- Platz fünf in Silverstone mit 6,256 Sekunden Rückstand auf Sieger Raul Fernandez
- Sechstes Top-5-Ergebnis in zwölf Saisonrennen, WM-Rang sieben mit 163 Punkten
- Acosta verlangt von KTM Fortschritte innerhalb der Rennwochenenden und zuverlässige Motoren
Silverstone galt im Vorfeld nicht als Strecke, auf der KTM viel zu erwarten hatte. Der 5,9 Kilometer lange Kurs passt weder besonders gut zum Fahrstil von Pedro Acosta noch zur RC16, und im Vorjahr hatte der Spanier hier den direkten Einzug in Q2 verpasst. Entsprechend gedämpft waren die Erwartungen, als das Wochenende am Freitag mit zwei Stürzen begann. Am Sonntagnachmittag stand trotzdem ein Top-5-Ergebnis auf der Anzeigetafel, und Acosta nutzte den Moment, um über etwas zu sprechen, das ihn seit Monaten beschäftigt.

Wie kam Pedro Acosta in Silverstone auf Platz fünf?
Acosta startete von Position neun und arbeitete sich bereits in der ersten Rennrunde nach vorne. Am Ende der 20 Runden lag er als Fünfter 6,256 Sekunden hinter Sieger Raul Fernandez.
Der Auftakt in das Wochenende war holprig. Zwei Stürze am Freitag kosteten Vertrauen, und nach dem zweiten Sturz sei es „ziemlich schwierig“ gewesen, wieder in einen Rhythmus zu finden. Dennoch schaffte Acosta den direkten Sprung in Q2 und qualifizierte sich mit 0,722 Sekunden Rückstand auf Polesetter Jorge Martin für Startplatz neun. Gegenüber dem Vorjahr war das bereits eine spürbare Verbesserung.
Im Sprint zeigte sich dann, wo die Grenzen lagen. Acosta kam als Sechster ins Ziel, verlor dabei aber 10,745 Sekunden auf Sieger Martin. Der weiche Hinterreifen wurde zum bestimmenden Thema, und obwohl der KTM-Pilot ihn besser konservieren konnte als mancher Konkurrent, gaben die Aprilia-Fahrer an der Spitze klar das Tempo vor. Für den längeren Grand Prix blieb er trotzdem zuversichtlich: „Ich bin immer eher ein Fahrer für lange Rennen als für kurze.“
Am Sonntag fuhr das gesamte Feld mit dem harten Vorderreifen und der mittleren Mischung am Hinterrad. Acosta griff sofort an, kassierte noch vor der ersten Kurve die beiden VR46-Piloten und lag zwischenzeitlich auf Rang vier. In Runde sieben lief er auf Marc Marquez auf, den künftigen Teamkollegen, und ging ohne langes Zögern vorbei. Anschließend baute er einen kleinen Vorsprung auf und verteidigte ihn bis zur Zielflagge. Bemerkenswert war dabei weniger die Platzierung als das Tempo: Laut den Rundenzeiten fuhr Acosta nahezu identische Zeiten wie das Aprilia-Werksduo Martin und Bezzecchi, das auf dem Podium landete.
Die gewählte Strategie war dabei kein Zufall. Acosta belastete den Reifen früh stark und versuchte danach, das Ergebnis über die Distanz zu retten. Er beschreibt das nüchtern so: „But it was pretty much the only option I had… burn through the tires early on and then try to hang on until the end. It worked.“ Auf Deutsch: „Aber es war praktisch die einzige Option, die ich hatte, den Reifen früh zu verheizen und dann zu versuchen, bis zum Ende durchzuhalten. Es hat funktioniert.“ Fabio Di Giannantonio, der eine andere Herangehensweise wählte, kam am Ende nah heran, blieb als Sechster aber hinter ihm.
Warum kritisiert Acosta die Arbeitsweise von KTM?
Acosta stört ein wiederkehrendes Muster: Das Team komme am Freitag auf ein bestimmtes Niveau und bleibe dort bis zum Sonntag. Genau diesen Punkt hat er nach der ersten Saisonhälfte offen angesprochen.
Die Sommerpause nutzte der Spanier für ein Gespräch mit dem österreichischen Hersteller, das er selbst als unbequem beschreibt. „Nach dem Ende der ersten Saisonhälfte gab es einige unbequeme Fragen, die ich auf den Tisch gelegt habe“, erklärt er. Seine Kritik zielt weniger auf einzelne Ergebnisse als auf die Methode: „Wir fahren am Freitag auf die Strecke, sind dann auf dieser Position und bleiben bis Sonntag dort. Das kann nicht sein, nicht bei so vielen klugen Köpfen in einem MotoGP-Team.“
Konkret nennt Acosta zwei Bedingungen, die aus seiner Sicht erfüllt sein müssen, wenn KTM in der zweiten Saisonhälfte noch etwas erreichen will. Erstens die Fähigkeit, sich im Verlauf eines Rennwochenendes tatsächlich zu steigern. Zweitens Zuverlässigkeit, also keine weiteren technischen Ausfälle. Entscheidend war für ihn, wie die Mannschaft darauf reagierte. Die Kritik sei nicht als Angriff verstanden worden, sondern als Ausgangspunkt: „I’m happy because they took what I said the right way, not as criticism, but as a starting point for tackling the second half of the season.“ Übersetzt: „Ich bin froh, weil sie das, was ich gesagt habe, richtig aufgenommen haben, nicht als Kritik, sondern als Ausgangspunkt für die zweite Saisonhälfte.“
In Silverstone sieht Acosta einen ersten Beleg dafür, dass die Ansage gewirkt hat. Über das Wochenende hinweg habe sich die Mannschaft gesteigert, und das ausgerechnet auf einer Strecke, die ihm nicht liegt. Teammanager Aki Ajo zieht eine ähnliche Bilanz und nennt zugleich die nächste Baustelle: „The target is to now start the weekends better.“ Auf Deutsch: „Das Ziel ist jetzt, besser in die Wochenenden zu starten.“

Was steckt hinter den Motorenproblemen der RC16?
Die Zuverlässigkeitsforderung von Acosta hat einen konkreten technischen Hintergrund. In der ersten Saisonhälfte gingen die KTM-Motorräder mehrfach ohne Vorwarnung aus, am folgenschwersten beim Grand Prix in Barcelona.
Dort schaltete sich Acostas RC16 in Führung liegend ab, und der nachfolgende Alex Marquez fuhr auf. Als Vorsichtsmaßnahme reduzierte KTM anschließend die Drehzahl der Triebwerke. Motorsportchef Pit Beirer machte am Sachsenring ein fehlerhaftes Bauteil eines Zulieferers als Ursache aus. Er beschreibt es so: „We eventually discovered that we were using high-stress parts in the powertrain which did not meet the specified quality standards.“ Übersetzt: „Wir haben schließlich festgestellt, dass wir im Antriebsstrang hoch belastete Teile verwendet haben, die den vorgegebenen Qualitätsstandards nicht entsprachen.“
Hier greift ein Detail des Reglements, das die Sache verkompliziert: Versiegelte MotoGP-Motoren dürfen nur mit Zustimmung aller Mitglieder der Herstellervereinigung MSMA geöffnet werden. KTM stellte deshalb einen Sonderantrag, doch zunächst stimmte lediglich Aprilia zu. Erst rund um das Silverstone-Wochenende gaben auch Ducati, Honda und Yamaha grünes Licht. Der Hersteller bestätigte die Freigabe, wies aber darauf hin, dass in Silverstone weiterhin mit Übergangslösungen gefahren werde. Öffnen dürfen die Ingenieure die betroffenen Motoren erst in der Woche vor dem Aragon-Grand-Prix im Werk in Österreich, und das nur unter Aufsicht eines Offiziellen der Teamvereinigung IRTA. Damit vermeidet KTM, im weiteren Saisonverlauf zusätzliche Triebwerke einsetzen zu müssen, was einen Start aus der Boxengasse zur Folge hätte.
Das Ergebnis von Silverstone entstand also noch unter den alten Bedingungen, mit reduzierter Drehzahl auf einer schnellen Strecke.
Wo steht Pedro Acosta in der WM-Wertung?
Nach zwölf von 22 Grands Prix liegt Acosta mit 163 Punkten auf Rang sieben. Der Rückstand auf Ai Ogura, der die Gesamtwertung als Dritter anführt, beträgt 40 Punkte.
An der Spitze steht Jorge Martin mit 240 Punkten, der seinen Vorsprung mit dem zweiten Platz in Silverstone auf 31 Punkte ausbaute. Marco Bezzecchi folgt mit 209 Zählern. Das WM-Bild wird damit von Aprilia dominiert, die in Silverstone auch das komplette Podium stellte: Raul Fernandez vom Trackhouse-Team siegte vor Martin und Bezzecchi.
Für Acosta war Platz fünf das sechste Top-5-Ergebnis der Saison. Aus Sicht der WM-Tabelle brachte das Wochenende dennoch wenig Bewegung, weil auch die direkten Verfolger punkteten. Sein Ziel formuliert er trotzdem unverändert: „Es gibt die Möglichkeit, dass ich die Weltmeisterschaft als Dritter oder Vierter beenden.“
Auch für KTM als Marke war der Sonntag brauchbar. Brad Binder arbeitete sich von Startplatz 18 auf Rang acht vor und verbuchte damit sein zweitbestes Saisonergebnis. Pol Espargaro, der Maverick Viñales wegen dessen Schulterproblemen vertrat, kam als 14. ins Ziel und rückte nach einer Strafe für einen anderen Fahrer auf Platz 13 vor, was drei Punkte bedeutete. Enea Bastianini stürzte dagegen in der sechsten Runde aus dem Rennen. In der Herstellerwertung festigte KTM Rang drei.

Wie geht es für KTM in der zweiten Saisonhälfte weiter?
Der nächste Grand Prix findet vom 28. bis 30. August im MotorLand Aragon statt. Bis dahin sollen die betroffenen Motoren repariert sein.
Damit fällt die erste echte Bewährungsprobe für Acostas Zuverlässigkeitsforderung genau in dieses Wochenende. Ob sich mit den korrigierten Bauteilen auch die Leistung verändert, ist offen. Klar ist bislang nur, dass die Drehzahlreduzierung eine Vorsichtsmaßnahme war und keine Entwicklungsentscheidung.
Die zweite Forderung, sich innerhalb eines Wochenendes zu steigern, lässt sich schwerer abhaken. Sie betrifft die Arbeitsweise der Mannschaft und nicht ein einzelnes Bauteil. In Silverstone hat KTM den Nachweis erbracht, dass es funktionieren kann. Acosta selbst ordnet das Ergebnis entsprechend ein, ohne zu übertreiben: „Wir müssen zufrieden sein, denn es war ein Wochenende, von dem wir nichts erwartet haben. Unter die ersten Fünf zu kommen, ist da wirklich etwas, worüber man sich freuen kann.“ Auf die Frage nach seinen Erwartungen für Aragon antwortete er knapp, er habe keine.

Häufige Fragen
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Welchen Platz belegte Pedro Acosta beim Grand Prix von Großbritannien 2026?
Pedro Acosta wurde Fünfter, mit 6,256 Sekunden Rückstand auf Sieger Raul Fernandez. Er startete von Position neun und lag zwischenzeitlich auf Rang vier. Es war sein sechstes Top-5-Ergebnis in zwölf Saisonrennen.
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Was fordert Acosta von KTM?
Er nennt zwei Punkte: Das Team soll sich im Verlauf eines Rennwochenendes steigern können, und die Motoren sollen zuverlässig halten. Diese Forderungen hat er nach der Sommerpause offen im Team angesprochen. Nach seiner Darstellung wurde die Kritik dort konstruktiv aufgenommen.
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Warum durfte KTM seine MotoGP-Motoren nicht öffnen?
Versiegelte Motoren dürfen nur mit Zustimmung aller Hersteller in der MSMA geöffnet werden. Zunächst stimmte nur Aprilia dem Antrag von KTM zu, Ducati, Honda und Yamaha folgten erst rund um das Silverstone-Wochenende. Die Reparatur ist für die Woche vor dem Aragon-Grand-Prix vorgesehen.
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Auf welchem WM-Rang liegt Pedro Acosta nach Silverstone?
Acosta belegt mit 163 Punkten Rang sieben. Auf den drittplatzierten Ai Ogura fehlen 40 Punkte. Sein erklärtes Saisonziel ist ein Abschluss auf Platz drei oder vier.
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Wann findet das nächste MotoGP-Rennen statt?
Der Grand Prix von Aragon steht vom 28. bis 30. August im Kalender. Bis dahin soll KTM die betroffenen Motoren im Werk in Österreich instand gesetzt haben. Die Arbeiten dürfen nur unter Aufsicht der Teamvereinigung IRTA erfolgen.












