- Das Patent zeigt große, zurückgepfeilte Winglets, deren linke und rechte Seite unabhängig voneinander arbeiten.
- Die Steuerung stützt sich auf die bereits verbaute Sechs-Achsen-IMU, die Schräglage, Beschleunigung und Bremsverhalten erfasst.
- Als Gegner gilt die CFMoto V4 SR-RR, die mit mehr als 207 PS (rund 152 kW) und über 300 km/h angekündigt ist.
Winglets haben sich an sportlichen Motorrädern etabliert, und die Entwicklung geht inzwischen einen Schritt weiter. Immer mehr Marken arbeiten an beweglichen Flügeln, die je nach Fahrsituation ihre Wirkung verändern, statt starr am Bug zu sitzen. In dieses Feld drängt nun auch QJMotor: Ein frisch veröffentlichtes Patent zeigt, dass der Hersteller an einem Superbike mit aktiver Aerodynamik arbeitet, das sich technisch an der Konkurrenz aus dem eigenen Land orientiert.

Was zeigt das neue QJMotor-Patent?
Das Patent zeigt eine Draufsicht auf den vorderen Bereich eines Superbikes mit großen, zurückgepfeilten Winglets, um die es im Dokument geht. Das vollständige Motorrad ist darin nicht abgebildet. QJMotor beschreibt darin eine „control method and system for motorcycle wings“ (deutsch: eine Steuerungsmethode und ein System für Motorradflügel), das den Zustand des Motorrads überwacht und die Position der Flügel entsprechend anpasst. Der Ansatz erinnert an die CFMoto V4 SR-RR, die im vergangenen Jahr als Prototyp auf der EICMA in Mailand zu sehen war.
Wie funktionieren die beweglichen Winglets?
Die Winglets lassen sich links und rechts unabhängig voneinander verstellen, sodass beide Seiten unterschiedliche Winkel einnehmen können. Damit wirkt das System ähnlich wie die Querruder eines Flugzeugs und kann die Roll- und Schräglage des Motorrads beeinflussen. Feste Winglets und selbst bewegliche Flügel, die sich nur gemeinsam verstellen, entfalten ihren Nutzen vor allem auf der Geraden, wo sie das Vorderrad am Boden halten und das Aufsteigen unter Beschleunigung dämpfen. Durch die getrennte Ansteuerung wird die Aerodynamik dagegen auch in Kurven nutzbar, etwa um zusätzlichen Abtrieb zu erzeugen oder das Vorderrad durch die Kurve zu ziehen. Bislang setzt mit der Bimota KB998 Rimini nur ein Serienmotorrad bewegliche Flügel ein, und das in vergleichsweise begrenzter Form: Sie ändern lediglich ihren Anstellwinkel, um bei niedrigem Tempo und beim Bremsen mehr Abtrieb zu liefern und bei hohem Tempo den Luftwiderstand zu senken.

Welche Rolle spielt die Sechs-Achsen-IMU?
Die nötigen Daten liefert die Sechs-Achsen-IMU, die in modernen Motorrädern ohnehin verbaut ist. Solche Messeinheiten stellen bereits Informationen für Kurven-ABS und schräglagenabhängige Traktionskontrolle bereit und erfassen in Echtzeit Beschleunigung, Bremsverhalten, Nick-, Roll- und Gierbewegungen. In Kombination mit Werten wie Geschwindigkeit, Gasgriffstellung und Bremsdruck stehen damit alle Daten zur Verfügung, die eine rechnergesteuerte Flügelsteuerung benötigt.
Wie reagiert das System beim Bremsen und bei Wheelies?
Bei einer Notbremsung stellt das System die Winglets so, dass der Abtrieb steigt und die Flügel zusätzlich als Luftbremse wirken. Das Patent enthält ein Ablaufdiagramm, das zeigt, welche Prüfungen und Reaktionen der Rechner mehrere hundert bis tausend Mal pro Sekunde durchläuft. Erkennt das System einen Wheelie, verändert es den Winkel so, dass die Front wieder nach unten gedrückt wird. In Kurven arbeiten die linke und die rechte Seite unabhängig, abhängig von Schräglage und Rollrate des Motorrads.

Wie schlägt sich QJMotor gegen die CFMoto V4 SR-RR?
Auf dem Papier liegt die CFMoto V4 SR-RR klar vorn, weshalb QJMotor an einer aufgewerteten Maschine arbeitet. Die V4 SR-RR wurde als Prototyp mit einem 997-cm³-V4-Motor gezeigt und soll mehr als 207 PS (rund 152 kW) leisten. Die aktive Aerodynamik soll in Echtzeit auf Geschwindigkeit und Fahrsituation reagieren, für Stabilität sorgen, den Luftwiderstand senken und eine Höchstgeschwindigkeit von über 300 km/h (186 mph) ermöglichen. Am Messestand bewegten sich die großen Flügel unabhängig voneinander. Die CFMoto-Steuerung sieht in der einfachsten Form einen flachen Winkel von mehr als 0, aber weniger als 10 Grad beim Anfahren vor, um den Luftwiderstand gering zu halten. Bei hohem Tempo steigt der Winkel auf 10 bis 20 Grad, um den Auftrieb an der Front auszugleichen. Beim Bremsen klappen die Flügel auf 45 bis 90 Grad und erhöhen so Abtrieb und Verzögerung.
QJMotor war die erste chinesische Marke, die ein Superbike der Literklasse zeigte, zunächst unter dem Namen SRK1000RR. Inzwischen trägt das Modell die Bezeichnung SRK1051RR und basiert auf dem früheren Reihenvierzylinder von MV Agusta, dessen Fertigungsrechte QJMotor vor einigen Jahren übernommen hat. In Serie ist die SRK1051RR bislang nicht, und frühere Abbildungen zeigten sie ohne aerodynamische Anbauteile.
Wie sieht QJMotors aktuelle Vierzylinder-Palette aus?
QJMotor hat seine Sportpalette zuletzt um drei Vierzylinder-Modelle erweitert: die SRK 800, die SRK 800RR und die SRK 921. Vorgestellt wurden sie über die Rennsportstruktur QJMotor-MSi während des MotoGP-Laufs in Katalonien. Die SRK 800 ist als vielseitiges Naked Bike mit einem 778-cm³-Reihenvierzylinder positioniert, der 95,2 PS (70 kW) und 75 Nm (55 lb-ft) liefert. Die SRK 800RR rückt näher an die Supersport-Welt, orientiert sich an den Superbike-Maschinen der Marke und trägt eine aerodynamisch gestaltete Verkleidung mit Front-Winglets. Sie nutzt denselben Reihenvierzylinder, dazu ein Aluminium-Monocoque mit tragendem Motor sowie eine Sechs-Achsen-IMU und Kurven-ABS; den Sprint von 0 auf 100 km/h gibt QJMotor mit drei Sekunden an. An der Spitze steht die SRK 921, ein Streetfighter mit einem 921-cm³-Reihenvierzylinder, der 129,3 PS (95 kW) und 93 Nm (69 lb-ft) leistet und damit das bislang leistungsstärkste Naked Bike der Marke ist. Gezeichnet wurde sie von Adrian Morton vom Designstudio C-Creative, das historisch mit MV Agusta verbunden ist.

Die SRK 800 soll zunächst auf dem spanischen Markt starten, ab 7.499 Euro (circa 8.580 US-Dollar), während die SRK 800RR und die SRK 921 im Juli folgen sollen. Für die gesamte SRK-Reihe nennt der Hersteller eine sechsjährige Werksgarantie.
Warum halten sich die etablierten Hersteller zurück?
Bislang haben die etablierten Hersteller aus Japan und Europa noch nicht mit eigenen Serienmodellen reagiert, obwohl gleich zwei chinesische Marken diese Technik vorantreiben. Offen ist, ob die Konkurrenz abwartet und eigene Modelle mit aktiven Flügeln zurückhält oder ob sie Gefahr läuft, von den Neueinsteigern überholt zu werden. Aus dem Kreis der etablierten Marken hat unter anderem BMW bereits Patente zu beweglichen Winglets eingereicht. Damit reiht sich das QJMotor-Patent in einen breiteren Trend ein, bei dem aktive Aerodynamik zu einem neuen technischen Wettbewerbsfeld im Segment der Seriensportler wird.

Häufige Fragen
-
Was ist das QJMotor-Superbike mit aktiver Aerodynamik?
Es handelt sich um ein noch nicht in Serie gebautes Superbike, für das QJMotor ein Patent zu beweglichen Winglets eingereicht hat. Die QJMotor aktive Aerodynamik sieht Flügel vor, die sich links und rechts unabhängig verstellen und über die Sechs-Achsen-IMU gesteuert werden.
-
Wie unterscheiden sich bewegliche von festen Winglets?
Feste Winglets wirken vor allem auf der Geraden, indem sie Abtrieb erzeugen und das Vorderrad am Boden halten. Bewegliche Winglets können ihren Winkel je nach Fahrsituation ändern und bei getrennter Ansteuerung auch in Kurven, beim Bremsen und bei Wheelies eingreifen.
-
Was kann die CFMoto V4 SR-RR?
Die CFMoto V4 SR-RR wurde als Prototyp mit einem 997-cm³-V4-Motor und mehr als 207 PS (rund 152 kW) gezeigt. Sie soll über 300 km/h (186 mph) erreichen und nutzt eine aktive Aerodynamik mit unabhängig beweglichen Flügeln.
-
Welche QJMotor-Modelle gibt es aktuell?
Aktuell umfasst die Sportpalette die SRK 800 mit 95,2 PS (70 kW), die stärker auf die Rennstrecke ausgelegte SRK 800RR und die SRK 921 mit 129,3 PS (95 kW). Die SRK 800 startet in Spanien ab 7.499 Euro (circa 8.580 US-Dollar).











