- Basis ist der luftgekühlte 980-cm³-Boxer mit 70 PS (51 kW), Fünfganggetriebe und Kardanantrieb
- Der Motor wurde komplett neu aufgebaut, die Kupplung von Seilzug auf Hydraulik umgestellt
- Der Heckrahmen ist modular: Zwei Schrauben lösen genügen, um vom Zweisitzer auf den Einsitzer zu wechseln
Umbauten auf Basis der alten BMW-Boxer gibt es viele. Die Ausgangslage bei diesem Projekt war allerdings ungewöhnlich, denn die Werkstatt bekam kein fahrbereites Motorrad geliefert, sondern eine Kiste voller Einzelteile. Bevor überhaupt ein Entwurf entstehen konnte, musste das Team die Maschine erst einmal zusammensetzen. Genau daraus entstand auch der Projektname.

Warum heißt der Umbau BOLT ≠ 100?
Der Name BOLT ≠ 100 verweist auf das Ungleich-Zeichen und damit auf den Grundgedanken des Projekts: Die Maschine sollte gerade keine klassische Restaurierung werden. Das Zeichen steht dafür, dass der Umbau bewusst vom Original abweicht.
Den Anstoß gab die Anlieferung. „When the motorcycle arrived at our workshop, it was completely dismantled inside a wooden crate“, erinnert sich Joel Rodriguez, Creative Director bei Bolt. Auf Deutsch: „Als das Motorrad in unserer Werkstatt ankam, war es komplett zerlegt in einer Holzkiste.“ Rodriguez beschreibt weiter, dass das Team zunächst das gesamte Motorrad zusammenbauen musste, um jedes Bauteil zu identifizieren, die Vollständigkeit zu prüfen und den Zustand einzuschätzen. Erst danach begann die eigentliche Gestaltung. Im Original klingt das so: „Before we could even begin designing the build, we had to assemble the entire motorcycle to identify every component, check that all the parts were present, and assess their condition.“
Die Zahl im Projektnamen bezieht sich auf das Modell, nicht auf die Zählweise der Werkstatt. Das 100. Projekt von Bolt war eine Kawasaki ZRX 1200R, die im Frühjahr 2026 vorgestellt wurde.
Was wurde am Motor der BMW R 100 gemacht?
Der Boxer wurde vollständig neu aufgebaut. Bolt verbaute neue Zylinder, neue Kolben und neue Pleuel, dazu kamen überarbeitete Zylinderköpfe.
Die Serienbasis liefert dafür einen soliden Ausgangspunkt. Der luftgekühlte Zweizylinder-Boxer mit 980 cm³ leistet 70 PS (51 kW), die Kraft läuft über ein Fünfganggetriebe und einen Kardanantrieb ans Hinterrad. Nach dem Neuaufbau bekam der Motor ein aufgewertetes Vergaser-Kit und eine elektronische Zündung.
Über die reine Motorüberholung hinaus gab es mehrere technische Umbauten. Die ursprünglich per Seilzug betätigte Kupplung wurde auf ein hydraulisches System umgestellt. Das gilt als aufwendiger Eingriff, weil dafür Geber- und Nehmerseite neu ausgelegt werden müssen. Das Ziel dahinter: ein besseres Gefühl am Hebel und ein sauberer definierter Kupplungspunkt.
Auch kleine Details bekamen Aufmerksamkeit. In die Knöpfe der Kaltstarteinrichtung an den Vergasern, umgangssprachlich als Chokeknöpfe bekannt, wurden BMW-Embleme graviert.

Warum bleibt der Tank ohne Lack?
Der Tank ist gebürstet und bleibt unlackiert. Damit wird das blanke Blech selbst zum Gestaltungsmittel, und das setzt eine sehr saubere Ausführung voraus.
Diese Lösung lässt keine Nachlässigkeit zu, denn ohne Spachtel und ohne deckende Lackschicht bleibt jede Unebenheit sichtbar. Das gebürstete Finish zieht sich weiter durch das Motorrad, unter anderem am schmalen Frontfender, an den eigens gefertigten Gabelbrücken, an Bremssätteln und Bremsscheiben sowie am Auspuff.
Als Gegenpol dazu sind Rahmen und Motorgehäuse in einem stark strukturierten Schwarz gehalten. Aus dem Zusammenspiel von blankem Metall und mattem Schwarz entsteht der Gesamteindruck, der die alte R 100 deutlich moderner wirken lässt, als ihr Baujahr vermuten ließe.
Wie wird aus dem Zweisitzer ein Einsitzer?
Bolt hat einen modularen Heckrahmen konstruiert. Zwei Schrauben lösen reicht aus, um zwischen zwei Sitzbänken zu wechseln und damit vom Zweisitzer auf den Einsitzer umzurüsten.
Beide Sitzbänke sind handgefertigt und mit Wildleder bezogen. In jede der beiden Einheiten ist ein eigenes LED-Rücklicht integriert. Dadurch bleibt das Motorrad in beiden Konfigurationen vollständig funktionsfähig und für den Straßenverkehr zugelassen. Wer allein fährt, montiert die kurze Variante, für die Fahrt zu zweit kommt die längere ans Motorrad.

Was hat sich am Fahrwerk und an den Bremsen geändert?
Fast das gesamte Fahrwerk ist neu. Hinten arbeitet eine selbst gebaute Schwinge im Kastenprofil, vorne eine moderne Upside-down-Gabel von BMW.
Die neue Schwinge trägt das Bolt-Logo und soll gegenüber dem Serienbauteil verwindungssteifer sein. Verwindungssteifigkeit beschreibt, wie stark sich ein Bauteil unter Last verdreht. Je weniger es nachgibt, desto präziser bleibt die Radführung. Dazu kommen Federbeine von YSS, die den betagten Serienstoßdämpfern gegenüber ein spürbares Update darstellen sollen.
Vorn war mehr Aufwand nötig. Damit die moderne Upside-down-Gabel überhaupt in den alten Rahmen passt, entstanden CNC-gefräste Gabelbrücken. Verzögert wird über eine Doppelscheibenanlage mit Vierkolbensätteln. Den vorderen Abschluss bildet eine im 3D-Druck gefertigte Lampenmaske mit moderner LED-Technik.
Elektrik, Cockpit und Sitzposition
Am Lenkkopf sitzen tief montierte Clip-on-Lenkerhälften, die direkt auf den Gabelholmen klemmen. Zusammen mit den Rastenanlagen von Tarozzi ergibt sich eine nach vorn geneigte, sportliche Sitzposition.
Die Elektrik stammt komplett von Motogadget und wird von einer M-Unit gesteuert. Dieses Modul übernimmt die Funktion klassischer Sicherungen und Relais und macht den Kabelbaum deutlich schlanker. Dazu gehören Lenkerendenblinker und Taster am Lenker. Vervollständigt wird das Cockpit von Spiegeln der Marke Highsider.

Wer steckt hinter Bolt Motor Company?
Bolt Motor Company ist eine Werkstatt aus Valencia in Spanien, die sich selbst als modernes Karosseriebau-Atelier beschreibt. Geleitet wird sie von Adrián Campos.
Entstanden ist der Betrieb auf dem Gelände des Rennstalls Campos Racing, und dieser Hintergrund prägt die Arbeitsweise nach eigener Darstellung bis heute. Die Werkstatt nennt enge Toleranzen, begründete Materialauswahl und dokumentierte Entscheidungen als Maßstab. Nach eigenen Angaben hat das Team in zwölf Jahren mehr als 150 Projekte abgeschlossen und dabei über 820 Teile im eigenen Haus gefertigt. Die Arbeit ist in drei Bereiche gegliedert: Motorräder, die Restomod-Linie Heritage und die Sparte Titán.
Klassische BMW-Boxer und die sogenannten Flying Bricks, also die Vierzylinder der K-Baureihe, tauchen dabei immer wieder auf. Wie das Team seine Arbeit an der R 100 einordnet, fasst Dave Rojas zusammen, Head of Design & Bespoke Projects: „For us, this project represents the balance between classic BMW engineering, modern technology, and handcrafted design.“ Übersetzt: „Für uns steht dieses Projekt für die Balance zwischen klassischer BMW-Technik, moderner Technologie und handwerklichem Design.“ Er ergänzt, dass es sich um ein besonderes Projekt für das gesamte Team gehandelt habe: „It was a very special build for the entire BOLT team.“

Häufige Fragen
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Welche Basis wurde für den BMW R 100 Umbau verwendet?
Grundlage ist eine luftgekühlte BMW R 100 mit 980 cm³ großem Boxermotor. Serienmäßig leistet sie 70 PS (51 kW) und gibt die Kraft über ein Fünfganggetriebe und einen Kardanantrieb ab. Das Motorrad kam vollständig zerlegt in einer Holzkiste in der Werkstatt an.
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Wie viel PS hat die BMW R 100?
Die Werksangabe liegt bei 70 PS (51 kW). Bolt hat den Motor komplett neu aufgebaut, unter anderem mit neuen Zylindern, Kolben und Pleueln sowie überarbeiteten Zylinderköpfen. Dazu kamen ein aufgewertetes Vergaser-Kit und eine elektronische Zündung.
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Kann die umgebaute BMW R 100 zu zweit gefahren werden?
Ja. Der modulare Heckrahmen erlaubt den Wechsel zwischen Einsitzer und Zweisitzer, indem zwei Schrauben gelöst werden. Beide handgefertigten Wildledersitze haben ein eigenes LED-Rücklicht, damit das Motorrad in beiden Varianten straßentauglich bleibt.
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Wer hat den BMW R 100 Umbau gebaut?
Verantwortlich ist Bolt Motor Company aus Valencia in Spanien. Die Werkstatt arbeitet seit rund zwölf Jahren an Einzelstücken und ist auf dem Gelände des Rennstalls Campos Racing entstanden. Das Projekt trägt den Namen BOLT ≠ 100.












