- Zuschlag bei 130.000 Pfund (circa 152.000 Euro / 173.000 US-Dollar), mit Aufgeld und Gebühren 149.500 Pfund (circa 175.000 Euro / 199.000 US-Dollar)
- Käufer ist der Brite Tim Whittaker, der beruflich aus dem Fahrzeugbau kommt
- Antrieb: 8,0-Liter-V10 aus der Dodge Viper mit rund 507 PS (373 kW) und 712 Nm (525 lb-ft)
Am 22. Juli 2026 ging im National Motorcycle Museum in Solihull ein Kapitel zu Ende, das 2004 in einer Einzelgarage in der englischen Grafschaft Berkshire begonnen hatte. Allen Millyard, Ingenieur, YouTuber und aus Fernsehformaten wie „The Motorbike Show“ bekannt, trennte sich von seinem berühmtesten Eigenbau. Die Millyard Viper V10 kam beim Auktionshaus H&H Classics unter den Hammer und wechselte damit zum ersten Mal überhaupt den Besitzer. Drei Tage später haben sich Millyard und der Käufer erstmals gemeinsam zu dem Verkauf geäußert.

Wer hat die Millyard Viper V10 gekauft?
Käufer ist Tim Whittaker aus Großbritannien, der beruflich aus dem Fahrzeugbau kommt. Er saß während der Versteigerung im Saal und beschreibt den Kauf als einmalige Gelegenheit.
Whittaker berichtet, dass ihn die Maschine schon beim ersten Anblick vor einigen Jahren beeindruckt habe. Mit seinem beruflichen Hintergrund habe er kaum glauben können, dass eine einzelne Person so etwas entworfen und gebaut hat. Als er von der Versteigerung erfuhr, sei ihm klar gewesen, dass sich diese Chance kein zweites Mal ergeben würde.
Wichtiger als der Zuschlag selbst ist ihm offenbar, was danach passiert. Er wolle nicht, dass ein solches Motorrad in einer privaten Sammlung verschwindet, sondern es solle gefahren und genutzt werden. Wie er richtig mit der Maschine umgeht, will er sich von Millyard selbst zeigen lassen. In seinem Statement heißt es dazu: „It deserves to be ridden and enjoyed, and I’m looking forward to learning from Allen how to ride it properly.“ Übersetzt: „Sie hat es verdient, gefahren und genossen zu werden, und ich freue mich darauf, von Allen zu lernen, wie man sie richtig fährt.“
Whittaker betont außerdem, dass die Maschine in Großbritannien bleibt. In den Wintermonaten will er sie dem National Motorcycle Museum als Leihgabe überlassen, damit Besucher sie weiterhin sehen können. Aktuell steht die Viper V10 ohnehin noch im Museum.
Wie viel hat die Viper V10 bei der Auktion gebracht?
Der Hammer fiel bei 130.000 Pfund (circa 152.000 Euro / 173.000 US-Dollar). Mit Aufgeld und Gebühren summierte sich der Gesamtpreis auf 149.500 Pfund (circa 175.000 Euro / 199.000 US-Dollar).
Damit landete das Ergebnis knapp unter dem oberen Rand der Schätzung. H&H Classics hatte die Maschine im Vorfeld mit 100.000 bis 150.000 Pfund (circa 117.000 bis 176.000 Euro / 133.000 bis 200.000 US-Dollar) taxiert. Die Viper V10 war Losnummer 399 einer Versteigerung mit insgesamt 328 Positionen, die von Erinnerungsstücken über laufende Projekte bis zu restaurierten Klassikern reichte.
Für Millyard war es die erste seiner Konstruktionen, die er direkt und selbst über ein Auktionshaus angeboten hat. Damit hebt sich der Verkauf von den übrigen Millyard-Umbauten ab, die in den vergangenen Jahren über Zwischenbesitzer den Markt erreichten.

Wie Allen Millyard den Verkaufstag erlebt hat
Millyard war den ganzen Tag vor Ort. Nach seiner Schilderung war er von halb sieben morgens bis halb sieben abends im Museum und hat durchgehend Kataloge signiert, auf deren Titelseite er zusammen mit der Maschine abgebildet ist.
Als seine Losnummer aufgerufen wurde, fragte er das Publikum, ob es den Motor noch einmal hören wolle. Nach Zurufen aus dem Saal startete er die Maschine und ließ sie kurz drehen. Er beschreibt den Käufer als sehr angenehmen Menschen, der sich sichtlich auf die Aufgabe freue, und kündigte an, in Kontakt zu bleiben.
Zum Ergebnis selbst äußerte sich Millyard einen Tag später gegenüber Medien mit den Worten: „I’m well chuffed!“ Übersetzt: „Ich freue mich riesig!“ Er ergänzte, man müsse sich das zwei oder drei Mal sagen, weil es sehr viel Geld für ein Motorrad sei und es nicht viele Motorräder gebe, die eine solche Summe erzielen.
Am meisten freut ihn nach eigenen Angaben, dass die Maschine im Land bleibt und tatsächlich bewegt wird. Der neue Besitzer wolle sich zunächst auf abgesperrten Flugplätzen an sie herantasten und sie später auch auf der Straße nutzen, sofern er sich sicher fühlt.
Warum trennt sich Millyard von seinem bekanntesten Motorrad?
Millyard hatte den Verkauf bereits im Juni 2026 angekündigt und ihn als sehr schwierige Entscheidung bezeichnet, die aber Platz für neue Projekte schaffe. Er begründete den Schritt damit, dass er mit der Maschine nichts mehr beweisen müsse.
Dazu kommen praktische Gründe: Die Viper V10 nimmt viel Raum im Haus ein, und ihre Pflege bindet Zeit. Millyard verwies außerdem auf einen V8, den er 2001 gebaut und später verkauft hatte. Dieser Verkauf habe ihm und seinen Kindern viel ermöglicht. Für ihn liege der Reiz ohnehin im Bauen und in der technischen Herausforderung, weniger im Besitzen. Gleichzeitig räumte er gemischte Gefühle ein, eine Hälfte von ihm frage sich, was er da tue, die andere sei aufgeregt.
Der Erlös fließt nun in neue Projekte und eine größere Werkstatt. Für das kommende Jahr hat Millyard bereits angekündigt, sich an etwas Interessantem zu versuchen.

Wie ist die Millyard Viper V10 technisch aufgebaut?
Die Maschine hat keinen klassischen Motorradrahmen, stattdessen dient der Motor selbst als tragendes Element. Vorn ist ein Stahlrohr-Hilfsrahmen angeschraubt, hinten ein Hilfsrahmen aus Aluminium, die Einarmschwinge sitzt direkt am Getriebe.
Der Antrieb ist ein 8,0-Liter-V10 mit Stößelstangen und 20 Ventilen aus einer Dodge Viper GTS der zweiten Generation aus den mittleren 1990er-Jahren. Er leistet nach Angaben des Auktionshauses rund 507 PS (373 kW) und liefert 712 Nm (525 lb-ft). Allein der Motor wiegt über 318 kg (700 lbs), das gesamte Motorrad kommt auf mehr als 600 kg (über 1.300 lbs).
Serienmäßige Gabeln wären mit diesen Kräften überfordert gewesen, deshalb baute Millyard sich eine eigene. Die Standrohre mit 75 Millimetern Durchmesser stammen von JCB-Hydraulikzylindern, die Dämpferstangen von einem Opel Omega, die Federn kommen von Hagon. Hinten arbeiten zwei umgearbeitete Federbeine einer Yamaha R1. Die Krümmer sind handgefertigt und keramikbeschichtet, als Hitzeschutz dient ein hochtemperaturfestes Keramikmaterial, das dem an der Unterseite des Space Shuttle ähnelt.
Geschaltet wird nicht. Angesichts des Drehmoments entschied sich Millyard früh für eine einzige feste Übersetzung. Über verschiedene hintere Kettenräder lässt sich die rechnerische Höchstgeschwindigkeit zwischen etwa 257 km/h (160 mph) und über 434 km/h (270 mph) festlegen. Das gusseiserne Schwungrad der Viper tauschte er gegen ein Aluminiumteil, nachdem ihn das Reaktionsmoment beim ersten Start beinahe von der Maschine geworfen hatte.
Was die Viper V10 an Rekorden gesammelt hat
Die Maschine bestand die britische Einzelabnahme im ersten Anlauf und wurde am 1. August 2009 unter dem Kennzeichen RX09 LVH für den Straßenverkehr zugelassen. Nach einer Auszeichnung beim Salon Privé 2014 trägt sie heute das Kennzeichen V10 OTT.
Im August 2009 fuhr Testfahrer Bruce Dunn auf dem Gelände in Bruntingthorpe 333,3 km/h (207,101 mph). Dabei war eine längere Übersetzung montiert, und laut Berichten nutzte er nicht einmal die volle Drosselklappenöffnung. Millyard selbst war zuvor bereits 309,9 km/h (192,53 mph) gefahren.
Im Mai 2023 kam ein Weltrekord dazu. Millyard und der Fernsehmoderator Henry Cole fuhren die Viper V10 zu zweit über die Landebahn des Flugplatzes Elvington in North Yorkshire und wurden auf 295,3 km/h (183,5 mph) über die stehend gestartete Meile gestoppt. Guinness bestätigte den Lauf. Der Vorgängerwert von 291,9 km/h (181,42 mph) stammte aus dem Jahr 2011. Bestand hatte die Marke bis zum 23. März 2025, als am selben Ort 377,7 km/h (234,7 mph) auf einer aufgeladenen Suzuki Hayabusa erreicht wurden.
Trotz Gewicht, hohem Verbrauch und fehlendem Komfort ist die Maschine kein reines Ausstellungsstück. Millyard legte mit ihr über 9.000 Meilen (circa 14.500 km) zurück, darunter Fahrten nach Guernsey, auf die Isle of Wight und eine Runde über den Kurs der TT auf der Isle of Man. Bis zum Verkauf hatten nur drei Personen die Maschine bewegt: Millyard selbst sowie die früheren Testfahrer Bruce Dunn und Trevor Franklin. Mit Tim Whittaker kommt nun ein vierter Name dazu.

Welche weiteren Millyard-Umbauten kamen unter den Hammer?
Neben der Viper V10 standen mehrere frühere Millyard-Konstruktionen zum Verkauf, angeboten von ihren jeweiligen Besitzern. Zwei davon fanden neue Eigentümer.
Eine Honda SS250 von 1974, bei der ein flüssigkeitsgekühlter Motocross-Motor einer Kawasaki KX250F von 2006 in eine Honda SS50 gewandert ist, erzielte 14.375 Pfund (circa 16.800 Euro / 19.100 US-Dollar). Eine Kawasaki S2 von 1972 mit einem von Millyard gebauten Fünfzylinder mit 415 Kubikzentimetern brachte 21.563 Pfund (circa 25.300 Euro / 28.700 US-Dollar). Eine Kawasaki S1 550 von 1978, für die Millyard zwei 250er-Dreizylinder zu einem Vierzylinder zusammengefügt hatte, blieb zunächst unverkauft.
Der Verkauf reiht sich damit in ein Auktionsjahr ein, in dem Eigenbauten und Sondermaschinen zunehmend Preise erzielen, die sonst historischen Werksmotorrädern vorbehalten sind.

Häufige Fragen
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Was hat die Millyard Viper V10 bei der Auktion gekostet?
Der Zuschlag lag bei 130.000 Pfund (circa 152.000 Euro / 173.000 US-Dollar). Mit Aufgeld und Gebühren summierte sich der Gesamtpreis auf 149.500 Pfund (circa 175.000 Euro / 199.000 US-Dollar). Die Schätzung von H&H Classics hatte bei 100.000 bis 150.000 Pfund gelegen.
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Wer ist der neue Besitzer der Viper V10?
Käufer ist der Brite Tim Whittaker, der beruflich aus dem Fahrzeugbau kommt. Er hat angekündigt, die Maschine zu fahren statt sie einzulagern, und will sie dem National Motorcycle Museum über die Wintermonate als Leihgabe überlassen.
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Wie viel Leistung hat die Millyard Viper V10?
Der 8,0-Liter-V10 aus der Dodge Viper leistet nach Angaben des Auktionshauses rund 507 PS (373 kW) und liefert 712 Nm (525 lb-ft). Allein der Motor wiegt über 318 kg (700 lbs).
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Wie schnell ist die Viper V10?
Die höchste gemessene Geschwindigkeit liegt bei 333,3 km/h (207,101 mph), gefahren 2009 von Bruce Dunn in Bruntingthorpe. Zu zweit erreichten Allen Millyard und Henry Cole 2023 auf dem Flugplatz Elvington 295,3 km/h (183,5 mph) und stellten damit einen Guinness-Weltrekord auf.
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Warum hat Allen Millyard die Viper V10 verkauft?
Millyard erklärte, er müsse mit der Maschine nichts mehr beweisen, sie brauche viel Platz und ihre Pflege binde Zeit. Der Erlös soll in neue Projekte und eine größere Werkstatt fließen.












