- Bagnaia: Brüche am vierten und fünften Mittelfußknochen rechts, eine Operation in Italien steht im Raum
- Aldeguer nimmt die Schuld auf sich und war schon in der Ducati-Box, um sich zu entschuldigen
- Marquez sieht den Fehler bei Bezzecchi, der Italiener hält den Vergleich mit Indonesien 2025 für unfair
Am Abend nach dem Sprint von Lusail drehte sich im Fahrerlager vieles nicht um den Sieger, sondern um zwei Stürze. Marc Marquez hat das Rennen gewonnen und sich damit für Sonntag den ersten Matchball im Titelkampf der MotoGP-Saison 2026 gesichert. Im Mittelpunkt stand aber Pecco Bagnaia, den Fermin Aldeguer in der letzten Kurve der ersten Runde von hinten traf und in einen schweren Highsider schickte. Kurz nach dem Neustart folgte die nächste Streitszene, als Marco Bezzecchi nach einer Berührung mit Marquez im Kies landete. Die Aussagen der Beteiligten zeigen, wie verschieden die beiden Unfälle gesehen werden und mit welcher Ausgangslage das Feld in den Grand Prix geht.

Wie geht es Pecco Bagnaia nach dem Sturz?
Bagnaia hat zwei Brüche im rechten Fuß, betroffen sind der vierte und der fünfte Mittelfußknochen. Das ergab die erste Untersuchung durch MotoGP-Chefarzt Angel Charte im Medical Centre der Strecke.
Noch am Samstagabend wurde der Italiener in ein Krankenhaus in Doha gebracht. Dort soll geklärt werden, ob die Brüche operiert werden müssen. Der vierte Mittelfußknochen soll verschoben und mehrfach gebrochen sein. Bagnaia soll deshalb in seiner Heimat operiert werden, die Abreise nach Italien könnte bereits am Sonntagabend folgen. Ducati hat eine Operation bisher nicht offiziell bestätigt und spricht weiterhin nur von weiteren Untersuchungen.
Beim Grand Prix am Sonntag wird Bagnaia nicht starten können. Bleibt sein Platz leer, rückt Jorge Martin in der Startaufstellung von Rang elf auf Rang zehn vor.
Wie heftig der Abflug war, war auf den TV-Bildern deutlich zu sehen. Bagnaia wurde hoch in die Luft geschleudert und landete schwer neben dem Kiesbett. Ob er dabei für einen Moment das Bewusstsein verlor, lässt sich nicht sicher sagen. Als die Streckenposten bei ihm waren, war er wach und sprach mit ihnen. Danach wurde er auf einer Trage abtransportiert.
Was bedeutet der Fußbruch für Portimão und Valencia?
Ob Bagnaia in dieser Saison noch einmal fährt, ist offen. Nach Katar stehen nur noch die Rennwochenenden in Portimão und Valencia an, davor liegen zwei Wochen Pause. Diese Zeit könnte ihm helfen, es ist aber auch möglich, dass seine Zeit als Ducati-Werksfahrer mit diesem Sturz schon zu Ende ist.
Bagnaia wurde 2022 und 2023 mit Ducati Weltmeister und wechselt zur Saison 2027 zu Aprilia. Beim Test in Valencia am 1. Dezember soll er zum ersten Mal auf seinem neuen Motorrad sitzen.
Der Zeitpunkt ist für ihn besonders bitter. Lusail war eines seiner stärksten Wochenenden des Jahres. Am Freitag zog er als Vierter direkt ins Q2 ein, im Qualifying wurde er Fünfter. Danach erzählte er, dass er sich endlich wieder wie ein Werksfahrer fühle. Keine 24 Stunden später lag er im Kies.
Was sagt Aldeguer zu dem Unfall?
Fermin Aldeguer nimmt die Verantwortung vollständig auf sich. Der Gresini-Pilot entschuldigte sich bei Bagnaia und dem gesamten Ducati-Team und ging dafür noch am Abend persönlich in die Box der Werksmannschaft.
Aus seiner Sicht lief die Szene so ab: Pedro Acosta kam schlecht aus Kurve 15 heraus, und Aldeguer wollte innen vorbei. Dabei geriet er zu weit nach innen auf den schmutzigen Teil der Strecke und bekam das Motorrad bei dem Tempo nicht mehr rechtzeitig verzögert. Bagnaia fuhr die letzte Kurve mit einem deutlich weiteren Radius. Aldeguer erzählt, dass er noch versuchte, die Bremse kurz zu lösen, um das Motorrad aufzurichten und dem Hinterrad der Ducati auszuweichen. Es fehlten nur wenige Zentimeter. Wäre er außen herum gefahren, wo Platz war, wäre nach seiner Einschätzung nichts passiert.
Der Spanier spricht von einem schweren eigenen Fehler und räumt ein, dass er seine Schwächen kennt. Gleichzeitig verweist er darauf, dass solche Unfälle im Rennsport eben vorkommen. Wichtig ist ihm, dass es glimpflicher ausging, als es hätte ausgehen können. Die Rennleitung bestrafte ihn mit einem doppelten Long Lap, den er im neu gestarteten Sprint absaß. Er kam als Elfter ins Ziel.
Deutliche Kritik kam von TV-Experte Neil Hodgson. Er warf Aldeguer vor, sich schon vor der Bremszone zum Überholen entschieden zu haben, obwohl in der ersten Runde zu viele Motorräder vor ihm lagen und keine Lücke offen war. Hodgson nannte das Manöver unnötig und sah auch Acosta mit einer aggressiven Fahrweise an der Situation beteiligt.
Aldeguer äußerte sich auch zum dichten Rennkalender. Auf die Frage, ob 44 Rennen pro Saison zu viele sind, stimmte er zu. Die Fahrer könnten daran selbst nichts ändern und müssten tun, was man ihnen vorgibt. Er schlägt vor, dass sich die Piloten zusammentun, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

Warum sehen Marquez und Bezzecchi die Kollision unterschiedlich?
Marquez gibt Bezzecchi die Schuld, der Italiener widerspricht und hält Marquez‘ Vergleich mit einem früheren Unfall für unfair. Die Stewards hatten die Berührung in Kurve 1 der vierten Runde als Rennunfall gewertet und keine Strafe verhängt.
Für Marquez war die Sache klar. Er verweist auf die Bilder aus dem Hubschrauber: In dieser Runde und in den folgenden fuhr er Kurve 1 jedes Mal gleich an, etwas weit und mit einem späten Einlenken zurück zur Linie. Aus Marquez‘ Sicht hat Bezzecchi unterschätzt, wie viel schneller er an diesem Wochenende ist. Marquez zieht dazu den Start des Grand Prix von Indonesien 2025 heran, als Bezzecchi ihm mit mehr Schwung in einer schnellen Kurve ins Heck fuhr. Der Italiener sei hier allen anderen weit voraus und habe offenbar nicht gemerkt, wie langsam die anderen im Vergleich zu ihm sind, meinte Marquez.
Der Treffer war so heftig, dass der Airbag in seinem Lederkombi auslöste. Wie nah er selbst am Sturz war, kann Marquez nicht sagen. Er habe den Kontakt gespürt, dann sei der Airbag aufgegangen. Wenn er so konzentriert fährt, merkt er nach eigener Aussage nicht, was das Motorrad unter ihm macht. Drei bis vier Kurven lang konnte er danach nicht normal fahren.
Bezzecchi blieb ruhig, machte aber klar, dass er die Szene anders sieht. Den Vergleich mit Indonesien hält er für nicht fair, weil es eine völlig andere Situation war. Er respektiert Marquez‘ Meinung, teilt sie aber nicht. Er hielt seine Linie, war innen, und eine Sekunde später lag er am Boden. Marquez außen hatte er nicht gesehen, ausweichen konnte er nach eigener Aussage nicht mehr. Wütend zu werden, bringt ihm nichts, das wäre für ihn verschwendete Energie. Die Entscheidung der Stewards muss er hinnehmen.
Den Grundstein für das Duell legte der Neustart. Beim ersten Start lief für Bezzecchi alles nach Plan. Beim zweiten hob das Vorderrad leicht ab, er verlor Beschleunigung und die Führung an Marquez. Sein Tempo hätte gereicht, um um den Sieg zu kämpfen, deshalb musste er beim Überholen etwas riskieren.
Hat Bezzecchi noch eine Chance auf den WM-Titel?
Rechnerisch ja, aber nur noch mit einem Sieg am Sonntag. Bezzecchi liegt mit 332 Punkten 79 Zähler hinter Marquez. Insgesamt sind noch 99 Punkte zu vergeben: 25 im Grand Prix von Katar sowie jeweils 37 in Portimão und Valencia. Nach Katar bleiben also nur noch 74 Punkte übrig, deshalb muss Bezzecchi den Abstand schon am Sonntag verkleinern. Gewinnt er und wird Marquez Zweiter, liegt er noch genau 74 Punkte zurück. Wirklich offen bleibt die WM für ihn nur, wenn er gewinnt und Marquez höchstens Dritter wird.
Für Bezzecchi ist das ein harter Rückschlag. Nach dem Grand Prix von Brasilien hatte er die WM-Führung übernommen und acht Rennwochenenden lang an der Spitze gestanden.
Wie reagierten Aprilia und die TV-Experten?
Aprilia-Chef Massimo Rivola reagierte in der Box mit sarkastischem Beifall und Kopfschütteln, als die Entscheidung der Stewards eingeblendet wurde. Diese Reaktion sorgte bei den deutschsprachigen TV-Experten für deutliche Worte.
Stefan Bradl sagte bei ServusTV: „Das war komplett daneben. Ich weiß nicht, wo der herkommt aus dem Vierradsport. Formel 1 habe ich gehört. Aber seine Reaktionen im Motorradsport finde ich komplett unpassend.“ Alex Hofmann ging in dieselbe Richtung und meinte, dass manche Leute aus dem Automobilsport nicht wirklich verstehen, was im Motorradsport passiert. Rivola war tatsächlich vor seiner Zeit bei Aprilia in der Formel 1 bei Ferrari tätig.

Mit welcher Taktik geht Marquez in den Grand Prix?
Marquez will am Sonntag kein unnötiges Risiko eingehen. Er gibt offen zu, dass er den Titel gerne schon beim ersten Matchball holen würde, hält den Sonntag aber nicht für den Tag, an dem er dafür alles riskiert.
Für die Entscheidung in Katar müsste er gewinnen, und Martin dürfte keinen Punkt holen. Den Rhythmus für einen Sieg sieht Marquez bei sich nicht. Er rechnet mit einem schweren Rennen, weil die Aprilia auf der langen Distanz sehr schnell ist. Wenn nichts Ungewöhnliches passiert, gewinnt aus seiner Sicht Bezzecchi, der erneut von der Pole Position startet. Als seinen ersten Gegner nennt Marquez Fabio Di Giannantonio. Am wichtigsten ist ihm, dass er im Sprint auf den Zweiten und den Dritten der WM Punkte gutgemacht hat. Mit 411 Punkten führt er jetzt 49 Zähler vor Martin.
Holt er den Titel, wäre es sein achter in der Königsklasse. Damit würde er mit Giacomo Agostini gleichziehen. Insgesamt wäre es sein zehnter WM-Titel.
Martins kurzer Angriff an der Spitze kam für Marquez überraschend. Mit dem Aprilia-Piloten an dieser Stelle hatte er nicht gerechnet. Ab diesem Moment entschied er sich, selbst wieder mehr zu riskieren, und holte sich die Führung zurück. Für Martin hat er großen Respekt: Er nennt ihn einen sehr harten Kerl, dem das Adrenalin als bestes Schmerzmittel hilft.
Ducati-Teammanager Davide Tardozzi gibt sich gelassen. Das Hauptziel ist, die WM-Führung zu halten und wenn möglich noch ein paar Punkte auf Martin gutzumachen. Punktverluste auf Bezzecchi bereiten ihm keine Sorgen. Man werde das irgendwie managen, auch wenn Marquez eigentlich angreifen möchte.
Wie fit ist Jorge Martin für den Grand Prix?
Martin wird am Sonntag starten, rechnet aber nicht mit einem Sieg und hält schon einen Podestplatz für schwer. Zwei Wochen nach seinem Handgelenkbruch auf Phillip Island ist er nach eigener Aussage klar nicht in Bestform.
Am Samstagmorgen ging es ihm nach eigener Schilderung noch sehr schlecht. Im Sprint spürte er den Arm in den ersten fünf bis sechs Runden dank des Adrenalins kaum, seine volle Kraft hat er aber nicht. Er hofft, dass die Hand am Sonntag nicht schlimmer wird. Im Warm-up will er nur zwei Runden fahren, um zu prüfen, ob das Motorrad funktioniert. Über die Renndistanz fühlt er sich stärker als auf einer einzelnen schnellen Runde und rechnet sich deshalb Chancen auf ein gutes Ergebnis aus.
Für den Neustart entschied sich Martin gegen den Rat eines Teils seines Teams für den weichen Hinterreifen. Er gibt offen zu, dass ihm erst die Unterbrechung nach Bagnaias Sturz diese Chance gab, denn sein erster Start mit dem mittleren Reifen war missglückt. Mit dem Soft fühlte er sich vor allem beim Bremsen stark und konnte reihenweise überholen. In den letzten beiden Runden war der Reifen aber am Limit, gegen Di Giannantonio fehlte ihm der Vortrieb.
Am Sonntag braucht Martin mindestens einen Punkt, um die Titelentscheidung auf Portimão zu verschieben, falls Marquez gewinnt. Sich selbst beschreibt er als harten Kerl, sein Motto für die verbleibenden Rennen lautet schlicht: kämpfen.
Di Giannantonio, Zarco und Fernandez: Stimmen aus dem Feld
Fabio Di Giannantonio erlebte nach Platz zwei einen besonderen Moment. Noch während der Siegerehrung meldete sich VR46-Teamchef Valentino Rossi per Videoanruf und gratulierte. Lusail hat für den Italiener ohnehin eine besondere Bedeutung, denn sein Sieg beim Grand Prix von Katar 2023 rettete damals seine MotoGP-Karriere. Direkt nach dem Sprint dachte er zunächst, er habe eine Chance verschenkt. Für den Neustart hatte er keinen weichen Hinterreifen mehr übrig und musste mit dem mittleren Reifen losfahren. Trotzdem fand er einen starken Rhythmus und konnte Martin noch überholen. Mit 274 Punkten ist er WM-Sechster, auf Ai Ogura fehlen ihm sieben Zähler, auf Pedro Acosta auf Platz fünf 25.
Johann Zarco war mit Platz fünf auf der LCR-Honda der mit Abstand beste Honda-Fahrer. Er gibt zu, dass er von den Stürzen profitiert hat. Nach dem zweiten Start fühlte er sich in den ersten Runden so wohl, dass er sogar an einen Angriff auf Di Giannantonio dachte.
Raul Fernandez wurde auf der Trackhouse-Aprilia Vierter, spricht aber von Frust. Auf den Geraden verlor er viel Zeit, Acosta überholte ihn dort, bevor er überhaupt den sechsten Gang eingelegt hatte. Ein Kampf um das Podium fühlte sich für ihn unmöglich an. Immerhin funktioniert sein gebrochener Finger. Die Schmerzen sind etwas stärker als am Vortag, das Gefühl für die Bremse ist aber da.

Häufige Fragen
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Was ist zur Bagnaia Verletzung bekannt?
Bagnaia hat sich im Sprint von Katar den vierten und den fünften Mittelfußknochen am rechten Fuß gebrochen. Im Krankenhaus in Doha wird geklärt, ob eine Operation nötig ist. Der Italiener soll in seiner Heimat operiert werden, offiziell bestätigt ist das noch nicht.
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Fährt Bagnaia am Sonntag in Katar?
Nein, Bagnaia kann den Grand Prix von Katar nicht fahren. Ob er in Portimão oder Valencia zurückkehrt, ist offen. Möglicherweise war Lusail sein letztes Rennwochenende für Ducati vor dem Wechsel zu Aprilia.
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Wie kam es zum Unfall zwischen Aldeguer und Bagnaia?
Aldeguer wollte in der letzten Kurve der ersten Runde innen an Pedro Acosta vorbei, kam auf dem schmutzigen Teil der Strecke aber nicht rechtzeitig zum Stehen. Er traf das Hinterrad von Bagnaia, der einen schweren Highsider erlitt. Aldeguer bekam einen doppelten Long Lap und entschuldigte sich bei Bagnaia und Ducati.
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Kann Marquez am Sonntag Weltmeister werden?
Ja, wenn er den Grand Prix gewinnt und Jorge Martin keinen Punkt holt. Marquez selbst will dafür aber kein großes Risiko eingehen und sieht Bezzecchi als Favoriten auf den Sieg.
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Hat Bezzecchi noch eine Chance auf den Titel?
Nur noch theoretisch, und nur mit einem Sieg am Sonntag. Er liegt 79 Punkte hinter Marquez, insgesamt sind noch 99 Punkte zu vergeben, nach dem Grand Prix von Katar aber nur noch 74. Gewinnt Bezzecchi und wird Marquez höchstens Dritter, bleibt der Titelkampf für ihn offen, bei einem zweiten Platz von Marquez ist er praktisch vorbei.












