- Tech3 bestätigte den Wechsel am 26. August 2026, eine Vertragslaufzeit nannte das Team nicht
- Marini wird bei Tech3 zum dritten Hersteller seiner MotoGP-Laufbahn wechseln, nach Ducati und Honda
- Der zweite Platz im Team ist noch offen, als Favorit gilt der Moto2-Pilot Senna Agius
Die MotoGP-Startaufstellung für 2027 füllt sich weiter. Nachdem in derselben Woche bereits der Wechsel von Enea Bastianini zu Trackhouse Aprilia bestätigt worden war, meldete sich am Mittwochmorgen Tech3 zu Wort. Das französische Team, das seit 2019 mit KTM zusammenarbeitet, verpflichtet Luca Marini. Für den 29-jährigen Italiener aus Tavullia beginnt damit ein neues Kapitel, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, an dem sich die Königsklasse technisch komplett neu aufstellt.

Warum wechselt Luca Marini zu Tech3?
Marini wechselt zu Tech3, weil sein Platz bei Honda ab 2027 anderweitig vergeben ist und bei dem KTM-Kundenteam gleichzeitig ein Cockpit frei wurde. Sein Abschied von Honda stand schon länger fest, seit der japanische Hersteller Fabio Quartararo und David Alonso für 2027 verpflichtet hat, dazu besitzen Johann Zarco und Diogo Moreira Verträge.
Bei Tech3 entstand die Lücke durch Bastianini. Der Italiener geht 2027 zu Trackhouse Aprilia und fährt dort neben Raul Fernandez. Marini rückt praktisch direkt auf dessen Position nach.
Aus Sicht des Teams passt das Profil. Marini gilt im Fahrerlager als ruhiger und präziser Pilot, der zuverlässig Punkte sammelt und wertvolles Feedback für die Entwicklung liefert. Genau darauf legte Tech3 nach anderthalb schwierigen Jahren mit Bastianini und Maverick Vinales offenbar Wert. Bei Honda wurde sein technisches Urteil intern hoch geschätzt, außerdem soll er ein Team gut zusammenhalten können.
Wie lange läuft der Vertrag von Luca Marini bei Tech3?
Offiziell ist die Laufzeit nicht bekannt. In der Mitteilung von Tech3 steht lediglich, dass Marini „ab 2027“ zum Team stößt. Eine Zahl nennt das Team nicht.
Das lässt Raum für Spekulationen. Aus dem Fahrerlager heißt es, Marini und Tech3 hätten sich auf zwei Jahre verständigt, der Vertrag würde damit Ende 2028 auslaufen. Dafür spricht, dass in der diesjährigen Silly Season bislang jeder MotoGP-Pilot einen Kontrakt über mindestens zwei Jahre erhalten hat. Denkbar wäre laut Medienberichten aber auch ein Modell über ein Jahr plus Option, bei dem Tech3 selbst entscheidet, ob 2028 verlängert wird. Solange das Team keine Zahl bestätigt, bleibt beides möglich.

Wie kam der Wechsel zustande?
Der Kontakt entstand über Marinis Management und verlief zunächst ohne konkreten Plan. Auf der ursprünglichen Kandidatenliste von Tech3 und KTM stand der Italiener gar nicht.
Das änderte sich beim Grand Prix von Italien. Dort sprach Marinis Berater erstmals mit Tech3-Chef Günther Steiner. Im Juni folgte ein weiteres Treffen, diesmal mit KTM-Motorsportchef Pit Beirer. Marini konnte beide Seiten offenbar überzeugen, aus den Gesprächen wurde eine Vereinbarung.
Bemerkenswert ist dabei die neue Zuständigkeit. In den vergangenen beiden Saisons standen Bastianini und Vinales unter direkten KTM-Verträgen. Ab 2027 verhandelt und bezahlt Tech3 seine Fahrer selbst. Die Mannschaft gehört inzwischen einer Investorengruppe um Steiner, den früheren Formel-1-Teamchef von Haas. Die Eigentümerstruktur hatte sich Ende 2025 nach dem Abschied von Hervé Poncharal verändert. Ganz frei ist das Team trotzdem nicht: Für eine Verpflichtung braucht es weiterhin die Zustimmung von KTM, weil der Hersteller die Motorräder und die technische Unterstützung liefert.
Was Steiner und Goyon über Marini sagen
Steiner begründet die Entscheidung vor allem mit Erfahrung und Arbeitsweise. „Luca is a rider we have been watching closely, and we are very pleased to welcome him to Tech3 from 2027. He brings a huge amount of experience, but also the right mentality and approach for what we are building here“, sagt der Tech3-Chef. Auf Deutsch: „Luca ist ein Fahrer, den wir schon seit Langem genau im Auge behalten haben, und wir freuen uns sehr, ihn ab 2027 bei Tech3 willkommen zu heißen. Er bringt nicht nur jede Menge Erfahrung mit, sondern auch die richtige Mentalität und Herangehensweise für das, was wir hier aufbauen.“
Steiner spricht außerdem darüber, dass 2027 einen großen Neuanfang für die MotoGP bedeute. Deshalb sei ein Fahrer wichtig, der zum Fortschritt in dieser neuen Ära beitragen könne. Marini wisse, wie man auf diesem Niveau arbeite, sei es bei der Zusammenarbeit mit den Ingenieuren, bei der Entwicklung des Motorrads oder beim Vorankommen unter schwierigen Bedingungen.
Teammanager Nicolas Goyon schlägt in dieselbe Richtung. Er verweist darauf, dass Marini seine Leistungsfähigkeit auf höchstem Niveau bereits bewiesen habe und dass seine MotoGP-Erfahrung zu Beginn des neuen Kapitels von großem Wert sein werde. Marini verstehe genau, was sowohl vom Fahrer als auch von der technischen Seite gefordert sei.

Was ändert sich 2027 in der MotoGP?
Die Königsklasse bekommt zur Saison 2027 ein neues technisches Reglement. Der Hubraum sinkt von 1000 auf 850 Kubikzentimeter, die sogenannten Devices zur Absenkung des Fahrwerks fallen weg, und die Aerodynamik wird eingeschränkt.
Dazu kommt ein Wechsel beim Reifenlieferanten. Statt Michelin rüstet ab 2027 Pirelli das gesamte Feld aus. Für die Teams bedeutet das eine Art Neustart, weil bisherige Erfahrungswerte nur noch begrenzt weiterhelfen. Genau in dieser Phase soll Marini bei Tech3 die Rolle des Routiniers übernehmen. Steiner hatte in den Wochen zuvor mehrfach betont, dass er 2027 einen erfahrenen und einen jungen Fahrer im Aufgebot haben möchte.
Marinis Weg von Moto2 über Ducati zu Honda
Marini stieg 2016 direkt in die Moto2-Weltmeisterschaft ein. Fünf Jahre blieb er in der mittleren Klasse und holte dort sechs Siege sowie 15 Podestplätze. 2020 beendete er seine letzte Moto2-Saison als Vizeweltmeister.
2021 folgte der Aufstieg in die MotoGP. Er startete zunächst beim Team Esponsorama, dessen Boxenseite von der VR46-Mannschaft seines Halbbruders Valentino Rossi betreut wurde. Ein Jahr später trat VR46 mit eigener Struktur an, Marini blieb an Bord. Seine stärkste Saison erlebte er 2023 mit dem Ducati-Satellitenteam: Er fuhr in Austin als Zweiter sein erstes MotoGP-Podium ein, sicherte sich in Indonesien mit Rundenrekord seine erste Pole und holte in Katar erneut die Startspitze sowie Podestplätze im Sprint und im Grand Prix.
Für 2024 wechselte er ins Honda-Werksteam und übernahm dort den Platz von Marc Marquez, der zu Gresini ging. An seine Ducati-Ergebnisse konnte er bei Honda nicht anknüpfen. Podestplätze blieben aus, sein bestes Resultat war jeweils ein fünfter Rang, erreicht 2025 in Indonesien sowie 2025 und 2026 in Ungarn. In der laufenden Saison 2026 zeigt er allerdings bemerkenswerte Konstanz. Mit 86 Punkten liegt er auf Rang zehn der Weltmeisterschaft und ist damit bester Honda-Pilot.
Tech3 wird für Marini das vierte Team in der Königsklasse und KTM der dritte Hersteller. Zum ersten Mal wird er dann eine RC16 fahren.

Wer wird Marinis Teamkollege bei Tech3?
Das steht noch nicht fest. Tech3 hat den zweiten Fahrer bislang nicht verkündet, als klarer Favorit gilt jedoch Senna Agius.
Der 21-jährige Australier fährt aktuell in der Moto2 und belegt dort Rang drei der Gesamtwertung, 61,5 Punkte hinter WM-Leader Manuel Gonzalez. Auch dessen Landsmann war zeitweise ein Kandidat für das Cockpit, scheint aber trotz seiner starken Saison aus dem Rennen zu sein. Eine offizielle Entscheidung soll noch im laufenden Monat fallen.
Was der Wechsel für Maverick Vinales bedeutet
Mit der Verpflichtung von Marini schrumpfen die Aussichten von Maverick Vinales auf null. Der Spanier findet 2027 aller Voraussicht nach keinen Platz mehr in der MotoGP.
Vinales war schon aus dem Rennen um einen KTM-Werksplatz, nachdem der Hersteller sein Werksteam mit Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio komplett neu besetzt hatte. Zusätzlich wuchs die Unsicherheit über seine Schulterverletzung. Aktuell bleiben ihm maximal neun Grand-Prix-Starts, wie viele es genau werden, ist offen. Beim Rennwochenende in Aragon vom 28. bis 30. August fehlt er noch verletzt.
Damit tritt Tech3 2027 mit einer komplett neuen Fahrerpaarung an. In der Gesamtschau der Saison 2026 ist der Marini-Wechsel eines der letzten großen Puzzleteile im Fahrermarkt vor dem Umstieg auf die 850er-Generation.

Häufige Fragen
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Wechselt Luca Marini wirklich zu KTM?
Ja. Tech3 hat den Wechsel am 26. August 2026 offiziell bestätigt. Marini fährt ab der Saison 2027 für das KTM-Kundenteam und verlässt dafür das Honda-Werksteam.
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Wie lange hat Luca Marini bei Tech3 unterschrieben?
Die Vertragslaufzeit wurde nicht veröffentlicht. Die Mitteilung des Teams spricht nur davon, dass Marini „ab 2027“ antritt. Berichten zufolge soll es ein Zweijahresvertrag bis Ende 2028 sein, denkbar wäre aber auch eine Lösung mit Option auf das zweite Jahr.
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Warum verlässt Luca Marini Honda?
Sein Vertrag läuft zum Saisonende 2026 aus und wird nicht verlängert. Honda hat für 2027 bereits Fabio Quartararo und David Alonso verpflichtet, dazu stehen Johann Zarco und Diogo Moreira unter Vertrag.
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Wer fährt 2027 neben Luca Marini bei Tech3?
Das ist noch nicht bestätigt. Als Favorit gilt der australische Moto2-Pilot Senna Agius, der aktuell Dritter der Gesamtwertung ist. Eine Entscheidung wird noch im August erwartet.
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Was ändert sich 2027 technisch in der MotoGP?
Der Hubraum sinkt von 1000 auf 850 Kubikzentimeter. Zusätzlich entfallen die Fahrwerks-Devices, die Aerodynamik wird eingeschränkt und Pirelli löst Michelin als Reifenlieferant ab.












