- Die Materialpalette reicht von Billet- und Sinter-Aluminium über Titan und Carbon bis zu Alcantara und vollnarbigem Kalbsleder
- In den Vierzylindermotoren sollen 16 radiale Titanventile und vier geschmiedete Titan-Pleuel die bewegte Masse verringern
- Die Rush Titanio erhält einen Sitz komplett aus Alcantara, laut Hersteller eine zertifizierte Weltneuheit
Der italienische Hersteller MV Agusta nutzt den Begriff Motorcycle Art seit Mitte der 1990er Jahre als Selbstbeschreibung. Bislang blieb dabei offen, was genau hinter dem Anspruch steht. Mit einem ausführlichen Manifest ordnet das Unternehmen den Begriff nun technisch ein und beschreibt, warum welches Material an welcher Stelle zum Einsatz kommt. Die Grundidee: Mechanik und Gestaltung werden nach eigener Darstellung von der ersten Skizze an als ein einziges Objekt gedacht, und jedes Bauteil soll auch dann noch überzeugen, wenn das Motorrad zerlegt wird.

Was bedeutet MV Agusta Motorcycle Art?
Motorcycle Art beschreibt bei MV Agusta den Anspruch, dass jedes Bauteil innen wie außen im gleichen Standard verarbeitet wird. Nach Angaben des Herstellers gibt es keine versteckten Abkürzungen: Wer eine Brutale oder eine Superveloce bis zur letzten Schraube zerlegt, soll auch an nicht sichtbaren Stellen dieselbe Verarbeitungsqualität vorfinden. Das Unternehmen, das seit 1945 Motorräder baut, versteht seine Maschinen ausdrücklich als Objekte, die aus der Nähe betrachtet werden sollen und nicht nur aus der Distanz wirken. Premiumcharakter wird dem Manifest zufolge nicht allein über Leistungsdaten definiert, sondern in das Objekt selbst gelegt und begründet.
Wie baut MV Agusta seine Materialhierarchie auf?
MV Agusta ordnet seine Werkstoffe in einer festen Wertigkeitsleiter an, die sich durch mehrere charakteristische Bauteile zieht. Ausgangspunkt ist jeweils die Frage, wie sich ein Material unter Last, unter Vibration und im Hinblick auf das Gewicht verhält. Ein Beispiel ist der Cockpithalter, der direkt mit dem Tank verbunden ist und den der Hersteller als eigene Lösung ohne Entsprechung bei der Konkurrenz beschreibt.
Vom Aluminium zum Titan
Der Cockpithalter beginnt als Bauteil aus Billet-Aluminium, das aus dem Vollen gefräst und auf Belastung ausgelegt wird. In der Rush Mamba folgt gesintertes Aluminium, bei dem eine Topologieoptimierung Last und Vibration abbildet und Material an unbelasteten Zonen entfernt. In der Rush Titanio kommt schließlich Titan zum Einsatz, das dünnere Querschnitte und filigranere Details erlaubt. Denselben Aufbau nutzt MV Agusta beim Scheinwerferhalter, der von gestanztem und gebogenem Feinblech über Billet-Aluminium bis zu Titan reicht.
Warum sogar das Tankemblem eine Rolle spielt
Auch das italienische Emblem am Tank, das sogenannte Fregio, folgt dieser Logik. Es reicht von einer geprägten Legierung, deren Beschichtung je nach Modell und Sonderserie wechselt, über Billet-Aluminium an Maschinen wie der Superveloce 1000 Serie Oro und der Superveloce 1000 AGO bis zu einer Ausführung aus Titan an der Rush Titanio. Diese Titan-Variante entsteht dem Hersteller zufolge allein aus Freude am Detail.

Warum verwendet MV Agusta Titan?
Titan ist bei MV Agusta zunächst ein Funktionswerkstoff und erst danach ein Schmuckelement. In den Vierzylindermotoren sollen 16 radial angeordnete Titanventile und vier geschmiedete Pleuel aus Titan die bewegte Masse verringern und höhere Drehzahlen ermöglichen. Denselben Werkstoff nutzen die gemeinsam mit Arrow und Akrapovič entwickelten Auspuffanlagen, von einzelnen und kompletten Arrow-Systemen bis zur homologierten Akrapovič-Anlage der F3 RR. Weil der niedrige Elastizitätsmodul von Titan dünnere Querschnitte zulässt, wird das Metall an der Rush Titanio zusätzlich zum gestalterischen Merkmal, etwa an Cockpit- und Scheinwerferhaltern.
Was macht die Carbonteile besonders?
Carbon behandelt MV Agusta gleichzeitig als tragende Struktur und als sichtbare Oberfläche. Besonders beanspruchte Teile wie Räder oder der Cockpithalter der Superveloce 1000 Serie Oro entstehen durch Handlaminat und Aushärtung im Autoklaven oder aus vorimprägniertem, pressgeformtem Material. Das sichtbare Gewebe ist dabei eine bewusste Wahl und reicht von Köper über Leinwand bis zu kurzen Fasern. Auch das Finish variiert zwischen glänzend, transparent, matt-transparent und einer eingefärbten Ausführung, bei der ein Pigment unter dem Gewebe hervorscheint.

Welche Räder verbaut MV Agusta?
Bei den Rädern folgt MV Agusta demselben Prinzip des passenden Materials für die jeweilige Aufgabe. Die Bandbreite reicht von Speichenrädern mit versiegeltem Felgenbett für den schlauchlosen Betrieb, die in Modellen wie der Enduro Veloce, der Superveloce 1000 AGO und der Superveloce 98 verbaut werden, über Räder aus Guss- und Schmiedealuminium bis zu Vollcarbon an der F3 Competizione. Das Carbonrad gilt dabei als die leichteste Lösung im Programm.
Wie entstehen die Sitze bei MV Agusta?
MV Agusta versteht den Sitz als Teil der Gestaltung und nicht nur als Sitzfläche. Statt eine einzelne Bezugsschicht durch Prägung zu variieren, kombiniert der Hersteller im gesamten Einstiegsbereich mehrere Bezüge, die über eine kontrastfarbene Naht verbunden werden. Darüber folgen hochwertigere Materialien: Alcantara, dessen Schaum durch die patentierte EXO-Technologie von Alcantara vor Wasser geschützt wird, und an der Spitze der Baureihe vollnarbiges Kalbsleder in Kombination mit Alcantara an der Superveloce 1000 Serie Oro. Zum Repertoire zählen zudem Steppungen, Stickereien, Lasergravuren und thermisch verschweißtes Alcantara. Den Abschluss bildet die Rush Titanio mit einem Sitz komplett aus Alcantara, der Thermoverschweißung und Lasergravur in einem Bauteil vereint und den MV Agusta als zertifizierte Weltneuheit bezeichnet.
Lackierung und Grafik aus Italien
Jede MV Agusta wird nach Angaben des Herstellers ausschließlich in Italien lackiert. Die Farbtöne sind eigene Entwicklungen der Marke, die aus einer Basis abgeleitet und mit einem eigenen Namen versehen werden. Dekore werden per Wassertransfer aufgebracht, sodass sie mit der Oberfläche zu verschmelzen scheinen, und anschließend zwischen zwei Klarlackschichten über Farbe und Grundierung versiegelt. Die Zahl der Schichten richtet sich nach dem gewünschten Finish. Ziel ist nach Darstellung des Unternehmens eine sichtbare und fühlbare Tiefe, die sich von einem bloßen Aufkleber auf der Verkleidung unterscheiden soll.
Diese Materialstrategie ordnet MV Agusta in die eigene Modellpalette ein, die von der Superveloce über die Brutale und die Turismo Veloce bis zu limitierten Serien wie der Rush Titanio reicht und die Marke im Premiumsegment positioniert. Federico Macario, Head of Product bei MV Agusta, fasst den Anspruch so zusammen: „A motorcycle should reward the closest possible look. We design every MV Agusta component to be technical and beautiful at the same time — and to stay beautiful even when you take it apart. That is what makes every MV Agusta a unique piece of art.“ Übersetzt bedeutet das: Ein Motorrad soll den möglichst genauen Blick belohnen. Jedes Bauteil werde technisch und schön zugleich gestaltet und solle auch im zerlegten Zustand schön bleiben. Das mache jede MV Agusta zu einem einzigartigen Kunstwerk.
Häufige Fragen
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Was bedeutet MV Agusta Motorcycle Art?
MV Agusta Motorcycle Art bezeichnet den Anspruch, dass jedes Bauteil innen wie außen im gleichen Standard verarbeitet wird. Der Begriff wird seit Mitte der 1990er Jahre verwendet und beschreibt eine Verbindung aus Technik und Gestaltung, die auch verdeckte Teile einschließt.
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Welche Materialien verwendet MV Agusta?
MV Agusta setzt nach eigenen Angaben eine breite Materialpalette ein, die von Billet- und Sinter-Aluminium über Titan und Carbon bis zu Alcantara und vollnarbigem Kalbsleder reicht. Jedes Material wird dem Hersteller zufolge nach seinem Verhalten unter Last, Vibration und Gewicht ausgewählt.
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Wofür nutzt MV Agusta Titan im Motor?
In den Vierzylindermotoren sollen 16 radiale Titanventile und vier geschmiedete Titan-Pleuel die bewegte Masse verringern und höhere Drehzahlen ermöglichen. Titan kommt zusätzlich in den mit Arrow und Akrapovič entwickelten Auspuffanlagen zum Einsatz.
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Was ist an der Sitzbank der Rush Titanio besonders?
Die Rush Titanio erhält einen Sitz komplett aus Alcantara, den MV Agusta als zertifizierte Weltneuheit bezeichnet. Er vereint Thermoverschweißung und Lasergravur in einem einzigen Bauteil.












