- Josh Brookes fährt auf einer Suzuki GSX-R750 mit Kevin-Schwantz-Hommage-Lackierung für das neu gegründete Team Uggly & Co Racing in der Supersport-Klasse
- Die Seitenwagen-Rekordhalter Ryan und Callum Crowe gehen als Startnummer 1 mit einem komplett überarbeiteten LCR-Honda-Gespann in die TT 2026
- Der achtfache Seitenwagen-Weltmeister Tim Reeves und seine Beifahrerin Melanie Farnier haben ihren Start kurzfristig abgesagt
Die Isle of Man TT 2026 läuft vom 25. Mai bis zum 6. Juni auf dem 60,7 Kilometer langen Snaefell Mountain Course. Während die Vorbereitungen hinter der TT-Grandstand an der Glencrutchery Road auf Hochtouren laufen und die ersten Teams ihre Zelte im Fahrerlager aufbauen, zeichnen sich bereits vor Beginn der Qualifying-Woche einige bemerkenswerte Geschichten ab. Eine neue Teamgründung mit Verbindung zur Grand-Prix-Geschichte, das dominierende Seitenwagen-Gespann auf der Jagd nach weiteren Rekorden und ein prominenter Rückzug sorgen für Gesprächsstoff auf der Insel.

Wer steckt hinter dem neuen Suzuki-Team Uggly & Co Racing?
Uggly & Co Racing ist ein neu gegründetes Rennteam der gleichnamigen Motorradbekleidungsmarke, die erstmals ein eigenes Motorrad bei der TT einsetzt. Das Team hat den Australier Josh Brookes verpflichtet, um die beiden Monster Energy Supersport-Rennen auf einer Suzuki GSX-R750 der neuen Generation zu bestreiten. Es ist das erste Mal, dass Uggly & Co als eigenständiges Team auf dem Mountain Course antreten, nachdem die Marke zuvor als Sponsor und Ausrüster für Teams wie TAS Racing, Milwaukee Ducati und Carl Cox Motorsport tätig war. Fans der TT kennen Uggly & Co auch von ihren Zuschauer-Einrichtungen am Black Dub, der schnellen Links-Rechts-Passage kurz vor Glen Helen.
Für die TT-Premiere trägt die GSX-R750 eine auffällige Lackierung, die an die legendäre Pepsi Suzuki RGV500 aus dem Jahr 1989 erinnert. Das Design ist eine Hommage an Kevin Schwantz, der 1993 die 500-Kubikzentimeter-Weltmeisterschaft gewann und 1988 den Macau Motorcycle Grand Prix für sich entschied. Die aktualisierte Gestaltung zeigt das Uggly & Co-Logo neben dem Branding von Team Classic Suzuki auf einer weiß-blau-roten Farbgebung.
Die Wahl fiel dabei auf ein Motorrad mit Erfolgsbilanz: Die Suzuki GSX-R750 gewann in der vergangenen Saison mit Rhys Irwin die British Supersport Championship.
Was bringt Josh Brookes für die Supersport-Klasse mit?
Josh Brookes ist 42 Jahre alt, zweifacher British Superbike Champion und verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Supersport-Kategorie. Er gewann 2004 die australische Supersport-Meisterschaft, holte als Wildcard einen Sieg in der Supersport-Weltmeisterschaft und wurde 2008 Dritter der WSS-Gesamtwertung. Bei der TT hat Brookes sechs Top-10-Ergebnisse in der Supersport-Klasse vorzuweisen, darunter zwei sechste Plätze.
Beim Briggs Equipment North West 200 fuhr Brookes die Suzuki bereits unter dem Banner Carl Cox Motorsport/Uggly & Co Racing und holte einen dritten Platz hinter Michael Dunlop und Dean Harrison im Supersport-Rennen. Neben seinem Supersport-Engagement bestreitet er die Superbike- und Superstock-Rennen bei der TT für DAO Racing auf Honda-Maschinen.
Brookes spricht optimistisch über das Projekt: „It’s a new project but an exciting one and having made my TT debut on a Suzuki back in 2013 I have high hopes for the GSX750 on the Mountain Course. Although we are a new team, we’ve got some good people involved so we hope to keep building on the package and my confidence as we get more time on the bike and then see what we can do at the TT.“ („Es ist ein neues Projekt, aber ein aufregendes. Nachdem ich 2013 auf einer Suzuki mein TT-Debüt gegeben habe, habe ich große Hoffnungen für die GSX750 auf dem Mountain Course. Obwohl wir ein neues Team sind, haben wir gute Leute dabei, und wir hoffen, das Paket und mein Vertrauen weiter aufzubauen und dann zu sehen, was wir bei der TT erreichen können.“)
Teambesitzer Al Morris ordnet den Schritt ein und beschreibt das Engagement als Ergebnis der Gemeinschaftsarbeit. Von Anfang an habe Uggly & Co den Rennsport unterstützt, indem die Marke bei Veranstaltungen präsent war und sowohl Nachwuchsfahrer als auch erfahrene Champions unterstützte. Dass man nun mit Brookes als Fahrer ein eigenes Team auf die Beine stelle, sei ein bedeutender Meilenstein.

Können die Crowe-Brüder ihre Siegesserie bei der TT 2026 fortsetzen?
Ryan und Callum Crowe gehen als Startnummer 1 und Titelverteidiger in die beiden Motul Sidecar TT-Rennen. Die Brüder aus Jurby auf der Isle of Man haben die letzten vier Seitenwagen-TT-Rennen gewonnen und halten den absoluten Rundenrekord der Klasse mit 121,021 mph (194,8 km/h), aufgestellt im ersten Seitenwagen-Rennen 2025. Damit sind sie die schnellste Fahrer-Beifahrer-Kombination in der Geschichte der TT.
Für 2026 hat das von Opul und Kelproperties gesponserte Duo ein umfassend überarbeitetes LCR-Gespann (Louis Christen Racing) mit Honda-Motor vorbereitet, das in Zusammenarbeit mit Lumbley Engineering entwickelt wurde. Das neue Paket stellt laut den Veranstaltern eine deutliche Weiterentwicklung gegenüber der Maschine dar, mit der die Crowes 2025 zum zweiten Mal in Folge ein Double gewonnen haben. Die auffällige schwarz-blau-rote Lackierung unterstreicht den Neuanfang optisch.
Mit vier TT-Siegen fehlt den Brüdern nur noch ein Erfolg, um den Rekord ihres Vaters Nick Crowe einzustellen, der fünf TT-Siege auf seinem Konto hat.
Ryan Crowe zeigt sich zuversichtlich: „We are heading into this year with a lot of confidence. What we’ve achieved over the last couple of years has been special, but at the TT you’ve always got to reset and go again. The new outfit is a big part of that, and a lot of effort has gone in behind the scenes over the winter with Lumbley Engineering.“ („Wir gehen mit viel Selbstvertrauen in dieses Jahr. Was wir in den letzten beiden Jahren erreicht haben, war besonders, aber bei der TT muss man sich immer wieder neu aufstellen. Das neue Gespann ist ein großer Teil davon, und über den Winter ist viel Arbeit mit Lumbley Engineering in die Vorbereitung geflossen.“)
Callum Crowe ergänzt: „We’re coming into 2026 with the same mentality as last year, enjoying the Mountain Course with the best team around us. The new machine is currently with Lumbley Engineering, and we have put a lot of work into making further improvements. We have made some changes that we’re confident will move us forward.“ („Wir gehen 2026 mit derselben Mentalität wie im letzten Jahr an, den Mountain Course mit dem besten Team um uns herum zu genießen. Die neue Maschine ist derzeit bei Lumbley Engineering, und wir haben viel Arbeit in weitere Verbesserungen gesteckt. Wir haben einige Änderungen vorgenommen, von denen wir überzeugt sind, dass sie uns nach vorne bringen.“)
Warum hat sich Tim Reeves von der TT 2026 zurückgezogen?
Der achtfache Seitenwagen-Weltmeister Tim Reeves und seine Beifahrerin Melanie Farnier haben ihren Start bei der TT 2026 kurzfristig abgesagt. Reeves, der seit 2008 am Mountain Course antritt und einen TT-Sieg (Sidecar 1 TT Race 2013) sowie sieben weitere Podiumsplatzierungen vorweisen kann, hatte sein Comeback für 2026 bereits im Februar angekündigt, nachdem er die TT 2025 verpasst hatte. Das Duo sollte auf einer Carl Cox Motorsport LCR Honda als Startnummer 7 antreten.
In einem Statement erklärte Reeves die Gründe, ohne konkrete Details zu nennen: „After a long and disappointing discussion we as a team and family have unfortunately had to make the decision not to compete at the 2026 Isle of Man TT. Anybody involved in racing knows how much time, effort and commitment goes into preparing for an event like this, so naturally this is hugely disappointing for everyone connected to the project.“ („Nach einer langen und enttäuschenden Diskussion mussten wir als Team und Familie leider die Entscheidung treffen, nicht an der Isle of Man TT 2026 teilzunehmen. Jeder, der im Rennsport tätig ist, weiß, wie viel Zeit, Aufwand und Engagement in die Vorbereitung eines solchen Events fließen, daher ist das natürlich für alle Beteiligten extrem enttäuschend.“)
Reeves betont, dass er an den weiteren Saisonverlauf denke und weiter Rennen fahren werde. Die genauen Hintergründe des Rückzugs bleiben offen.

Welche weiteren Änderungen gibt es bei der TT 2026?
Die TT 2026 bringt mehrere organisatorische und sportliche Neuerungen mit. Eine der auffälligsten Regeländerungen betrifft die Sechs-Runden-Rennen: Newcomer dürfen ab diesem Jahr nicht mehr am Superbike und am Milwaukee Senior TT teilnehmen. Diese Maßnahme steht laut den Veranstaltern im Zusammenhang mit den verstärkten Bemühungen um die Sicherheit und das Wohlergehen der Fahrer.
Die Solo-Starterzahl liegt bei 78, nachdem David „Riggerz“ Rigby von den medizinischen Verantwortlichen der TT aufgrund einer Schlüsselbeinverletzung nicht freigegeben wurde. Die Solo Rider Liaison Officers für die TT 2026 sind Richard „Milky“ Quayle BEM und John Barton.
Auch im Seitenwagen-Bereich gibt es Veränderungen: Neue Regeln für die Motoren der Gespanne, entwickelt in Zusammenarbeit mit dem erfolgreichsten TT-Seitenwagen-Fahrer aller Zeiten Dave Molyneux, sehen Restriktionsplatten vor. Diese sollen die Höchstgeschwindigkeiten reduzieren und das Feld enger zusammenrücken lassen.
Das Parc Fermé umfasst inzwischen den zentralen Hub des TT-Teams, eine erweiterte Anzahl von Zelten für Fahrer und Teams sowie Stop Boxes.
Dreifach-TT-Sieger Davey Todd ist zwar auf der Insel und wurde beim Pre-TT Classic in Billown gesichtet, tritt bei der TT 2026 allerdings nicht an. Todd war nach Verletzungen beim Qualifying für das Daytona 200 im März medizinisch nicht freigegeben worden.
Was wird aus der ehemaligen Supertwin-Klasse?
Die bisherige Supertwin-Klasse wurde für 2026 zur Carole Nash Sportbike TT umstrukturiert. Die bestehenden Supertwin-Maschinen wie die Paton S1-R, Aprilia RS660, Kawasaki Z650 und Yamaha R7 bleiben startberechtigt, werden aber durch weitere Modelle wie die Triumph Daytona 660, die Suzuki GSX8R und die CFMOTO 675SR-R ergänzt. Der chinesische Hersteller CFMOTO gibt damit sein TT-Debüt, wobei das Short-Circuit-Team Moto Twelve ein Paar 675SR-R für Shaun Anderson und Jamie Cringle einsetzt.
Michael Dunlop gilt auf seiner Paton als Favorit in der Sportbike-Klasse, nachdem er fünf der letzten sechs Supertwin-Rennen gewonnen hat.

Die TT 2026 im Kontext der Saison
Die Isle of Man TT 2026 findet in einer Phase statt, die von den Veranstaltern als ein goldenes Zeitalter des Events bezeichnet wird. Die Qualifying-Woche beginnt am Montag, dem 25. Mai, mit nicht gewerteten freien Trainingseinheiten und den ersten Qualifying-Sessions. Das erste Rennen steht am Samstag, dem 30. Mai, mit dem Superstock- und Seitenwagen-Auftakt an. Insgesamt werden zehn Rennen in der Rennwoche ausgetragen, wobei der Montag (1. Juni) und der Donnerstag (4. Juni) als Ruhetage eingeplant sind. Das Finale bildet wie gewohnt das Milwaukee Senior TT am Samstag, dem 6. Juni.
Im Seitenwagen-Feld stehen neben den Crowes mindestens sechs Gespanne mit realistischen Podiumschancen, darunter Ben Birchall mit seinem neuen Beifahrer Mark Wilkes, die sich einen 15. TT-Sieg zum Ziel gesetzt haben, sowie die ehemaligen Weltmeister Todd Ellis und Emmanuelle Clément.

Häufige Fragen
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Wann findet die Isle of Man TT 2026 statt?
Die TT 2026 läuft vom 25. Mai bis zum 6. Juni 2026. Die Qualifying-Woche beginnt am Montag, dem 25. Mai, das erste Rennen ist am Samstag, dem 30. Mai, und das Milwaukee Senior TT bildet am 6. Juni den Abschluss.
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Wer fährt die Suzuki GSX-R750 mit der Kevin-Schwantz-Lackierung bei der TT 2026?
Josh Brookes fährt die Suzuki GSX-R750 mit der Pepsi-Suzuki-Hommage-Lackierung für das neu gegründete Team Uggly & Co Racing in den beiden Monster Energy Supersport-Rennen. Der 42-jährige Australier ist zweifacher British Superbike Champion und gab sein TT-Debüt 2013 ebenfalls auf einer Suzuki.
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Wie viele TT-Siege haben die Crowe-Brüder im Seitenwagen?
Ryan und Callum Crowe haben vier TT-Siege im Seitenwagen errungen, alle in den Jahren 2024 und 2025. Ihnen fehlt damit noch ein Sieg, um den Rekord ihres Vaters Nick Crowe mit fünf TT-Siegen einzustellen. Zudem halten sie den Seitenwagen-Rundenrekord mit 121,021 mph.
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Warum fährt Tim Reeves nicht bei der TT 2026?
Tim Reeves hat seinen Start kurzfristig abgesagt und als Grund eine lange und enttäuschende Diskussion im Team- und Familienumfeld genannt, ohne konkrete Details zu nennen. Der achtfache Seitenwagen-Weltmeister hatte sein Comeback für 2026 bereits angekündigt, nachdem er die TT 2025 verpasst hatte.
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Dürfen Newcomer bei der TT 2026 alle Rennen fahren?
Nein. Ab 2026 dürfen Newcomer nicht mehr an den beiden Sechs-Runden-Rennen (Superbike TT und Milwaukee Senior TT) teilnehmen. Diese Änderung wurde im Rahmen der verstärkten Sicherheits- und Wohlergehensmaßnahmen für die Fahrer eingeführt.












