- Basis: verunfallte Moto Guzzi 1000 SP Spada, Baujahr 1981, mit 949 ccm V-Twin
- Sämtliche Karosserieteile komplett neu aus Aluminium handgefertigt
- Lackfreies Finish: gebürstetes Aluminium mit Klarlack als Markenzeichen von Shiny Hammer
Die Moto Guzzi 1000 SP gehört zu den Motorrädern, die in den späten 1970er Jahren eine neue Kategorie mitbegründeten. Ab 1978 stellte Moto Guzzi die SP1000 als werksseitig vollverkleidetes Sporttouring-Modell vor, das als direkte Antwort auf die BMW R100RS von 1977 gedacht war. Das Kürzel SP stand für „Super Protection“ und bezog sich auf die zweiteilige Verkleidung, die Moto Guzzi im hauseigenen Windkanal entwickelt hatte. Das untere Segment war am Rahmen montiert, das obere an der Telegabelbrücke. Der Tonti-Rahmen, benannt nach Konstrukteur Lino Tonti, bildete das Rückgrat der Maschine. Mit seinen zwei geraden, parallelen Oberrohren, die zwischen den seitlich herausragenden Zylindern verliefen, ermöglichte er eine niedrige Sitzposition. Der luftgekühlte 90-Grad-V-Twin mit 949 ccm Hubraum, 88 mm Bohrung und 78 mm Hub leistete 71 PS (52 kW) bei 6.800 U/min und lieferte ein Drehmoment von 84 Nm (62 lb-ft) bei 5.200 U/min. Die Kraft gelangte über ein Fünfgang-Getriebe und den für Guzzi typischen Kardanantrieb an das Hinterrad.

Wie wurde aus einer verunfallten Spada ein Café Racer?
Die Ausgangslage für dieses Projekt war alles andere als ideal. Samuel Aguiar fand die 1000 SP als Unfallfahrzeug, bei dem das Vorderrad buchstäblich bis in den Motorblock gedrückt worden war. Gabel und Vorderradaufhängung waren massiv verbogen. Bevor überhaupt an einen Umbau zu denken war, musste die Maschine erst einmal gerade gerichtet werden. Am Motor selbst war laut Aguiar lediglich die Lichtmaschine defekt. Nach deren Austausch und einer gründlichen Inspektion lief der 949-ccm-V-Twin wieder einwandfrei.
Die Spada galt zu ihrer Zeit als zuverlässige Touringmaschine mit stabilen Fahreigenschaften und einem integrierten Bremssystem, das die Verzögerung auf beide Achsen verteilte. Der entspannt ausgelegte V-Twin schickte seine Leistung über den Kardanantrieb an das Hinterrad und konnte stundenlang bei Autobahngeschwindigkeit dahinrollen. Was allerdings weniger gut gealtert ist, war die Kunststoffverkleidung, die Ende der 1970er Jahre noch als modern galt, aber mit den Jahren zunehmend unzeitgemäß wirkte.
Genau hier setzte Aguiar an. Seine Idee war es, bei der Tankform auf ein bekanntes, klassisches Design zu setzen, dann aber beim vorderen Schutzblech ins Ungewöhnliche abzubiegen. Er spricht davon, dass er eine Art „seltsamen Café Racer“ erschaffen wollte, der konventionelle und unorthodoxe Stilelemente miteinander kombiniert.
Welche Motormodifikationen hat Shiny Hammer vorgenommen?
Nach der Instandsetzung des Motors ging Aguiar über die reine Wiederherstellung hinaus. Die serienmäßigen 32-mm-Dell’Orto-Vergaser wichen einem Paar 36-mm-Einheiten desselben Herstellers, die über eigens angefertigte Ansaugtrichter aus Aluminium atmen. Die Abgasanlage ist eine komplette Sonderanfertigung aus Edelstahl. Zwei gerade durchlaufende Rohre mit integrierten Schalldämpfereinsätzen halten den Geräuschpegel in Grenzen, ohne den Klang des V-Twins übermäßig zu dämpfen.

Was macht die Karosserie dieses Umbaus so besonders?
Das eigentliche Herzstück des Projekts ist die komplett neue Karosserie aus Aluminium. Tank, Verkleidung, Heckpartie und Schutzbleche wurden von Aguiar in Handarbeit geformt. Die Konturen des Tanks und der kleinen Frontverkleidung, in die ein Scheinwerfer eines Peugeot Ludix Rollers eingelassen ist, wirken präzise und gleichzeitig organisch. Das vordere Schutzblech und die verkürzte Heckpartie liefern den gewollten Bruch mit der klassischen Café-Racer-Optik.
Für die Umsetzung musste sich Aguiar eine neue Fähigkeit aneignen. Er erzählt, dass er seit Jahren Aluminium schweißen lernen wollte und sich für dieses Projekt ein WIG-Schweißgerät angeschafft hat. Die Ergebnisse lassen nicht erkennen, dass es sich um ein Lernprojekt handelte. Schweißnähte sind an den fertigen Teilen praktisch nicht zu finden.
Die Entscheidung, auf Lackierung zu verzichten, fiel erst im Prozess. Aguiar überlegte zunächst, die Karosserie schwarz oder grau zu lackieren, entschied sich dann aber dafür, das Aluminium lediglich zu bürsten und mit Klarlack zu versiegeln. Das Ergebnis ist ein Motorrad, bei dem die gesamte Partie oberhalb des Motors wie aus einem einzigen Stück Aluminium geformt wirkt. Der gleiche Ansatz wurde auf den Rahmen übertragen. Nach dem Einschweißen eines engeren Heckrahmens blieb auch der Stahl unlackiert, wurde gebürstet und mit Klarlack gegen Korrosion geschützt.
Die Farbakzente an diesem Motorrad ergeben sich nicht aus Lack, sondern aus den Materialien selbst. Das leichte Bläuen der Auspuffkrümmer durch die Hitzeeinwirkung, das Rot der Rücklichtlinse und das Leuchten des Motogadget Motoscope Pro Dashboards setzen die einzigen Farbpunkte. Das Leder des Sitzes wurde in Nardo-Grau gewählt, passend zum Farbton der Motorgehäuse. Bei Dunkelheit sollen sich die Lichter des digitalen Dashboards auf dem polierten Tank spiegeln und dort ein rötliches Lichtspiel erzeugen.
Welches Fahrwerk und welche Komponenten stecken im Shiny Hammer Café Racer?
Das Fahrwerk kombiniert überarbeitete Originalteile mit hochwertigen Zubehörkomponenten. Die Telegabel stammt von der Serien-Spada, wurde aber überholt, leicht tiefergelegt und mit Brembo-Bremsen bestückt. Die Gabelbrücke hat Aguiar abgerundet und poliert, um das Cockpit optisch aufzuräumen. Direkt dahinter sitzt der Motogadget Motoscope Pro als digitaler Tacho, die aktuellste Generation des Motogadget-Dashboards.
Am Heck kommen öl-pneumatische Federbeine von Fournales zum Einsatz. Diese Vintage-Federbeine verfügen über luftgefederte Dämpfer, deren Federvorspannung sich mit einer herkömmlichen Fahrradluftpumpe einstellen lässt. Der gewünschte Luftdruck wurde so eingestellt, dass zusammen mit der tiefergelegten Front eine ausbalancierte Fahrzeuglinie entsteht.
Die originalen 18-Zoll-Gussräder wurden durch speziell angefertigte Speichenräder von Morad ersetzt, ebenfalls im 18-Zoll-Format, mit Breiten von 2,5 Zoll vorn und 3,5 Zoll hinten. Aufgezogen sind Avon Roadrider AM26 Reifen. Tarozzi-Fußrastenanlage, eine Beringer-Hauptbremszylinder-Armatur mit speziellem Hebel vorn und eine Brembo-Bremsanlage komplettieren das Fahrwerk. Der hintere Hauptbremszylinder stammt von einem 50-ccm-Roller und arbeitet über eine eigens angefertigte Anlenkung.

Wer ist Samuel Aguiar und was steckt hinter Shiny Hammer?
Samuel Aguiar betreibt seine Werkstatt Shiny Hammer in Saint-Quentin, einer Stadt nahe der belgischen Grenze in Nordfrankreich. Er arbeitet hauptberuflich als Möbeldesigner und baut in unregelmäßigen Abständen Motorräder. Seine früheren Projekte könnten unterschiedlicher kaum sein: ein stromlinienförmiger Elektroroller namens „Hope“ auf Basis eines Vectrix VX-1, der optisch an eine Mischung aus einem frühen Porsche 356, einem iPhone und einem Pokémon erinnern soll, sowie ein aufwendig umgebauter Harley-Davidson Shovelhead FLH von 1972.
Das Verzichten auf Lack und das Arbeiten mit rohen, polierten Metalloberflächen entwickelt sich bei Shiny Hammer zu einem Erkennungsmerkmal. Es ist ein Ansatz, der keine Fehler verzeiht, weil es keine Farbschicht gibt, hinter der sich Unebenheiten verstecken ließen.
Die Guzzi ist ein persönliches Projekt. Aguiar gibt zu, dass er sich bei jedem Aufbau vornimmt, das fertige Motorrad zu verkaufen, sich dann aber regelmäßig in das Ergebnis verliebt. Die meisten seiner Aufbauten behält er selbst, weil jede Maschine einen eigenen Charakter hat.

Häufige Fragen
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Was ist die Moto Guzzi 1000 SP Spada?
Die Moto Guzzi 1000 SP war ein ab 1978 gebautes Sporttouring-Motorrad mit werksseitiger Verkleidung. Das Kürzel SP stand für „Super Protection“ und bezog sich auf die im Windkanal entwickelte zweiteilige Verkleidung. Der luftgekühlte 949-ccm-V-Twin leistete 71 PS (52 kW) bei 6.800 U/min.
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Welche Änderungen hat Shiny Hammer am Motor der Moto Guzzi 1000 SP vorgenommen?
Samuel Aguiar hat die serienmäßigen 32-mm-Dell’Orto-Vergaser durch größere 36-mm-Einheiten ersetzt und eine komplette Edelstahl-Abgasanlage mit integrierten Schalldämpfereinsätzen angefertigt. Der 949-ccm-Motor selbst benötigte nach dem Unfall lediglich eine neue Lichtmaschine.
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Warum hat die Shiny Hammer Moto Guzzi keine Lackierung?
Samuel Aguiar entschied sich dafür, das handgeformte Aluminium lediglich zu bürsten und mit Klarlack zu versiegeln, anstatt es zu lackieren. Bei unlackierten Oberflächen gibt es keinen Schutzanstrich, der Unebenheiten kaschiert, was ein hohes Maß an handwerklicher Präzision erfordert. Die Technik des rohen Metalls entwickelt sich bei Shiny Hammer zu einem Markenzeichen.
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Welche Federbeine hat der Shiny Hammer Café Racer?
Am Heck sind öl-pneumatische Federbeine von Fournales verbaut. Diese Vintage-Federbeine haben eine einstellbare Luftfederung, die sich mit einer normalen Fahrradluftpumpe auf den gewünschten Druck bringen lässt.

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