- 18 Fahrer aller fünf Hersteller testeten am 21. September auf dem Red Bull Ring die Pirelli-Reifen für 2027
- Moreira fuhr inoffiziell 1:28,4 Minuten und war damit rund eine Sekunde schneller als die schnellste Rennrunde vom Sonntag
- Sieben etablierte Stammfahrer fahren erst beim Valencia-Test am 1. Dezember zum ersten Mal auf Pirelli-Reifen
Einen Tag nach dem Großen Preis von Österreich ging die MotoGP in Spielberg noch einmal auf die Strecke. Diesmal ging es nicht um WM-Punkte, sondern um die Zukunft. Ab 2027 löst Pirelli Michelin als alleinigen Reifenausrüster der Königsklasse ab. Gleichzeitig tritt das neue Reglement in Kraft: 850 statt 1000 Kubikzentimeter, weniger Aerodynamik und ein Verbot der Ride-Height-Devices. Das sind Systeme, mit denen die Fahrer das Motorrad beim Start und beim Beschleunigen absenken. Der MotoGP-Test in Spielberg fand wie schon im Juni in Brünn hinter verschlossenen Türen statt. Es gab keine offizielle Zeitnahme, und die Motorräder fuhren ohne Transponder. Trotzdem sind inoffizielle Rundenzeiten bekannt geworden. Sie geben einen ersten Eindruck davon, wo die Hersteller wenige Monate vor dem Regelumbruch stehen.

Wer war beim Pirelli-Test in Spielberg am schnellsten?
Diogo Moreira war mit der neuen 850er-Honda am schnellsten. Der LCR-Pilot fuhr mit einem weichen Hinterreifen eine inoffizielle Zeit von 1:28,4 Minuten.
Für Moreira war es die erste Ausfahrt auf der 850er. Beim Test in Brünn war er noch nicht dabei gewesen. Ganz neu waren die Reifen für ihn aber nicht. Der amtierende Moto2-Weltmeister kennt die Pirelli-Reifen aus zwei Jahren in der mittleren Klasse.
Dahinter folgte Pedro Acosta auf der 850er-KTM. Seine Zeit lag knapp unter 1:29 Minuten, je nach Angabe bei 1:28,8 oder 1:28,9. Auch er fuhr mit der weichen Mischung. Johann Zarco saß ebenfalls zum ersten Mal auf der 850er-Honda und kam auf rund 1:29,0 bis 1:29,1 Minuten.
Marco Bezzecchi fuhr mit der neuen Aprilia 1:29,1 Minuten. Er soll seine Bestzeit allerdings mit dem harten Reifen gefahren sein. Deshalb lässt sich seine Zeit nur bedingt mit den anderen vergleichen. Bei Fermin Aldeguer auf der Ducati gehen die Angaben auseinander. Sie reichen von einer hohen 1:28 bis zu einer niedrigen 1:29.
Franco Morbidelli, Raul Fernandez und Marc Marquez lagen im Bereich von 1:29,4 bis 1:29,6 Minuten. Marquez drehte allerdings nur wenige Runden. Er konzentriert sich auf den WM-Kampf mit der aktuellen Ducati GP26 auf Michelin-Reifen. Die Yamaha-Fahrer Jack Miller und Toprak Razgatlioglu kamen auf Zeiten zwischen 1:30 und 1:30,5 Minuten.
Alle Zeiten sind mit Vorsicht zu lesen. Ohne offizielle Zeitnahme sind Fehler möglich. Außerdem ist nicht bei jeder Runde klar, welche Reifenmischung verwendet wurde.
Sind die 850er schon schneller als die aktuellen 1000er?
Die inoffiziellen Zeiten deuten darauf hin, dass die 850er mindestens auf dem Niveau der aktuellen Maschinen liegen. Moreira war rund eine Sekunde schneller als die schnellste Rennrunde des Grand Prix am Vortag.
Die schnellste Runde im Rennen am Sonntag fuhr Sieger Pedro Acosta in Runde vier mit 1:29,533 Minuten. Moreiras eigene beste Rennrunde lag bei 1:30,067 Minuten. Mit der 850er war er also rund 1,5 Sekunden schneller. Zur Pole-Zeit von Jorge Martin fehlte ihm nur etwa eine halbe Sekunde. Martin hatte am Samstag mit der 1000er und Michelin-Reifen 1:27,917 Minuten gefahren. Auch mehrere andere Fahrer blieben im Test unter der schnellsten Rennrunde.
Ein Test auf frischen, weichen Reifen ist allerdings etwas anderes als eine Runde im Rennen mit vollem Tank. Trotzdem ist die Richtung klar erkennbar. Eines der Hauptziele des neuen Reglements war es, die Motorräder langsamer zu machen. Sollten sich die Zeiten aus Spielberg bestätigen, würde dieses Ziel zumindest bei den Rundenzeiten verfehlt.

Welche Fahrer waren beim Test in Spielberg dabei?
Insgesamt waren 18 Stamm- und Testfahrer aller fünf Hersteller auf der Strecke, darunter mehrere künftige Rookies. Gefahren wurde teils mit den 850er-Prototypen und teils mit angepassten 1000er-Maschinen.
Honda setzte Johann Zarco, Diogo Moreira und Testfahrer Takaaki Nakagami ein. Die beiden LCR-Piloten ersetzten die Werksfahrer Joan Mir und Luca Marini, die Honda Ende des Jahres verlassen. Zarco und Moreira haben dagegen Verträge für 2027. Bei Yamaha fuhren Toprak Razgatlioglu, Jack Miller, Izan Guevara und Testfahrer Augusto Fernandez. Ducati schickte Marc Marquez, Franco Morbidelli und Fermin Aldeguer auf die Strecke. Aprilia war mit Marco Bezzecchi, Raul Fernandez und Testfahrer Lorenzo Savadori vertreten. Das größte Aufgebot stellte KTM mit Pedro Acosta, Brad Binder, Pol Espargaro, Maverick Vinales und Senna Agius.
Eine besondere Rolle hatte Acosta. Einen Tag nach seinem ersten MotoGP-Sieg fuhr er erneut die 850er-KTM, obwohl er 2027 zu Ducati wechselt. KTM hat für die nächste Saison vier neue Fahrer. Keiner von ihnen durfte die neue Maschine bei seinem aktuellen Arbeitgeber testen. Deshalb setzte KTM auf Acosta, Testfahrer Pol Espargaro und Moto2-Pilot Agius. Acosta ist der einzige Fahrer mit Herstellerwechsel, der bei beiden Pirelli-Tests dabei war. Espargaro stürzte in der Schikane, es war der einzige Sturz des Tages.
Für Jack Miller, Brad Binder und Franco Morbidelli war es der erste Einsatz auf den Pirelli-Reifen der MotoGP. Alle drei wechseln 2027 in die Superbike-WM, wo dann Michelin die Reifen liefert. Morbidelli sprang für Nicolo Bulega ein. Bulega verzichtete auf den Test, um sich auf den möglichen Titelgewinn in der Superbike-WM in Cremona zu konzentrieren. Morbidelli übernimmt 2027 dessen Platz im Aruba-Ducati-Werksteam.
Nach bisherigem Stand fuhren 13 der 18 Fahrer mit den 850er-Prototypen und fünf mit angepassten 1000ern. Offiziell bestätigt hat Pirelli diese Aufteilung nicht. Maverick Vinales war mit einer angepassten 1000er-KTM unterwegs und kam auf 1:29,2 Minuten. Er testete dabei auch seine verletzte Schulter. Vinales hofft auf eine Rückkehr beim Großen Preis von Japan Anfang Oktober. Auch die Moto2-Piloten Senna Agius und Izan Guevara fuhren angepasste 1000er. Beide steigen 2027 in die MotoGP auf, Agius bei Tech3-KTM und Guevara bei Pramac-Yamaha.
Wie stehen die Hersteller vor dem Regelumbruch 2027?
Honda liegt nach dem Test vorne, dicht gefolgt von Aprilia, Ducati und KTM. Yamaha liegt weiter zurück.
Bei Honda fällt die Arbeit an der Aerodynamik auf. Die Ingenieure versuchen offenbar, aus der schmaleren Frontverkleidung der 850er möglichst viel Anpressdruck zu holen. Aprilia arbeitet ebenfalls stark an der Aerodynamik. Am Ende des Frontflügels der neuen RS-GP sitzt ein dreiteiliges Element. Es soll den Anpressdruck erhöhen, damit das Vorderrad weniger steigt und das Motorrad besser einlenkt. Bezzecchi war der schnellste Aprilia-Fahrer, vor Raul Fernandez und Savadori.
Die 850er-Ducati sieht der aktuellen 1000er noch sehr ähnlich. Von außen unterscheidet sie vor allem die schmalere und kleinere Frontverkleidung. Ob Ducati bis Valencia noch deutlichere Änderungen zeigt, ist offen. KTM fuhr wie gewohnt mit getarnter Verkleidung. Die Frontflügel ähneln denen der aktuellen Honda, dazu kamen neue Aerodynamikteile am Sitz.
Bei Yamaha wirft der Test Fragen auf. Wie schon in Brünn soll Yamaha den 850er-Motor in der aktuellen M1 eingesetzt haben. Razgatlioglu, Miller und Augusto Fernandez testeten den neuen Motor und Aerodynamikteile für 2027. Alle drei lagen eine Sekunde oder mehr hinter den schnellsten Zeiten. Ob Yamaha tatsächlich zurückliegt oder eine neue Maschine erst später zeigt, wird sich frühestens in Valencia herausstellen.

Was sagt Pirelli zum Test?
Pirelli zieht eine positive Bilanz. Die Rückmeldungen der Fahrer lobten vor allem den Grip und die Stabilität der Reifen.
Giorgio Barbier, Motorradrennsport-Direktor von Pirelli, sagt: “The feedback collected was positive overall” (auf Deutsch: „Die gesammelten Rückmeldungen waren insgesamt positiv“). Er spricht auch darüber, dass gerade die Rookies mit ihren unterschiedlichen Fahrstilen wertvolle Hinweise geliefert haben. Die Erkenntnisse sollen helfen, die Eigenschaften der Reifenpalette für 2027 immer genauer festzulegen. Zum Entwicklungsprogramm gehören neben gemeinsamen Tests wie in Spielberg auch private Testfahrten, die Pirelli eng mit den Herstellern abstimmt.
Das Wetter war stabil und sonnig. Die Asphalttemperatur lag zwischen 19 und 38 Grad Celsius, so ließen sich die Reifen über eine große Spanne testen. Pirelli brachte Slicks in den Mischungen soft, medium und hard mit, jeweils für vorne und hinten. Die Teams konnten ihr Programm selbst gestalten. Pirelli empfahl, mit den weichen Reifen zu beginnen und sich dann zu den härteren Mischungen vorzuarbeiten.
Wie könnten die Pirelli-Reifen die Rennen verändern?
Die Regel zum Mindestreifendruck bleibt auch mit Pirelli bestehen. Stärker verändern könnte sich aber, wie die Reifen im Lauf eines Rennens nachlassen.
Pirelli hält am Mindestdruck vor allem aus Sicherheitsgründen fest. Wer die Werte nicht einhält, wird weiterhin bestraft. Die Michelin-Reifen, die in der MotoGP seit 2016 im Einsatz sind, liefern über die Renndistanz meist eine recht gleichmäßige Leistung. In der Superbike-WM, wo Pirelli seit mehr als 20 Jahren Einheitsausrüster ist, lässt der Grip im Rennverlauf dagegen häufig spürbar nach. Das Reifenmanagement wird dort zu einem wichtigen Faktor für Fahrer, Abstimmung und Strategie.
Ob diese Philosophie auch in der MotoGP so kommt, ist noch offen. Leistung und Aerodynamik der 850er verlangen eigene Lösungen. Äußerlich soll sich ebenfalls etwas ändern: Wie in der Formel 1 werden die Reifenflanken voraussichtlich je nach Mischung farbig markiert. Michelin wechselt im Gegenzug 2027 in die Superbike-WM.

Warum fehlten Bagnaia, Quartararo und andere Stammfahrer?
Die Fahrer, die zur Saison 2027 den Hersteller wechseln, durften die neuen Maschinen nicht testen. Deshalb fahren sie erst in Valencia zum ersten Mal auf Pirelli-Reifen.
Betroffen sind Francesco Bagnaia, Fabio Quartararo, Jorge Martin, Alex Marquez, Ai Ogura, Fabio Di Giannantonio und Enea Bastianini. Dazu kommen die Rookies David Alonso und Daniel Holgado, die allerdings die Pirelli-Reifen aus der Moto2 kennen.
Bastianini, der 2027 zu Trackhouse-Aprilia wechselt, hätte gerne getestet. Er habe bei KTM nachgefragt, ob er zumindest die Reifen probieren darf, aber eine Absage bekommen. Seine Forderung ist klar: “It was better to be mandatory for everybody” (auf Deutsch: „Es wäre besser gewesen, es für alle verpflichtend zu machen“). Die angepassten 1000er in Spielberg zeigen, dass es einen Kompromiss gegeben hätte. Die Fahrer hätten so die Reifen kennenlernen können, ohne die Maschinen für 2027 zu sehen.
Bastianini spricht auch darüber, dass es schwer sein wird, sich an nur einem Tag in Valencia ein Bild von den Pirelli-Reifen zu machen. Dort dürfte die kühle Witterung die Fahrzeit zusätzlich begrenzen. Einen Vorteil sieht er bei den Aufsteigern aus der Moto2 und bei Bulega, der aus der Superbike-WM kommt. Die Rookies für 2027 bekommen zudem zwei zusätzliche Testtage beim Shakedown in Sepang.
Wann testen alle MotoGP-Fahrer die Pirelli-Reifen?
Am 1. Dezember in Valencia steht der erste Test mit dem kompletten Fahrerfeld für 2027 an. Dort gibt es auch erstmals eine offizielle Zeitnahme.
Bis dahin arbeiten die Testteams weiter. Am 7. und 8. Oktober testen Aprilia, Ducati, KTM und Yamaha mit ihren Testfahrern in Jerez. Am 14. und 15. Oktober folgt ein Test in Sepang, bei dem Honda mit Aleix Espargaro antritt. Der Spanier ist nach seiner Verletzung wieder einsatzbereit und soll die Entwicklung der 850er-Honda weiter vorantreiben.
Valencia ist dann der Auftakt zu einem reduzierten Programm mit fünf offiziellen Wintertesttagen. Erst dort lässt sich wirklich vergleichen, wie schnell die neuen Motorräder und Reifen im direkten Vergleich sind. Der Test in Spielberg ist einer der letzten Schritte vor der Saison 2027, in der Hubraum, Aerodynamik, Ride-Height-Devices und Reifenausrüster gleichzeitig wechseln.

Häufige Fragen
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Wer war beim MotoGP-Test in Spielberg am schnellsten?
Diogo Moreira fuhr mit der neuen 850er-Honda die schnellste inoffizielle Zeit von 1:28,4 Minuten. Dahinter folgte Pedro Acosta auf der 850er-KTM mit einer Zeit knapp unter 1:29 Minuten. Offizielle Zeiten wurden beim Test nicht veröffentlicht.
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Wie schnell sind die neuen 850er-MotoGP-Motorräder?
Die 850er liegen nach den inoffiziellen Testzeiten mindestens auf dem Niveau der aktuellen 1000er. Moreiras Bestzeit war rund eine Sekunde schneller als die schnellste Rennrunde beim Großen Preis von Österreich. Zur Pole-Zeit mit der 1000er fehlte ihm etwa eine halbe Sekunde.
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Ab wann liefert Pirelli die Reifen für die MotoGP?
Pirelli ist ab der Saison 2027 alleiniger Reifenausrüster der MotoGP und löst damit Michelin ab. In der Moto2 und Moto3 liefert Pirelli die Reifen bereits heute. Die Umstellung fällt mit dem neuen Reglement mit 850 Kubikzentimetern zusammen.
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Wann ist der nächste MotoGP-Test mit Pirelli-Reifen?
Der nächste Test mit allen Stammfahrern findet am 1. Dezember in Valencia statt. Es ist der erste Pirelli-Test mit dem kompletten Fahrerfeld für 2027 und mit offizieller Zeitnahme. Vorher fahren im Oktober nur die Testteams in Jerez und Sepang.












