- Vier Kundgebungsorte: East Side Gallery, Checkpoint Charlie, Wittenbergplatz und Gendarmenmarkt
- Sieben Redner aus Clubs, Verbänden und Initiativen sprachen über Freiheitsrechte und Gesetzgebung
- Die Demonstration verlief nach Veranstalterangaben ohne Vorkommnisse
Seit zehn Jahren fällt der Termin auf den zweiten Samstag im September. Veranstalter ist der Verein FREEDOM IS OUR RELIGION e. V., der 2017 entstand, nachdem eine Änderung des Vereinsgesetzes dazu geführt hatte, dass einige Motorradclubs ihre Vereinsinsignien nicht mehr tragen durften. Aus der Reaktion auf das sogenannte Kuttenverbot ist inzwischen eine Veranstaltung geworden, die sich allgemein mit Freiheitsrechten, gesellschaftlichem Zusammenhalt und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung beschäftigt. Die Jubiläumsausgabe fiel dabei in eine politisch aufgeladene Phase: Sie fand acht Tage vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus statt.

Wie viele Motorräder waren bei der Demonstration dabei?
Die Veranstalter zählten im Verlauf der Demonstration mehr als 700 Motorräder. Der Parkplatz am Theater am Park im Frankenholzer Weg füllte sich bereits lange vor dem Start des Korsos um 17:00 Uhr.
Eine unabhängige Zählung liegt nicht vor, die Zahl stammt vom Verein selbst. Aus Sicht der Organisatoren zeigt die Beteiligung, dass innerhalb der Motorradgemeinschaft die Bereitschaft wächst, für die eigenen Rechte sichtbar einzustehen. Die Berliner Polizei begleitete den Zug während des gesamten Korsos. Nach Angaben des Veranstalters lief die Demonstration wie in den Vorjahren ohne Störungen ab.
Welche Orte steuerte der Korso an?
Der Zug führte vom Frankenholzer Weg durch die Berliner Innenstadt und hielt an vier Stellen. Zwischenkundgebungen gab es an der East Side Gallery, am Checkpoint Charlie und am Wittenbergplatz in unmittelbarer Nähe des KaDeWe, die Hauptkundgebung fand vor der Kulisse des Gendarmenmarktes statt.
Die Auswahl ist nicht zufällig. Jeder dieser Orte steht auf eigene Weise für Freiheit, gesellschaftlichen Wandel, Teilhabe oder die Überwindung politischer und gesellschaftlicher Grenzen. Die East Side Gallery ist der längste erhaltene Abschnitt der Berliner Mauer, der Checkpoint Charlie war einer der bekanntesten Grenzübergänge der geteilten Stadt. Mit dem Wittenbergplatz kam ein Ort hinzu, der für den Konsum und das Alltagsleben der Stadt steht. Der Gendarmenmarkt als Schlusspunkt bot die repräsentativste Kulisse des Tages.

Wer sprach bei den Kundgebungen?
Sieben Redner und Mitwirkende traten bei den Kundgebungen auf. Vertreten waren Autoren, Clubs, Verbände, Initiativen und Musiker.
Auf der Rednerliste standen der Autor Lothar Berg, Teddy Bach von der Biker Union e. V., Peter Hünecke vom Backbone Nomads MC, Sunny Jäger von Verdandi Hood, Lars Böhler von der Initiative Schräglagenfreiheit, der Musiker Frank Schwung sowie Carsten Hoffmann vom H-DC Karlsgarten Berlin e. V. Böhler trat zugleich als Presseansprechpartner der Veranstaltung auf. Die Mischung aus Interessenvertretungen und Clubs spiegelt den Anspruch wider, nicht nur eine einzelne Gruppe der Szene zu vertreten.
Worum ging es in den Reden?
Im Mittelpunkt stand das Grundgesetz als Garant der individuellen und gesellschaftlichen Freiheit. Mehrere Redner betonten, dass eine freiheitliche Demokratie nicht nur von zugesicherten Rechten lebt, sondern auch davon, dass Bürger diese Rechte tatsächlich wahrnehmen und Verantwortung übernehmen.
Ein zweiter Schwerpunkt waren aus Sicht der Redner schleichende Einschränkungen von Freiheitsrechten. Lars Böhler kritisierte eine aus seiner Sicht teilweise willkürliche Anwendung des Vereinsgesetzes. Teddy Bach führte an konkreten Beispielen aus, dass symbolpolitische Gesetzesänderungen aus seiner Sicht wirkungslos bleiben, dabei aber Freiheitsrechte beschneiden. Peter Hünecke sprach in einem vom Publikum gefeierten Beitrag über die subtile Aushöhlung des Grundgesetzes zum Nachteil der Bürger.
Böhler fasste den Anlass so zusammen: „Zum zehnten Mal gibt es Anlass und Notwendigkeit, für die Wahrung unserer Freiheitsrechte zu demonstrieren. Zum zehnten Mal haben wir zugleich die Möglichkeit, dieses Recht im Rahmen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung wahrzunehmen. Wir nutzen dieses Recht und wir verteidigen es.“
Aus Sicht des Veranstalters erkennen immer mehr Menschen, dass der Einsatz für die eigenen Rechte aktives Handeln erfordert. Kommentare in sozialen Netzwerken allein reichten dafür nicht aus. Demokratische Teilhabe bedeute auch, die eigene Haltung friedlich, sichtbar und gemeinsam auf die Straße zu tragen.

Was steckt hinter dem Streit um das Berliner Polizeigesetz?
Thema der Reden war auch ein Normenkontrollantrag, den die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke am 28. August 2026 beim Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin eingereicht haben. Bei einer Normenkontrolle prüft ein Gericht, ob ein Gesetz mit der Verfassung vereinbar ist.
Der Antrag richtet sich gegen Regelungen des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes, das in Berlin als Polizeigesetz bekannt ist und im Dezember 2025 von der Koalition aus CDU und SPD verschärft wurde. Auf 155 Seiten greift er fünf ausgeweitete Befugnisse an: den vorbeugenden Einsatz von Spähsoftware auf Handys und Rechnern, die KI-gestützte Videoüberwachung mit sogenannten Verhaltensscannern, den biometrischen Massenabgleich mit öffentlich zugänglichen Daten aus dem Internet, das Training von KI-Systemen mit Polizeidaten samt möglicher Weitergabe an Dritte sowie die automatisierte Datenanalyse, also das Zusammenführen und Auswerten verschiedener Polizeidatenbestände auf einer Plattform.
Der Schritt ist politisch umstritten. CDU-Politiker und die Gewerkschaft der Polizei wiesen die Kritik zurück und argumentierten, die neuen Befugnisse seien für die Gefahrenabwehr notwendig. Einen Eilantrag haben die beiden Fraktionen nicht gestellt, weil die rechtlichen Hürden dafür hoch sind. Das Gesetz bleibt damit vorerst in Kraft. Mit einer Entscheidung des Gerichts wird frühestens in ein bis zwei Jahren gerechnet. Für die Motorradszene ist das Thema deshalb interessant, weil es dieselbe Grundfrage berührt, die den Verein seit 2017 beschäftigt: wie weit der Staat Befugnisse ausweiten darf, ohne Grundrechte auszuhöhlen.
Wie endete der Demonstrationstag?
Nach der Rückkehr zum Ausgangspunkt im Frankenholzer Weg ging die Veranstaltung auf dem nahe gelegenen Gelände in Alt-Biesdorf in den „Indian Summer Bash“ über. Bei Live-Musik wurde dort bis nach Mitternacht gefeiert.
Der Blick richtet sich bereits auf den nächsten Termin des Vereins: Am 15. Mai 2027 findet in Berlin die internationale Motorraddemonstration „Steel & Speed – Heartbeat of Motorcycling“ statt.

Häufige Fragen
-
Wann findet „Freedom is our Religion“ statt?
Die Demonstration findet jedes Jahr am zweiten Samstag im September in Berlin statt. 2026 war das der 12. September, der Korso startete um 17:00 Uhr am Theater am Park im Frankenholzer Weg. Es war die zehnte Ausgabe der Veranstaltung.
-
Wie viele Teilnehmer hatte die Motorraddemo in Berlin 2026?
Die Veranstalter zählten mehr als 700 Motorräder. Eine unabhängige Bestätigung dieser Zahl liegt nicht vor. Die Berliner Polizei begleitete den Korso, nach Veranstalterangaben kam es zu keinen Vorkommnissen.
-
Wer organisiert „Freedom is our Religion“?
Veranstalter ist der Verein FREEDOM IS OUR RELIGION e. V. aus Berlin. Er entstand 2017, nachdem eine Änderung des Vereinsgesetzes einigen Motorradclubs das Tragen ihrer Vereinsinsignien verbot. Presseansprechpartner der Demonstration ist Lars Böhler von der Initiative Schräglagenfreiheit.
-
Welche Route nahm der Korso durch Berlin?
Der Zug führte vom Frankenholzer Weg durch die Berliner Innenstadt und endete wieder am Ausgangspunkt. Zwischenkundgebungen gab es an der East Side Gallery, am Checkpoint Charlie und am Wittenbergplatz, die Hauptkundgebung fand am Gendarmenmarkt statt.
-
Wann ist die nächste große Motorraddemo in Berlin?
Der nächste Termin des Vereins ist der 15. Mai 2027. Dann findet in Berlin die internationale Motorraddemonstration „Steel & Speed – Heartbeat of Motorcycling“ statt.










