- Gründung am 1. Juli 2026, den Vorsitz übernimmt der deutsche Abgeordnete Andreas Glück
- Die Fahrerverbände FEMA und FIM sind offizielle Beobachter, die Verwaltung liegt beim Herstellerverband ACEM
- Zum Auftakt fuhren die Gründungsmitglieder rund 50 Kilometer vom ACEM-Sitz zum Lac de Genval
In Brüssel entstehen seit Jahren Regeln, die das Motorradfahren direkt betreffen. Abgasvorschriften gehören dazu, ebenso Vorgaben zu recycelten Kunststoffen, zur Fahrzeugsicherheit, zu Batterien und zur Verwertung von Altfahrzeugen. Bisher wurden solche Vorhaben meist mit Blick auf Autos und Lastwagen entwickelt, und das Zweirad lief nebenher mit. Genau an dieser Stelle setzt der neue Motorcycling MEP Club an. Er soll dafür sorgen, dass Motorräder, Roller und Mopeds mitgedacht werden, bevor ein Gesetzentwurf politisch festgezurrt ist.
Was ist der Motorcycling MEP Club genau?
Der Motorcycling MEP Club ist eine offizielle, parteiübergreifende Gruppe innerhalb des Europäischen Parlaments, die am 1. Juli 2026 gegründet wurde. Sie hat einen gewählten Vorstand, unterliegt den Transparenzregeln der EU und dient als fester Gesprächskanal zwischen Abgeordneten und der Motorradbranche.
Nach Angaben der FEMA, der europäischen Dachorganisation der Motorradfahrervereinigungen, soll die Gruppe Politikern ein besseres Verständnis dafür vermitteln, welche Rolle das motorisierte Zweirad in der europäischen Mobilität und in der Gesellschaft spielt. Der Club bringt dafür Abgeordnete mit Fahrerorganisationen, Herstellern, Fachleuten für Verkehrssicherheit und Forschern an einen Tisch. Die organisatorische Betreuung übernimmt der europäische Herstellerverband ACEM.
Wer sitzt im Vorstand des Clubs?
An der Spitze steht der deutsche Abgeordnete Andreas Glück von der liberalen Fraktion Renew Europe. Als Stellvertreter wurden Matej Tonin aus Slowenien für die Europäische Volkspartei, Bernd Lange aus Deutschland für die Sozialdemokraten und Nora Junco García aus Spanien für die Europäischen Konservativen und Reformer gewählt.
Diese Zusammensetzung ist der eigentliche Kern der Sache. Vier Länder, vier Fraktionen von links bis konservativ. Damit ist der Motorcycling MEP Club keine Initiative eines einzelnen politischen Lagers, sondern ein Format, das Mehrheiten quer durch das Parlament ansprechen kann. Für ein Thema, das im Parlament seit jeher eine Randerscheinung war, ist das ein spürbarer Unterschied.
Welche Themen will der Club begleiten?
Der Club soll sich mit Führerscheinregeln, technischen Anforderungen an Fahrzeuge, Umweltvorgaben, Infrastruktur und Verkehrssicherheit befassen. Das deckt praktisch alle Bereiche ab, in denen europäische Vorschriften auf den Alltag von Motorradfahrern durchschlagen.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die EU stellt gerade viele Weichen für Mobilität und Klimaschutz neu, und dabei geht es längst nicht mehr nur um Abgaswerte. Auch Vorgaben zu Recyclingmaterial, zur Batterietechnik und zur Entsorgung ausgedienter Fahrzeuge landen früher oder später bei den Herstellern von Fahrzeugen der L-Kategorie. Unter diesen Sammelbegriff fallen Mopeds, Motorräder, Dreiräder und Quadricycles. Wer erst reagiert, wenn ein Vorschlag im Parlament liegt, kommt in der Regel zu spät.
Welche Rolle spielen FEMA und FIM?
Beide Verbände sind dem Club als offizielle Beobachter beigetreten. Sie sitzen also mit am Tisch, ohne stimmberechtigtes Mitglied zu sein, und bringen die Sicht der Fahrer sowie des Motorradsports ein.
Wim Taal, Generalsekretär der FEMA, ordnet die Gründung als Gesprächskanal ein und nicht als klassische Lobbybühne. Wörtlich sagt er: „For both FEMA and FIM, the Motorcycling MEP Club should be viewed less as a lobbying target and more as a long-term relationship platform.“ Übersetzt: „Für FEMA und FIM sollte der Motorcycling MEP Club weniger als Lobbyziel und mehr als langfristige Beziehungsplattform verstanden werden.“ Er erklärt weiter, dass sich so über Fraktionsgrenzen hinweg ein Verständnis für das Motorradfahren aufbauen lasse, bevor sich Gesetzesvorschläge politisch verhärten. Die FEMA bringe dabei die Perspektive der Alltagsfahrer und der öffentlichen Politik ein, die FIM stehe für den Motorradsport, technische Fachkenntnis und internationale Reichweite. Gemeinsam wolle man das Motorradfahren als gesellschaftliches Thema darstellen und nicht als Nischeninteresse.
Die erste Ausfahrt führte zum Lac de Genval
Wenige Minuten nach der Gründungssitzung ging es für die Beteiligten in den Sattel. ACEM veranstaltete am selben Abend die zweite Auflage seines Summer Ride, an dem Abgeordnete, Vertreter der Europäischen Kommission, Branchenvertreter sowie Delegierte von FIM und FEMA teilnahmen. Die Strecke führte über rund 50 Kilometer vom ACEM-Hauptsitz zum Lac de Genval. Sämtliche Gründungsmitglieder des Clubs fuhren mit, der erste Tag des Gremiums war damit zugleich seine erste gemeinsame Ausfahrt. Den Abschluss bildete ein Empfang im Parc du Cinquantenaire.
Symbolik gehört bei solchen Terminen dazu. Der praktische Wert liegt darin, dass Gesetzgeber das Thema, über das sie später abstimmen, einmal selbst erlebt haben. Mitgefahren ist auch Uwe Seitz, der neue Hauptgeschäftsführer des deutschen Industrieverbands Motorrad.
Markus Flasch tritt sein Amt als ACEM-Präsident an
Für Markus Flasch war der Abend der erste öffentliche Auftritt als Präsident des europäischen Herstellerverbands ACEM, und zwar an seinem ersten Arbeitstag in dieser Funktion. Der CEO von BMW Motorrad war im Juni auf der ACEM-Generalversammlung in der BMW Welt in München für eine zweijährige Amtszeit gewählt worden, die am 1. Juli 2026 begann. Er folgt auf Michele Colaninno vom Piaggio-Konzern, der dem Präsidium als Vizepräsident erhalten bleibt. Ebenfalls im Präsidium sitzen Ducati-Chef Claudio Domenicali und Clément Villet von Yamaha Motor Europe.
Flasch hat für seine Amtszeit drei Schwerpunkte benannt: Fahrzeuge der L-Kategorie sollen stärker in die städtischen Mobilitätspläne europäischer Großstädte einfließen, die Branche soll ihren Weg zu saubereren Antrieben weitergehen, ohne ihre Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen, und das Motorradfahren in Freizeit, Tourismus und Sport soll als Wirtschaftsfaktor sichtbarer werden. In der Mitteilung von BMW Motorrad wird er mit den Worten zitiert: „L-Kategorie-Fahrzeuge sind keine Nische, sondern Teil der Lösung für die Mobilitätsherausforderungen unserer Zeit.“
Die Zahlen dahinter sind überschaubar dokumentiert, aber deutlich. ACEM vertritt 16 Hersteller sowie 17 nationale Branchenverbände aus 16 europäischen Ländern. Nach Verbandsangaben hängen rund 300.000 Arbeitsplätze in Europa an der L-Kategorie, und auf europäischen Straßen sind nach einer Schätzung aus dem Jahr 2019 mehr als 39 Millionen Motorräder und Roller unterwegs.
Was bedeutet das für Motorradfahrer in Deutschland?
Unmittelbar ändert sich nichts. Der Motorcycling MEP Club beschließt keine Gesetze, sondern schafft einen Zugang zu denen, die es tun.
Mittelfristig kann das trotzdem Wirkung entfalten. Zwei der vier Vorstandsmitglieder kommen aus Deutschland, mit Andreas Glück sitzt ein deutscher Abgeordneter im Vorsitz. Der neue ACEM-Präsident führt BMW Motorrad, sein Verband wurde in München gewählt, und der deutsche Industrieverband war bei der Auftaktveranstaltung vertreten. Für den größten Motorradmarkt Europas ist das eine ungewöhnlich dichte personelle Verbindung nach Brüssel.
Hinzu kommt ein Effekt, der über die EU hinausreicht. Technische Normen und Umweltvorgaben, die in Brüssel entstehen, übernehmen Hersteller häufig weltweit, weil sich getrennte Baureihen für einzelne Märkte kaum rechnen. Entscheidungen im Europäischen Parlament wirken deshalb oft auch dort, wo sie rechtlich gar nicht gelten. Damit reiht sich die Gründung des Clubs in eine Entwicklung ein, in der europäische Verkehrs- und Umweltpolitik zunehmend darüber bestimmt, wie Motorräder gebaut, zugelassen und gefahren werden.
Häufige Fragen
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Was ist der Motorcycling MEP Club?
Der Motorcycling MEP Club ist eine offizielle, parteiübergreifende Gruppe im Europäischen Parlament, die am 1. Juli 2026 gegründet wurde. Sie soll den Austausch zwischen Abgeordneten und der Motorradbranche verbessern und dafür sorgen, dass Zweiräder bei neuen EU-Vorhaben berücksichtigt werden.
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Wer leitet den Motorcycling MEP Club?
Vorsitzender ist der deutsche Abgeordnete Andreas Glück von Renew Europe. Stellvertreter sind Matej Tonin aus Slowenien, Bernd Lange aus Deutschland und Nora Junco García aus Spanien.
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Welche Themen behandelt der Club?
Auf der Agenda stehen Führerscheinregeln, technische Anforderungen an Fahrzeuge, Umweltvorgaben, Infrastruktur und Verkehrssicherheit. Damit deckt der Club die Bereiche ab, in denen europäische Gesetzgebung direkt auf Motorradfahrer wirkt.
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Sind Fahrerverbände beteiligt?
Ja, FEMA und FIM sind dem Club als offizielle Beobachter beigetreten. Die Verwaltung des Clubs übernimmt der Herstellerverband ACEM.
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Wer ist der neue ACEM-Präsident?
Markus Flasch, CEO von BMW Motorrad, hat das Amt am 1. Juli 2026 für zwei Jahre übernommen. Gewählt wurde er im Juni auf der ACEM-Generalversammlung in der BMW Welt in München, er folgt auf Michele Colaninno.












