- Marquez liegt nur noch 18 Punkte hinter WM-Führer Jorge Martin, nachdem der Rückstand zeitweise 102 Punkte betragen hatte.
- Ducati zählt fünf Fahrer innerhalb von 24 Punkten. Der Titelkampf gilt als wieder völlig offen.
- Honda ist der einzige Hersteller ohne festes Werksduo für 2027. Fabio Quartararo und Diogo Moreira stehen im Fokus.
Die MotoGP geht in die Sommerpause, und die Ausgangslage hat sich in wenigen Wochen stark verändert. Marc Marquez hat sich nach einer Operation zurück an die Weltspitze gearbeitet, der MotoGP-Titelkampf 2026 ist enger geworden, und im Hintergrund entscheidet sich, wer 2027 auf welchem Motorrad sitzt. Ein Überblick über die wichtigsten Themen vor der zweiten Saisonhälfte.

Wie hat Marc Marquez seinen Rückstand im Titelkampf aufgeholt?
Marquez hat in den vergangenen vier Rennwochenenden 119 Punkte geholt und damit mehr als doppelt so viele wie in den ersten vier Events der Saison, als es nur 57 waren. Der Titelverteidiger lag nach seiner Rückkehr beim Italien-Grand-Prix noch 102 Punkte hinter der Spitze, weil ihn eine Operation an einem eingeklemmten Nerv im rechten Arm zurückgeworfen hatte. Inzwischen fehlen ihm nur noch 18 Punkte auf WM-Führer Jorge Martin. In den letzten vier Rennen sammelte er mehr Punkte als jeder andere Fahrer, und nur Ai Ogura, der Sieger in den Niederlanden, war über die vergangenen drei Rennwochenenden noch stärker.
Den vorläufigen Höhepunkt bildete das Wochenende am Sachsenring vom 10. bis 12. Juli. Dort holte der 33-Jährige die Pole-Position, gewann seinen 19. Sprint und danach auch das Rennen mit der schnellsten Runde. An beiden Tagen führte er von der ersten bis zur letzten Runde. Es war sein zehnter Sieg in der Königsklasse am Sachsenring und der 13. über alle Klassen an dieser Strecke. Damit zog er mit einer Bestmarke von Giacomo Agostini gleich, der einst in Imatra ebenso oft an einem einzigen Kurs gewann.
Warum gilt der MotoGP-Titel 2026 als wieder völlig offen?
Der Titelkampf gilt als offen, weil laut Ducati fünf Fahrer innerhalb von nur 24 Punkten liegen. Gigi Dall’Igna, der Technikchef von Ducati Corse, bezeichnete das Sachsenring-Wochenende von Marquez auf LinkedIn als „another masterpiece“ (weiteres Meisterwerk). Er hob hervor, dass Marquez die Rennen ohne unnötiges Risiko kontrolliert habe, mit einem sauberen und schnellen Fahrstil, der weniger spektakulär wirke, aber genau das liefere, was nötig sei.
Gleichzeitig betonte Dall’Igna, dass nichts entschieden sei. Durch die Verletzung von Marco Bezzecchi und die starken Auftritte der Trackhouse-Fahrer Ai Ogura und Raul Fernandez auf Aprilia sei das Feld durcheinandergewirbelt worden. Für Ducati war es zudem ein Wermutstropfen, dass Alex Marquez und Fabio di Giannantonio am Sachsenring als Zweiter und Vierter stürzten. Dall’Igna fasste die Lage so zusammen, dass in dieser langen Saison jederzeit alles passieren könne und man bis zum Schluss kämpfen müsse.

Welche drei Strecken könnten Marquez den Titel bringen?
Nach Ansicht von Jorge Lorenzo hat Marquez drei Trümpfe, die seine Rivalen nicht besitzen: die drei verbleibenden Strecken mit Linkskurven-Charakter in Aragon, Phillip Island und Valencia. Lorenzo, fünffacher Weltmeister und 2019 Teamkollege von Marquez bei Repsol Honda, erklärte in seinem Podcast Duralavita, dass Marquez auf solchen Kursen eine Siegchance von 80 bis 90 Prozent habe. Auf Strecken mit vielen Rechtskurven sei das Kräfteverhältnis dagegen deutlich ausgeglichener.
Wie stark Marquez auf linksdrehenden Kursen ist, zeigte zuletzt der Sachsenring mit nur drei Rechts- und zehn Linkskurven. In Aragon gewann er bereits achtmal, davon siebenmal in der Königsklasse und viermal in Folge zwischen 2016 und 2019. Dort feierte er 2024 im Sprint und im Grand Prix auch seinen ersten Sieg nach dem Wechsel von Honda zu Ducati. In Valencia ist die Bilanz weniger eindeutig, denn dort fuhr Marquez seit 2023 kein Rennen mehr und kam seit 2019 nicht mehr ins Ziel. Bemerkenswert ist aber, dass er 2013 und 2017 jeweils als Dritter in Valencia den Titel sicherte, als es zum Saisonfinale eng wurde. Für die gesamte Saison 2026 heißt das: Bleibt der Rückstand bis zu diesen Rennen klein, hätte Marquez einen Vorteil, den die Konkurrenz so nicht hat.
Wie verstehen sich Marquez und Bagnaia im Ducati-Werksteam?
Das Verhältnis zwischen Marc Marquez und Francesco Bagnaia ist deutlich harmonischer, als viele erwartet hatten. Lange galt die gemeinsame Zeit der beiden im Ducati-Werksteam, in dem sie seit 2025 zusammenarbeiten, als möglicher Konfliktherd. Grund waren die sportliche Rivalität und die Vorgeschichte, denn Bagnaia wuchs in der VR46-Akademie von Valentino Rossi auf. In einem Videoclip fand Marquez nun lobende Worte für seinen Teamkollegen: „Das Beste an Pecco ist, dass er unglaublich freundlich und immer ehrlich ist.“ Für ihn sei entscheidend, dass beide ein gutes Verhältnis pflegten und ehrlich zueinander seien.
Auch Bagnaia räumt mit alten Vorurteilen auf. Der zweimalige Weltmeister erklärte, dass wegen Marquez‘ bewegter Karriere und seiner eigenen Herkunft aus der Rossi-Akademie viele Meinungen über das Klima in der Box entstanden seien. „Aber wie ich schon oft gesagt habe: Das war nie meine Angelegenheit“, stellte er klar. Er sei von Anfang an offen auf Marquez zugegangen. Inzwischen arbeiten beide eng zusammen, analysieren gegenseitig ihre Daten und helfen sich bei der Abstimmung der Motorräder. Bagnaia beschreibt es so, dass er Marquez unterstützt habe, wenn dieser etwas brauchte, und selbst auf positive Weise Hilfe erhalten habe.

Wer fährt 2027 im Honda-Werksteam?
Das ist noch offen, denn Honda ist der einzige Hersteller, der sein Werksduo für 2027 noch nicht bestätigt hat. Als gesetzt gilt Fabio Quartararo, der Yamaha nach dieser Saison verlässt. Wer sein Teamkollege wird, ist dagegen unklar. Im Gespräch ist vor allem Diogo Moreira, der amtierende Moto2-Champion und aktuelle Rookie bei LCR Honda. Er rechnet damit, bis zum Großbritannien-Grand-Prix in Silverstone Klarheit zu haben, und geht davon aus, dass es dann eine Entscheidung geben wird.
Moreira steht bereits mit einem mehrjährigen Vertrag bei Honda unter Vertrag. Zunächst war der Moto2-Spitzenfahrer David Alonso für den Werksplatz gehandelt worden, doch Moreiras starke erste Saison hat dessen Chancen erhöht. Rückt Moreira auf, könnte Alonso 2027 neben Johann Zarco bei LCR fahren. Bewegung gibt es auch bei den weiteren Honda-Fahrern: Luca Marini, derzeit bester Honda-Pilot in der WM auf Rang zehn, wird für die kommende Saison bei Tech3 KTM erwartet, und Joan Mir hat bereits bei Gresini Ducati unterschrieben. Am Sachsenring holte Moreira als Elfter noch Punkte, obwohl er nach einer Strafe von Startplatz 18 losfuhr. Das neue Startformat mit größeren Abständen zwischen den Fahrern und Reihen erschwerte seine Aufholjagd zusätzlich.
Was plant Fabio Quartararo für seine letzten Yamaha-Rennen?
Quartararo will bei Yamaha bis zum Schluss ans Limit gehen, weil ihm das auch für sein nächstes Kapitel bei Honda helfen soll. Der frühere Weltmeister wechselt zur neuen Ära mit 850-Kubikzentimeter-Motoren und Reifen von Pirelli, die 2027 startet und als Chance für Honda und Yamaha gilt, wieder zu den europäischen Herstellern aufzuschließen. Sicher ist das aber nicht, denn inoffizielle Rundenzeiten des ersten 850er-Tests deuteten darauf hin, dass Aprilia und Ducati weiter vorn liegen. Nach Rang sieben am Sachsenring auf der schwächelnden Yamaha stellte Quartararo klar, dass ein Herstellerwechsel nicht automatisch bedeute, dass im nächsten Jahr alles perfekt laufe.
Er wolle sich deshalb weiter verbessern und das Maximum aus seinem aktuellen Motorrad holen. Ein siebter Platz sei ihm lieber als ein 15., das halte ihn bis zum Schluss motiviert. Das erste Rennen nach der Pause ist der Großbritannien-Grand-Prix in Silverstone, wo Quartararo in der vergangenen Saison in Führung liegend durch einen Defekt an der Fahrwerksabsenkung, dem sogenannten Ride-Height-Device, um einen möglichen Sieg gebracht wurde. In die zweite Saisonhälfte geht er als WM-14., vier Plätze hinter dem besten Honda-Fahrer Luca Marini. Bei den Herstellerpunkten liegt Honda mit 109 Zählern vor Yamaha mit 69. Beide rutschen bei den Konzessionen, den Zugeständnissen für leistungsschwächere Marken, wieder in die unterste Stufe D.
Yamaha kämpft ums Überleben: Bei Yamaha ist die Stimmung vor der zweiten Saisonhälfte gedämpft. Alex Rins brachte es auf die Formel, dass es nun vor allem ums Überleben gehe. Der Spanier hat in der ersten Saisonhälfte nur 21 Punkte aus elf Grands Prix und Sprints geholt. Sein bestes Ergebnis und zugleich erstes Top-Ten-Resultat des Jahres gelang ihm Ende Juni in den Niederlanden. Als zweitbester Yamaha-Fahrer der Wertung liegt er zwar vor Jack Miller und Toprak Razgatlioglu, für einen Werksfahrer und früheren Rennsieger ist die Bilanz aber schwach.
Rins rechnet nicht damit, dass sich die YZR-M1 bis zum Ende der 1000er-Ära im späten November noch deutlich verbessert. Mit diesem Zeitpunkt endet auch seine eigene Zeit bei Yamaha. Beim Deutschland-Grand-Prix wurde er 14. und haderte anschließend mit seiner Renneinteilung, weil er zu sehr auf die Reifen geachtet und dadurch im Mittelteil Zeit verloren habe. Rückblickend hätte er lieber früher mehr riskiert, um den Anschluss an Franco Morbidelli zu halten.

Wie geht es nach der Sommerpause weiter?
Nach der Sommerpause startet die zweite Saisonhälfte mit dem Großbritannien-Grand-Prix in Silverstone. Dort dürfte sich einiges entscheiden, sportlich wie personell. Marquez will seinen Rückstand auf Jorge Martin weiter verkleinern, während vier weitere Fahrer in Schlagdistanz lauern. Gleichzeitig soll rund um Silverstone Klarheit über die letzten offenen Plätze im Honda-Werksteam entstehen. Damit bündeln sich in der zweiten Hälfte der Saison 2026 gleich mehrere Handlungsstränge: der Titelkampf an der Spitze, die Neuordnung des Fahrermarkts für 2027 und der Umbruch bei Yamaha und Honda.

Häufige Fragen
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Wie viele Punkte fehlen Marc Marquez im MotoGP-Titelkampf 2026?
Marc Marquez fehlen 18 Punkte auf WM-Führer Jorge Martin. Zwischenzeitlich hatte sein Rückstand nach der Rückkehr von einer Armoperation 102 Punkte betragen. In den letzten vier Rennwochenenden holte er 119 Punkte.
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Warum ist der MotoGP-Titel 2026 wieder offen?
Laut Ducati liegen fünf Fahrer innerhalb von 24 Punkten. Die Verletzung von Marco Bezzecchi und die starken Leistungen der Aprilia-Fahrer Ai Ogura und Raul Fernandez haben das Feld zusätzlich zusammenrücken lassen.
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Wer wird 2027 Teamkollege von Fabio Quartararo bei Honda?
Das ist noch nicht entschieden. Als Favorit gilt der amtierende Moto2-Champion Diogo Moreira, der bis zum Grand Prix in Silverstone Klarheit erwartet. Auch David Alonso war zunächst für den Platz im Gespräch.
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Wann endet die 1000er-Ära in der MotoGP?
Die aktuelle Ära mit 1000-Kubikzentimeter-Motoren endet im späten November 2026. Ab 2027 gelten neue Regeln mit 850-Kubikzentimeter-Motoren und Reifen von Pirelli.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: MotoGP-Saison 2026: Der komplette Überblick – Teams, Fahrer, Kalender & WM-Stand. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.












