- Die Zustimmung aller Hersteller liegt seit Freitag, dem 7. August 2026, vor
- Die Motoren dürfen in der Woche vor dem Aragon-GP unter Aufsicht eines IRTA-Technikers geöffnet werden
- In Silverstone bleibt die Maximaldrehzahl reduziert, was Leistung kostet
Die erste Hälfte der MotoGP-Saison 2026 war für KTM eine Serie von Rückschlägen. Immer wieder gingen die Motorräder ohne Vorwarnung aus, mehrfach traf es Pedro Acosta, aber auch Brad Binder und die Piloten des Tech3-Teams. Seit Wochen suchte der Hersteller aus Österreich nach einer Möglichkeit, das Problem an der Wurzel zu packen. Genau das war ihm bis zuletzt verwehrt, weil das Reglement die Hände band. Nun ist die Blockade gefallen.

Warum durfte KTM die Motoren bisher nicht öffnen?
KTM unterliegt dem sogenannten Engine-Freeze, also dem Entwicklungsstopp bei den Motoren. Die Triebwerke wurden zum Saisonstart versiegelt und dürfen ohne die Zustimmung aller anderen Hersteller weder geöffnet noch zerlegt werden.
Hintergrund ist das Konzessionssystem der MotoGP. KTM steht in Rang C und darf deshalb die homologierte Motorenspezifikation während der Saison nicht verändern. Betroffen sind auch Ducati, Aprilia und Honda. Nur Yamaha, weiterhin in Gruppe D eingestuft, darf frei an den Motoren arbeiten. Praktisch spielt das kaum eine Rolle, denn Yamaha setzt in dieser Saison keinen neuen Vierzylinder mit 1.000 Kubikzentimetern mehr ein und konzentriert sich auf das 850er-Motorrad für 2027.
Wer den Freeze ignoriert, riskiert harte Strafen. Wie folgenschwer ein gebrochenes Siegel sein kann, zeigte in dieser Saison ein Fall in der Moto3, in dem ein Fahrer nachträglich von allen Rennen mit dem betroffenen Motor ausgeschlossen wurde. Die beiden Vorgänge sind inhaltlich nicht vergleichbar, weil es bei KTM ausdrücklich um Sicherheit und nicht um einen Vorteil geht. Für die Rennabteilung war ein Alleingang trotzdem nie eine Option.
Was ist im Inneren der RC16-Motoren defekt?
Nach Angaben von KTM stammen die Ausfälle von zugekauften Bauteilen, die nicht der vorgegebenen Qualitätsspezifikation entsprachen. Diese hoch belasteten Teile im Antriebsstrang versagten unter bestimmten Bedingungen.
Motorsportchef Pit Beirer hatte das Problem am Sachsenring erstmals offen benannt. In einem Fernsehinterview beschrieb er die Lage so: „Die Situation ist nicht einfach, weil es in unseren Motoren etwas gibt, ein fehlerhaftes Teil, das wir zukaufen müssen, das ist nicht in Ordnung.“ Er ergänzte, dass dieses Risiko in manchen Motoren weiterhin bestehe und einzelne Triebwerke aus Sicherheitsgründen gar nicht mehr eingesetzt wurden. Nach der Ursachenanalyse schließt KTM aus, dass der Schaden auch mit einwandfreien Teilen aufgetreten wäre. Es handelt sich also nach Darstellung des Herstellers nicht um einen Konstruktionsfehler am Motor selbst.
Wie ernst die Sache war, hatte sich schon im Mai gezeigt. Beim Katalonien-GP ging Acostas RC16 in Führung liegend an einer schnellen Stelle aus. Alex Marquez fuhr im Windschatten auf und stürzte schwer. Weitere Fahrer sollen laut Medienberichten in den Zwischenfall verwickelt gewesen sein. Danach riss die Serie nicht ab: An vier von sechs Rennwochenenden gab es mindestens einen Defekt, unter anderem in Barcelona, Mugello, Brünn und Assen. Nach dem Tschechien-GP forderte Acosta öffentlich, dass sein Arbeitgeber endlich Antworten liefern müsse.

Wer hat der Öffnung zugestimmt?
Alle vier Konkurrenten haben zugestimmt, allerdings erst im zweiten Anlauf. Zunächst hatte nur Aprilia grünes Licht gegeben.
KTM reichte den formellen Antrag Mitte Juli über den Herstellerverband MSMA und die Teamvereinigung IRTA ein, begleitet von einer ausführlichen Dokumentation. Am Sachsenring gab es dazu mehrere Treffen, das letzte am Sonntagnachmittag. Beirer bedankte sich damals ausdrücklich bei Fabiano Sterlacchini und Massimo Rivola von Aprilia für die Unterstützung. Ducati, Honda und Yamaha stellten sich dagegen zunächst quer. Warum, wurde nie offiziell erklärt. In der Fahrerlagerdiskussion wurde vermutet, dass die drei Werke eine Rückkehr von KTM zu voller Leistung fürchteten. Belegt ist diese Deutung nicht.
Während der Sommerpause drehte sich die Stimmung. Nach übereinstimmenden Berichten gaben Ducati, Yamaha und Honda ihre Zustimmung mit Blick auf die Sicherheit der Fahrer. Tech3-Teamchef Günther Steiner sprach am Freitagmorgen in Silverstone von einer sauberen Aufarbeitung durch KTM: „KTM has not decided to be in this situation. It was a supplier issue, and they dealt with it very well, in my opinion.“ Übersetzt: „KTM hat sich diese Situation nicht ausgesucht. Es war ein Zuliefererproblem, und sie sind damit meiner Meinung nach sehr gut umgegangen.“ Steiner erzählte weiter, dass Beirer ihn durchgehend informiert habe und die Sache für ihn eine persönliche Angelegenheit gewesen sei. Auch den anderen Herstellern dankte er dafür, dass sie mit KTM zusammengearbeitet haben.
Wann werden die KTM-Motoren repariert?
Die Arbeiten sollen in der Woche vor dem Aragon-GP stattfinden, der vom 28. bis 30. August ausgetragen wird. Geöffnet wird im Werk in Österreich, und zwar unter Aufsicht eines Technikers der IRTA.
Der Ablauf ist im Reglement genau geregelt. Der Offizielle kontrolliert, welches Bauteil ersetzt wird, und versiegelt den Motor anschließend wieder. Auf diese Weise gilt das Triebwerk weiterhin als das ursprünglich homologierte und muss nicht als neuer Motor in die Zählung aufgenommen werden. Genau darauf kommt es an: In Concession-Rang C stehen jedem Fahrer acht Motoren für die gesamte Saison zu. Ein neunter Motor hätte für jeden Einsatz einen Start aus der Boxengasse zur Folge. KTM umgeht mit der Reparatur also nicht nur weitere Defekte, sondern auch drohende Strafen.
Ganz sicher ist der Zeitplan noch nicht. In Teilen der Berichterstattung wird offengelassen, ob sich sämtliche betroffenen Motoren bis Aragon überarbeiten lassen. KTM selbst bleibt in seinem Statement bewusst vage und spricht nur davon, so schnell wie möglich handeln zu wollen.

In Silverstone bleibt die Drehzahl begrenzt
Für das Rennwochenende in Großbritannien ändert sich zunächst nichts. Das bestätigte KTM in einer schriftlichen Stellungnahme: „We can confirm that we have received the necessary approval to proceed with the corrective measures related to the technical matter we have been managing. We aim to implement these measures as soon as possible. For Silverstone, we will continue with the interim solutions currently in place.“ Auf Deutsch: „Wir können bestätigen, dass wir die erforderliche Genehmigung erhalten haben, um die Korrekturmaßnahmen im Zusammenhang mit der von uns bearbeiteten technischen Angelegenheit umzusetzen. Wir sind bestrebt, diese Maßnahmen so schnell wie möglich umzusetzen. Für Silverstone werden wir die derzeit geltenden Übergangslösungen beibehalten.“
Diese Übergangslösung besteht vor allem darin, die Maximaldrehzahl aller verfügbaren Motoren zu senken. Das reduziert die Belastung der kritischen Bauteile, kostet aber Leistung. Ausgerechnet Silverstone ist dafür ein ungünstiger Ort, denn die Strecke lebt von hohem Tempo und langen Vollgaspassagen.
Bekommt KTM ab Aragon wieder die volle Leistung?
Das ist die entscheidende offene Frage, und die Antworten fallen unterschiedlich aus. Mehrere Berichte gehen davon aus, dass die Fahrer nach dem Tausch der Bauteile wieder auf die ursprünglich festgelegte Maximaldrehzahl zurückkehren und damit über die volle Leistung verfügen.
Aus dem Fahrerlager gibt es allerdings auch die gegenteilige Vermutung. Demnach soll die endgültige Lösung selbst mit einer Reduktion der Motorleistung verbunden sein, was die RC16 auf den Geraden weiterhin etwas langsamer machen würde. Bestätigt ist das nicht, es handelt sich um ein Gerücht. Klarheit dürfte erst der Aragon-GP bringen. Steiner gab sich am Freitag jedenfalls zuversichtlich und sagte, er glaube, dass KTM eine Lösung gefunden habe und von nun an alles gut sein sollte.

Der Präzedenzfall aus dem Jahr 2020
Ein vergleichbarer Vorgang liegt sechs Jahre zurück. Damals bat Yamaha die Konkurrenz aus Sicherheitsgründen um die Erlaubnis, die eigenen Motoren zu öffnen, und bekam sie. Auch dort lag die Ursache bei einem Zulieferer: Ventile wichen in ihren Abmessungen um einen minimalen Bruchteil von der Vorgabe ab und verursachten dadurch Schäden. Der Fall zeigt, dass die MSMA solche Anträge grundsätzlich bewilligen kann, wenn es nicht um einen Leistungsvorteil geht.
Was die Entscheidung für die zweite Saisonhälfte bedeutet
Sportlich steht KTM unter Druck. Acosta liegt als bester RC16-Pilot auf Rang sieben der Fahrerwertung, in der Konstrukteurswertung ist KTM Dritter von fünf Herstellern. An der Spitze der Fahrer-WM liegt Jorge Martin mit 208 Punkten vor Ai Ogura mit 194 und Marc Marquez mit 190 Zählern.
Die Freigabe kommt spät, aber nicht zu spät. Ohne sie hätte KTM die restliche Saison mit gedrosselten Motoren bestreiten und zusätzlich Strafen riskieren müssen. Jetzt besteht zumindest die Aussicht, die letzten Rennen der 1000er-Ära ohne weitere technische Ausfälle zu beenden. Ab 2027 gilt in der MotoGP ohnehin ein neues Motorenreglement mit 850 Kubikzentimetern Hubraum. Für alle Hersteller ist die laufende Saison damit auch die Schlussphase eines auslaufenden Konzepts, an dem sich kaum noch etwas verbessern lässt.

Häufige Fragen
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Warum hatte KTM 2026 ein MotoGP Motorproblem?
Nach Angaben des Herstellers waren zugekaufte Bauteile im Antriebsstrang fehlerhaft und entsprachen nicht der geforderten Qualität. Unter bestimmten Bedingungen versagten sie, wodurch die Motorräder ohne Vorwarnung ausgingen. Ein Konstruktionsfehler am Motor selbst wird ausgeschlossen.
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Wann darf KTM die MotoGP-Motoren öffnen?
In der Woche vor dem Aragon-GP, der vom 28. bis 30. August 2026 stattfindet. Die Öffnung erfolgt im Werk in Österreich und nur unter Aufsicht eines Technikers der Teamvereinigung IRTA, der das Triebwerk anschließend wieder versiegelt.
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Warum brauchte KTM die Erlaubnis der anderen Hersteller?
Weil die Motoren dem Entwicklungsstopp unterliegen und zum Saisonstart versiegelt wurden. Ein versiegelter Motor darf nur mit Zustimmung aller Mitglieder des Herstellerverbands MSMA geöffnet werden. Zunächst stimmte nur Aprilia zu, nach der Sommerpause folgten Ducati, Honda und Yamaha.
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Wie viele Motoren stehen einem KTM-Fahrer pro Saison zu?
Als Hersteller in Concession-Rang C darf KTM pro Fahrer acht Motoren für die gesamte Saison einsetzen. Wird ein neunter Motor nötig, folgt für jeden Einsatz ein Start aus der Boxengasse. Durch die genehmigte Reparatur vermeidet KTM diese Strafe.
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Fahren die KTM-Piloten in Silverstone mit voller Leistung?
Nein, in Silverstone bleibt es bei der Übergangslösung mit reduzierter Maximaldrehzahl. Das kostet Leistung, gerade auf einer schnellen Strecke mit langen Vollgaspassagen. Erst nach dem Bauteiltausch könnte sich das ändern.












