- Der runde Tisch zur B500 tagt am 17. November und will Maßnahmen für die Saison 2027 festlegen
- In Thüringen berät die Unfallkommission im November über die Rüttelstreifen bei Oberhof, gefordert wird auch ein Wochenendfahrverbot
- Am Sudelfeld müssen die Landkreise Rosenheim und Miesbach nach dem Ende des Verkehrsversuchs über 2027 entscheiden
Der Herbst ist für viele Motorradfahrer die Zeit, in der das Motorrad abgemeldet oder eingewintert wird. Für Behörden, Landratsämter und Unfallkommissionen beginnt dagegen die Phase, in der über die nächste Saison entschieden wird. Gleich an mehreren bekannten Strecken in Deutschland laufen gerade Beratungen, die bestimmen, wo im Frühjahr 2027 noch frei gefahren werden darf. Ein Blick zurück zeigt, dass dieses Timing kein Einzelfall ist, und dass eine Sperrung selten dort bleibt, wo sie beschlossen wurde.
Welche Entscheidungen über Streckensperrungen für Motorräder stehen im Winter an?
An mindestens drei Strecken fällt in den nächsten Wochen eine Entscheidung: an der B500 im Schwarzwald, zwischen Zella-Mehlis und Oberhof in Thüringen und am Sudelfeld in Oberbayern. Überall geht es darum, was ab der Saison 2027 gilt.
B500: Runder Tisch will Maßnahmen für 2027 beschließen
An der Schwarzwaldhochstraße kommt am 17. November zum zweiten Mal ein runder Tisch zusammen. Beim ersten Treffen im September hatten sich Behörden, Städte und Polizei auf eine gemeinsame Linie verständigt. Geplant sind mehr Kontrollen, auch mit Zivilfahrzeugen und Drohnen. Die vorhandenen rechtlichen Möglichkeiten, Motorräder zu beschlagnahmen, sollen konsequent genutzt werden. Auf der Prüfliste stehen außerdem Rüttelstreifen und Markierungen in Kurven, Fahrtenbuchauflagen sowie Einbahnregelungen auf Abschnitten mit besonders vielen Unfällen. Anlass ist die Bilanz der laufenden Saison: Bis September zählte die Polizei auf der B500 23 Motorradunfälle, vier Menschen kamen ums Leben.
Ein Fahrverbot ist offiziell nicht beschlossen. Der Oberbürgermeister von Baden-Baden bezeichnet es als „das letzte aller Dinge“. Aufmerksamkeit verdient trotzdem der Punkt Einbahnregelung. Eine echte Einbahnstraße müsste für alle gelten, also auch für Anwohner, Linienbusse und Lieferverkehr, und gilt deshalb als wenig wahrscheinlich. Die Rennleitung #110, ein von aktiven und ehemaligen Polizisten gegründeter Verein, der allen offensteht und mit dem der Oberbürgermeister künftig zusammenarbeiten will, war zu dem Treffen nicht zugelassen. Nach Angaben des Vereins wurde ihm gegenüber aber offen über eine zeitweise Sperrung nur für Motorräder in einer Fahrtrichtung gesprochen, nach bayerischem Vorbild wie am Sudelfeld. Offiziell bestätigt ist das nicht. Sollte die Einbahnregelung so gemeint sein, wäre das für Motorradfahrer eine Streckensperrung in einer Richtung, auch wenn sie anders heißt.
Oberhof: Rüttelstreifen auf dem Prüfstand
Zwischen Zella-Mehlis und Oberhof liegen seit September 2025 an sieben Stellen Rüttelstreifen auf der Fahrbahn. Im November berät die Unfallkommission des Landkreises Schmalkalden-Meiningen, ob sie bleiben oder wieder verschwinden. Gleichzeitig liegt die Forderung eines Busunternehmers auf dem Tisch, die Strecke an Wochenenden für Motorräder zu sperren.
Sudelfeld: Verkehrsversuch beendet, Entscheidung offen
Am Sudelfeld war die B307 in den Saisons 2025 und 2026 in Richtung Bayrischzell täglich von 11 bis 21 Uhr für Motorräder gesperrt, jeweils von Frühjahr bis Herbst. Der Verkehrsversuch endete Ende September 2026 und damit einen Monat früher als ursprünglich angeordnet. Über den Winter entscheiden die Landkreise Rosenheim und Miesbach, ob es 2027 eine Fortsetzung gibt oder die Sperrung sogar dauerhaft wird. Einen festen Zeitplan dafür gibt es bisher nicht.
Warum fallen Entscheidungen über Streckensperrungen meist im Herbst und Winter?
Die offizielle Erklärung liegt nahe: Die Unfallbilanz einer Saison ist erst im Herbst vollständig. Bei Oberhof etwa liegt die Statistik der Polizei frühestens Ende Oktober vor, beraten wird im November.
Genau darin steckt allerdings ein Widerspruch. Für viele Motorradfahrer ist die Saison Ende Oktober noch gar nicht vorbei. Eine Bilanz, die wenige Tage nach Saisonende fertig ist, kann die letzten Wochen kaum abbilden. Und an der B500 sollen die Maßnahmen bereits zur Saison 2027 greifen, der Zeitplan ist also eng.
Unabhängig vom Grund hat der Zeitpunkt eine klare Wirkung. Im November sind viele Motorräder abgemeldet. Wer noch fährt, macht sich bei Nässe und Kälte selten auf den Weg zu einer Protestfahrt. Bis die Schilder im Frühjahr stehen, ist die Nachricht Monate alt, und viele Betroffene haben sich damit abgefunden. Ob Behörden den Termin bewusst so legen, sagt keine von ihnen, und belegen lässt es sich auch nicht. Fest steht nur, dass die Entscheidungen in eine Zeit fallen, in der kaum ein Motorradfahrer genau hinsieht.
Wann wurden frühere Motorradsperrungen bekannt?
Ein Blick auf bekannte Fälle zeigt ein ähnliches Muster. Entweder wurde nach Saisonende entschieden oder so kurz vor dem Start, dass kaum Zeit für Widerspruch blieb.
- Am Feldberg im Taunus wurden die Pläne für Sperrungen im November 2021 öffentlich.
- Dass die Regelung am Kesselberg dauerhaft bleibt, wurde Mitte Januar 2025 bekannt.
- Am Sudelfeld standen im April 2025 plötzlich zugeklappte Schilder an der Strecke, ohne dass vorher etwas angekündigt war. Motorcycles.News war nach einem Hinweis vor Ort, hat unter die Abdeckung geschaut und darüber berichtet, bevor es eine Pressemitteilung gab. Die Landratsämter äußerten sich erst am 23. April, ab dem 30. April galt die Sperrung.
- An der B274 im Rhein-Lahn-Kreis wurde die Wochenendsperrung am 1. Juli 2025 angekündigt, also mitten in der Saison. In Kraft trat sie im August, auch dort lagen also nur wenige Wochen dazwischen.
Was passiert mit dem Motorradverkehr nach einer Sperrung?
Der Verkehr verschwindet nicht, er verlagert sich auf andere Strecken. Am deutlichsten zeigt das die Entwicklung vom Kesselberg über das Sudelfeld bis zum Sylvenstein.
Am Kesselberg zwischen Kochelsee und Walchensee durften Motorräder schon seit 1978 bergauf, also in Richtung Walchensee, an Wochenenden und Feiertagen nicht fahren. 2023 wurde das in einem Verkehrsversuch neu geregelt. Seitdem ist die Strecke bergauf von April bis Oktober täglich zwischen 15 und 22 Uhr für Motorräder gesperrt, dafür ist sie am Wochenende bis zum Nachmittag frei. Seit 2025 gilt diese Regel dauerhaft, talwärts bleibt die Strecke offen.
Auf dem gesperrten Abschnitt selbst gingen die Unfälle zurück. Das Staatliche Bauamt Weilheim nennt für die Strecke zwischen Kochel und Urfeld ein Minus von etwa 40 Prozent in den beiden Versuchsjahren. Von Motorradfahrern verursachte Unfälle sanken von durchschnittlich 20,8 pro Jahr im Zeitraum 2018 bis 2022 auf 11,5 pro Jahr in den Jahren 2023 und 2024.
Woanders stiegen die Zahlen dagegen. Bereits im Sommer 2023 beobachtete die Polizei, dass Motorradfahrer seit der erweiterten Kesselberg-Sperrung auf andere Strecken ausweichen, und beschrieb die Lage am Sudelfeld als rennstreckenähnlich. Im April 2025 sprach sie ausdrücklich von einem Verdrängungseffekt in Richtung Sudelfeld. Auch das Landratsamt Rosenheim hält eine Auswirkung der Kesselberg-Regel für möglich, dort stiegen die Unfallzahlen ab 2023. Die Reaktion darauf war die nächste Sperrung.
Das Grundproblem wird in einer Antwort des Landratsamts Rosenheim auf eine Anfrage von Motorcycles.News deutlich. Gefragt, ob die Folgen der Sudelfeld-Sperrung für Strecken wie den Sylvenstein erfasst werden, verwies die Behörde auf ihre Zuständigkeit: Anordnen könne sie nur im eigenen Landkreis. Jedes Amt löst damit sein eigenes Problem, wohin der Verkehr danach ausweicht, liegt außerhalb seines Blickfelds.
Auch an der B500 ist dieser Effekt bereits Thema. Der Oberbürgermeister von Baden-Baden sagt selbst, dass Motorradfahrer ausweichen, und nennt mit der Roten Lache und der Strecke bei Loffenau schon die nächsten Abschnitte für Maßnahmen.
Droht am Sylvenstein die nächste Motorradsperrung?
Gefordert wird sie bereits, beschlossen ist nichts. Der Bürgermeister von Lenggries hat im August 2025 eine teilweise Sperrung verlangt, ausdrücklich als letztes Mittel. Das Landratsamt hält ein Fahrverbot bislang für rechtlich nicht machbar, weil die Straßen für den Verkehr über die Grenze nach Österreich zu wichtig sind.
Die Verlagerung an den Sylvensteinspeicher bei Lenggries begann schon vor der Sperrung am Sudelfeld. Im April 2024 sprach die Polizei von einer Abwanderung der Motorradszene vom Kesselberg an den Sylvenstein. Für 2024 zählte sie dort 16 Motorradunfälle mit neun Schwerverletzten. Inzwischen führt der Bürgermeister die Unfälle auf Ausweichverkehr von Kesselberg und Sudelfeld zurück. Nach seinen Angaben rückten die Feuerwehren aus Fall und Vorderriß 2025 zu insgesamt 50 Einsätzen aus. Die Saisonbilanz der Polizei für 2025 zeigt auf der B307 zwischen Kaiserwacht und Vorderriß allerdings weniger Unfälle als im Vorjahr.
Welchen Abschnitt der Bürgermeister sperren lassen will, hat er bisher nicht gesagt. Als Brennpunkt gilt das Stück der B307 zwischen dem Damm und der Faller-Klamm-Brücke. Es führt nicht zum Achenpass, sondern über Fall nach Vorderriß. Von dort geht es über eine Mautstraße nach Wallgau oder ins Tiroler Rißtal mit dem Großen Ahornboden, das mit dem Fahrzeug nur über Bayern zu erreichen ist. Eine Sperrung würde den Weg dorthin also nicht abschneiden, aber über Wallgau und die Mautstraße deutlich verlängern.
Warum werden aus Verkehrsversuchen oft dauerhafte Sperrungen?
Ein Verkehrsversuch ist rechtlich leichter durchzusetzen als eine unbefristete Sperrung. Viele Sperrungen beginnen deshalb als Versuch und werden danach fortgesetzt.
Die Auswertung eines solchen Versuchs hat eine eingebaute Schwäche. Wo Motorräder nicht fahren dürfen, können sie dort auch nicht verunglücken. Ein Rückgang der Unfälle auf dem gesperrten Abschnitt ist damit fast zwangsläufig und sagt wenig darüber aus, wie viele Unfälle sich nur auf andere Strecken verschoben haben. Trotzdem gilt das Ergebnis meist als Erfolg und als Grund, die Regel beizubehalten. Am Kesselberg wurde aus dem Versuch eine feste Regel, an der B274 wurde die Wochenendsperrung verlängert. In Tirol gilt die Regel, nach der Motorräder mit mehr als 95 Dezibel Standgeräusch laut Fahrzeugpapieren bestimmte Strecken nicht befahren dürfen, seit 2020 jedes Jahr wieder, 2026 vom 15. April bis 31. Oktober. Dabei sagt das eingetragene Standgeräusch nichts darüber aus, wie „laut“ ein Motorrad beim Fahren ist. Sowohl das Sudelfeld als auch das Tiroler Modell werden in der Debatte gern als Vorbild genannt.
Welche Rolle spielen Motorradverbände bei Streckensperrungen?
Verbände und Vereine sind oft die einzigen, die Motorradfahrer in diesen Verfahren vertreten. Sie schreiben Stellungnahmen, führen Gespräche mit Behörden und ziehen im Zweifel vor Gericht, wie bei der vom BVDM unterstützten Klage gegen die Sperrung am Sudelfeld.
Wie viel Gewicht ihre Stimme hat, hängt stark davon ab, wie viele Mitglieder und Unterstützer hinter ihnen stehen. Gerade weil Entscheidungen im Winter fallen, wenn wenig Aufmerksamkeit auf den Strecken liegt, haben organisierte Vertretungen hier eine besondere Bedeutung. Das gilt auch für Motorradfahrer, die eine betroffene Strecke selbst nie fahren: Jede Sperrung verlagert Verkehr auf andere Straßen, und die Kette vom Kesselberg zum Sylvenstein zeigt, wie weit das reichen kann. Eine Übersicht über aktuelle Streckensperrungen für Motorräder in Deutschland und den Nachbarländern zeigt, wie viele Strecken inzwischen betroffen oder bedroht sind.
Häufige Fragen
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Wann wird über die Maßnahmen an der B500 entschieden?
Der runde Tisch zur B500 trifft sich am 17. November 2026 zum zweiten Mal. Dort sollen konkrete Maßnahmen für die Saison 2027 festgelegt werden, etwa mehr Kontrollen und Fahrtenbuchauflagen. Ein Fahrverbot ist offiziell nicht beschlossen.
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Ist das Sudelfeld 2027 für Motorräder gesperrt?
Das ist noch offen. Der Verkehrsversuch mit der täglichen Sperrung in Richtung Bayrischzell endete Ende September 2026. Die Landkreise Rosenheim und Miesbach entscheiden über den Winter, ob es eine Fortsetzung oder eine dauerhafte Regelung gibt.
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Warum fallen Streckensperrungen für Motorräder meist im Winter?
Behörden verweisen darauf, dass die Unfallbilanz einer Saison erst im Herbst vorliegt. Gleichzeitig sind dann viele Motorräder abgemeldet, und Protest ist schwerer zu organisieren. Ob der Zeitpunkt bewusst gewählt wird, bestätigt keine Behörde.
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Wie lange gilt die Sperrung am Kesselberg?
Seit 2025 ist die Strecke bergauf jedes Jahr von April bis Oktober täglich zwischen 15 und 22 Uhr für Motorräder gesperrt. Talwärts bleibt sie frei. Die Regel ging aus einem Verkehrsversuch der Jahre 2023 und 2024 hervor.
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Wird der Sylvenstein für Motorräder gesperrt?
Bisher nicht. Der Bürgermeister von Lenggries fordert seit August 2025 eine teilweise Sperrung als letztes Mittel. Das Landratsamt hält ein Fahrverbot wegen des grenzüberschreitenden Verkehrs bislang für rechtlich nicht machbar.











