- Keine Steuer auf Zahlungen, die zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2027 fällig werden
- Motorräder ohne Leistungsgrenze, Autos nur bis 80 kW (109 PS)
- Laut Regierung profitieren rund 1,1 Millionen Motorräder
In Italien heißt die jährliche Steuer auf den Besitz eines Fahrzeugs Bollo. Motorradfahrer zahlen sie bisher jedes Jahr, auch wenn die Maschine nur in der Garage steht. Für 2027 fällt diese Abgabe für viele weg. Der Ministerrat hat die Befreiung am 16. September 2026 beschlossen. Einen Tag später erschien sie im Amtsblatt als Eilverordnung der Regierung, als Decreto-legge Nr. 162 vom 17. September 2026. Für Motorradfahrer klingt das zunächst sehr einfach. Im Detail gibt es aber Regeln, die darüber entscheiden, ob am Ende wirklich das Motorrad befreit wird oder doch ein anderes Fahrzeug.

Was ändert sich 2027 bei der Motorradsteuer in Italien?
Für das Jahr 2027 müssen Privatpersonen in Italien für ein Fahrzeug keine Kfz-Steuer zahlen. Das gilt für Autos bis 80 kW (109 PS) und für alle Motorräder und Mopeds, egal wie stark sie sind.
Entscheidend ist der Termin, an dem die Steuer normalerweise fällig wäre. Befreit sind alle Zahlungen, deren regulärer Termin zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2027 liegt. Wer den Bollo noch 2026 zahlen muss, bleibt also in der Pflicht. Offene Beträge aus früheren Jahren werden ebenfalls nicht gestrichen.
Genau genommen handelt es sich deshalb um eine befristete Aussetzung und nicht um eine endgültige Abschaffung. Laut Regierung soll daraus aber eine dauerhafte Lösung werden. Das soll über das nächste Haushaltsgesetz geschehen. Ob das klappt, ist derzeit offen.
Die Befreiung ist Teil eines größeren Pakets gegen die hohen Spritpreise. Benzin kostet in Italien inzwischen landesweit dauerhaft mehr als 2,10 Euro (circa 2,41 US-Dollar) pro Liter. Dieselbe Verordnung senkt deshalb auch vorübergehend die Steuer auf Diesel. Vom 18. bis 25. September 2026 sinkt der Preis dadurch um 12,2 Cent (circa 14 US-Cent) pro Liter. Vom 26. September bis 5. Oktober 2026 sind es noch 6,1 Cent (circa 7 US-Cent).
Welche Motorräder sind von der Steuer befreit?
Befreit werden Motorräder und Mopeds, die mit Benzin oder Diesel fahren, auch in Kombination mit einem anderen Antrieb. Eine Grenze bei Leistung oder Hubraum gibt es für Zweiräder nicht.
Das ist der wichtigste Unterschied zu Autos. Bei Pkw liegt die Grenze bei 80 kW, was etwa 109 PS entspricht. Für Motorräder nennt die Verordnung keine solche Schwelle. Eine kleine 125er fällt also genauso unter die Regel wie eine große Reiseenduro.
Einige Bedingungen gelten trotzdem. Die Befreiung bekommen nur Privatpersonen, keine Firmen. Das Fahrzeug muss ordnungsgemäß haftpflichtversichert sein. Und jede Person kann die Befreiung nur für ein einziges Fahrzeug nutzen. Gemeint ist dabei jeder einzelne Halter und nicht der ganze Haushalt. Sind zwei Ehepartner jeweils allein Halter eines Fahrzeugs, kann also jeder von ihnen die Befreiung bekommen.
Einen Haken hat die Sache für viele Motorradfahrer: Das Motorrad wird nur befreit, wenn der Halter nicht gleichzeitig für ein Auto bis 80 kW Steuern zahlen muss.
Welches Fahrzeug wird befreit, wenn man mehrere besitzt?
Wer mehrere Fahrzeuge besitzt, kann sich nicht frei aussuchen, welches befreit wird. Die Verordnung legt eine feste Reihenfolge fest.
Auto und Motorrad in einer Hand
Hat jemand ein Auto bis 80 kW (109 PS) und dazu ein Motorrad, wird das Auto befreit. Für das Motorrad fällt die Steuer wie gewohnt an. Die Befreiung lässt sich weder verdoppeln noch vom Auto auf das Motorrad übertragen.
Anders sieht es aus, wenn das Auto stärker als 80 kW ist. Dann fällt das Auto aus der Regel heraus und muss weiter besteuert werden. Die Befreiung geht in diesem Fall an das Motorrad.
Mehrere Motorräder oder Roller
Besitzt jemand nur Zweiräder, wird das Motorrad mit der geringsten Leistung in kW befreit. Haben zwei Maschinen gleich viel Leistung, gilt die Befreiung für die mit der niedrigeren Steuer. Bei mehreren Mopeds zählt dagegen das Fahrzeug mit der ältesten Erstzulassung.
Ein Beispiel zeigt, was das in der Praxis heißt: Wer ein Motorrad mit 82 PS (60 kW) und einen typischen 125er-Roller mit 15 PS (11 kW) besitzt, spart die Steuer nur für den Roller. Für das stärkere Motorrad muss weiterhin gezahlt werden. Wie diese Regeln bei gemischten Fällen genau angewendet werden, muss der endgültige Gesetzestext noch zeigen.
Die Leistung steht übrigens im italienischen Fahrzeugschein unter dem Feld P.2. Sie ist in kW angegeben und entscheidet über die Befreiung, nicht der Hubraum.
Manche Halter überlegen, ein Fahrzeug auf den Partner umzuschreiben, damit beide Fahrzeuge befreit werden. Theoretisch geht das. Ein solcher Halterwechsel kostet aber mindestens 110 Euro (circa 126 US-Dollar), wenn er ohne Zulassungsagentur erledigt wird. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie hoch die Steuer ist und ob die Befreiung über 2027 hinaus gilt.
Wie viel kostet die Steuerbefreiung den italienischen Staat?
Die Befreiung kostet laut Regierung für 2027 rund 2,36 Milliarden Euro (circa 2,71 Milliarden US-Dollar). Davon gehen rund 2,29 Milliarden Euro (circa 2,63 Milliarden US-Dollar) als Ausgleich an die Regionen.
Der Bollo ist in Italien eine Steuer der Regionen. Sie verlieren durch die Befreiung Einnahmen. Deshalb sieht die Verordnung eine Zahlung von 2.293,5 Millionen Euro an die Regionen und autonomen Provinzen vor. Wie viel Geld jede einzelne Region bekommt, soll bis zum 31. März 2027 feststehen.
Nach Angaben der Regierungschefin Giorgia Meloni betrifft die Maßnahme mehr als 70 Prozent der Autos im Land, also über 13,2 Millionen Fahrzeuge. Dazu kommen rund 1,1 Millionen Motorräder. Insgesamt sind es damit fast 14,5 Millionen Fahrzeuge. Laut Verkehrsministerium besitzen in Italien 24.608.867 Menschen mindestens ein Fahrzeug bis 80 kW.
Meloni sagte zu dem Beschluss: „Oggi il governo cancella una delle tasse più odiate dagli italiani“ (auf Deutsch: „Heute streicht die Regierung eine der Steuern, die die Italiener am meisten hassen“). Sie verglich den Schritt mit der früheren Abschaffung der Grundsteuer auf die erste Wohnung. Verkehrsminister Matteo Salvini sprach von einem gehaltenen Versprechen. Finanzminister Giancarlo Giorgetti gilt intern als vorsichtigste Stimme. Er nannte die Entscheidung schwierig, sie soll aber trotzdem dauerhaft werden.
Warum spricht die Lega von einem historischen Ergebnis für Motorradfahrer?
Der Lega-Abgeordnete Alberto Di Rubba sieht in der Befreiung ein Zeichen, dass das Motorrad als Verkehrsmittel endlich ernst genommen wird. Er leitet in seiner Partei die Abteilung für Automotive und führt selbst Motorradhäuser.
Für ihn ist wichtig, dass die Regel für alle Motorräder gilt, unabhängig von Hubraum oder Leistung. Er sagt: „È un risultato storico e rappresenta un’altra promessa mantenuta“ (auf Deutsch: „Das ist ein historisches Ergebnis und ein weiteres gehaltenes Versprechen“). Die Maßnahme erkenne den Wert des Motorrads an, und zwar als Fortbewegungsmittel, als Leidenschaft und als Antrieb für einen ganzen Wirtschaftszweig.
Di Rubba beschreibt sich als Motorradfahrer, der die Branche auch von der Händlerseite kennt. Er spricht täglich mit Menschen, die ein Motorrad kaufen, damit zur Arbeit fahren, reisen, Enduro fahren oder einfach auf das Wochenende warten. Dabei geht es für ihn auch um die echten Kosten des Hobbys: Kauf, Wartung, Versicherung, Inspektionen, Reifen und Ausrüstung. Eine Steuer zu streichen sei deshalb nichts Abstraktes. Er betont: „È un costo in meno ogni anno per milioni di motociclisti“ (auf Deutsch: „Es sind jedes Jahr Kosten weniger für Millionen von Motorradfahrern“).
Nach seiner Darstellung ist die Befreiung Teil einer längeren Entwicklung. Unter Salvini hat das Verkehrsministerium bereits mehrere Punkte für Motorradfahrer umgesetzt. Im neuen italienischen Verkehrsrecht gelten Motorradfahrer als besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer. Außerdem gibt es neue Regeln für Fahrten mit Motorrädern auf der Autobahn, wenn der Fahrer volljährig ist. Dazu kommt die Arbeit an Unterfahrschutz für Leitplanken, der Motorradfahrer bei Stürzen schützen soll.
Als nächsten Schritt will Di Rubba noch mehr auf die Sicherheit von Zweirädern achten. Er setzt dabei auf den Austausch mit dem italienischen Motorradverband FMI und dessen Präsidenten Giovanni Copioli. Ein Thema ist Enduro. Viele Geländemotorräder müssen kurze Stücke auf öffentlichen Straßen fahren, um eine Strecke zu erreichen oder zwei Abschnitte zu verbinden. Hier will er ausgewogene Lösungen finden, die Sicherheit, Regeln und die Bedürfnisse der Fahrer zusammenbringen.
Kritik an der befristeten Befreiung
Die Opposition kritisiert weniger die Befreiung selbst als ihre kurze Laufzeit und den Zeitpunkt. Die nächste Parlamentswahl steht in etwas mehr als einem Jahr an.
Der Abgeordnete Andrea Casu von der Partei PD spricht von einer Aussetzung aus Wahlkampfgründen und nicht von einer echten Abschaffung. Auch PD-Chefin Elly Schlein kritisiert den Ansatz. Luca Pirondini, Senator der Fünf-Sterne-Bewegung, rechnet vor, dass ein durchschnittlicher Autofahrer nur etwa 10 Euro (circa 11 US-Dollar) im Monat spart. Das gleiche die gestiegenen Spritkosten nicht aus. Senator Marco Lombardo von Azione hält es für falsch, die Befreiung auf ein Jahr zu begrenzen, das zufällig das Wahljahr ist. So müsse die nächste Regierung entscheiden, ob sie dauerhaft wird. Andere Politiker befürchten, dass die Regionen ihre Einnahmeausfälle über höhere andere Abgaben wieder hereinholen.
Auch bei Verbraucherschützern gehen die Meinungen auseinander. Die Unione Nazionale Consumatori bezeichnet die Maßnahme als Verhöhnung und verweist auf den aus ihrer Sicht zu schwachen Kampf gegen die Spritpreise. Dario Giordano vom Verband Udicon begrüßt dagegen, dass die Befreiung auf die Situation des einzelnen Halters zugeschnitten ist. Er mahnt aber, dass Menschen mit wenig Geld und älteren Fahrzeugen nicht benachteiligt werden dürfen.
Aus Sicht der Motorradfahrer gibt es noch einen weiteren Einwand. Weil die Befreiung vollständig ist, spart der Halter eines mittelgroßen Motorrads genauso viel wie der Besitzer einer deutlich stärkeren Maschine. Kritiker sehen darin einen Widerspruch zu dem Grundsatz, dass Steuern im Verhältnis zur Belastbarkeit stehen sollen.
Was ist bei der Motorradsteuer-Befreiung noch offen?
Offen ist vor allem, ob die Befreiung genau so Gesetz wird. Als Eilverordnung muss das Parlament sie innerhalb von 60 Tagen bestätigen, und dabei kann sich der Inhalt noch ändern.
Unklar ist auch, wie Halter die Befreiung konkret bekommen. Die Regierung hat bisher weder ein Formular noch ein Portal oder eine Frist genannt. Ob die Befreiung automatisch erfolgt, ist ebenfalls noch nicht beschrieben. Welches Fahrzeug befreit wird und wie Sonderfälle behandelt werden, sollen der endgültige Text und die Hinweise der zuständigen Stellen klären. Ob die Befreiung für das eigene Kennzeichen gilt, erfahren Halter über die Mitteilungen ihrer Region und die Dienste des Automobilclubs ACI.
Eine Besonderheit gibt es in den Regionen mit Sonderstatut und in den autonomen Provinzen. Dort erheben die Regionen die Steuer selbst. Die Befreiung greift deshalb erst, wenn der Staat mit der jeweiligen Region eine Vereinbarung geschlossen hat. Außerdem ist unklar, was ab 2028 passiert, falls das Haushaltsgesetz keine dauerhafte Lösung bringt.
Für den Markt könnte die Befreiung einen Schub bringen. Bei Rollern laufen die Verkäufe in Italien derzeit gut, bei Motorrädern gibt es dagegen einen leichten Rückgang. Wer über den Kauf eines Zweirads nachdenkt, spart sich 2027 die jährliche Steuer. Das könnte nach Einschätzung von Beobachtern ein zusätzlicher Anreiz sein.
Häufige Fragen
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Müssen Motorradfahrer in Italien 2027 keine Motorradsteuer zahlen?
Motorradfahrer zahlen 2027 für ein Motorrad keine Kfz-Steuer, wenn sie kein Auto bis 80 kW (109 PS) besitzen. Befreit sind alle Zahlungen, die zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2027 fällig werden. Das Motorrad muss mit Benzin oder Diesel fahren und haftpflichtversichert sein.
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Gibt es bei der Motorradsteuer Italien eine Grenze für PS oder Hubraum?
Nein, für Motorräder und Mopeds gibt es keine Grenze bei Leistung oder Hubraum. Die Grenze von 80 kW (109 PS) gilt nur für Autos. Besitzt jemand mehrere Motorräder, wird allerdings nur das mit der geringsten Leistung befreit.
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Was passiert, wenn ich ein Auto und ein Motorrad besitze?
Liegt das Auto bei höchstens 80 kW (109 PS), wird das Auto befreit und für das Motorrad fällt weiter Steuer an. Ist das Auto stärker als 80 kW, geht die Befreiung an das Motorrad. Jede Person kann die Befreiung nur für ein Fahrzeug nutzen.
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Ist die Motorradsteuer in Italien jetzt dauerhaft abgeschafft?
Nein, die Befreiung gilt vorerst nur für 2027. Die Regierung will sie über das nächste Haushaltsgesetz dauerhaft machen. Zudem muss das Parlament die Eilverordnung noch innerhalb von 60 Tagen bestätigen, wobei Änderungen möglich sind.










