- Verkaufspreis: rund 65.800 Euro (75.000 US-Dollar) vor Gebühren, angeboten ohne Mindestpreis
- Technik: 74-Kubikzoll-Seitenventiler-V-Twin (rund 1.213 cm³), rund 30 PS (22 kW) bei 4.000/min, handgeschaltetes Dreiganggetriebe
- Zustand: nicht laufend, kosmetisch aufgearbeitet, umfangreiche Echtheitsnachweise aus dem McQueen-Nachlass von 1984
Maschinen mit einer belegbaren Verbindung zu Steve McQueen kommen selten auf den Markt, und genau das spiegelt sich im Ergebnis wider. Die VL stand bis zum Tod des Schauspielers im Jahr 1980 in dessen privater Halle und Garage in Ventura County und wartete dort auf eine Restaurierung, die McQueen selbst nicht mehr in Angriff nehmen konnte. Knapp ein halbes Jahrhundert später ist das Motorrad nun erneut versteigert worden, diesmal als rollendes Stück Hollywood-Geschichte in einem mechanisch unangetasteten Zustand.

Wie viel brachte die Harley-Davidson VL von Steve McQueen ein?
Die Harley-Davidson VL erzielte bei Bring a Trailer ein Höchstgebot von rund 65.800 Euro (75.000 US-Dollar) vor Gebühren. Angeboten wurde sie ohne Mindestpreis aus Neptune im US-Bundesstaat New Jersey, durch den Händler, der die Maschine im Mai 2026 erworben hatte.
Der Betrag liegt nicht auf dem höchsten Niveau, das jemals für ein Motorrad aus McQueens Sammlung gezahlt wurde. Bemerkenswert ist er dennoch, weil die VL ausdrücklich als nicht laufendes Projekt verkauft wurde. Üblicherweise drückt ein solcher Zustand den Wert spürbar, doch bei einer Maschine mit nachweisbarem Bezug zu McQueen verschiebt sich dieser Maßstab.
Was zeichnet die Harley-Davidson VL von 1931 technisch aus?
Im Zentrum steht ein 74 Kubikzoll großer Seitenventiler-V-Twin mit rund 1.213 cm³ Hubraum. In der höher verdichteten VL-Ausführung leistete er rund 30 PS (22 kW) bei 4.000/min, während die niedriger verdichtete V-Variante bei rund 28 PS (21 kW) lag.
Der Motor arbeitete mit einer Verdichtung von 4,5:1, einer Bohrung von 87,3 Millimetern und einem Hub von 101,6 Millimetern. Die Kraft gelangte über eine Mehrscheiben-Trockenkupplung an ein handgeschaltetes Dreiganggetriebe mit Schaltkulisse am Tank, der Kupplungshebel saß als Fußpedal. Die Schmierung erfolgte noch als Verlustschmierung, eine umlaufende Trockensumpfschmierung kam erst mit der U-Baureihe von 1937. Vorn führte eine Springer-Gabel mit Längslenker, hinten blieb der Rahmen ungefedert, gepolstert wurde lediglich der gefederte Solo-Sattel. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei rund 137 km/h (85 mph). In der hoch verdichteten VL kamen Kolben aus Dow-Metall zum Einsatz, einer leichten Magnesiumlegierung, die im Lauf der frühen 1930er-Jahre durch Aluminium ersetzt wurde.
Welche Details kennzeichnen das verkaufte Exemplar?
Das angebotene Motorrad trägt die Motornummer 31VL6590 und ist in Schwarz mit roten, golden eingefassten Tankstreifen lackiert. Die geschwungenen Kotflügel sind farblich abgestimmt, der hintere ist aufklappbar ausgeführt. Der schwarze Starrrahmen trägt einen vorn angeschlagenen, gefederten Solo-Sattel mit schwarzem Lederbezug. Zur Ausstattung gehören eine elektrische Hupe, ein an der Gabel montierter Werkzeugkasten, Trittbretter, ein Rücklicht vom Typ Model 2 sowie Seiten- und Hinterradständer.
Die schwarz lackierten Stahlfelgen sind mit Trommelbremsnaben verschraubt und mit Reifen vom Typ Dunlop Gold Seal K70 bestückt, die Risse in den Flanken zeigen. Der Lenker verfügt über eine innenliegende Zugverlegung, links sitzt ein Drehgriff für die Zündverstellung, rechts der Gasdrehgriff. Im Armaturenträger finden sich ein Amperemeter von Weston, abschließbare Zünd- und Lichtschalter sowie eine verchromte Armaturenleuchte. Einen Tachometer besitzt die Maschine nicht, weshalb die tatsächliche Laufleistung unbekannt ist. Der V-Twin trägt einen Vergaser vom Typ Linkert M51 mit poliertem Ansaugtrichter und eine schwarze Zwei-in-eins-Auspuffanlage mit Fishtail-Endrohr. Zylinder, Köpfe und Ansaugkrümmer sind schwarz lackiert, an den Stoßstangenrohren und diversen Schrauben zeigt sich Flugrost. Der Motor läuft derzeit nicht, laut Auktionsbeschreibung fehlen unter anderem die Primärkette und einige leicht zu ersetzende Teile.

Warum verlief der Start der V-Baureihe so holprig?
Der Start der neuen Baureihe geriet zur Belastungsprobe für Harley-Davidson. Der Hersteller kam beim Seitenventiler spät, denn Indian war mit Chief und Scout bereits erfolgreich, und die neue 74-Kubikzoll-Konstruktion fiel mit ihren ersten Exemplaren durch Konstruktionsmängel auf.
Die als V-Serie bezeichnete Baureihe wurde im Juli 1929 als Modell für 1930 vorgestellt, nur wenige Wochen vor dem Börsencrash. Auf dem Papier wirkte der Motor wie ein Fortschritt, mit mehr Leistung, abnehmbaren Zylinderköpfen nach Ricardo-Bauart, untereinander tauschbaren Rädern und einem stabileren Rahmen. In der Praxis litten die frühen Maschinen unter zu klein dimensionierten Schwungrädern, zu schwachen Ventilfedern, einer überforderten Kupplung und Rahmen, die unter dem höheren Gewicht reißen konnten. Die V wog rund 45 kg (100 lbs) mehr als die abgelöste JD-Reihe. Nach etwa 1.300 gebauten Exemplaren stoppte Harley-Davidson die Fertigung für mehrere Monate, um den unteren Antriebsteil zu überarbeiten. Die Kosten für den Umbau bereits ausgelieferter Maschinen sollen die Händler getragen haben.
Mit dem Modelljahr 1931 war die korrigierte Geometrie ab Werk verbaut und nicht mehr in der Werkstatt nachgerüstet. Hinzu kamen mehrere Detailänderungen: ein einzelner Sieben-Zoll-Scheinwerfer ersetzte die früheren zwei Bullet-Leuchten, eine einrohrige Auspuffanlage löste den störanfälligen Vierrohr-Schalldämpfer ab, ein Getriebeschloss verhinderte das Schalten ohne Kupplung, und erstmals tauchte bei Harley-Davidson Verchromung auf, zunächst nur an kleinen Teilen.
Wie ordnet sich die VL in das Modellprogramm ein?
Die Plattform verteilte sich 1931 auf mehrere Varianten. Die V war die niedrig verdichtete Solo-Ausführung, die VL die hoch verdichtete Sport-Solo-Version, die VC das Big-Twin-Modell für den gewerblichen Einsatz. Die VS war für den Gespannbetrieb übersetzt, verschiedene Kürzel wie VM, VLM und VMG kennzeichneten Magnetzünder-Sonderausführungen, Polizeimaschinen entstanden nach Vorgaben der jeweiligen Behörden. Die Preise hielten trotz Wirtschaftskrise das Niveau: Die VL war 1930 mit 340 US-Dollar gelistet (umgerechnet nach heutigem Kurs rund 300 Euro), 1931 bewegte sich der Preis im selben Bereich.
Wie sehr die Krise die gesamte Branche traf, zeigen die Stückzahlen. Baute Harley-Davidson 1929 noch rund 21.000 Motorräder, sank die Gesamtzahl 1931 auf etwa 10.500 und erreichte 1933 mit 3.703 Einheiten den Tiefpunkt, das Werk arbeitete zeitweise nur an zwei Tagen pro Woche, um Entlassungen zu vermeiden. Von Dutzenden amerikanischen Herstellern überstanden nur Harley-Davidson und Indian diese Phase. Der Seitenventiler, an dessen Einführung sich der Konzern beinahe verhoben hätte, wurde am Ende zu einer der Konstruktionen, die das Unternehmen durch die Depression trugen. Der 74-Kubikzoll-Flathead blieb bis 1936 im Programm, ehe der kopfgesteuerte 61-Kubikzoll-Knucklehead hinzukam. Über eine Lizenzfertigung gelangte die Konstruktion zudem nach Japan, wo sie unter dem Namen Rikuo bis in die Nachkriegszeit weiterlebte.

Wie kam Steve McQueen zu dieser Harley-Davidson?
Steve McQueen besaß die VL bis zu seinem Tod im Jahr 1980. Die Maschine stand zu diesem Zeitpunkt in seiner privaten Halle und Garage in Ventura County in Kalifornien und wartete auf eine Restaurierung, nachdem bei McQueen im Dezember 1979 eine Krebserkrankung diagnostiziert worden war.
McQueens Begeisterung für alte Motorräder gilt als legendär. Seine dritte Ehefrau Barbara McQueen beschrieb diese Leidenschaft mit den Worten: „Steve was fanatical about antique motorcycles – we once drove 700 miles on a whim to go see a rare bike. The Harley was definitely done to Steve’s standards and he would have dug it.“ Übersetzt bedeutet das: „Steve war fanatisch, was alte Motorräder anging. Wir sind einmal aus einer Laune heraus 700 Meilen gefahren, um ein seltenes Motorrad anzusehen. Die Harley wäre ganz nach Steves Maßstäben gemacht worden, und sie hätte ihm gefallen.“ Nach seinem Tod wurde die VL bei der Nachlassauktion versteigert. In den 2000er-Jahren erwarb sie der McQueen-Memorabilien-Sammler Mike Eisenberg, der die kosmetische Aufarbeitung vornahm, die das Motorrad heute trägt, die Mechanik aber unangetastet ließ.
Welche Nachweise belegen die Herkunft der Maschine?
Die Herkunft der VL ist umfangreich dokumentiert, was bei einer Maschine aus prominentem Vorbesitz besonders ins Gewicht fällt. Zum Verkauf gehörte ein gerahmtes Echtheitszertifikat aus der McQueen-Nachlassauktion im November 1984 in Las Vegas, das von der Tochter und dem Sohn des Schauspielers unterzeichnet wurde.
Hinzu kamen ein gerahmter Kaufbeleg, eine Bieterkarte, ein Bieterausweis und eine Tachostandsbescheinigung aus derselben Versteigerung. Abgerundet wurde das Konvolut durch eine Ausstellungstafel, ein kalifornisches Kennzeichen von 1931 und einen sauberen Fahrzeugtitel aus New Jersey. Für viele Käufer wäre der nicht laufende Motor ein deutlicher Minuspunkt, doch die durchgehende Belegkette verschob im Fall dieser Maschine die Gewichtung zugunsten der Geschichte.

Die VL im Kontext des Sammlermarkts
Der Verkauf reiht sich in eine lange Geschichte hochpreisiger McQueen-Objekte ein und zeigt, wie stark der Name die Bewertung klassischer Motorräder beeinflusst. Während ein nicht fahrbereites Vorkriegsmodell ohne prominente Vergangenheit meist deutlich günstiger gehandelt wird, sorgt die Verbindung zu McQueen für eine eigene Marktlogik. Für den neuen Eigentümer stellt sich nun die Frage, ob die VL als historisches Zeugnis im aktuellen Zustand erhalten bleibt oder ob sie die Restaurierung erhält, zu der McQueen selbst nicht mehr kam.

Häufige Fragen
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Wie viel wurde für Steve McQueens Harley-Davidson VL bezahlt?
Die 1931er Harley-Davidson VL erzielte bei Bring a Trailer ein Höchstgebot von rund 65.800 Euro (75.000 US-Dollar) vor Gebühren. Sie wurde ohne Mindestpreis angeboten.
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Warum ist die Harley-Davidson VL trotz Standschaden so wertvoll?
Die lückenlos dokumentierte Herkunft aus Steve McQueens Privatbesitz verschiebt den Maßstab. Ein gerahmtes Echtheitszertifikat aus der McQueen-Nachlassauktion 1984 in Las Vegas, unterzeichnet von seinen Kindern, belegt die Provenienz.
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Welchen Motor hat die Harley-Davidson VL von 1931?
Die VL verfügt über einen 74 Kubikzoll großen Seitenventiler-V-Twin mit rund 1.213 Kubikzentimetern Hubraum. In der höher verdichteten VL-Ausführung leistete er rund 30 PS (22 kW) bei 4.000 Umdrehungen pro Minute.
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Läuft die Harley-Davidson VL von Steve McQueen?
Nein, der Motor läuft derzeit nicht. Laut Auktionsbeschreibung fehlen unter anderem die Primärkette und einige leicht zu ersetzende Teile. Die Maschine wurde als nicht laufendes Projekt verkauft.











