- Freitag: FP1 (45 Minuten), FP2 (30 Minuten) und neues Sprint-Qualifying (15 Minuten)
- Samstag: FP3 (20 Minuten), Q1 mit allen Fahrern, Q2 mit den besten zwölf, danach der Sprint
- Sonntag: kein Warm-up mehr, stattdessen zehn Minuten offene Boxengasse vor dem Grand Prix
Seit der Einführung der Sprints 2023 entscheidet in der MotoGP ein einziges Qualifying am Samstagvormittag über beide Startaufstellungen. Wer dort einen Fehler macht, startet zweimal von hinten. Das ändert sich ab der Saison 2027. Die Grand-Prix-Kommission hat am 7. Oktober 2026 ein neues Wochenendformat für die Königsklasse bestätigt, nachdem die Teams bei einer Abstimmung am Red Bull Ring zugestimmt hatten. Die Neuerung kommt in einer Saison, die ohnehin vieles umwirft: 2027 sinkt der Hubraum von 1000 auf 850 ccm, die Systeme zur Verstellung der Fahrwerkshöhe werden verboten, die Aerodynamik wird reduziert und Pirelli löst Michelin als Reifenlieferant ab.

Was ändert sich am MotoGP-Wochenende ab 2027?
Ab 2027 bekommen Sprint und Grand Prix jeweils ein eigenes Qualifying und damit zwei verschiedene Startaufstellungen. Gleichzeitig wird die freie Trainingszeit gekürzt, und das Warm-up am Sonntagmorgen entfällt.
Die Kürzung beim Training soll laut Grand-Prix-Kommission die zusätzliche Session ausgleichen. In dem Gremium sitzen Paul Duparc für den Weltverband FIM, Mike Webb für den Teamverband IRTA, Biense Bierma für den Herstellerverband MSMA und Carmelo Ezpeleta für die MotoGP Sports Entertainment Group, der den Vorsitz hat. Die MotoGP selbst schreibt in ihrer Ankündigung, das neue Format „balances an incredible spectacle for fans and new stakes in each session with well-balanced track time for riders, teams and factories“. Übersetzt heißt das: Es schaffe einen Ausgleich zwischen einem unglaublichen Spektakel für die Fans, neuen Herausforderungen in jeder Session und einer ausgewogenen Fahrzeit für Fahrer, Teams und Hersteller.
Im Gespräch war auch ein dreigeteiltes Qualifying nach dem Vorbild der Formel 1 mit Q1, Q2 und Q3. Dieses Modell fand bei der Abstimmung in Spielberg aber keine Mehrheit.
Wie läuft der MotoGP-Freitag ab 2027 ab?
Der Freitag besteht künftig aus drei Sessions: FP1 über 45 Minuten, FP2 über 30 Minuten und zum Abschluss das neue Sprint-Qualifying über 15 Minuten. Das Sprint-Qualifying legt nur die Startaufstellung für den Sprint am Samstag fest.
Bisher folgte auf das FP1 am Nachmittag ein 60 Minuten langes Training mit dem Namen Practice. Es hatte viel Gewicht, denn die zehn Schnellsten kamen direkt ins Q2. Alle anderen mussten am Samstag den Umweg über das Q1 nehmen. Diese Session fällt weg. Das neue FP2 ist ein reines freies Training: Seine Zeiten entscheiden weder über einen Startplatz noch über den Einzug in eine andere Session.
Im Grunde wird die bisherige Stunde in 30 Minuten Training und 15 Minuten Qualifying aufgeteilt. Dabei gehen am Freitag 15 Minuten Fahrzeit verloren, obwohl der Tag eine Session mehr bekommt. Im Sprint-Qualifying sind alle Fahrer gleichzeitig auf der Strecke.

Wie sieht der Samstag im neuen Format aus?
Der Samstag beginnt mit einem 20 Minuten langen FP3, direkt danach folgt das Qualifying für den Grand Prix. Am Nachmittag wird wie bisher der Sprint gefahren.
Das FP3 ersetzt das bisherige freie Training am Samstagmorgen, das 30 Minuten dauerte. Beim Qualifying bleibt es bei Q1 und Q2 mit jeweils 15 Minuten, die Regeln ändern sich aber deutlich. Bisher fuhren im Q1 nur die Fahrer, die es am Freitag nicht unter die besten zehn geschafft hatten, und nur die zwei Schnellsten kamen weiter ins Q2. Ab 2027 starten alle Fahrer im Q1. Die zwölf Schnellsten ziehen ins Q2 ein und fahren dort um die Pole-Position und die ersten vier Startreihen für den Grand Prix am Sonntag.
Der Sprint über die halbe Renndistanz startet dagegen mit der Aufstellung aus dem Freitag. Anders als in der Formel 1 bleibt er am Samstagnachmittag. Dort wird der Sprint an den entsprechenden Wochenenden schon am Samstagvormittag ausgetragen.
Warum fällt das Warm-up am Sonntag weg?
Ohne Warm-up am Sonntagmorgen haben die Fahrer mehr Zeit für Promotion-Termine und die Vorbereitung auf den Grand Prix am Nachmittag. Als Ersatz öffnet vor dem Rennen die Boxengasse für zehn Minuten.
Das Warm-up war zuletzt nur noch zehn Minuten lang, in Moto2 und Moto3 gibt es diese Session schon länger nicht mehr. Für die MotoGP-Fahrer war es trotzdem die letzte Gelegenheit, vor dem Rennen noch einmal Abstimmung und Reifen zu testen. Künftig gibt es dafür ein Zeitfenster nach den Rennen von Moto3 und Moto2: Die Boxengasse ist zehn Minuten lang geöffnet, und die Fahrer dürfen mehrere Besichtigungsrunden drehen und dabei durch die Boxengasse fahren. So können sie prüfen, ob am Motorrad alles funktioniert und wie die Strecke beschaffen ist. Eine solche Phase gab es bisher nicht.

Wie viel Trainingszeit verlieren die Fahrer?
Beim freien Training einschließlich Warm-up fehlen den MotoGP-Fahrern ab 2027 rund 50 Minuten pro Wochenende. Rechnet man das neue Sprint-Qualifying und die offene Boxengasse am Sonntag dagegen, bleiben unter dem Strich etwa 25 Minuten weniger Fahrzeit.
Die 50 Minuten setzen sich so zusammen: 30 Minuten weniger am Freitag, 10 Minuten weniger am Samstag und das gestrichene Warm-up mit 10 Minuten. Bisher kamen die Fahrer auf 145 Minuten Training und Warm-up, künftig sind es 95 Minuten.
Die Kürzung fällt in das Jahr, in dem sich Teams und Fahrer auf die neuen 850er und die Pirelli-Reifen einstellen müssen. Weniger Trainingszeit heißt weniger Runden, um Motorrad, Reifen und Streckenbedingungen kennenzulernen. Anders als in der Formel 1 gibt es im Motorradrennsport keine Simulatoren, mit denen sich das ausgleichen ließe. Das Verhalten eines Motorrads lässt sich zwar zum Teil am Computer berechnen, aber ohne den Fahrer.
Welche Folgen hat das neue Format für Fahrer und Fans?
Das neue Format nimmt Druck vom einzelnen Qualifying, bringt aber mehr Qualifying-Sessions und mehr Verkehr auf der Strecke. Für die Zuschauer an der Strecke gibt es am Sonntagvormittag keine MotoGP-Action mehr.
Zwei Chancen statt einer
Bisher konnten ein einziger Fehler, ein technischer Defekt oder eine gelbe Flagge die Startplätze für beide Rennen kosten. Bei gelber Flagge werden die Rundenzeiten im betroffenen Streckenabschnitt gestrichen. Mit getrennten Startaufstellungen hat jeder Fahrer an einem Wochenende zwei Versuche. Da die Fahrer am Samstag und Sonntag seltener von denselben Plätzen starten, könnte es beim Start des Grand Prix außerdem mehr Positionswechsel geben.
Mehr Belastung und mehr Verkehr
Wer am Samstag ins Q2 kommt, fährt künftig drei Qualifying-Sessions an einem Wochenende: das Sprint-Qualifying am Freitag sowie Q1 und Q2 am Samstag. Bei 22 Sprints und 22 Grands Prix kommen über die Saison 44 Qualifyings zusammen.
Im Sprint-Qualifying und im Q1 sind jeweils alle 22 Fahrer gleichzeitig unterwegs. Das bisherige System hat die Zahl der Fahrer begrenzt, die zur selben Zeit auf schnelle Runden gehen. Aufgehalten werden, einen Windschatten suchen oder langsame Fahrer auf der Ideallinie könnten 2027 deshalb häufiger zum Thema werden. In so kurzen Sessions mit so vielen Motorrädern sind auch mehr gelbe oder rote Flaggen denkbar. Offen ist außerdem, wie viele weiche Reifen für die vielen schnellen Runden zur Verfügung stehen werden.
Weniger Programm am Sonntagmorgen
Ohne Warm-up ist der Grand Prix ab 2027 die einzige gezeitete MotoGP-Session am Sonntag. Das Rennen dauert rund 45 Minuten. Für Zuschauer, die oft eine lange und teure Anreise hinter sich haben, fällt damit die MotoGP-Action am Sonntagmorgen weg. Stürzt ein Fahrer in der ersten Runde, sehen seine Fans ihn am Sonntag womöglich keine einzige schnelle Runde fahren.

Wie passt das neue Format in die MotoGP-Saison 2027?
Das neue Wochenendformat ist eine von mehreren großen Änderungen, mit denen die MotoGP in die Saison 2027 geht. Neben 850-ccm-Motoren, weniger Aerodynamik und Pirelli-Reifen ändert sich nun auch der Ablauf an jedem Rennwochenende.
Verglichen mit der Einführung der Sprints 2023 fällt der Eingriff moderat aus. Damals kam der Sprint auf einen Schlag an jedem Wochenende dazu, nach dem Vorbild der Formel 1. Bekannt wurde das 2022 ebenfalls in Spielberg, wo die Teams nun auch über das Sprint-Qualifying abgestimmt haben. Seitdem haben die Fahrer immer wieder auf den höheren Stress und das größere Risiko durch die zusätzlichen Rennen hingewiesen. Ein Sprintsieg bringt 12 Punkte, ein Sieg im Grand Prix 25 Punkte.
Mit dem neuen Ablauf will die MotoGP nicht das Modell der Formel 1 übernehmen, sondern eine eigene Variante mit zwei Qualifyings und einem Sprint am Samstagnachmittag. Die Änderungen betreffen nur die MotoGP-Klasse.

Häufige Fragen
-
Wie sieht das MotoGP Wochenendformat 2027 aus?
Am Freitag fahren die MotoGP-Piloten FP1 (45 Minuten), FP2 (30 Minuten) und das Sprint-Qualifying (15 Minuten). Am Samstag folgen FP3 (20 Minuten), Q1 und Q2 für den Grand Prix sowie der Sprint. Am Sonntag gibt es kein Warm-up mehr, stattdessen ist die Boxengasse vor dem Rennen zehn Minuten lang geöffnet.
-
Wann findet das MotoGP-Sprint-Qualifying statt?
Das Sprint-Qualifying findet ab 2027 am Freitagnachmittag statt, direkt nach dem FP2. Es dauert 15 Minuten, alle Fahrer sind gleichzeitig auf der Strecke, und das Ergebnis gilt nur für den Sprint am Samstag.
-
Wer fährt ab 2027 im Q1 der MotoGP?
Ab 2027 fahren alle Fahrer im Q1. Die zwölf Schnellsten kommen ins Q2 und fahren dort um die Pole-Position und die ersten vier Startreihen für den Grand Prix.
-
Gibt es in der MotoGP 2027 noch ein Warm-up?
Nein, das zehnminütige Warm-up am Sonntagmorgen fällt ab 2027 weg. Stattdessen öffnet nach den Rennen von Moto3 und Moto2 die Boxengasse für zehn Minuten, in denen die Fahrer mehrere Besichtigungsrunden drehen können.
-
Wie viel weniger Training gibt es in der MotoGP ab 2027?
Beim freien Training einschließlich Warm-up sind es rund 50 Minuten weniger pro Wochenende. Zählt man das neue Sprint-Qualifying und die offene Boxengasse mit, verkürzt sich die gesamte Fahrzeit um etwa 25 Minuten.












