- 292-cm³-Einzylinder mit 28 PS (20,6 kW) bei 9.500/min, 150 kg (331 lbs), A2-tauglich
- Preis in Spanien 3.999 Euro (circa 4.635 US-Dollar), erste Auslieferungen im September 2026
- Technische Basis ist die Leonart Rally 300, gefertigt in China
Der Name Bultaco steht seit den 1960er-Jahren für spanischen Geländesport. Modelle wie die Sherpa T, die Pursang oder die Frontera prägten Trial und Enduro über Jahrzehnte. Jetzt taucht das Logo mit dem Daumen wieder auf einem Tank auf, und zwar auf dem der Rally GT 300. Der Weg dorthin sagt allerdings mehr über den Motorradmarkt des Jahres 2026 aus als über die Geschichte der Marke.

Was steckt technisch in der Bultaco Rally GT 300?
Die Rally GT 300 fährt mit einem flüssigkeitsgekühlten Einzylinder mit 292 Kubikzentimetern, zwei obenliegenden Nockenwellen und vier Ventilen. Die Leistung liegt laut Hersteller bei 28 PS (20,6 kW) bei 9.500 Touren, das maximale Drehmoment bei 25 Nm (18,4 lb-ft).
Für die Gemischaufbereitung sorgt eine elektronische Einspritzung von Bosch, die Kraft geht über ein Sechsganggetriebe und eine im Ölbad laufende Mehrscheibenkupplung ans Hinterrad. Der CO2-Ausstoß wird mit 70 Gramm pro Kilometer angegeben. Damit bleibt die Maschine klar innerhalb der europäischen A2-Klasse, also der Führerscheinstufe mit maximal 48 PS.
Das Fahrwerk ist bewusst einfach gehalten. Ein Brückenrahmen, eine Upside-down-Gabel und ein Zentralfederbein bilden die Basis, gebremst wird vorn und hinten mit je einer Scheibe samt ABS. Laut Medienberichten lässt sich das ABS abschalten. Vorn läuft ein 19-Zoll-Rad mit der Reifengröße 90/90, hinten ein 17-Zöller mit 130/80. Bultaco begründet die Kombination damit, dass das größere Vorderrad in der Stadt präzise lenke und abseits der Straße mehr Sicherheit gebe.
Die restlichen Maße fallen für eine 300er sportlich aus: 883 Millimeter Sitzhöhe, 260 Millimeter Bodenfreiheit, 1.410 Millimeter Radstand und 2.160 Millimeter Gesamtlänge. Der Tank fasst 16 Liter, das Gewicht wird mit 150 Kilogramm (331 lbs) fahrfertig angegeben. Beim eng verwandten Schwestermodell liegt der Verbrauch bei rund drei Litern auf 100 Kilometer, womit über 500 Kilometer Reichweite möglich sein sollen. Als Höchstgeschwindigkeit werden etwa 130 km/h genannt.
Wer baut die neue Bultaco wirklich?
Entwickelt und vertrieben wird die Rally GT 300 von Leonart Motors, einem Unternehmen aus dem Raum Barcelona. Gefertigt wird sie in China bei Chongqing Andes Motorcycle Manufacturing, wo dasselbe Motorrad unter der Bezeichnung Andes 3.5 im Programm steht.
Die Bultaco ist damit keine Neukonstruktion. Sie ist bis in die Details identisch mit der Leonart Rally 300, die bereits im Frühjahr 2026 auf den Markt kam. Leonart bezeichnet den Motor intern als CF300. Leistung und Hubraum decken sich exakt mit den 300er-Modellen von CFMoto, deren Triebwerk wiederum auf einer japanischen Konstruktion basiert. In der deutschen Fachpresse wird der Antrieb deshalb direkt CFMoto zugeschrieben.
Hinter dem Markennamen steht heute die neu gegründete Bultaco Next s.l., die im August 2026 die Internetseite bultaco.pro eingerichtet hat. Nach Angaben aus Großbritannien gehören die Rechte am Namen einer spanischen Holding namens Pandora Future Group, deren erstes Produkt unter dem Label ein elektrisches Kindermotorrad mit dem Namen Micro Sherpa war.
Wie viel Bultaco steckt dann noch in der Rally GT 300?
Nach Angaben der Marke war das Team Bultaco Racing an der Abstimmung von Fahrwerk und Elektronik beteiligt. Das ist der Teil, der über eine reine Umetikettierung hinausgeht.
Die Marke selbst macht daraus kein Geheimnis. Marc Llorens, Designverantwortlicher bei Leonart Motors, beschreibt das Vorgehen so: „Bultaco no se convirtió en una leyenda repitiendo el pasado, sino abriendo nuevos caminos. La Rally GT 300 representa precisamente ese espíritu: un primer paso honesto para volver a ver el nombre de Bultaco sobre una motocicleta actual, escuchando al mercado, aprendiendo y respetando profundamente el legado que ha mantenido viva la marca durante todos estos años.“ Auf Deutsch: „Bultaco wurde nicht zur Legende, indem die Marke die Vergangenheit wiederholte, sondern indem sie neue Wege ging. Die Rally GT 300 steht genau für diesen Geist: ein ehrlicher erster Schritt, um den Namen Bultaco wieder auf einem aktuellen Motorrad zu sehen, mit einem offenen Ohr für den Markt, lernbereit und mit tiefem Respekt vor dem Erbe, das die Marke all die Jahre am Leben gehalten hat.“
Erste Bilder der Maschine zeigte Bultaco Anfang August 2026 über die eigenen Kanäle. Die Fotos entstanden bei Testfahrten auf der Anlage des Moto Club Vilobí in Girona, und am Lenker saß dabei Juan Bultó selbst. Neben der Serienversion war dort auch eine Offroad-Variante mit grobstolligen Reifen und einer Akrapovic-Auspuffanlage zu sehen.
Welche Ausstattung bietet die Rally GT 300 für 3.999 Euro?
Für den Preis fällt die Ausstattung recht vollständig aus. Serienmäßig sind ein 5-Zoll-TFT-Display, komplette LED-Beleuchtung mit in die Verkleidung integrierten Blinkern und eine fest verbaute Dashcam an Bord.
Das Display zeigt Geschwindigkeit, Drehzahl, eingelegten Gang und Tankinhalt. Die Frontkamera nimmt automatisch in Schleifen von jeweils fünf Minuten auf, einzelne Sequenzen lassen sich sichern. Dazu kommen ein USB-Anschluss, ein Gepäckträger, Sturzbügel, ein klappbarer Schalthebel, eine Reifendruckkontrolle und eine Uhr. Beim Schwestermodell gehören außerdem beleuchtete Lenkerschalter dazu.
Wie kam es überhaupt zum Verschwinden von Bultaco?
Bultaco wurde 1958 in Katalonien von Paco Bultó gegründet, dem Großvater des früheren MotoGP-Fahrers Sete Gibernau. Anfang der 1980er-Jahre ging bei der Marke das Licht aus, das spanische Werk schloss 1983.
Ein erster Wiederbelebungsversuch startete 2014 und setzte vollständig auf Elektroantriebe. Die Prototypen Rapitán und Rapitán Sport schafften es nie in die Serie. In den Handel kamen nur der Brinco, eine Mischung aus Pedelec und leichtem Motorrad, sowie das Kleinkraftrad Albero. Die Umsätze blieben hinter den Erwartungen zurück, das Unternehmen suchte jahrelang nach Investoren und meldete Ende 2018 Insolvenz an. Seitdem war der Name praktisch verschwunden, auch wenn immer wieder Gerüchte über eine Rückkehr auftauchten.
Wann kommt die Bultaco Rally GT 300 und was kostet sie?
Die ersten Maschinen sollen im September 2026 an spanische Kunden ausgeliefert werden. Der Preis liegt bei 3.999 Euro (circa 4.635 US-Dollar), reserviert werden kann über die Plattform bultaco.pro und über Leonart Motors.
Für den Vertrieb hat Leonart in Spanien ein Händlernetz aufgebaut. Die Marke verspricht dazu Kundendienst und Ersatzteilversorgung ab dem ersten Tag. Ob und wann die Rally GT 300 nach Deutschland kommt und was sie hier kosten würde, ist bisher offen. Für Großbritannien gibt es ebenfalls noch keine Angaben.

Wie ordnet sich die Rally GT 300 im Wettbewerb ein?
Im Segment der leichten 300er-Enduros trifft die Bultaco auf gut eingeführte Konkurrenz, sowohl von japanischen Herstellern als auch von chinesischen Anbietern, die über den Preis kommen. Die naheliegendste Rivalin ist die Rieju Aventura 307 Rally, ebenfalls in Spanien entwickelt und in China gebaut.
Die Rieju kostet in Großbritannien 4.599 Pfund (circa 5.370 Euro / 6.225 US-Dollar) und nutzt einen 293-cm³-Einzylinder von Loncin mit angegebenen 34 PS (25 kW). Sie bringt 160 Kilogramm (353 lbs) auf die Waage und fasst 20,5 Liter Sprit. Beim Gewicht liegt die Bultaco also leicht vorn, bei Leistung und Tankgröße hinten. In Testberichten fielen bei der Rieju zudem einzelne Qualitätsmängel auf, etwa ein undichtes Federbein und Rostansatz an der Kette.
Warum kehren gerade so viele europäische Marken über China zurück?
Weil der klassische Weg zu teuer geworden ist. Wer eine Marke komplett neu aufbaut, braucht Motoren, Werkzeuge, Zulieferer, Werke, Homologation, Elektronik und ein Vertriebsnetz, und das alles, bevor das erste Motorrad verkauft ist.
In China existieren diese Strukturen bereits. Ein europäischer Traditionsname mit emotionalem Wert lässt sich dadurch deutlich schneller und günstiger zurück in den Handel bringen. Bultaco ist damit kein Einzelfall. Benelli gehört zum chinesischen Konzern Qianjiang, Moto Morini zur Zhongneng Vehicle Group, und auch SWM, Mondial und Morbidelli sind über chinesisches Kapital oder chinesische Fertigung zurückgekommen. Die Vorzeichen haben sich damit gedreht: Chinesische Produktion galt lange als Bedrohung für europäische Hersteller, jetzt hält sie europäische Namen am Leben.
Wie geht es mit Bultaco weiter?
Die Rally GT 300 ist ausdrücklich als erster Schritt gedacht und nicht als Höhepunkt der Rückkehr. Nach Berichten aus Spanien will Bultaco ab 2027 eigene Modelle nachlegen, genannt wird das Frühjahr als frühester Termin.
Bis dahin sorgt die Rally GT 300 vor allem dafür, dass überhaupt wieder Motorräder mit dem Bultaco-Logo bei Händlern stehen und Geld hereinkommt. Ob daraus eine tragfähige Marke wird, hängt davon ab, ob die angekündigten eigenen Modelle tatsächlich kommen und ob die Qualität stimmt. Im Jahrgang 2026, der ohnehin von neuen Marken und Modellen aus asiatischer Fertigung geprägt ist, ist die Rückkehr von Bultaco damit weniger eine Sensation als ein weiteres Beispiel für eine Entwicklung, die den europäischen Markt gerade grundlegend verändert.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: Neue Motorräder 2026: Alle Modelle, Neuheiten und Highlights im Überblick. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.
Häufige Fragen
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Was kostet die Bultaco Rally GT 300?
Die Bultaco Rally GT 300 kostet in Spanien 3.999 Euro (circa 4.635 US-Dollar). Reservierungen laufen über die Plattform bultaco.pro und über Leonart Motors. Ein Preis für Deutschland ist bisher nicht bekannt.
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Wie viel PS hat die Bultaco Rally GT 300?
Der 292-cm³-Einzylinder leistet nach Herstellerangaben 28 PS (20,6 kW) bei 9.500 Umdrehungen. Das maximale Drehmoment liegt bei 25 Nm (18,4 lb-ft). Damit fällt die Maschine in die A2-Klasse.
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Wo wird die Bultaco Rally GT 300 gebaut?
Gefertigt wird sie in China bei Chongqing Andes Motorcycle Manufacturing, wo dasselbe Modell als Andes 3.5 läuft. Entwicklung und Vertrieb liegen beim spanischen Unternehmen Leonart Motors. Der Motor stammt Berichten zufolge von CFMoto.
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Wann kommt die Bultaco Rally GT 300 auf den Markt?
Die ersten Auslieferungen sollen im September 2026 in Spanien beginnen. Weitere, dann eigenständige Bultaco-Modelle sind ab 2027 angekündigt. Ein Starttermin für Deutschland steht noch aus.












