- ZXMoto 820RR mit 135 PS (99 kW), Topversion 820RR-R mit 145 PS (107 kW) und 186 kg (410 lbs) fahrfertig
- Ducati Panigale V2 mit 120 PS (88 kW) aus 890 Kubikzentimetern und 191 kg (421 lbs) fahrfertig
- Preise in China ab umgerechnet rund 5.600 Euro (rund 6.500 US-Dollar), in Deutschland ab rund 16.500 Euro (rund 19.100 US-Dollar)
Zwei Supersportler, beide um die 190 Kilo schwer, beide auf 17 Zoll, beide mit Kurven-ABS ab Werk. Auf dem einen Preisschild steht in China ungefähr das Dreifache dessen, was auf dem anderen steht. Die Ducati Panigale V2 gehört seit 2025 zur neuen Modellgeneration mit dem 890er Motor, die ZXMoto 820RR kommt von einer Marke, die es erst seit 2024 gibt. Beide prägen im Jahrgang 2026 das mittlere Supersport-Segment, und beide fahren bereits in derselben Weltmeisterschaft.
Welche Motoren stecken in der ZXMoto 820RR und der Ducati Panigale V2?
In der ZXMoto arbeitet ein Reihendreizylinder mit 818 Kubikzentimetern, in der Ducati ein Zweizylinder mit 890 Kubikzentimetern. Die beiden Konzepte liefern ihre Leistung an völlig unterschiedlichen Stellen ab.
Die Basisversion 820RR leistet nach Werksangabe 135 PS (99 kW) bei 12.000 Umdrehungen und 80 Nm (59 lb-ft) bei 9.500 Umdrehungen. Das ist ein klassischer Supersport-Motor, der seine Kraft über die Drehzahl holt. Unterhalb von 8.000 Umdrehungen passiert wenig, darüber zieht der Dreizylinder kräftig an. Auf der Landstraße bedeutet das laut einem Fahrbericht aus der Schweiz: dritter Gang als Dauerlösung, in engen Kurven runter in den ersten.
Die Panigale V2 kommt auf 120 PS (88 kW) bei 10.750 Umdrehungen und 93 Nm (69 lb-ft) bereits bei 8.250 Umdrehungen. Rund 70 Prozent des maximalen Drehmoments stehen schon bei 3.000 Touren an. Der V2 zieht damit aus fast jeder Drehzahl heraus, ein Gangwechsel ist seltener nötig.
Ein Detail dürfte vielen Ducati-Fahrern auffallen: Der 890er verzichtet auf die Desmodromik. Statt der Zwangssteuerung schließen jetzt Federn die Ventile, so wie bei fast jedem anderen Hersteller. Ducati begründet den Schritt mit dem geringeren Aufwand, das Ventilspiel muss dadurch erst alle 30.000 Kilometer geprüft werden. Bei der ZXMoto geht die Entwicklung in die andere Richtung: Die Topversion 820RR-R bekommt Titanventile, ihr Motor dreht bis 14.750 Umdrehungen.
Was unterscheidet die ZXMoto 820RR von der 820RR-R?
Die 820RR ist die Basisversion mit chinesischen Fahrwerks- und Bremsenteilen, die 820RR-R die Topversion mit Komponenten europäischer und japanischer Zulieferer. Zwischen beiden liegen 10 PS und rund 7 Kilo.
In der Basis kommen die voll einstellbaren Federelemente von Yu’an und die radial verschraubten Vierkolbenzangen von Taisko, beide aus China. Vorn arbeiten zwei Scheiben mit 320 Millimetern Durchmesser. Fahrfertig wiegt die 820RR 193 kg (425 lbs).
Die 820RR-R nutzt denselben Grundmotor, aber mit höherer Verdichtung von 13,3:1 statt 13,0:1 und den erwähnten Titanventilen. Daraus entstehen 145 PS (107 kW) bei 13.500 Umdrehungen. Dazu kommen eine 43er KYB-Gabel mit reibungsmindernder DLC-Beschichtung im Inneren, ein KYB-Federbein, Brembo-M50-Zangen mit passender Bremspumpe sowie geschmiedete Räder. Fahrfertig sind es dann 186 kg (410 lbs).

Fahrwerk, Gewicht und Elektronik im direkten Vergleich
Die Ducati Panigale V2 fährt in der Basis mit einer voll einstellbaren 43er Marzocchi-Gabel, einem Federbein von Kayaba und Brembo-M50-Zangen an zwei 320er Scheiben. Fahrfertig wiegt sie rund 191 kg (421 lbs). Die S-Version bekommt vorn und hinten Öhlins, dazu eine Lithium-Ionen-Batterie, eine Launch Control und einen Pit Limiter, und kommt auf rund 188 kg (414 lbs).
Damit lassen sich beide Ausbaustufen sauber gegenüberstellen. Basis gegen Basis stehen 193 zu 191 Kilo im Raum, Topversion gegen Topversion 186 zu 188 Kilo. In der oberen Stufe ist die ZXMoto also die leichtere von beiden, und das bei 25 PS mehr auf dem Papier.
Bei der Elektronik fällt der Abstand ebenfalls klein aus. Beide Modelle nutzen eine Sechs-Achsen-Messeinheit, die Schräglage und Bewegung des Motorrads erfasst und daraus Kurven-ABS, Traktionskontrolle und Wheelie-Kontrolle steuert. Ein Quickshifter für kupplungsfreies Schalten ist jeweils ab Werk dabei. Die ZXMoto bietet fünf Fahrmodi, die Ducati vier. Beim Display dreht sich das Verhältnis um: 6,2 Zoll auf Android-Basis stehen 5 Zoll bei Ducati gegenüber.
Wie fährt sich die ZXMoto 820RR auf der Straße?
Die Fahreindrücke zeigen die deutlichsten Schwächen der ZXMoto, und die stehen auf keinem Datenblatt. Bremsgefühl, Gasannahme und Getriebe sind laut Medienberichten die Punkte, an denen noch gearbeitet werden muss.
Auf dem Papier haben beide Bremsanlagen vier Kolben und 320 Millimeter. Am Hebel fühlen sie sich unterschiedlich an. Die Brembo-Anlage der Ducati hat einen klar definierten Druckpunkt. Die Taisko-Bremse der 820RR verzögert ordentlich und lässt sich gut dosieren, der Druckpunkt bleibt aber weich. Dosiert wird eher über den Weg als über den Druck, ähnlich wie bei einer Enduro. ZXMoto selbst gibt an, dass diese Bremse für die Straße ausgelegt ist und nicht für wiederholte schnelle Rennstreckenrunden. Dass ein Hersteller die Grenzen des eigenen Produkts so offen benennt, kommt selten vor.
Bei der Sitzposition liegen die beiden ebenfalls auseinander. Die ZXMoto sitzt mit 825 Millimetern (32,5 Zoll) niedriger als die Ducati mit 837 Millimetern (33,0 Zoll), was den Nacken entlastet. Kniewinkel und Oberkörperhaltung bleiben trotzdem sportlich, längere Etappen über Land verlangen Beweglichkeit. Ducati ist den umgekehrten Weg gegangen und hat die Ergonomie entschärft: Die Lenkerenden sitzen 6 Zentimeter höher als beim Vorgänger und sind stärker zum Fahrer gedreht, die Rasten liegen tiefer und weiter vorn.
Offen bleibt bei der ZXMoto die Feinarbeit. Die Gasannahme fällt ruppig aus, im Sport-Modus war sie im Test kaum brauchbar, im Straßenmodus dagegen gut fahrbar. Beim Runterschalten vom dritten in den zweiten Gang landete der Tester mehrfach in einem falschen Neutralen, zweimal ging der Motor dabei aus. Dazu gehört eine Einordnung: In China stehen die 820er bei den Händlern, eine für Europa homologierte Version gibt es noch nicht. Bisher waren in Europa nur Vorserienmaschinen unterwegs, bis zur Auslieferung kann sich also einiges ändern. Der kernige Klang des Dreizylinders gilt derweil als Pluspunkt, ob er die Abgasnorm Euro 5+ in dieser Form übersteht, ist offen.

Wie schlägt sich die ZXMoto gegen Ducati in der Supersport-WM?
In der Supersport-WM 2026 liegt die ZXMoto nach 16 Rennen mit 6 Siegen vor Ducati mit 5 Siegen. Dabei stehen einem einzigen ZXMoto-Fahrer zwölf Ducati-Piloten gegenüber.
Valentin Debise fährt die 820RR und lag zur Sommerpause auf dem zweiten Platz der Weltmeisterschaft. Ein reines Technikurteil ist dieses Ergebnis allerdings nicht. In der Serie gilt eine Leistungsangleichung, damit unterschiedliche Motorkonzepte überhaupt gegeneinander antreten können. Ducati trifft diese Regel derzeit hart. Ducati-Pilot Philipp Öttl beschreibt die Lage so: „Wir holen unter diesen Regeln das Maximale raus und haben nur noch 70 Prozent Drosselklappenöffnung.“ Als Nicolò Bulega 2023 den Titel holte, waren es noch 83 Prozent. Umgekehrt hat auch das ZXMoto-Team die Angleichung schon kritisiert, als es zum Saisonstart in Australien nicht lief.
Dazu kommt ein Punkt, der leicht untergeht: Die Ducati, die in der Supersport-WM fährt, ist nicht die neue 890er. Es ist noch der Vorgänger mit 955 Kubikzentimetern und rund 155 PS (114 kW). Die neue V2 wird gerade erst für die Saison 2027 aufgebaut. Dann sinkt die erlaubte Leistung im Feld ohnehin von rund 145 PS (107 kW) auf etwa 130 PS (96 kW).
Was kosten ZXMoto 820RR und Ducati Panigale V2?
In China kostet die 820RR umgerechnet rund 5.600 Euro (rund 6.500 US-Dollar), die stärkere 820RR-R rund 7.960 Euro (rund 9.230 US-Dollar). Die Ducati Panigale V2 startet in Deutschland bei rund 16.500 Euro (rund 19.100 US-Dollar), die S-Version bei rund 19.000 Euro (rund 22.000 US-Dollar).
Dieser Faktor drei gilt allerdings für den chinesischen Heimatmarkt. Einen deutschen Preis für die ZXMoto gibt es nicht, ein Händlernetz ebenfalls nicht. Die einzige Zahl aus Europa kommt bisher aus der Schweiz. Dort hat der Importeur einen Einstieg ab 8.990 Franken (rund 9.550 Euro / 11.100 US-Dollar) angekündigt, ausgeliefert ist die Maschine dort aber noch nicht. Aus dem Faktor drei wäre damit nicht einmal mehr das Doppelte geworden. In Europa startet ZXMoto zunächst in Großbritannien, und zwar mit dem kleineren Modell 500RR. Die 820RR wird dort für 2027 erwartet.
Die Bauteile, über die man beim Preis eigentlich diskutieren müsste, kommen in der Topversion längst aus denselben Regalen wie bei den europäischen Herstellern: Brembo, KYB, Bosch und Pirelli. ZXMoto ist damit kein Einzelfall. Brembo hat mit CFMoto, einem anderen chinesischen Hersteller, eine langfristige Partnerschaft geschlossen. Europäische Zulieferer sind an dieser Entwicklung also selbst beteiligt. Der verbleibende Abstand zwischen den beiden Motorrädern liegt damit weniger bei den Teilen als bei Abstimmung, Haltbarkeit, Werkstattnetz und Wiederverkaufswert.
Ab 2027 treffen die beiden auch auf der Rennstrecke in genau der Konstellation aufeinander, die für den Handel interessant ist: die 890er Panigale gegen den 818er Dreizylinder, beide auf rund 130 PS eingebremst. Dann fällt das Argument weg, dass auf Ducati-Seite noch ein älteres Modell als Platzhalter fährt.

Häufige Fragen
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Was kostet die ZXMoto 820RR?
In China kostet die ZXMoto 820RR umgerechnet rund 5.600 Euro (rund 6.500 US-Dollar), die stärkere 820RR-R rund 7.960 Euro (rund 9.230 US-Dollar). Für Europa gibt es bisher nur eine Ankündigung aus der Schweiz mit einem Einstieg ab 8.990 Franken (rund 9.550 Euro / 11.100 US-Dollar). Einen deutschen Preis nennt der Hersteller noch nicht.
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Wie viel PS hat die Ducati Panigale V2?
Die Ducati Panigale V2 leistet 120 PS (88 kW) bei 10.750 Umdrehungen und stellt 93 Nm (69 lb-ft) bei 8.250 Umdrehungen bereit. Der neue 890er Motor arbeitet nicht mehr mit Desmodromik, sondern mit Federventilen. Das Ventilspiel muss dadurch erst alle 30.000 Kilometer geprüft werden.
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Wann kommt die ZXMoto 820RR nach Europa?
Ein Termin für den deutschen Markt steht nicht fest. ZXMoto beginnt die Expansion in Großbritannien mit dem kleineren Modell 500RR, die 820RR wird dort für 2027 erwartet. Eine für Europa homologierte Version der 820er gibt es bislang nicht.
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Wer liegt in der Supersport-WM 2026 vorn, ZXMoto oder Ducati?
Nach 16 Rennen stehen 6 Siege für ZXMoto und 5 Siege für Ducati zu Buche. ZXMoto erreicht das mit einem einzigen Fahrer, Ducati stellt zwölf Piloten im Feld. Eine Leistungsangleichung greift dabei stark in die Kräfteverhältnisse ein, weshalb das Ergebnis nur bedingt etwas über die Serientechnik aussagt.











