- Bezzecchi gewinnt mit 3,083 Sekunden Vorsprung vor Marquez und Raul Fernandez, drei Aprilia landen unter den ersten vier
- Jorge Martin rettet mit gebrochener Speiche Platz sieben und hält die WM offen
- Marquez führt nach dem Rennen in Katar mit 60 Punkten vor Martin und 74 Punkten vor Bezzecchi, es sind noch 74 Punkte zu vergeben
Einen Tag nach seinem Sturz im Sprint hat Marco Bezzecchi in Lusail die passende Antwort gegeben. Der Aprilia-Werksfahrer kam perfekt vom Start weg, ließ niemanden an sich vorbei und fuhr seinen sechsten Grand-Prix-Sieg der Saison ein. Für Marc Marquez war der erste Matchball damit vergeben. Der Ducati-Pilot hätte gewinnen müssen, und Jorge Martin hätte ohne Punkte bleiben müssen. Beides trat nicht ein. Trotzdem hat Marquez die Titelentscheidung beim Grand Prix von Portugal in knapp zwei Wochen fest in der eigenen Hand.

Wie hat Bezzecchi den Grand Prix von Katar gewonnen?
Bezzecchi hat das Rennen am Start entschieden und danach in keiner Phase die Kontrolle abgegeben. Anders als im Sprint am Samstag erwischte er einen sauberen Start und lag schon in Kurve 1 vorne.
Hinter ihm griff Raul Fernandez sofort an. Der Trackhouse-Pilot war von Startplatz vier losgefahren und schob sich noch in der ersten Runde an Marquez vorbei. Die beiden Aprilia setzten sich danach rasch ab. Schon nach wenigen Runden lag Marquez mehr als eine Sekunde zurück. Bezzecchi und Fernandez drehten zu dieser Zeit Runden im Bereich von 1:52 Minuten, der Rest des Feldes war deutlich langsamer.
Etwa zur Rennhälfte gönnte sich Bezzecchi eine kurze Phase, in der er etwas Tempo herausnahm und die Reifen schonte. Als Marquez näher kam, zog er wieder an und fuhr in Runde 17 seine schnellste Runde des Abends. Am Ende hatte er 3,083 Sekunden Vorsprung. Alle Fahrer waren übrigens vorne und hinten mit der mittleren Reifenmischung unterwegs. Mit diesem Hinterreifen war Bezzecchi schon im Sprint gefahren und hatte entsprechend mehr Erfahrung damit.
Für den Italiener ist es der zwölfte Sieg in der MotoGP und gleichzeitig sein erster Podestplatz in der Königsklasse in Katar. Bis zu diesem Wochenende war er in Lusail weder im Grand Prix noch im Sprint besser als Neunter. Auch Aprilia hatte in Lusail bisher keinen Grand Prix gewonnen.
Warum fuhr Marquez in Katar so vorsichtig?
Marquez ging bewusst kein Risiko ein, weil für ihn in Katar die Punkte wichtiger waren als der Sieg. Schon vor dem Start hatte Ducati-Teammanager Davide Tardozzi gesagt, dass es an diesem Abend vor allem darum gehe, vor Martin ins Ziel zu kommen. Bezzecchi traute er mit der mittleren Mischung den Sieg zu.
Nach dem Rennen erklärte Marquez seinen Plan. In den ersten fünf Runden wollte er das Rennen nur verwalten, auch wenn vorne jemand wegfährt. Sein eigentlicher Gegner war Martin. Später merkte er, dass er in einer Phase sehr schnell war. Gleichzeitig spürte er aber, dass sein Fahrstil den Vorderreifen stark abnutzte. Platz drei wäre für ihn in Ordnung gewesen. Als er sah, dass Fernandez Probleme bekam, griff er doch an und holte so vier Punkte mehr.
In dieser Phase fuhr Marquez eine Runde in 1:52,558 Minuten. Das ist die schnellste Rennrunde, die in Lusail je mit einem MotoGP-Motorrad gefahren wurde, drei Tausendstel schneller als seine eigene Bestmarke aus dem Jahr 2025. Fernandez überholte er auf der Start-Ziel-Geraden kurz vor Schluss. Auf Bezzecchi kam er nicht mehr heran.
Für Marquez war es der 134. Podestplatz in der MotoGP. In dieser Saison stand er an einem Sonntag zum ersten Mal auf dem Podium, ohne zu gewinnen. Seine sieben Grand-Prix-Siege 2026 holte er in Balaton Park, Brünn, auf dem Sachsenring, in Aragón, Misano, Motegi und Sepang.

Was war bei Pedro Acosta und KTM los?
Acosta hatte während des gesamten Rennens mit dem Reifendruck vorne zu kämpfen und konnte deshalb nicht frei fahren. Der Hintergrund: Die Regeln schreiben einen Mindestdruck im Vorderreifen vor. Fährt ein Fahrer lange allein ohne Vordermann, wird der Reifen nicht warm genug, und der Druck bleibt zu niedrig. Dann droht nach dem Rennen eine Zeitstrafe. Hinter einem anderen Motorrad steigt der Druck dagegen an.
Acosta war vom siebten Startplatz aus schnell nach vorne gekommen und hatte Marquez in der dritten Runde in Kurve 15 überholt. Kurz darauf ließ er ihn mit einem Handzeichen wieder vorbei, um in dessen Windschatten zu fahren. Nach dem Sprint hatte er sich darüber beklagt, dass KTM den Druck viel zu vorsichtig gewählt habe. Für das Rennen wollte das Team mehr riskieren. Offenbar ging auch diese Rechnung nicht auf.
In der zweiten Rennhälfte verlor Acosta deutlich an Tempo. Ai Ogura zog an ihm vorbei, später ließ er auch seinen Markenkollegen Enea Bastianini passieren. Am Ende blieb Platz sechs. Bei KTM ist die Sorge vor einer Strafe nicht unbegründet: Im Vorjahr war Maverick Viñales in Katar als Zweiter ins Ziel gekommen, bekam wegen zu niedrigen Reifendrucks aber 16 Sekunden aufgebrummt und fiel auf Platz 14 zurück.
Für KTM kam noch ein Ausfall dazu. Brad Binder rollte nach 16 Runden langsam an die Box. KTM bestätigte einen Getriebeschaden.
Fernandez und Martin: Podium und Punkte trotz Verletzung
Zwei Aprilia-Fahrer gingen in Katar mit frischen Knochenbrüchen an den Start und brachten trotzdem wichtige Ergebnisse ins Ziel.
Raul Fernandez fährt seit dem Sprint in Mandalika mit zwei gebrochenen Fingern an der rechten Hand, dem Zeige- und dem Mittelfinger. In Sepang hatte er nach fünf Runden im ersten freien Training aufgeben müssen, weil die Schmerzen zu groß waren. Lusail gilt als harte Strecke für die rechte Hand, weil in 13 der 16 Kurven gebremst wird. In Katar holte er nun Platz drei. Nach dem Rennen bedankte er sich bei seinen Physiotherapeuten. Ganz fit fühle er sich noch nicht, aber er sei nah an seinen 100 Prozent gewesen. Mehr als die Reifen habe ihn der Spritverbrauch beschäftigt. In den Runden sechs und sieben war er mit dem Motor-Mapping 3 unterwegs und hatte dadurch zu wenig Leistung, um den Abstand zu Marquez zu halten. In den letzten Runden kam ihm Ogura zeitweise bis auf weniger als eine Sekunde nahe.
Jorge Martin hatte sich im Sprint auf Phillip Island die rechte Speiche gebrochen. Vor dem Rennen schätzte er seinen Zustand auf etwa 50 Prozent. Aus der vierten Startreihe arbeitete er sich bis auf Platz sieben vor und hielt diese Position bis ins Ziel. Für Martin war es die längste Distanz am Stück seit seiner Verletzung. In der Box empfing ihn das ganze Team mit Applaus. Aprilia-Chef Massimo Rivola sagte nach dem Rennen, Bezzecchi habe seinen Job gemacht und sei der Schnellste gewesen. Vorbei sei die Saison für Aprilia noch nicht. Dabei verwies er auch auf die Herstellerwertung und lobte, wie geschickt Marquez mit seinen Reifen umgegangen sei.

Wie sieht das Ergebnis hinter den ersten drei aus?
Ai Ogura machte das starke Ergebnis von Aprilia mit Platz vier komplett, nachdem er sich lange an Bastianini die Zähne ausgebissen hatte. Bastianini kam als Fünfter vor Acosta ins Ziel. Hinter Martin folgte Fabio Di Giannantonio auf Platz acht. Der Italiener war aus der ersten Reihe gestartet, nach Zweikämpfen in der ersten Kurve aber bis auf Platz neun zurückgefallen und fand danach kein Tempo.
Die Top Ten komplettierten Johann Zarco und Iker Lecuona, der bei Gresini für Alex Marquez einspringt. Dahinter kamen Franco Morbidelli, Fermin Aldeguer, Maverick Viñales und Jake Dixon ins Ziel. Dixon fuhr für den erkrankten Joan Mir sein erstes Rennen im Werksteam von Honda und holte dabei seine ersten Punkte in der MotoGP.
Gestartet waren nur 16 Fahrer, so wenige wie bei keinem anderen Rennen dieser Saison. Yamaha war nicht nach Katar gereist. Pecco Bagnaia fehlte nach seinem Unfall im Sprint mit Brüchen im rechten Fuß, Luca Marini wegen anhaltender Erschöpfung. Neben Binder fiel auch Diogo Moreira aus. Der LCR-Pilot hatte Schmerzen im rechten Bizeps, die laut Teamchef Lucio Cecchinello mit einer älteren Verletzung zusammenhängen. So kamen 14 Fahrer ins Ziel, und alle holten Punkte.
Ergebnis Grand Prix von Katar 2026 (22 Runden)
- Marco Bezzecchi (Aprilia), 41:29,173 Minuten
- Marc Marquez (Ducati), +3,083 Sekunden
- Raul Fernandez (Aprilia), +3,614
- Ai Ogura (Aprilia), +4,885
- Enea Bastianini (KTM), +6,948
- Pedro Acosta (KTM), +7,413
- Jorge Martin (Aprilia), +14,023
- Fabio Di Giannantonio (Ducati), +15,517
- Johann Zarco (Honda), +16,257
- Iker Lecuona (Ducati), +17,958
- Franco Morbidelli (Ducati), +20,275
- Fermin Aldeguer (Ducati), +20,576
- Maverick Viñales (KTM), +21,095
- Jake Dixon (Honda), +28,734
Ausgefallen: Brad Binder (KTM), Diogo Moreira (Honda)
Wie steht die MotoGP-WM nach dem Grand Prix von Katar?
Marc Marquez führt die WM mit 431 Punkten an, Jorge Martin hat 371, Marco Bezzecchi 357 Punkte. Bei zwei ausstehenden Rennwochenenden mit je 37 Punkten sind noch 74 Punkte zu holen.
Für Bezzecchi bedeutet das: Er müsste alle vier verbleibenden Rennen gewinnen, und Marquez dürfte keinen einzigen Punkt mehr holen. Wie stark sich die Lage gedreht hat, zeigt ein Blick zurück. Nach seinem Sieg in Mugello, dem siebten Rennen der Saison, lag Bezzecchi noch 102 Punkte vor Marquez. Die ersten drei Grands Prix des Jahres hatte er gewonnen. Inzwischen hat er sechs Sonntagssiege auf dem Konto, nur einen weniger als Marquez. Teure Nuller wie die Stürze in Führung in Misano oder im ersten Sprint in Buriram haben ihn aber weit zurückgeworfen. Vor dem Rennen hatte Bezzecchi gesagt, er glaube an den Titel, solange die Rechnung es zulässt.
In der Herstellerwertung ist es enger. Ducati lag vor Katar 13 Punkte vor Aprilia, jetzt sind es nur noch acht. Gewertet wird dort jeweils das beste Motorrad eines Herstellers im Ziel. In der Teamwertung fehlten Aprilia Racing nur acht Punkte, um den Titel schon in Katar zu sichern. Im Gesamtbild der MotoGP-Saison 2026 bleibt damit bis zum Schluss mehr offen, als der klare Vorsprung von Marquez in der Fahrerwertung vermuten lässt.

Was braucht Marquez in Portimão für den WM-Titel?
Marquez braucht im Sprint von Portimão zwei Punkte mehr als Martin, dann kann ihn niemand mehr einholen. Gewinnt er den Sprint am Samstag, ist ihm der Titel also sicher, egal wo Martin landet. Es wäre das erste Mal, dass ein MotoGP-Weltmeister an einem Sprint-Samstag feststeht.
Mit dem Titel würde Marquez auf acht WM-Titel in der Königsklasse kommen und damit mit Giacomo Agostini gleichziehen. Zusammen mit seinen Titeln aus den kleineren Klassen wäre es sein zehnter WM-Titel. Seine Ausgangslage ist gut: In dieser Saison hat er bereits zehn Sprints gewonnen, darunter den in Katar am Samstag, und in der ewigen Bestenliste der Sprint-Rennen liegt er mit 25 Siegen vorne.
Martin und Bezzecchi bleibt nur die Hoffnung auf einen Fehler oder ein Pech von Marquez. Für Martin kommt dabei auch die Frage dazu, wie sein rechter Arm die nächsten zwei Wochen verkraftet. Für das Fahrerlager ging in Katar übrigens auch eine Ära zu Ende. Es war das letzte Rennen in Lusail mit den 1000er-Motoren. Ab 2027 fährt die MotoGP mit 850 Kubikzentimetern Hubraum und weniger Leistung. Die Höchstgeschwindigkeit lag an diesem Wochenende bei rund 355 km/h.

Häufige Fragen
-
Wer hat den MotoGP-Grand-Prix von Katar 2026 gewonnen?
Marco Bezzecchi hat den Grand Prix von Katar 2026 auf der Aprilia gewonnen. Er startete von der Pole Position und führte alle 22 Runden an. Marc Marquez wurde mit 3,083 Sekunden Rückstand Zweiter, Raul Fernandez Dritter.
-
Warum ist Marc Marquez in Katar noch nicht Weltmeister geworden?
Marquez hätte das Rennen gewinnen müssen, und Jorge Martin hätte keinen Punkt holen dürfen. Marquez wurde aber nur Zweiter, und Martin kam als Siebter ins Ziel. Damit fällt die Entscheidung frühestens in Portimão.
-
Wie ist der WM-Stand in der MotoGP nach dem Rennen in Katar 2026?
Marc Marquez führt mit 431 Punkten vor Jorge Martin mit 371 und Marco Bezzecchi mit 357 Punkten. Noch 74 Punkte sind zu vergeben. Bezzecchi bleibt damit nur rechnerisch im Titelkampf.
-
Wann kann Marquez in Portimão Weltmeister werden?
Marquez kann schon im Sprint am Samstag in Portimão Weltmeister werden. Dafür muss er im Sprint zwei Punkte mehr holen als Martin. Ein Sprintsieg reicht in jedem Fall.












