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Startseite » MotoGP 2027: Crutchlow, Marquez und Martin über den großen Umbruch
Jorge Martin auf der Aprilia RS-GP in Seitenansicht vor der Qatar-Airways-Bande – MotoGP Großbritannien GP Silverstone 2026
Jorge Martin (Aprilia Racing, Startnummer 89) – Großer Preis von Großbritannien, MotoGP 2026
MotoGP

MotoGP 2027: Crutchlow, Marquez und Martin über den großen Umbruch

By Andreas Denner17 August, 2026
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Vier Fahrer sprechen offen über die kommende Saison, und ihre Einschätzungen gehen weit auseinander. Während Cal Crutchlow das eigentliche Problem der Rennen beim Reifen sucht, sieht Toprak Razgatlioglu Yamahas neues Projekt bereits auf einem guten Weg.
  • Von zehn Werksplätzen bleiben 2027 nur Marc Marquez bei Ducati und Marco Bezzecchi bei Aprilia besetzt
  • Yamaha hat den 850er-V4 in Brno erstmals getestet, der nächste Termin folgt im September am Red Bull Ring
  • Jorge Martin führt die WM nach Silverstone mit 31 Punkten Vorsprung auf seinen Teamkollegen an

Die laufende Saison 2026 ist die letzte mit dem heutigen Reglement, und im Fahrerlager wird längst über das gesprochen, was danach kommt. Motoren mit 850 Kubikzentimetern, ein Verbot der Ride-Height-Devices, weniger Aerodynamik und ein Wechsel des Reifenlieferanten von Michelin auf Pirelli fallen alle in dasselbe Jahr. Interessant sind dabei weniger die Paragrafen als die Frage, wie die Fahrer selbst damit umgehen. Vier Stimmen aus den vergangenen Tagen zeigen, wie unterschiedlich der Blick auf denselben Umbruch ausfallen kann.

Cal Crutchlow auf der Honda in der MotoGP
Cal Crutchlow – ©Honda Racing

Was stört Cal Crutchlow an den heutigen MotoGP-Rennen?

Cal Crutchlow hält nicht die Technik für die Ursache der wenigen Überholmanöver, sondern den Reifen. Seiner Ansicht nach fahren heute alle permanent am Limit, weil niemand mehr etwas einteilen muss.

Der Brite formuliert das Problem direkt: „What it is at the minute is these guys can’t pass each other because they’re so on the limit“, auf Deutsch: „Das Problem ist im Moment, dass diese Jungs einander nicht überholen können, weil sie so am Limit sind.“ Seine Lösung liegt für ihn nicht in der Zukunft, sondern in der Vergangenheit. „I know what would make the racing better, they just go back to the old tyre where you had to manage it“, sagt er, also: „Ich weiß, was die Rennen besser machen würde, sie gehen einfach zurück zum alten Reifen, bei dem man ihn managen musste.“

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Zwischen 2015 und 2020 habe man das Rennen und die Reifen einteilen müssen, erklärt er. Er stellt dabei ausdrücklich klar, dass damals nicht zwangsläufig der beste Fahrer gewonnen habe. Die Motorräder seien aber schwerer zu fahren gewesen, und deshalb habe es deutlich mehr Überholmanöver gegeben.

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Den Hintergrund liefert eine Regel, die seit 2023 strenger kontrolliert wird. Wer den vorgeschriebenen Mindestdruck am Vorderreifen unterschreitet, kassiert nach dem Sprint oder dem Grand Prix eine Zeitstrafe. Viele Fahrer sind seitdem lieber mit zu hohem Druck unterwegs. Im Windschatten eines Vordermanns verschärft sich das zusätzlich, weil der Reifen dort noch mehr Temperatur aufbaut. Genau daran soll sich mit dem neuen Lieferanten etwas ändern.

Was hat sich für Crutchlow seit 2011 am stärksten verändert?

Für Crutchlow ist es die körperliche Belastung. Der Abtrieb presse die Motorräder so stark auf die Strecke, dass sich das Fahrverhalten grundlegend verschoben habe.

Er beschreibt es mit einem einfachen Bild: Ein Wheelie sei nicht mehr möglich, egal wie fest man am Lenker ziehe. Der dreifache MotoGP-Sieger, der 2026 die LCR-Honda von Johann Zarco übernommen hat, fährt seit 2011 in der Klasse und kennt damit beide Extreme. Persönlich bevorzugt er die Phase von 2015 bis 2019. Damals habe es genug Abtrieb und genug Aerodynamik gegeben, und schwer zu fahren seien die Motorräder auch da schon gewesen.

Wie bewertet Toprak Razgatlioglu den ersten 850er-Test?

Toprak Razgatlioglu zieht ein positives Fazit, obwohl Yamaha für den Termin in Brno nach eigener Aussage noch nicht vollständig vorbereitet war. Es ging bei diesem Test ausschließlich darum, den neuen Motor überhaupt zu erproben.

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Yamaha baute den 850er-V4 dafür in das Chassis ein, das die Mannschaft in dieser Saison für das 1000er-Motorrad nutzt. Für die Marke ist die Bauart ohnehin neu, denn es handelt sich um das erste Viertakt-Motorrad mit V4-Motor, das Yamaha im Rennsport einsetzt. Razgatlioglu bestreitet 2026 seine erste MotoGP-Saison, nachdem er im Winter vom BMW-Team aus der Superbike-WM zu Pramac Yamaha gewechselt ist.

Der Türke räumt die Einschränkung selbst ein: „Also, when we did the test we were not really 100 per cent ready for this test, just try the engine“, auf Deutsch: „Als wir den Test gemacht haben, waren wir für diesen Test nicht wirklich zu 100 Prozent bereit, wir haben nur den Motor probiert.“ Sein Fazit fällt trotzdem eindeutig aus: „I believe in this project“, also „Ich glaube an dieses Projekt.“

Er ordnet die Lage nüchtern ein. Die anderen Hersteller würden sich weiterentwickeln, Yamaha aber ebenso. Für das kommende Jahr rechnet er mit einer schrittweisen Annäherung und hält es für möglich, dann um besondere Ergebnisse zu kämpfen. Ein belastbares Bild erwartet er allerdings erst später. Der nächste 850er-Test steht im September am Tag nach dem Grand Prix von Österreich am Red Bull Ring an. Dort will er vor allem auf die Rundenzeiten schauen, weil sich das reine Fahrgefühl auf dem neuen Material ohnehin unterscheidet.

Marc Marquez beschleunigt in Seitenansicht auf der Ducati Desmosedici GP26 aus der Kurve – MotoGP Großbritannien GP Silverstone 2026
Marc Marquez (Ducati Lenovo Team, Startnummer 93) – Großer Preis von Großbritannien, MotoGP 2026

Welche Fahrerwechsel hält Marc Marquez für interessant?

Marc Marquez nennt Pedro Acosta, Fabio Quartararo und Pecco Bagnaia. Zunächst stellte er allerdings klar, dass er eigentlich lieber über die Reifen sprechen würde, weil er darin die spannendste Veränderung sieht.

Marquez gehört zu den wenigen, für die sich personell nichts ändert. Von den zehn Werksplätzen bleiben nur er selbst bei Ducati und Marco Bezzecchi bei Aprilia unverändert besetzt. Acosta kommt von KTM als sein künftiger Teamkollege zu Ducati, und Marquez bezeichnet ihn als eines der interessantesten Talente, das nun auf siegfähiges Material wechselt.

Beim zweiten Namen interessiert ihn nicht nur der Fahrer. Quartararo verlässt Yamaha und geht zu Marquez‘ früherem Arbeitgeber Honda, weshalb für ihn auch die Frage mitläuft, wie Honda das neue Motorrad entwickelt. Zu beiden sagt er: „If Fabio has the bike, he will be fast. If Pedro has the bike, he will be fast“, auf Deutsch: „Wenn Fabio das Motorrad hat, wird er schnell sein. Wenn Pedro das Motorrad hat, wird er schnell sein.“ Den dritten Namen, seinen aktuellen Teamkollegen Bagnaia, der zu Aprilia wechselt, ordnet er schlicht als sehr guten Fahrer ein.

Wie begründet Jorge Martin seinen Wechsel zu Yamaha?

Jorge Martin verweist auf seine eigene Vorgeschichte bei Aprilia. Auch dieser Schritt sei damals von außen als Fehler bewertet worden, und heute führe die Marke die WM an.

Der Spanier sagte in einem Interview mit DAZN Spanien während des Wochenendes in Silverstone: „When I signed with Aprilia, it seemed like a disaster. ‚Where are you going with Aprilia, a team that’s never won?‘ But today, they’re in the lead“, auf Deutsch: „Als ich bei Aprilia unterschrieben habe, schien es eine Katastrophe zu sein. ‚Wo gehst du hin mit Aprilia, einem Team, das nie gewonnen hat?‘ Aber heute führen sie.“ Was in einem oder in zwei Jahren über die Entscheidung gesagt werde, sei ihm entsprechend gleichgültig.

Er beschreibt den Yamaha-Wechsel zudem als ruhiger getroffene Entscheidung als jene von 2024, die er kurzfristig fällen musste. Maßstab sei gewesen, was für ihn und seine Familie am besten ist.

Sportlich läuft es für ihn aktuell gut. In Silverstone holte er Pole-Position, Streckenrekord, den Sprintsieg und Rang zwei im Grand Prix, sein Vorsprung auf Teamkollege Bezzecchi wuchs damit auf 31 Punkte. Martin räumt offen ein, dass ihm die WM-Führung nach den schwierigen Monaten mit der Aprilia zeitweise absurd vorkam. Als eigentliche Absicherung sieht er seine Konstanz, mit den Ausnahmen in Balaton und Barcelona.

Jorge Martin mit violettem Helm und der Startnummer 89 in Schräglage auf der Aprilia RS-GP – MotoGP Großbritannien GP Silverstone 2026
Jorge Martin (Aprilia Racing, Startnummer 89) – Großer Preis von Großbritannien, MotoGP 2026

Der veränderte Blick auf Risiko und Druck

Auffällig ist bei Martin, wie deutlich er die persönliche Ebene anspricht. Den Spitznamen „Martinator“ aus dem Jahr 2016 findet er weiterhin passend, hält aber eine Anpassung für denkbar. Die vielen Stürze und Verletzungen vergleicht er mit einem Rucksack, in den jeder Bruch hineinwandert und der irgendwann schwer wird.

Auch mental hat sich seine Sicht verschoben. Nach dem Titelgewinn 2024 musste er den Hunger erst wiederfinden, den er vorher hatte. Gute Phasen hält er dabei für schwieriger als schlechte, weil in einer Krise das Ziel klar vor einem liege. Einen Vorteil sieht er darin, den Druck eines Titelkampfs bereits zu kennen, auch wenn er einräumt, dass Marc Marquez mit mehr Titeln im Rücken die größere Erfahrung mitbringt.

Das Verhältnis zu Aprilia beschreibt er als repariert, ohne es zu verklären. Vor zwölf Monaten stand die Zusammenarbeit vor dem Aus, inzwischen gehen Fahrer und Mannschaft gemeinsam essen, und Martin nahm sein Team für zwei Tage mit nach Ibiza. Zu Saisonbeginn sei Fabiano Sterlacchini nach Andorra gekommen mit der Ansage, den Jorge von 2024 zurückholen zu wollen. Freundschaft hält Martin dabei nicht für nötig, entscheidend sei der gemeinsame Wille zu gewinnen.

Toprak Razgatlioglu in Frontansicht auf der Prima-Pramac-Yamaha YZR-M1 – MotoGP Deutschland GP Sachsenring 2026
Toprak Razgatlioglu (Prima Pramac Yamaha, Startnummer 7) – Deutschland GP, MotoGP 2026

Häufige Fragen

  • Was kritisiert Cal Crutchlow an der MotoGP 2026?

    Crutchlow kritisiert, dass die Fahrer den Reifen nicht mehr einteilen müssen und deshalb dauerhaft am Limit fahren. Dadurch werde Überholen schwierig. Er würde zu einer Reifenkonstruktion zurückkehren, die im Rennen aktiv gemanagt werden muss.

  • Wie lief Yamahas erster Test mit dem 850er-Motor?

    Der erste 850er-Test fand in Brno statt, wobei Yamaha den neuen V4 in das aktuelle Chassis des 1000er-Motorrads einbaute. Toprak Razgatlioglu bewertet den Termin als positiv, räumt aber ein, dass die Mannschaft dafür nicht zu 100 Prozent vorbereitet war. Der nächste Test folgt im September am Red Bull Ring.

  • Welche Werksfahrer bleiben in der MotoGP 2027 in ihrem Team?

    Von zehn Werksplätzen bleiben nur zwei unverändert besetzt: Marc Marquez bei Ducati und Marco Bezzecchi bei Aprilia. Alle übrigen Werksplätze werden neu vergeben, darunter der Wechsel von Pedro Acosta zu Ducati und von Fabio Quartararo zu Honda.

  • Wie groß ist Jorge Martins Vorsprung in der WM?

    Nach dem Wochenende in Silverstone führt Jorge Martin die WM mit 31 Punkten Vorsprung auf seinen Teamkollegen Marco Bezzecchi an. Dort holte er Pole-Position, Streckenrekord, den Sprintsieg und Rang zwei im Grand Prix.

  • Warum wechselt Jorge Martin 2027 zu Yamaha?

    Martin begründet den Schritt mit einer Entscheidung, die er im Sinne von sich und seiner Familie getroffen hat. Er verweist darauf, dass auch sein Wechsel zu Aprilia zunächst als Fehler galt und die Marke heute die WM anführt. Anders als 2024 habe er diesmal mehr Zeit für die Entscheidung gehabt.

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Redakteur bei Motorrad Nachrichten. Fokus auf Technik, Szene und Motorradpolitik – neutral, sachlich, verständlich. Verantwortlich für die Seiten www.Motorcycles.News, www.Motorrad.Training und den YouTube-Kanal "Motorrad Nachrichten", sowie deren social Media-Seiten.

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