- Gesamtvolumen des Programms „Ducati Raise the Bar“: 121 Millionen Euro (rund 139,8 Millionen US-Dollar)
- Mehr als 99 Millionen Euro (rund 114,4 Millionen US-Dollar) fließen in industrielle Forschung und experimentelle Entwicklung
- Nicht rückzahlbarer Zuschuss des Ministeriums: 33,5 Millionen Euro (rund 38,7 Millionen US-Dollar)
Am 5. August 2026 hat der italienische Minister für Unternehmen und Made in Italy, Adolfo Urso, die staatliche Agentur Invitalia dazu ermächtigt, einen Entwicklungsvertrag mit Ducati zu unterzeichnen. Dahinter steht ein Investitionsprogramm des Herstellers aus Borgo Panigale mit einem Gesamtwert von 121 Millionen Euro. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert, denn Ducati kommt aus einem Geschäftsjahr mit deutlich rückläufigen Zahlen und steht seit Monaten im Zentrum von Spekulationen über einen möglichen Eigentümerwechsel.

Was steckt hinter dem Programm „Ducati Raise the Bar“?
„Ducati Raise the Bar“ ist ein Investitionsprogramm, das sich auf Forschung, Entwicklung und die Produktionsprozesse im Werk konzentriert. Der Schwerpunkt liegt laut Ministerium auf dem Aufbau von Spezialwissen im Unternehmen.
Der mit Abstand größte Teil der Summe entfällt auf zwei Bereiche: industrielle Forschung und experimentelle Entwicklung. Zusammen kommen sie auf mehr als 99 Millionen Euro (rund 114,4 Millionen US-Dollar). Industrielle Forschung meint dabei die Arbeit an neuen technischen Grundlagen, experimentelle Entwicklung die Umsetzung dieser Erkenntnisse in konkrete Prototypen und Verfahren.
Zwei Ziele nennt das Ministerium ausdrücklich. Erstens soll die Modellpalette erweitert werden, und zwar mit Technologien, die als innovativ und nachhaltig beschrieben werden. Zweitens sollen sich die Fertigungsprozesse weiterentwickeln. Welche Modelle oder welche konkreten Techniken gemeint sind, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Wer zahlt den Zuschuss und wie läuft das Verfahren?
Den Zuschuss zahlt das italienische Ministerium für Unternehmen und Made in Italy, abgewickelt wird er über die staatliche Agentur Invitalia. Er beläuft sich auf 33,5 Millionen Euro (rund 38,7 Millionen US-Dollar) und ist ausdrücklich für Forschung und Entwicklung bestimmt.
Das Instrument nennt sich Accordo di sviluppo, also Entwicklungsvertrag. Dabei handelt es sich um ein italienisches Förderformat für größere Industrieprojekte. Invitalia ist die staatliche Agentur zur Investitionsförderung und untersteht dem Wirtschaftsministerium. Der Minister erteilt die Genehmigung, die Agentur unterzeichnet den Vertrag mit dem Unternehmen.
Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um einen nicht rückzahlbaren Zuschuss, nicht um ein Darlehen. Ducati muss das Geld also nicht zurückzahlen, sofern die geförderten Aktivitäten wie vereinbart umgesetzt werden. Angaben zur Laufzeit des Programms oder zu einem Zeitplan enthält die Mitteilung nicht.

Warum kommt die Förderung ausgerechnet jetzt?
Ducati hat 2025 spürbar an Umsatz und Ertrag verloren, was den Bedarf an frischem Kapital für Entwicklungsprojekte erklärt. Der Umsatz sank auf 925 Millionen Euro (rund 1,07 Milliarden US-Dollar), nach 1,003 Milliarden Euro (rund 1,16 Milliarden US-Dollar) im Jahr 2024.
Noch deutlicher fiel der Rückgang beim operativen Ergebnis aus. Es lag bei 52 Millionen Euro (rund 60,1 Millionen US-Dollar) gegenüber 91 Millionen Euro (rund 105,1 Millionen US-Dollar) im Vorjahr. Die Umsatzrendite rutschte damit von 9,1 auf 5,6 Prozent.
Das Unternehmen nennt dafür mehrere Gründe. Zölle in den Vereinigten Staaten, die Ducati in seiner Finanzmitteilung als wichtigsten Markt bezeichnet, belasteten das Ergebnis ebenso wie ungünstige Wechselkurse beim US-Dollar und beim Yen. Hinzu kam die Umstellung auf die Abgasnorm Euro 5+, durch die die Monster, die Hypermotard und die DesertX zeitweise nicht verfügbar waren. Diese Modelle kehrten Anfang 2026 mit dem neuen V2-Motor zurück.
Firmenchef Claudio Domenicali ordnete das Jahr in der Finanzmitteilung so ein: „2025 war ein anspruchsvolles Jahr für den Sektor, und auch Ducati hat die Auswirkungen eines schwächer werdenden Marktes gespürt.“ Finanzchef Henning Jens verwies darauf, dass der Kernmarkt zweistellig eingebrochen sei und Ducati in diesem Umfeld dennoch Marktanteile gewonnen habe.
Wie hat sich der Absatz von Ducati zuletzt entwickelt?
Ducati lieferte 2025 weltweit 50.895 Motorräder aus, ein Minus von sieben Prozent gegenüber den 54.495 Einheiten des Vorjahres. Es ist der dritte Rückgang in Folge.
Der Blick auf die längere Reihe zeigt die Entwicklung deutlicher. Im Pandemiejahr 2020 wurden 48.042 Motorräder verkauft, 2021 waren es 59.447, und 2022 markierte mit 61.562 Einheiten den historischen Höchstwert des Herstellers. Seitdem geht die Kurve nach unten.
Nach Stückzahlen bleibt Italien der größte Einzelmarkt mit 8.803 Auslieferungen, ein Minus von acht Prozent. Die USA folgen mit 7.268 Einheiten und einem Plus von vier Prozent, Deutschland liegt mit 5.759 Motorrädern auf Rang drei, hier fiel der Absatz um zwölf Prozent. Zulegen konnte Ducati in Spanien mit 15 Prozent, in Österreich mit 14 Prozent und in Japan mit elf Prozent. In China dagegen brach der Absatz um 31 Prozent ein, nach bereits 26 Prozent Minus im Jahr zuvor.
Meistverkaufte Baureihe blieb die Multistrada mit 13.873 Auslieferungen, gefolgt von der Panigale mit 10.606 und der Scrambler mit 5.814 Einheiten. Neu hinzugekommen ist das Offroad-Segment, das mit der Desmo450 MX in den letzten drei Monaten des Jahres startete.

Was bedeutet das Programm für die Region Emilia-Romagna?
Das Ministerium begründet die Förderung ausdrücklich mit dem strategischen Wert des Projekts für die Emilia-Romagna. Die Region gilt als Kern der sogenannten Motor Valley, in der zahlreiche Fahrzeughersteller und Zulieferer angesiedelt sind.
Aus Sicht der Behörde soll das Programm über Ducati hinaus wirken. Genannt werden Impulse für die gesamte italienische Zulieferkette und der Aufbau fortgeschrittener technischer Kompetenzen im Land. Konkrete Zusagen zu Arbeitsplätzen oder Neueinstellungen enthält die Mitteilung nicht.
Welche Rolle spielt der Eigentümer Volkswagen?
Ducati Motor Holding gehört vollständig zu Automobili Lamborghini, deren alleiniger Anteilseigner Audi ist. Audi wiederum gehört zum Volkswagen-Konzern, zu dem Ducati seit 2012 zählt.
Der Mutterkonzern steht selbst unter Druck. Im zweiten Quartal 2026 sank der Nettogewinn um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro (rund 1,78 Milliarden US-Dollar), das operative Ergebnis fiel um zehn Prozent, die operative Marge sank von 4,7 auf 4,2 Prozent. Volkswagen senkte anschließend die Prognose für das Gesamtjahr.
Vor diesem Hintergrund kursieren seit Monaten Berichte über einen möglichen Verkauf von Ducati, später soll es zudem ein Übernahmeangebot gegeben haben. Bestätigt oder dementiert hat Volkswagen diese Berichte nicht. Domenicali trat den Spekulationen in einem Zeitungsinterview entgegen und betonte die wirtschaftliche Eigenständigkeit des Herstellers: „Ducati non ha bisogno di supporti da parte della casa madre, siamo totalmente self standing.“ Übersetzt: „Ducati braucht keine Unterstützung durch die Muttergesellschaft, wir stehen vollständig auf eigenen Füßen.“ Eine staatliche Förderung für Forschung und Entwicklung passt insofern in diese Argumentation, auch wenn ein direkter Zusammenhang zwischen beiden Vorgängen nicht belegt ist.

Ducati im Jubiläumsjahr 2026
Das Programm fällt in ein Jahr, das für den Hersteller ohnehin besonders ist. Ducati feiert 2026 das hundertjährige Bestehen, gerechnet ab der Gründung im Jahr 1926. Ein Höhepunkt der Feierlichkeiten war die World Ducati Week, die vom 3. bis 5. Juli auf dem Misano World Circuit Marco Simoncelli stattfand.
Sportlich geht Ducati als amtierender MotoGP-Weltmeister in die Saison, zum vierten Mal in Folge. In der Superbike-Weltmeisterschaft holte die Marke 2025 den 21. Herstellertitel ihrer Geschichte. Im Geländesport kam zuletzt das Debüt in der AMA Supercross-Serie 2026 hinzu, dazu der Einstieg in die MX2-Weltmeisterschaft. Für 2026 wurde die Modellpalette in allen Familien erneuert, ergänzt um das Programm Ducati Factory Made, das eine Individualisierung direkt auf der Fertigungslinie in Borgo Panigale ermöglicht.

Häufige Fragen
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Wie viel Geld steckt in Ducati Raise the Bar?
Das Programm hat ein Gesamtvolumen von 121 Millionen Euro (rund 139,8 Millionen US-Dollar). Davon entfallen mehr als 99 Millionen Euro auf industrielle Forschung und experimentelle Entwicklung. Den Rest bilden weitere Investitionen in Technologie und Produktion.
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Wie hoch ist der staatliche Zuschuss für Ducati?
Der Zuschuss beträgt 33,5 Millionen Euro (rund 38,7 Millionen US-Dollar) und muss nicht zurückgezahlt werden. Er stammt vom italienischen Ministerium für Unternehmen und Made in Italy und ist ausschließlich für Forschung und Entwicklung vorgesehen.
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Wie viele Motorräder hat Ducati 2025 verkauft?
Ducati lieferte 2025 weltweit 50.895 Motorräder aus, sieben Prozent weniger als im Vorjahr mit 54.495 Einheiten. Meistverkaufte Baureihe war die Multistrada mit 13.873 Auslieferungen. Der Absatz ging damit das dritte Jahr in Folge zurück.
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Wem gehört Ducati?
Ducati Motor Holding gehört vollständig zu Automobili Lamborghini, die wiederum Audi und damit dem Volkswagen-Konzern zugeordnet ist. Der Hersteller kam 2012 zu Volkswagen. Berichte über einen möglichen Verkauf wurden vom Konzern bislang weder bestätigt noch dementiert.












