- Dunlop auf der Ducati Panigale V2 über 2,6 mph schneller als der Zweitplatzierte Josh Brookes
- Paul Jordan führt die Sportbike-Wertung mit 120,208 mph auf der Aprilia RS 660 an
- Peter Hickman meldet sich nach seinem schweren Unfall 2025 als Supersport-Dritter zurück
Am Dienstagabend rollten nach der abgeschlossenen Superbike/Superstock-Session die Supersport- und Sportbike-Maschinen auf den 60,7 Kilometer langen Mountain Course der Isle of Man. Was folgte, war eine Demonstration von Michael Dunlop in der Monster Energy Supersport TT und ein vielversprechendes Debüt der neu benannten Sportbike-Klasse mit Paul Jordan an der Spitze. Der Qualifying-Abend hatte mit rund 20 Minuten Verspätung begonnen, nachdem ein Verkehrsunfall auf der Strecke die Freigabe verzögert hatte. Beide Solo-Sessions liefen danach ohne Unterbrechung.

Wie dominant war Michael Dunlop in der Supersport-Klasse?
Michael Dunlop fuhr auf der Ducati Panigale V2 seines Scars/MD Racing Teams eine Rundenzeit von 126,922 mph und lag damit satte 22,8 Sekunden vor dem Zweitplatzierten. Die Überlegenheit des Nordiren war so deutlich, dass sich der Vorsprung auf über 2,6 mph gegenüber Josh Brookes summierte. Dunlop absolvierte zwei Runden auf der V2, startete mit 125,9 mph aus dem Stand und steigerte sich auf seiner zweiten Runde auf die Bestzeit.
Der 33-fache TT-Sieger hat inzwischen alle acht Supersport-Rennen seit der Rückkehr der Klasse 2022 gewonnen. 15 seiner 33 TT-Siege stammen aus der Supersport-Kategorie. 2025 hatte er mit der Ducati Panigale V2 beide Supersport-Rennen bei der TT gewonnen und damit die ersten Ducati-Siege bei der Tourist Trophy seit 30 Jahren eingefahren. Im TT-Radio-Kommentar fasste Co-Kommentator Cam Donald die Ausgangslage vor der Session treffend zusammen: Dunlop sei in der Supersport-Klasse schlicht der Mann, den es zu schlagen gelte.
Laut den Experten im Kommentar liegt ein Teil der Überlegenheit in der Ducati Panigale V2 selbst. Das Motorrad biete eine exzellente Gasannahme und einen sehr direkten Leistungseinsatz. Gleichzeitig gebe es Stabilitätsprobleme, die laut Ex-Fahrer Davy Todd beim Fahren auf der Straße eine Herausforderung darstellen. Dunlop und sein Team hätten über den Winter unter anderem den Tank modifiziert und die Gewichtsverteilung verändert, um diese Schwäche in den Griff zu bekommen. Das Ergebnis spricht für sich.
Wie schlug sich Josh Brookes auf der Suzuki GSX-R750?
Josh Brookes belegte mit 124,271 mph den zweiten Platz und lieferte damit einen starken Auftritt auf der Suzuki GSX-R750 des Carl Cox Motorsport/Uggly & Co Racing Teams. Der Australier, ein ehemaliger Rennsieger in der Supersport-Weltmeisterschaft, fuhr beim North West 200 bereits auf das Podium und setzte diese Form nun auf dem Mountain Course fort.
Im Hintergrund des Teams gibt es eine bemerkenswerte Geschichte: Brookes‘ Datenanalyst für die TT ist Keelan Irwin, der jüngere Bruder von Reece Irwin, dem amtierenden britischen Supersport-Champion. Die Suzuki GSX-R750, auf der Brookes antritt, ist dasselbe Motorrad, auf dem Reece Irwin den britischen Titel gewonnen hatte. Keelan Irwin erklärte im TT Radio, dass die größte Herausforderung bei der Suzuki das Bremsverhalten sei. Das Motorrad basiere auf einem älteren Design, bei dem der Kraftstofftank relativ hoch sitze, was die Gewichtsverteilung beeinflusse. Für die TT hätten sie sowohl am Fahrwerk als auch an der Elektronik größere Änderungen vorgenommen.
Im Kommentar wurde Brookes‘ Topspeed im Speed Trap hervorgehoben: 170 mph auf der Supersport-Maschine, ein Wert, der normalerweise Ducati-Territorium sei. Das spricht für eine starke Motorleistung der von Classic Suzuki und dem Team aufgebauten Maschine.
Die Suzuki GSX-R750 profitiert vom Next-Generation-Reglement, das den Hubraum von den früheren 600 ccm auf 750 ccm angehoben hat. Im Kommentar beschrieb Brookes das Motorrad als perfekte Brücke zwischen 600er und 1000er, mit fast dem gleichen Gewicht und fast der gleichen Leistung.

Wie verlief Peter Hickmans Comeback in der Supersport-Klasse?
Peter Hickman meldete sich mit 123,584 mph auf Platz drei zurück. Der 14-fache TT-Sieger und Inhaber des absoluten Rundenrekords auf dem Mountain Course fährt in der Supersport-Klasse eine Triumph Street Triple 765 RS unter dem Banner von Swan Racing/Trooper Triumph by PHR Performance.
Hickmans Rückkehr ist alles andere als selbstverständlich. Im vergangenen Jahr war er bei einem schweren Qualifying-Unfall bei Kerrowmoar mit über 200 km/h gestürzt, nachdem eine Auspuffhalterung an seiner BMW gebrochen war. Der Unfall hatte Nervenschäden im Oberarm verursacht, und zeitweise war unklar, ob Hickman auf dem gleichen Niveau zurückkehren könnte. Hinzu kamen zwei weitere Stürze beim Daytona 200 Anfang 2026, die den Heilungsprozess weiter komplizierten.
Im TT Radio berichtete sein Teamchef, dass Hickman bei der Superbike/Superstock-Session mit Armkrämpfen zu kämpfen hatte, die auf die Nervenverletzung und die Anspannung zurückzuführen seien. Hickman selbst betonte, er wolle sich in seinem eigenen Tempo aufbauen und nicht den Fehler machen, den schnelleren Fahrern hinterherzujagen. Trotzdem lag er in der Supersport-Klasse nur 0,046 mph hinter dem Viertplatzierten Ian Hutchinson.
Wie sieht das restliche Supersport-Feld aus?
Ian Hutchinson, der 16-fache TT-Sieger, belegte mit 123,538 mph den vierten Platz. Es ist sein erstes TT-Jahr auf Ducati-Maschinen: Er fährt eine Panigale V2 für Burrows Engineering/RK Racing. Hutchinson hatte beim North West 200 bereits eine deutlich bessere Form als in den vergangenen Jahren gezeigt. Im Kommentar wurde betont, dass Hutchinson sich beim ersten Qualifying-Abend zum ersten Mal seit drei TTs wirklich gut fühle.
Paul Jordan komplettierte die Top 5 mit 123,455 mph auf einer zweiten Ducati Panigale V2 für Jackson Racing by Prosper2. Mike Browne auf der Yamaha R6 von Russell Racing folgte als Sechster mit 123,182 mph. Browne hatte sich bewusst gegen die neuere Yamaha R9 entschieden, weil das Team das Motorrad noch nicht für ausreichend ausgereift hielt. Die R6, die seit acht Jahren von Russell Racing entwickelt werde, sei nach wie vor eines der besten Handling-Motorräder auf dem Mountain Course, so Brownes Teamchef Alistair Russell.
Nathan Harrison rundete als Siebter mit 123,081 mph auf der Honda CBR600RR von H&H Motorcycles die Top-Gruppe ab. Im Kommentar wurde er als einer der Fahrer hervorgehoben, die in den kommenden Jahren zur absoluten Spitze stoßen könnten.
Bemerkenswert ist die Markenvielfalt in der Supersport-Klasse: In den Top 10 sind Ducati, Suzuki, Triumph, Yamaha, Honda und Kawasaki vertreten. Dominic Herbertson (KTS Triumph Factory Racing, Triumph Street Triple 765 RS) belegte Platz acht mit 122,633 mph, gefolgt von Conor Cummins auf einer weiteren Suzuki GSX-R750 (North Lincs Components) mit 121,609 mph. Auch internationale Fahrer sind vertreten: Der Finne Erno Kostamo (Platz 20, Ducati Panigale V2), die Franzosen Pierre-Yves Bian (Platz 19, Triumph) und Timothée Monot (Platz 18) fuhren Zeiten oberhalb der 118-mph-Marke.

Wer dominiert die neue Sportbike-Klasse?
Paul Jordan setzte sich in der Carole Nash Sportbike TT mit 120,208 mph auf der Aprilia RS 660 von Jackson Racing by Prosper2 an die Spitze der Zeitenliste. Er war damit knapp eine Meile pro Stunde schneller als Jamie Coward, der auf 119,199 mph kam.
Die Sportbike-Klasse ist die Nachfolgerin der bisherigen Supertwin-Kategorie. Die Umbenennung ist mehr als kosmetisch: Das neue Reglement öffnet die Klasse für Motorräder wie die Triumph Daytona 660, die CFMoto 675SR-R und die Suzuki GSX-8R, die neben den bewährten Paton S1-R, Aprilia RS 660 und Yamaha R7 antreten dürfen. 2026 gilt dabei als Übergangsjahr. Die etablierten Zweizylinder-Spezialisten wie die Paton dürften noch einmal konkurrenzfähig sein, bevor die neuen Sportbike-Maschinen ab 2027 das Feld stärker prägen.
Coward, der auf der Paton S1-R des traditionsreichen Teams Milenco by Padgett’s Motorcycles antritt, zeigte mit seiner Zeit einen starken Auftritt. Der erfahrene Road Racer hatte die gesamte TT 2025 verletzungsbedingt verpasst und kehrte erst beim North West 200 ins Renngeschehen zurück. Teamchef Clive Padgett erklärte im TT Radio, Coward habe beim North West 200 die Paton auf sein Fahrerprofil abgestimmt bekommen und sich sofort wohlgefühlt. Die Session am Dienstag war Cowards erste Runde auf der Sportbike-Maschine in diesem TT-Jahr.
Im Kommentar wurde Cowards Rückkehr emotional eingeordnet. Cam Donald, selbst ehemaliger TT-Fahrer, sprach davon, dass eine verletzungsbedingte Pause am Mountain Course besonders schwer wiege, weil die Streckenkenntnisse mit jeder Saison wüchsen und der Wiedereinstieg nach einem verlorenen Jahr entsprechend herausfordernd sei.
Mike Browne komplettierte auf einer weiteren Paton S1-R (Melbray/Laycock Racing) das Podium mit 119,097 mph. Browne profitiert dabei von der Zusammenarbeit mit Eddie Laycock, einem zweifachen TT-Sieger und Spezialisten für kleine Klassen, der seit Jahren sein Teampartner ist.
Wie international besetzt ist die Sportbike-Klasse?
Die Sportbike-Klasse zeigte beim ersten Qualifying ein bemerkenswert internationales Bild. Andrea Majola aus Italien vom Majo Road Racing Team belegte mit 118,018 mph auf einer Paton S1-R den fünften Platz. Sein Landsmann Stefano Bonetti, mit 83 TT-Starts seit 2004 einer der erfahrensten Piloten im Feld, wechselte in diesem Jahr von der Paton auf eine Aprilia RS 660 des Teams Ducoli Corse und landete auf Platz sieben mit 116,776 mph. Bonetti beschrieb das Motorrad laut Kommentar mit rund 100 bis 105 PS, was für die Sportbike-Zukunft ab 2027 relevante Daten liefere.
Der Tscheche Michal Dokoupil (Indiracing) wurde mit 117,643 mph auf einer weiteren Aprilia RS 660 Sechster. Insgesamt waren in den Top 20 Fahrer aus Großbritannien, Irland, Italien, Tschechien, Frankreich und weiteren Nationen vertreten.
Peter Hickman, in der Supersport-Klasse noch Dritter, fand sich in der Sportbike-Wertung auf Platz zehn mit 115,580 mph auf der Yamaha R7 seines Swan Racing by PHR Performance Teams wieder. Das deutet darauf hin, dass an der Yamaha R7 in dieser Kategorie noch Entwicklungsarbeit zu leisten ist.

Welche Rolle spielt die Paton S1-R in der Sportbike-Klasse?
Drei Paton-Maschinen in den Top 5 der Sportbike-Klasse unterstreichen die Stärke des italienischen Sportbike-Projekts auf dem Mountain Course. Die Paton S1-R ist eine speziell für den Renneinsatz entwickelte Maschine, die aus der SC-Fabrik in Italien stammt und von Andrea und Lorenzo betreut wird. Im TT-Radio-Kommentar erklärte Cam Donald, die Paton sei nach wie vor das Motorrad, das es in der Sportbike-Klasse zu schlagen gelte, weil sie als spezialisierte Rennmaschine Vorteile gegenüber den stärker auf Straßenzulassung ausgelegten Produktionsmotorrädern habe.
Allerdings ist 2026 voraussichtlich das letzte Jahr, in dem die Paton in ihrer aktuellen Form eine dominierende Rolle spielen kann. Ab 2027 soll die Sportbike-Klasse vollständig auf Produktionsmotorräder umgestellt werden. Für dieses Übergangsjahr wurden an der Paton laut Kommentar neue Verkleidungsteile eingeführt, die das Motorrad aerodynamisch näher an ein Moto2-Bike bringen und den Topspeed verbessern sollen.
Was steht als nächstes auf dem Programm?
Am Mittwoch stehen zwei weitere Qualifying-Sessions auf dem Programm. Die erste beginnt bereits um 13:00 Uhr am Nachmittag mit der Supersport/Sportbike-Session, die dritte Qualifying-Runde folgt am Abend ab 18:30 Uhr. Die Sidecar-Session am Dienstagabend war nach nur einer absolvierten Runde wegen eines Zwischenfalls bei Brandish mit roter Flagge abgebrochen worden, sodass die Gespannfahrer am Mittwoch ihre erste echte Qualifying-Chance auf dem Mountain Course erhalten.
Die entscheidende Frage bleibt: Kann in den kommenden Sessions jemand Dunlops Supersport-Dominanz ernsthaft gefährden? Der Vorsprung von über 2,6 mph gegenüber dem Feld lässt vermuten, dass die Kombination aus Dunlop und Ducati Panigale V2 auch im dritten Jahr auf dem Mountain Course das Maß der Dinge in der Mittelgewichtsklasse ist. In der Sportbike-Klasse dürfte die Rangordnung dagegen noch deutlich in Bewegung geraten, sobald alle Fahrer mehr Runden sammeln können.
Die Isle of Man TT 2026 ordnet sich mit diesen beiden Klassen in den übergreifenden Rennkalender des Jahres ein. Im Supersport-Bereich hat Dunlop inzwischen acht Siege in Folge bei der TT vorzuweisen, was die längste Siegesserie eines einzelnen Fahrers in dieser Klasse darstellt. Die Sportbike-Kategorie wiederum steht am Beginn einer neuen Ära, die den Übergang von spezialisierten Rennmaschinen hin zu seriennahen Produktionsmotorrädern markiert.

Häufige Fragen
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Wer war der schnellste Fahrer im Supersport-Qualifying der TT 2026?
Michael Dunlop fuhr auf der Ducati Panigale V2 seines MD Racing Teams die schnellste Supersport-Zeit von 126,922 mph. Er lag damit 22,8 Sekunden und über 2,6 mph vor dem Zweitplatzierten Josh Brookes auf der Suzuki GSX-R750.
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Was ist die Sportbike-Klasse bei der Isle of Man TT?
Die Sportbike-Klasse ersetzt ab 2026 die bisherige Supertwin-Kategorie. Das neue Reglement erlaubt neben den bewährten Zweizylinder-Maschinen wie Paton S1-R und Aprilia RS 660 auch Dreizylinder-Motorräder und BSB-Sportbikes wie die Triumph Daytona 660.
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Wie hat sich Peter Hickman nach seinem Unfall 2025 geschlagen?
Peter Hickman kehrte nach seinem schweren Qualifying-Unfall im Vorjahr auf den Mountain Course zurück und belegte im Supersport-Qualifying den dritten Platz mit 123,584 mph. In der Sportbike-Klasse wurde er Zehnter mit 115,580 mph.
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Welches Motorrad dominiert die Sportbike-Klasse der TT 2026?
Paul Jordan führte die Sportbike-Klasse auf einer Aprilia RS 660 an, doch drei Paton S1-R landeten in den Top 5. Die Paton gilt als spezialisierte Rennmaschine mit Vorteilen auf dem Mountain Course, steht aber voraussichtlich vor ihrem letzten dominanten Jahr.
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Wie viele Supersport-Siege hat Michael Dunlop bei der TT?
Michael Dunlop hat alle acht Supersport-Rennen bei der Isle of Man TT seit der Rückkehr der Klasse 2022 gewonnen. Insgesamt stammen 15 seiner 33 TT-Siege aus der Supersport-Kategorie.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Berichterstattung zur Isle of Man TT 2026. Alle Informationen zu Zeitplan, Fahrern, Teams und Ergebnissen findest du in unserem kompletten TT 2026 Überblick.












