- Michael Dunlop siegt mit 26,1 Sekunden Vorsprung auf Dean Harrison, Peter Hickman wird Dritter
- Es ist Dunlops 35. TT-Sieg und sein zehnter Supersport-Erfolg in Folge
- Dean Harrison eröffnet mit 129,218 mph aus dem Stand, umgerechnet knapp 208 km/h
Nach tagelangem Regen auf der Isle of Man konnte die TT 2026 am Freitag endlich wieder Rennen austragen. Das Monster Energy Supersport TT Race 2 war der erste von drei geplanten Läufen des Tages, nachdem ein Verkehrsunfall auf der Mountain Road am Morgen den gesamten Zeitplan um eine Stunde nach hinten geschoben hatte. Seit dem ersten Supersport-Rennen am Dienstag hatte teils heftiger Regen den Asphalt sauber gewaschen, der während der Trainingswoche aufgebaute Gummiabrieb war verschwunden. Immerhin durften die Fahrer am Vormittag eine Besichtigungsrunde drehen, um die verbliebenen feuchten Stellen zu erkunden. Um 12:45 Uhr Ortszeit fiel der Start bei Sonnenschein, aber kräftigem Wind. Gefahren wurden wie schon in Lauf eins drei statt vier Runden, mit Pflichtboxenstopp am Ende der ersten Runde.

Warum entschied der Boxenstopp das Rennen?
Michael Dunlop übernahm die Führung nicht auf der Strecke, sondern in der Boxengasse: Sein Stopp dauerte 31,4 Sekunden, der von Dean Harrison 36 Sekunden. Bis dahin hatte Harrison das Rennen angeführt und eine bemerkenswerte erste Runde hingelegt. Aus dem Stand und mit Anbremsen der Boxeneinfahrt fuhr der Honda-Pilot 129,218 mph Schnitt, umgerechnet knapp 208 km/h, die schnellste Runde des gesamten Rennens. Im Sektor bis Ballaugh blieb er dabei nur 0,8 Sekunden über der schnellsten je gemessenen Zeit, die Dunlop zwölf Monate zuvor aufgestellt hatte. Mit 3,6 Sekunden Vorsprung auf Dunlop, der selbst 128,768 mph vorlegte, bog Harrison zum Tanken ab.
Im Supersport-Rennen wird beim Stopp kein Hinterreifen gewechselt, es geht ausschließlich darum, möglichst schnell Sprit in den Tank zu bekommen. Genau hier arbeitete die Ducati-Mannschaft von Scars Racing präziser als das Honda-Team. Schon an der ersten Zwischenzeitmessung bei Glen Helen auf Runde zwei lag Dunlop 1,7 Sekunden vorn. Harrison fand darauf keine Antwort mehr.
Wie baute Dunlop seinen Vorsprung aus?
Sobald Dunlop die Führung übernommen hatte, wuchs der Abstand kontinuierlich: vier Sekunden in Ballaugh, 7,6 in Ramsey, 11,9 am Bungalow und 16 Sekunden beim Überqueren der Ziellinie zur letzten Runde. Der Nordire steigerte sich von Sektor zu Sektor, während Harrison auf dem Mountain mit kräftigem Gegenwind kämpfte, gegen den die Honda mit ihrem 600er-Reihenvierzylinder weniger ausrichten konnte als die drehmomentstarke Ducati Panigale V2 mit 955 Kubikzentimetern.
Auf der Schlussrunde bekam Dunlop seinen Markenkollegen sogar auf der Strecke in Sichtweite und fuhr noch eine 128,4er-Runde, ohne ans Limit gehen zu müssen. Im Ziel standen 26,1 Sekunden Vorsprung, fast exakt der gleiche Abstand wie beim ersten Lauf am Dienstag, den Dunlop mit 24,47 Sekunden gewonnen hatte. Im Parc Fermé ließ der Sieger ausnahmsweise die Emotionen raus und drehte einen Burnout. Im Interview sagte er: „It’s nice to be able to do the double again on the Ducati“, auf Deutsch: „Es ist schön, auf der Ducati wieder das Double holen zu können.“

Was bedeutet der 35. Sieg für Dunlops Statistik?
Mit dem Erfolg steht Michael Dunlop nun bei 35 TT-Siegen und hat seine eigene Bestmarke weiter ausgebaut. Es war zugleich sein zehnter Supersport-Sieg in Folge, das fünfte Supersport-Double in Serie und sein 17. Klassensieg insgesamt, dazu Podium Nummer 54 im 97. Start. Erst vor zwei Jahren hatte er den Rekord seines Onkels Joey Dunlop von 26 Siegen eingestellt, inzwischen ist er der Konkurrenz endgültig enteilt: Mehr als ein Drittel aller TT-Rennen, zu denen er je angetreten ist, hat er gewonnen.
Auch Dean Harrison schrieb mit Platz zwei Geschichte. Der zweimalige Supersport-Zweite des Jahres 2026 steht nun bei 38 Solo-Podien und zog damit an Bruce Anstey vorbei auf Rang vier der ewigen Bestenliste, hinter Michael Dunlop, John McGuinness und Joey Dunlop. Im Ziel sprach er davon, dass mehr nicht möglich war: „It’s the quickest I’ve ever gone on the little Honda“, sagte Harrison, auf Deutsch: „Das ist die schnellste Runde, die ich je auf der kleinen Honda gefahren bin.“ Peter Hickman komplettierte für Trooper Triumph by PHR Performance das Podium, 13,5 Sekunden hinter Harrison und mit einer Schlussrunde von 127,446 mph. Der Engländer fuhr die Street Triple 765 RS erstmals in Trooper-Lackierung und steht damit bei drei Podestplätzen aus drei Rennen in diesem Jahr. Der Engländer erklärte selbstkritisch, die fehlende Zeit müsse von ihm selbst kommen, mit weniger Bremse und mehr Gas.
Wie lief das Rennen hinter dem Podium?
Mike Browne wurde trotz eines zeitweise ausgefallenen Transponders als Vierter gewertet. Der Ire tauchte über weite Strecken gar nicht in den Zeitenmonitoren auf und wurde zwischenzeitlich sogar als Ausfall geführt, ehe die Zeitnahme das Ergebnis bestätigte. Den vierten Platz sicherte er sich erst auf der Schlussrunde: Mit seiner schnellsten je gefahrenen Supersport-Runde von über 127 mph schob er sich noch um 0,9 Sekunden an Paul Jordan vorbei. Damit machte Browne genau die Position gut, die er am Dienstag durch eine 30-Sekunden-Strafe wegen überhöhter Geschwindigkeit in der Boxengasse verloren hatte.
Paul Jordan wurde Fünfter und fuhr mit 127,164 mph aus dem Stand die schnellste Supersport-Runde seiner Karriere. Auf der letzten Runde musste der Nordire seine Jackson-Racing-Ducati allerdings mit Überhitzungsproblemen ins Ziel retten, die Kühlmitteltemperatur stieg zeitweise auf 120 Grad. Josh Brookes folgte nur 1,6 Sekunden dahinter als Sechster und setzte mit 127,132 mph ebenfalls eine persönliche Bestmarke auf der Suzuki. Dominic Herbertson, Jamie Coward, Shaun Anderson und Ian Hutchinson komplettierten die Top Ten. Dahinter fuhr Mitch Rees als Elfter sein bestes TT-Ergebnis ein, Pierre Yves Bian wurde 14., und Erno Kostamo kam als 16. und damit als bester Privatfahrer ins Ziel. Conor Cummins stellte seine Suzuki am Ende der zweiten Runde ab. Jamie Cringle stürzte bei Union Mills und wurde per Hubschrauber ins Noble’s Hospital geflogen, der Lokalmatador war nach Angaben der Rennleitung ansprechbar.

Wie geht es bei der TT 2026 weiter?
Noch am selben Tag standen zwei weitere Rennen im Programm: das erste Sportbike-Rennen über zwei Runden ohne Boxenstopp sowie die Milwaukee Senior TT. Für das Sportbike-Rennen galt Dunlop auf der Paton als Favorit, während Harrison in dieser Klasse nicht antritt und die Pause zur Erholung für den Saisonhöhepunkt nutzen konnte.
Für die Senior TT bestätigte das Honda-Lager zudem einen bemerkenswerten Schritt: Dean Harrison wechselte auf die Superstock-Maschine, auf der er im Qualifying schneller unterwegs war als auf dem Superbike. Da wegen des Wetters in dieser Woche noch kein Superstock-Rennen stattfinden konnte, blieb das Material weitgehend ungetestet im Renneinsatz. Mit drei Solofahrern an der Spitze, die sich bislang jedes Podium der TT 2026 teilten, deutete vieles auf ein weiteres Kapitel im Duell Dunlop gegen Harrison hin.

➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: Isle of Man TT 2026. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.
Häufige Fragen
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Wer hat das zweite Rennen der Supersport TT 2026 gewonnen?
Michael Dunlop hat das Monster Energy Supersport TT Race 2 am 5. Juni 2026 gewonnen. Der Nordire setzte sich auf der Ducati Panigale V2 von Scars Racing mit 26,1 Sekunden Vorsprung vor Dean Harrison und Peter Hickman durch.
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Wie viele TT-Siege hat Michael Dunlop jetzt?
Michael Dunlop steht nach dem Erfolg bei 35 Siegen bei der Isle of Man TT und ist damit alleiniger Rekordhalter. Zehn dieser Siege holte er in Folge in der Supersport-Klasse, in der er seit 2022 ungeschlagen ist.
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Warum hat Dean Harrison das Rennen verloren?
Dean Harrison verlor die Führung beim einzigen Boxenstopp, der bei ihm 36 Sekunden dauerte, bei Dunlop nur 31,4 Sekunden. Trotz einer Eröffnungsrunde von 129,218 mph aus dem Stand konnte er den Rückstand danach nicht mehr aufholen.
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Warum fehlte Mike Browne zeitweise in der Zeitenliste?
An Mike Brownes Yamaha fiel der Transponder zeitweise aus, weshalb die Zeitnahme ihn nicht erfasste und sogar als Ausfall führte. Tatsächlich beendete der Ire das Rennen auf Platz vier, den er sich auf der Schlussrunde mit persönlicher Bestzeit 0,9 Sekunden vor Paul Jordan sicherte.












