- Erster MotoGP-Sieg im 56. Start der Königsklasse, mit 1,017 Sekunden Vorsprung auf Jorge Martin
- Die 15 Podestplätze ohne Grand-Prix-Sieg waren zuvor ein Rekord in der Klasse
- Erster KTM-Sieg seit 2022 und dritter Erfolg der Marke auf der eigenen Hausstrecke
Es gibt Rennfahrer, bei denen niemand am Talent zweifelt und trotzdem jahrelang ein Ergebnis fehlt. Pedro Acosta war so ein Fall. Seit seinem Aufstieg in die MotoGP 2024 sammelte der Spanier Podestplätze, Bestzeiten und Schlagzeilen, aber keinen Sieg am Sonntag. Am 20. September 2026 endete diese Serie auf dem Red Bull Ring in Spielberg, ausgerechnet auf der Hausstrecke seines Arbeitgebers KTM und ausgerechnet nach einem Wochenende, das für ihn schon zweimal im Kies geendet hatte.

Wie hat Pedro Acosta den Grand Prix von Österreich gewonnen?
Acosta gewann das Rennen über 28 Runden mit 1,017 Sekunden Vorsprung auf Jorge Martin, nachdem er sich in den ersten neun Runden von Platz fünf an die Spitze gearbeitet hatte. Seine Siegzeit lag bei 42:16,996 Minuten, die schnellste Runde fuhr er in 1:29,533.
Der Start lief zunächst gegen ihn. Von Startplatz drei aus fiel Acosta in der ersten Kurve auf Rang fünf zurück, weil Marco Bezzecchi gut wegkam und auch Ai Ogura vorbeizog. Danach arbeitete er sich Stück für Stück nach vorn: Marc Marquez in Runde eins, Ogura in Runde zwei, Bezzecchi in Runde vier. In der achten Runde tauchte er in Kurve vier neben Sprintsieger Martin auf, beinahe wäre es zur Berührung gekommen. Eine Runde später gelang der Angriff am Ausgang von Kurve eins.
Von da an fuhr Acosta ein sehr kontrolliertes Rennen. Sein Vorsprung pendelte zwischen etwa 0,8 und 1,1 Sekunden, und wenn Martin näher kam, zog er das Tempo wieder leicht an. Er selbst beschreibt das als bewusste Entscheidung nach dem Samstag: Er habe versucht, den Abstand bei 0,5 bis 0,7 Sekunden zu halten, statt ihn größer zu machen als nötig, und dabei gleichzeitig auf den Spritverbrauch zu achten, was auf dieser Strecke nicht einfach sei.
Hinter ihm blieb Bezzecchi auf Rang drei, er kam seinem Teamkollegen Martin am Ende bis auf weniger als zwei Zehntel nahe, verzichtete aber auf einen Angriff. Ogura wurde Vierter, Marc Marquez kam mit rund sieben Sekunden Rückstand als Fünfter ins Ziel. Brad Binder fuhr die zweite KTM auf Platz sechs. In den Top Ten standen am Ende zwei KTM, drei Aprilia, vier Ducati und eine Honda, aber keine Yamaha.
Warum musste Acosta 56 Rennen auf den ersten Sieg warten?
Acosta brauchte 56 Starts in der Königsklasse, weil ihm in drei Jahren zwar regelmäßig Podestplätze gelangen, die KTM RC16 aber lange nicht das Niveau der Spitzenmotorräder erreichte. Vor Spielberg hatte er 15 Mal auf dem Podium gestanden, davon acht Mal als Zweiter und sieben Mal als Dritter, und hielt damit den Rekord für die meisten MotoGP-Podestplätze ohne Grand-Prix-Sieg.
Sein Debüt gab er 2024 im KTM-Satellitenteam Tech3, schon im zweiten Rennen in Portugal stand er auf dem Podium. Fünf Podestplätze in der Rookie-Saison, fünf weitere 2025 nach dem Wechsel ins Werksteam, fünf in den ersten 14 Rennen dieser Saison. Besonders nah dran war er in Austin und Indonesien 2024, in Ungarn, Indonesien und Malaysia 2025 sowie in Thailand, Ungarn und Aragon 2026.
Dazu kamen technische und wirtschaftliche Probleme bei KTM sowie zuletzt eine Motorenserie, die den Österreichern über Monate zu schaffen machte. Nach der Sommerpause ging es aufwärts, in Aragon und Misano war Acosta so nah am Sieg wie nie zuvor. Und er selbst leistete sich über die Jahre auch eigene Fehler, am auffälligsten in seiner Rookie-Saison in Japan nach einer Pole-Position.
Der Sieg am Red Bull Ring war nicht nur sein erster in der MotoGP, sondern der 17. Grand-Prix-Erfolg seiner WM-Karriere. Sechs davon holte er in der Moto3, elf in der Moto2. In beiden Klassen wurde er Weltmeister, in der Moto3 gleich in seiner Debütsaison 2021, in der Moto2 im Jahr 2023. Sein bis dahin letzter Grand-Prix-Sieg lag also fast drei Jahre zurück.

Was war am Samstag und im Warm-up passiert?
Acosta war am Samstag im Sprint in Führung liegend gestürzt und hatte am Sonntagmorgen im Warm-up ein zweites Mal Kies gesehen. Im Sprint hatte er sich gleich in der ersten Runde an die Spitze gesetzt und einen Vorsprung von rund 2,5 Sekunden herausgefahren, ehe er vor der Schikane den Bremspunkt verpasste. Den Sieg holte sich Martin.
Der Sturz im Warm-up war in seinen Folgen sogar der aufwendigere. Acosta zerstörte dabei nach eigener Aussage sein Renn-Motorrad, auch Binder ging zu Boden. Die Mechaniker mussten beide Maschinen in kurzer Zeit wieder aufbauen und ließen dafür das Mittagessen ausfallen. Nach Darstellung von KTM kamen zusätzlich Mechaniker aus dem Tech3-Team herüber und halfen mit, damit rechtzeitig zwei Motorräder bereitstanden.
Entsprechend angespannt ging Acosta ins Rennen. Er spricht offen darüber, wie groß die Angst vor einem dritten Fehler war: Der Patzer am Samstag sei riesig gewesen, der am Sonntagmorgen ebenfalls, und er habe schlicht keinen weiteren Fehler im Haus von KTM machen wollen. Sein Crew-Chief Paul Trevathan ordnete das Wochenende im offiziellen MotoGP-Feed so ein: „It’s been a bit of an up and down weekend. He had the speed. Yesterday was a disaster for him also. To come back like this now, fantastic. Just the kid, you know? He’s giving us everything. So, really, really proud.“ Auf Deutsch: „Es war ein Wochenende mit Höhen und Tiefen. Er hatte das Tempo. Gestern war auch ein Desaster für ihn. So zurückzukommen, fantastisch. Er ist eben der Junge, verstehst du? Er gibt uns alles. Wirklich, wirklich stolz.“
Die Siegesfeier in der Schikane
Statt einer klassischen Jubelrunde wählte Acosta eine Anspielung auf den eigenen Fehler. In genau der Schikane, in der er am Samstag gestürzt war, legte er seine RC16 nach der Zieldurchfahrt auf die rechte Seite und rollte sich am Boden ab. Die Streckenposten halfen ihm, das Motorrad wieder aufzustellen, Jack Miller schob ihn an, damit der Motor wieder lief. Eine andere Möglichkeit, diesen Sieg zu feiern, habe es für ihn nicht gegeben, sagte er danach.
Im Parc fermé fielen seine ersten Worte ruhiger aus. Er erinnere sich noch an seinen letzten Sieg in Indonesien in der Moto2, der erste sei immer etwas Besonderes. Und weiter: „It’s a nice way to close a circle with KTM, in front of all the Austrian fans. There were many KTM flags around. I’m super happy for them, because they deserve it more than me.“ Übersetzt: „Es ist eine schöne Art, den Kreis mit KTM zu schließen, vor all den österreichischen Fans. Überall waren KTM-Fahnen. Ich freue mich sehr für sie, denn sie haben es mehr verdient als ich.“

Was bedeutet der Sieg für KTM?
Für KTM war es der achte MotoGP-Sieg überhaupt und der erste seit 2022, als Miguel Oliveira bei Regen gewann. Ein Sieg auf trockener Strecke war der Marke zuletzt Anfang Juni 2022 in Barcelona gelungen, ebenfalls durch Oliveira.
Am Red Bull Ring selbst war es der dritte KTM-Erfolg nach Oliveira 2020 mit Tech3 und Brad Binder 2021 mit dem Werksteam. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil Ducati seit 2016 zehn der zwölf MotoGP-Rennen an diesem Ort gewonnen hatte. Acosta ist zudem der erste Fahrer in dieser Saison, der einen Grand Prix weder auf einer Ducati noch auf einer Aprilia gewonnen hat, und der 17. Spanier mit einem Sieg in der Königsklasse.
Den Hintergrund bildet ein schwieriger Sommer. Nach Angaben aus dem Umfeld des Herstellers kam es in den vergangenen Monaten zu sieben Motorschäden, weil ein Zulieferer eine fehlerhafte Charge von Leistungsteilen geliefert hatte. KTM musste die maximale Drehzahl zeitweise senken, bis die versiegelten Motoren geöffnet und die betroffenen Teile getauscht werden durften. Yamaha hatte 2020 eine vergleichbare Ausnahmegenehmigung wegen anfälliger Ventile erhalten.
Entsprechend groß war die Erleichterung an der Box. Motorsportdirektor Pit Beirer und der neue KTM-Chef Gottfried Neumeister verfolgten das Rennen nebeneinander und fielen sich nach der Zieldurchfahrt in die Arme. „Auf diesen Moment haben wir sehr lange gewartet. Der Druck nach dem schwierigen Sommer, jetzt der Sieg! Mir fehlen die Worte, ich bin baff“, sagte Beirer. Zur Einlage in der Schikane merkte er trocken an: „Scheinbar taugt es ihm, schnell zu fahren und sich dann hinzulegen. Diesmal hat er zumindest gewartet, bis das Rennen zu Ende ist.“ Die Schlussphase habe er kaum aushalten können: „Nachdem, was wir gestern erlebt haben, waren es wirklich harte 28 Runden. Wir haben die Sektoren in jeder Runde heruntergezählt.“
Neumeister hob die Arbeit der Mannschaft hervor und verwies darauf, dass nicht nur Acosta ein starkes Rennen gefahren sei, sondern auch Binder sich von weit hinten nach vorn gearbeitet habe. Noch vor der Siegerehrung kündigte Beirer eine ausgiebige Feier an, die in der Red Bull Energy Station vorbereitet wurde.
Wie geht es für Acosta und die Saison weiter?
Acosta rückte mit dem Sieg auf Rang vier der Weltmeisterschaft vor, mit 72 Punkten Rückstand auf Martin. An der Spitze steht Martin nach dem Wochenende bei 306 Punkten, dahinter folgen Marc Marquez mit 294 und Bezzecchi mit 264 Zählern.
Der Sieg hat für KTM allerdings einen bitteren Beigeschmack, denn Acosta verlässt die Marke zum Saisonende. Er hat für 2027 einen Mehrjahresvertrag beim Ducati-Werksteam unterschrieben, wo Marc Marquez sein Teamkollege wird. Acosta sieht darin genau den Grund, warum dieser Erfolg für ihn mehr bedeutet als ein normaler Sieg: Es sei emotionaler, im Haus von KTM und von Red Bull zu gewinnen. Er verwies außerdem darauf, wie sehr das Unternehmen im Vorjahr zu kämpfen hatte, um überhaupt in der Meisterschaft zu bleiben, und dass es nach der Insolvenz gelungen sei, das Potenzial des Motorrads zurückzugewinnen.
Aus dem Fahrerlager kam viel Zuspruch. Fabio Quartararo, Weltmeister von 2021, kommentierte den Erfolg mit einem Seitenhieb auf die Wartezeit: „It took a long time. It’s great for him, because crash in the Sprint, crash this morning, and he was the fastest all the weekend. So, this weekend he really deserved the victory.“ Übersetzt: „Es hat lange gedauert. Es ist großartig für ihn, denn Sturz im Sprint, Sturz heute Morgen, und er war das ganze Wochenende der Schnellste. Diesen Sieg hat er sich an diesem Wochenende wirklich verdient.“ Quartararos eigener Sonntag verlief gegenteilig, er blieb ohne Punkte.
Weiter geht die Saison 2026 vom 2. bis 4. Oktober mit dem Grand Prix von Japan in Motegi.

Häufige Fragen
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Wer hat den MotoGP-Grand-Prix von Österreich 2026 gewonnen?
Pedro Acosta hat den Großen Preis von Österreich am 20. September 2026 auf dem Red Bull Ring gewonnen. Es war sein erster Grand-Prix-Sieg in der MotoGP. Zweiter wurde Jorge Martin mit 1,017 Sekunden Rückstand, Dritter Marco Bezzecchi.
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Wie viele Rennen brauchte Pedro Acosta bis zum ersten MotoGP-Sieg?
Pedro Acosta gewann in seinem 56. Start in der Königsklasse und in seiner dritten MotoGP-Saison. Zuvor hatte er 15 Podestplätze gesammelt, acht zweite und sieben dritte Ränge. Damit hielt er den Rekord für die meisten MotoGP-Podestplätze ohne Grand-Prix-Sieg.
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Warum hat Pedro Acosta seinen Sieg mit einem gestellten Sturz gefeiert?
Acosta legte seine KTM nach der Zieldurchfahrt in genau der Schikane auf die Seite, in der er am Samstag den sicher geglaubten Sprintsieg verloren hatte. Es war eine bewusste Anspielung auf diesen Fehler. Nach eigener Aussage gab es für ihn keine andere Möglichkeit, diesen Sieg zu feiern.
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Wann hat KTM zuletzt ein MotoGP-Rennen gewonnen?
Vor Spielberg lag der letzte MotoGP-Sieg von KTM im Jahr 2022, damals gewann Miguel Oliveira bei Regen. Der letzte Erfolg auf trockener Strecke datierte von Anfang Juni 2022 in Barcelona, ebenfalls durch Oliveira. Insgesamt war es der achte MotoGP-Sieg der Marke.
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Zu welchem Team wechselt Pedro Acosta 2027?
Pedro Acosta verlässt KTM zum Ende der Saison 2026 und wechselt 2027 ins Ducati-Werksteam. Er hat dort einen Mehrjahresvertrag unterschrieben und wird Teamkollege von Marc Marquez.












