- Marco Bezzecchi (Aprilia) fuhr in 1:31,123 Minuten die Bestzeit vor Raul Fernandez und Pedro Acosta
- Fermin Aldeguer kam nach einem Sturz ins Krankenhaus, die Diagnose blieb zunächst offen
- In Assen wird erstmals ohne das vordere Holeshot-Device gestartet
Der Auftakt zum MotoGP Assen verlief turbulent. Bei tropischen Bedingungen auf dem TT Circuit dominierte Aprilia das Zeittraining, während sich die Stürze häuften und das Kundenteam Gresini gleich zwei Piloten zur Untersuchung schicken musste. Der Freitag ordnet sich in eine Saison ein, in der die Aprilia-Piloten Marco Bezzecchi und Jorge Martin die WM-Tabelle anführen, Fabio Di Giannantonio als Dritter 23 Punkte zurückliegt und Titelverteidiger Marc Marquez 40 Punkte fehlen. Hinzu kommt eine technische Neuerung, die in Assen erstmals greift und für reichlich Gesprächsstoff sorgte.

Wer war am Freitag in Assen am schnellsten?
Schnellster Mann des Trainingstags war Marco Bezzecchi auf der Aprilia mit einer Bestzeit von 1:31,123 Minuten. Dahinter folgte mit Raul Fernandez ein weiterer Aprilia-Pilot, vor Pedro Acosta auf der KTM und Ai Ogura, ebenfalls Aprilia. Damit lagen die Maschinen aus Noale zeitweise mit allen vier Fahrern an der Spitze, ehe Francesco Bagnaia als Fünfter die Aprilia-Phalanx durchbrach.
Bezzecchi meldete sich damit nach einem schwierigen Wochenende in Brünn zurück. Er sprach von einem sehr guten Tag und erklärte, dass er sich auf dem Motorrad wohlgefühlt und das Fahren genossen habe. Auf die Frage, woran die Steigerung im letzten Streckensektor liege, verwies er auf Verbesserungen am Motorrad und eine genaue Analyse der Vorjahresdaten. Die größte Baustelle bleibe weiterhin die Stabilität, da die Aprilia viele Bewegungen zeige. Marc Marquez beendete den Tag als Sechster, gefolgt von Di Giannantonio und Bastianini. Alex Marquez sicherte sich vor seinem Sturz noch den direkten Einzug in das zweite Qualifying, dahinter verpasste Franco Morbidelli den Sprung in die Top Ten um 0,026 Sekunden.
Warum kam es in Assen zu so vielen Stürzen?
Als Hauptursache für die Sturzserie galt die extreme Hitze, die die Umgebungstemperatur zu Trainingsbeginn am Nachmittag auf rund 35 Grad trieb. Die hohen Streckentemperaturen setzten den Reifen zu und entfachten erneut die Diskussion über das Wohlbefinden der Fahrer. Francesco Bagnaia führte die vielen Stürze auf die Temperaturen zurück und verglich die Bedingungen mit denen in Indien. Je mehr Runden auf den Reifen kämen, desto mehr Bewegung entstehe durch die Hitze.
Jorge Martin, der in der Schlussphase ebenfalls stürzte, sprach davon, dass sich Assen eher wie ein Vulkan als wie eine Rennstrecke angefühlt habe. Er habe selbst in Thailand oder Malaysia keine vergleichbaren Bedingungen erlebt und stellte infrage, ob ein Rennen über die volle Distanz unter diesen Umständen sinnvoll sei. Da die Höchsttemperatur am Sonntag voraussichtlich unter 30 Grad falle, sah er das Problem allerdings entschärft. Enea Bastianini bezeichnete die Strecke am Nachmittag als gefährlich und berichtete von deutlich schlechterem Grip. Nicht alle Fahrer teilten diese Einschätzung. Honda-Pilot Luca Marini ordnete die hohe Sturzzahl dem Fahren am Limit zu und sah die Hitze nicht als entscheidenden Faktor. Auch Marc Marquez verneinte, dass ihm die Temperatur körperlich zugesetzt habe.

Wie geht es Fermin Aldeguer und Alex Marquez?
Bei Fermin Aldeguer blieb die Lage zunächst unklar, während bei Alex Marquez Entwarnung gegeben werden konnte. Aldeguer stürzte nach rund 45 Trainingsminuten in der schnellen Kurve 11, rutschte ins Kiesbett und überschlug sich dabei mehrfach. Nach der Erstversorgung im Medical Center brachte ihn das Team Gresini zur weiteren Untersuchung von Brust und Rücken in ein nahegelegenes Krankenhaus. Auch Stunden nach dem Abtransport lag noch keine Diagnose vor.
Wenige Minuten nach Aldeguer stürzte an nahezu derselben Stelle auch dessen Teamkollege Alex Marquez, woraufhin das Training mit roter Flagge unterbrochen wurde. Der Spanier wurde vom Motorrad abgeworfen und konnte die Unfallstelle nur gestützt verlassen. Die Untersuchungen ergaben eine Prellung an der rechten Schulter sowie Schürfwunden am linken Arm, die Röntgenaufnahme der Schulter blieb ohne Befund. Das war insofern bedeutsam, als sich Marquez bei einem schweren Sturz im Rennen von Barcelona am 17. Mai das rechte Schlüsselbein gebrochen hatte und operiert worden war. Sein Bruder Marc Marquez gab nach eigener Anschauung Entwarnung und berichtete, Alex habe sich nichts gebrochen, klage aber über Schmerzen am ganzen Körper. Vor dem zweiten freien Training am Samstagvormittag steht eine erneute medizinische Untersuchung an, von der die Fortsetzung des Wochenendes abhängt.
Warum kritisiert Marc Marquez das Risiko in Assen?
Marc Marquez schätzt zwar das Streckenlayout in Assen, lehnt aber das damit verbundene hohe Risiko ab. Er beschrieb die Richtungswechsel als zu schnell und die Strecke als zu eng, sodass kleine Fehler teuer werden könnten. Das Layout an sich gefalle ihm, das Risiko jedoch nicht.
Der Titelverteidiger verwies dabei auf die mit Kies gefüllten Auslaufzonen, in denen sich große Steine befänden. Dies entspreche zwar dem Reglement, behage ihm aber nicht. Assen sei eine der Strecken, auf denen er sich Regen wünsche, was in diesem Jahr jedoch ausbleiben dürfte. Marquez selbst war bereits im Vormittagstraining in der Schikane gestürzt, was er als eigenen Fehler bezeichnete. Im Zeittraining sicherte er sich mit Rang sechs den direkten Einzug in das Qualifying und beendete seinen Arbeitstag früher, nachdem das Ergebnis aus seiner Sicht ausreichte. Auch Jorge Martin und der LCR-Honda-Pilot Diogo Moreira gingen im Laufe des Tages zu Boden, beide blieben unverletzt.

Was ändert sich durch das Verbot des Holeshot-Device?
Ab dem Wochenende in Assen ist das vordere Holeshot-Device beim Start verboten, womit der Sprint am Samstag der erste Renneinsatz ohne die Vorrichtung ist. Die Fahrer nutzten die Übungsstarts nach den Sessions, um sich auf die neue Situation einzustellen. Ziel der Maßnahme ist es, die Starts wieder einfacher und sicherer zu machen und die Abhängigkeit von aufwendigen Fahrhilfen zu reduzieren. Eine ergänzende Regeländerung, die Vergrößerung der Abstände zwischen den Startreihen von neun auf zwölf Meter, greift erst ab dem folgenden Rennen am Sachsenring.
Die Einschätzungen der Fahrer fielen unterschiedlich aus. Marc Marquez, der bereits vor Einführung der Vorrichtung in der MotoGP fuhr, erklärte, vom Start bis zur ersten Kurve sei es nun deutlich gefährlicher, vom Bremspunkt in die Kurve hingegen sicherer. Bei zwei seiner vier Übungsstarts habe das Vorderrad bis zur ersten Kurve nicht den Boden berührt. Da das hintere Device weiterhin erlaubt sei, bleibe genügend Performance erhalten. Pedro Acosta sprach von einem unbekannten Faktor, da man zwar das Startverhalten der eigenen Markenkollegen kenne, nicht aber das der Konkurrenz. Er hätte die Vorrichtung am liebsten ganz abgeschafft. Fabio Di Giannantonio äußerte Bedenken und verwies auf die Gefahr, dass das Vorderrad vor der ersten Kurve noch nicht sauber aufsetze und wegrutschen könne. Marco Bezzecchi rechnete damit, in der ersten Kurve langsamer anzukommen und zugleich eine höhere Wheelie-Neigung zu haben, eine klare Vorstellung erwarte er erst im Sprint.
Die geänderten Vorgaben sorgten zudem bereits für erste Strafen. Marco Bezzecchi und Raul Fernandez wurden von den MotoGP-Stewards mit Geldstrafen belegt, weil sie sich bei den Übungsstarts nach dem ersten Training entgegen den Vorgaben vor bereits wartenden Motorrädern eingeordnet hatten. Bezzecchi muss als Wiederholungstäter 2.000 Euro (rund 2.280 US-Dollar) zahlen, Fernandez erhielt für sein erstes Vergehen 1.000 Euro (rund 1.140 US-Dollar).
Welche Strafe erhielt Franco Morbidelli?
Franco Morbidelli erhielt eine Strafe von drei Startplätzen für das Rennen am Sonntag. Die FIM-Stewards werteten es als Behinderung, dass der VR46-Ducati-Pilot in der schnellen Passage von Kurve 12 langsam auf der Ideallinie unterwegs war, während sich Enea Bastianini auf einer schnellen Runde befand.
Bastianini musste daraufhin neben die Strecke ausweichen und seine Runde abbrechen. Laut der Mitteilung der Stewards verstieß Morbidelli damit gegen Artikel 1.21.2 des Reglements, es handelte sich um das zweite derartige Vergehen der Saison. Morbidelli äußerte sich knapp und räumte ein, Bastianini behindert zu haben und dafür bestraft worden zu sein. Trotz der Behinderung gelang Bastianini in der Schlussphase noch der direkte Einzug in das zweite Qualifying.

KTM und Pedro Acosta zwischen Topzeit und Sorgen
Pedro Acostas dritter Platz täuscht nach eigener Einschätzung über die tatsächliche Pace der KTM hinweg. Der Spanier stellte klar, dass das Team derzeit nicht um die vordersten Ränge kämpfen könne und das Motorrad in den schnellen Kurven, etwa in Kurve 6 und Kurve 14, zu viele Bewegungen zeige. Über eine Distanz von 26 Runden sei dies schwer zu kontrollieren.
Hinzu kommen die jüngsten technischen Probleme bei KTM, die Acosta beim vergangenen Rennen in Brünn zwei Ausfälle bescherten. Ob diese behoben seien, konnte er nicht sicher sagen. Als Fahrer müsse er dennoch Vertrauen in das Motorrad aufbringen, da er andernfalls nicht antreten könne. Mit Rang acht war Enea Bastianini der zweitbeste KTM-Pilot und damit klar schneller als sein Teamkollege Maverick Vinales.

Häufige Fragen
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Wer war beim MotoGP Assen im Training am Freitag am schnellsten?
Marco Bezzecchi war am Freitag der Schnellste. Der Aprilia-Pilot fuhr eine Bestzeit von 1:31,123 Minuten und verwies Raul Fernandez sowie Pedro Acosta auf die Plätze zwei und drei.
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Wie schwer hat sich Fermin Aldeguer in Assen verletzt?
Das stand zunächst nicht fest. Aldeguer wurde nach seinem Sturz zur Untersuchung von Brust und Rücken ins Krankenhaus gebracht, eine Diagnose lag auch Stunden später noch nicht vor.
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Warum wird in Assen ohne Holeshot-Device gestartet?
Das vordere Holeshot-Device ist ab dem Wochenende in Assen verboten. Die Maßnahme soll die Starts sicherer machen und die Abhängigkeit von technischen Fahrhilfen verringern, die Fahrer müssen Wheelies nun selbst kontrollieren.
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Welche Strafe bekam Franco Morbidelli in Assen?
Morbidelli erhielt eine Strafe von drei Startplätzen für den Grand Prix am Sonntag. Grund war eine Behinderung von Enea Bastianini in Kurve 12 während einer schnellen Runde.
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Tritt Alex Marquez beim Grand Prix der Niederlande an?
Das war nach dem Freitag noch offen. Die Röntgenaufnahme der Schulter blieb ohne Befund, vor dem Training am Samstag steht jedoch eine erneute medizinische Untersuchung an, von der die Teilnahme abhängt.











