fielen ihm mit der Verletzung schwerer. Trotzdem nennt er den North Cascades Highway im Bundesstaat Washington als eine seiner schönsten Strecken. Die Schönheit der Straße habe den Schmerz überwogen.

Auffällig war für ihn die Hilfsbereitschaft fremder Menschen. Er erzählt von einem Mann, den er an einer Tankstelle traf und der nach einem kurzen Gespräch spontan Spende und Übernachtung auf seinem Campingplatz in Colorado anbot. Solche Begegnungen seien die Regel gewesen, nicht die Ausnahme. Seine Frau Janice halte ihn zwar für verrückt, unterstütze ihn aber nach Kräften.

Wie ordnet Indian Motorcycle die Rekordfahrt ein?

Indian-Chef Mike Kennedy bezeichnet die Fahrt als Beispiel dafür, wie man seine Leidenschaft für etwas Größeres einsetzen kann. Allein die 200.000 Meilen in einem Jahr seien eine außergewöhnliche Leistung, Cornells eigentliches Ziel sei aber weit über die Fahrt selbst hinausgegangen.

Aus Sicht des Herstellers ist die Geschichte zugleich ein Beleg für die Haltbarkeit der Pursuit und des PowerPlus-112-Motors. Solche Aussagen stammen aus einer Pressemitteilung und sind entsprechend einzuordnen. Die nachprüfbaren Zahlen zum Verschleiß liefern aber ein klares Bild: Ein Tourenmotorrad hat innerhalb eines Jahres eine Laufleistung erreicht, für die die meisten Fahrer Jahrzehnte brauchen.

Wer die letzten Etappen verfolgen will, findet Cornell unter dem Namen „Vroom Old Man“ auf Facebook und Instagram. Für Cornell bleibt am Ende weniger die Zahl auf dem Tacho wichtig als die Aufmerksamkeit für die Krankheit. Die Rekorde und die Meilen machten ihn stolz, sagt er. Dass die Fahrt aber ein Licht auf die Myotone Dystrophie geworfen habe, sei das, was sie für ihn wirklich bedeutsam gemacht habe.

Häufige Fragen

  • Wie viele Meilen ist Patrick Cornell mit der Indian Pursuit gefahren?

    Patrick Cornell hat innerhalb von zwölf Monaten 201.901 Meilen (324.928 Kilometer) auf seiner Indian Pursuit 2025 zurückgelegt. Die Zahl spielt auf das Gründungsjahr von Indian Motorcycle 1901 an. Im Schnitt entspricht das mehr als 550 Meilen pro Tag über das gesamte Jahr.

  • Welche Weltrekorde hat die Indian Pursuit von Cornell aufgestellt?

    Atlas World Records hat vier Rekorde anerkannt: die meisten aufeinanderfolgenden Tage mit mindestens 1.000 Meilen, der längste Zeitraum mit einem Schnitt von mindestens 1.000 Meilen pro Tag, die größte dokumentierte Distanz in einem einzigen Land vor der Heimkehr und die größte dokumentierte Distanz in zwölf aufeinanderfolgenden Monaten. Alle vier wurden auf demselben Motorrad erzielt.

  • Wie viel Geld hat Cornell für die Myotonic Dystrophy Foundation gesammelt?

    Bisher sind 150.000 US-Dollar (circa 129.000 Euro) zusammengekommen. Das neue Ziel liegt bei 200.000 US-Dollar (circa 172.000 Euro). Ursprünglich waren 125.000 US-Dollar geplant, passend zum 125-jährigen Bestehen von Indian Motorcycle.

  • Welche Teile mussten an der Indian Pursuit ersetzt werden?

    Über die gesamte Distanz wurden 16 Hinterreifen, 12 Vorderreifen, fünf Kraftstofffilter, ein Stator und eine Kraftstoffpumpe getauscht, dazu kamen zahlreiche Ölwechsel. Motor, Getriebe, Kupplung, Kupplungszug, Antriebsriemen und Anlasser blieben laut Indian original. Drei gebrochene Felgen erhöhten den Verschleiß an Vorderreifen.

  • Wie viel PS hat die Indian Pursuit?

    Der PowerPlus-112-Motor der Indian Pursuit leistet 93 kW (126 PS) und liefert 180 Nm (133 lb-ft) Drehmoment. Es handelt sich um einen V2 mit 112 Kubikzoll Hubraum. Cornell hat das Motorrad zusätzlich mit einem Zusatztank für rund 400 Meilen Reichweite ausgestattet.

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Redakteur bei Motorrad Nachrichten. Fokus auf Technik, Szene und Motorradpolitik – neutral, sachlich, verständlich. Verantwortlich für die Seiten www.Motorcycles.News, www.Motorrad.Training und den YouTube-Kanal "Motorrad Nachrichten", sowie deren social Media-Seiten.

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