- Klärendes Meeting in der Woche vor dem Grand Prix von San Marino
- Yamaha bleibt dabei: Der Pirelli-Test nach dem Österreich-GP findet ohne Quartararo statt
- Im ersten freien Training in Misano war Quartararo als Neunter bester Yamaha-Fahrer
Ende August war die Stimmung zwischen Fabio Quartararo und Yamaha auf einem Tiefpunkt angekommen. Beim Grand Prix in Aragon ging im Sprint in der fünften Runde der Motor der M1 in Rauch auf, im Rennen kam der Franzose als Letzter auf Platz 18 ins Ziel, mit mehr als 51 Sekunden Rückstand auf Sieger Marc Marquez. Danach erklärte Quartararo öffentlich, an den Rennwochenenden nicht länger als Testfahrer für Yamaha arbeiten zu wollen. Vor dem Wochenende in Misano klingt er deutlich ruhiger, ohne seine Position in der Sache aufzugeben.

Was wurde bei der Aussprache zwischen Quartararo und Yamaha besprochen?
Der Inhalt bleibt intern. Quartararo bestätigte lediglich, dass sich Fahrer und Hersteller in der Woche vor dem Grand Prix von San Marino zusammengesetzt haben und die Angelegenheit damit erledigt sei.
Auf die Frage, ob er seine Aussagen inzwischen bereue, wich der Weltmeister von 2021 am Donnerstag im Fahrerlager von Misano aus. „Es geht nicht darum, ob man etwas bedauert oder nicht. Aufgrund der Frustration haben wir möglicherweise Dinge gesagt, die nicht richtig waren“, räumte er ein. „Wir hatten letzte Woche ein gemeinsames Meeting. Wir haben alles geklärt.“ Was in diesem Gespräch gesagt wurde, wollte er nicht erzählen. Es handle sich um eine interne Angelegenheit. Auffällig ist die Wortwahl: Quartararo spricht durchgehend in der Wir-Form und nimmt damit beide Seiten in die Verantwortung, nicht nur sich selbst.
Wie bewertet Yamaha die Kritik von Quartararo?
Yamaha sieht die Sache als abgeschlossen an, betont aber, dass Quartararo die Tragweite seiner Worte erkannt habe. Teammanager Massimo Meregalli äußerte sich am Freitagmorgen während des ersten freien Trainings gegenüber dem Pitlane-Reporter der MotoGP-Übertragung.
„I think Fabio understood the weight of his words after Aragon GP“, sagte Meregalli, auf Deutsch: „Ich denke, Fabio hat nach dem Aragon-GP das Gewicht seiner Worte verstanden.“ Man habe alles geklärt, als der Fahrer am Donnerstag eingetroffen sei. Wichtig sei nun, bis zum Jahresende so professionell wie möglich zu arbeiten. Was in Aragon passiert ist, gehört aus Sicht des Teammanagers der Vergangenheit an. Auch Paolo Pavesio, bei Yamaha als Managing Director Motor Racing für den Rennsport verantwortlich, äußerte sich in Misano in gleicher Richtung. Beide Seiten ziehen damit die gleiche Linie: getrennte Meinungen ja, öffentlicher Schlagabtausch nein.
An der Arbeitsweise will Yamaha nichts ändern. Meregalli betonte, Quartararo werde Neuerungen weiterhin sofort bekommen, sobald sie verfügbar seien. So habe man es immer gehalten, und so werde man die Saison auch zu Ende bringen.

Warum darf Quartararo die Pirelli-Reifen nicht testen?
Yamaha verweigert Quartararo die Teilnahme am Reifentest am Montag nach dem Grand Prix in Spielberg, weil der Hersteller seinen Testplan anders aufgestellt hat. Genau diese Entscheidung war der eigentliche Auslöser des gesamten Konflikts.
Ab 2027 rüstet die MotoGP auf Pirelli um. Der Test am Red Bull Ring wäre für Quartararo die Gelegenheit gewesen, sich vor seinem Wechsel ein erstes Bild von den neuen Reifen zu machen. Meregalli begründete die Absage damit, dass Yamaha grundsätzlich bereit gewesen wäre, den scheidenden Fahrer testen zu lassen, wenn alle Hersteller so verfahren wären. Da das nicht der Fall gewesen sei, habe man den Plan anders festgelegt. Yamaha schickt beim zweiten 850er-Test mit Pirelli-Reifen voraussichtlich das künftige Pramac-Duo Toprak Razgatlioglu und Neuling Izan Guevara auf die Strecke. Jorge Martin und Ai Ogura, die 2027 ins Werksteam rücken, dürften ebenfalls fehlen, weil sie derzeit noch für Aprilia fahren.
Dass sich daran auch nach der Aussprache nichts geändert hat, bestätigte Quartararo selbst knapp mit den Worten: „Nein, keine Änderungen.“ Der Streit ist damit in der Form beigelegt, in der Sache aber nicht.
Der Frust über die M1 bleibt bestehen
Quartararo macht keinen Hehl daraus, dass seine Unzufriedenheit mit dem Motorrad unverändert groß ist. In Aragon hatte er mehrfach neue Komponenten vergleichen müssen, darunter ein neues Chassis und einen Umlenkhebel, und war jedes Mal zu einem negativen Urteil gekommen.
„An schwierige Momente gewöhnt man sich nie“, sagte er in Misano. Frust entstehe immer dann, wenn man nicht erreiche, was man sich vornehme, und daran ändere auch das Wissen nichts, dass das aktuelle Paket nicht auf dem gewünschten Niveau liege. Seinen Ehrgeiz sieht er dabei als Ursache und Antrieb zugleich: „Ich selbst bin konkurrenzfähig, und ich will kämpfen.“ Wäre ihm die Sache gleichgültig, würde er keine Rennen mehr fahren wollen. Sein eigenes Fazit fällt selbstkritisch aus: „Ich muss einfach die richtigen Dinge zur richtigen Zeit sagen.“ Künftig will er den Ärger an anderer Stelle loswerden. „Ja, aber vielleicht muss ich es herauslassen, wenn ich allein im Motorhome bin. Gegenüber euch muss ich mich freundlicher ausdrücken“, sagte der 27-Jährige.

Arbeitet Quartararo wieder mit einem Sportpsychologen?
Aktuell nicht. Quartararo hat in der Vergangenheit mit Sportpsychologen gearbeitet, sieht dafür im Moment aber keinen Anlass, weil er die Ursache seines Frusts eindeutig beim Motorrad verortet.
Begonnen hatte diese Zusammenarbeit in seiner Moto2-Zeit, und sie hatte damals wenig mit der Technik zu tun, sondern mit ihm selbst. Sechs- oder siebenmal sei er dort gewesen, vielleicht auch öfter, seit rund anderthalb Jahren jedoch nicht mehr. „Mein Gefühl ist gut, ich fühle mich nur momentan nicht gut mit dem Motorrad“, beschrieb er seine Lage. Wann der richtige Zeitpunkt für professionelle Unterstützung gekommen ist, erkennt er nach eigener Aussage selbst: „Man spürt es, wenn man hingehen muss.“ Diesen Punkt sieht er derzeit nicht erreicht.
Was ist für Quartararo in Misano möglich?
Realistisch ist eine leichte Verbesserung gegenüber Aragon. Niedrigere Temperaturen, ordentlicher Grip und ein moderater Reifenverschleiß kommen der Yamaha auf dem Misano World Circuit Marco Simoncelli entgegen.
Im ersten freien Training am Freitag lief es entsprechend besser: Quartararo war als Neunter schnellster Yamaha-Pilot. Die Motorleistung bleibt trotzdem ein Faktor. Der Franzose widersprach der Annahme, auf dem verwinkelten Kurs falle die Leistung weniger ins Gewicht: „Nein, diese ist auch hier sehr wichtig.“ Die Start-Ziel-Gerade sei zwar kurz, doch auf der Gegengeraden und auf dem Abschnitt in der Streckenmitte werde ebenfalls der sechste Gang gebraucht. Große Sprünge erwartet er nicht: „Es gibt keine Magie, die uns mehr Leistung verschafft. Wir werden mit dem arbeiten, was wir haben.“
Emotional ist das Wochenende für ihn ohnehin besonders. In Misano sicherte sich Quartararo vor fünf Jahren den WM-Titel. „Natürlich bedeutet es mir immer etwas, weil es der wichtigste Moment meiner Karriere war“, sagte er über den Ort seines größten Erfolgs.
Die Episode fügt sich in eine Saison 2026 ein, die für Yamaha und Quartararo vor allem eine Übergangssaison ist. Nach acht gemeinsamen Jahren trennen sich die Wege zum Jahresende, der Franzose wechselt 2027 zu Honda, während Jorge Martin und Ai Ogura das Yamaha-Werksteam übernehmen. Bis dahin stehen beide Seiten vor der Aufgabe, eine sportlich schwierige Phase ohne weitere öffentliche Auseinandersetzungen zu Ende zu bringen.

Häufige Fragen
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Warum gab es Streit zwischen Quartararo und Yamaha?
Auslöser war die Entscheidung von Yamaha, Quartararo nicht am Pirelli-Test nach dem Österreich-GP teilnehmen zu lassen. Nach dem Aragon-GP erklärte der Franzose daraufhin, nicht weiter bei der Entwicklung für 2027 helfen zu wollen. Yamaha kritisierte diese Haltung öffentlich.
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Ist der Streit zwischen Quartararo und Yamaha beigelegt?
Ja, formal ist er das. Beide Seiten führten in der Woche vor dem Grand Prix von San Marino ein klärendes Gespräch, dessen Inhalt intern bleibt. Am strittigen Punkt, der Teilnahme am Pirelli-Test, hat sich allerdings nichts geändert.
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Wer testet bei Yamaha die Pirelli-Reifen für 2027?
Beim zweiten Test mit den 850er-Maschinen und Pirelli-Reifen setzt Yamaha voraussichtlich Toprak Razgatlioglu und Izan Guevara ein, die 2027 das Pramac-Team bilden. Auch Jorge Martin und Ai Ogura dürften den Test verpassen.
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Wann verlässt Quartararo Yamaha?
Quartararo fährt noch die Saison 2026 zu Ende und wechselt 2027 zu Honda. Damit endet eine acht Jahre lange Zusammenarbeit, in der er 2021 den WM-Titel gewann.











