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Motorcycles.News – Motorrad Magazin
Startseite » Großbritannien will Motorrad-Umbauten bestrafen, doch Belege fehlen
Lange Kolonne von Metropolitan-Police-Beamten in gelb-schwarzer Uniform auf Sur-Ron-Ultra-Bee-Polizeimotorraedern faehrt auf der baumgesaeumten Prachtstrasse The Mall in London
Met-Police-Kolonne mit Sur-Ron Ultra Bee auf The Mall in London 2026
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Großbritannien will Motorrad-Umbauten bestrafen, doch Belege fehlen

By Andreas Denner25 September, 2026
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Die britische Regierung will umgebaute Motorräder, Roller und Mopeds erstmals unter ein Abgasgesetz stellen, das bislang nur für Autos, Transporter, Lkw und Busse gilt. Auf Nachfrage hat das Verkehrsministerium schriftlich bestätigt, dass es für diesen Schritt keine eigenen Analysen oder Belege hat.
  • Betroffen wären nach bisherigem Stand alle Motorräder mit Erstzulassung ab dem 1. Januar 2001
  • Bei Verstößen drohen Geldstrafen ab 1.000 Pfund (circa 1.165 Euro / 1.330 US-Dollar) bis in unbegrenzter Höhe
  • Das Gesetz könnte im Sommer 2027 verabschiedet werden und nach sechs Monaten Übergangszeit greifen

Ein anderer Auspuff, ein neu abgestimmtes Motorsteuergerät oder ein entfernter Katalysator sind für viele Motorradfahrer in Großbritannien Alltag. Genau diese Umbauten könnten künftig strafbar werden. Das Department for Transport (DfT), also das britische Verkehrsministerium, will eine bestehende Abgasvorschrift verschärfen und auf Fahrzeuge der Klasse L ausweiten. Dazu gehören Motorräder, Roller, Mopeds, Trikes und Quads. Der britische Motorradfahrerverband Motorcycle Action Group (MAG) hat daraufhin beim Ministerium nachgefragt, auf welche Daten sich diese Ausweitung stützt. Die Antwort fiel knapp aus: Es gibt keine. Für Motorradfahrer in Großbritannien ist es eines der Vorhaben, die den Umgang mit bereits zugelassenen Maschinen und dem Gebrauchtmarkt grundlegend verändern könnten.

Detailansicht der schwarzen Dr. Jekill & Mr. Hyde Auspuffanlage am Indian Chief 2026 mit Messing-Markenplakette und luftgekühltem Thunderstroke-Motor
Dr. Jekill & Mr. Hyde Auspuffanlage am Indian Chief (2026)

Was plant die britische Regierung bei den Abgasregeln?

Die Regierung will gesetzlich festschreiben, dass jedes Fahrzeug sein ganzes Leben lang die Abgasgrenzwerte einhält, die bei Bau und Erstzulassung galten. Grundlage ist eine öffentliche Konsultation mit dem Titel „Regulating environmental impact of in-use emissions of road vehicles“. Das DfT hat sie am 6. Juli 2026 veröffentlicht, und sie lief bis zum 6. September 2026.

Im Mittelpunkt steht Regulation 61A der Road Vehicles (Construction and Use) Regulations 1986. Diese Vorschrift wurde im Jahr 2000 eingeführt und gilt für Fahrzeuge, die ab dem 1. Januar 2001 erstmals genutzt wurden. Sie verlangt, dass Fahrzeuge im Betrieb die Euro-Norm erfüllen, nach der sie gebaut wurden. Bei Autos ist sie der Grund, warum bei der britischen Hauptuntersuchung MOT die Abgase gemessen werden.

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Das Problem aus Sicht des Ministeriums ist eine Lücke. Die Vorschrift wurde nur bis zur Norm Euro 4 für Pkw und Euro V für schwere Nutzfahrzeuge nachgeführt. Für neuere Fahrzeuge nach Euro 5, Euro 6 oder Euro VI gibt es keine Pflicht, die Abgasreinigung funktionsfähig zu halten. Diese Lücke will das DfT schließen und gleichzeitig Motorräder erstmals einbeziehen, denn für die Klasse L galt Regulation 61A noch nie.

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Wichtig ist dabei: Niemand verlangt, dass ein älteres Motorrad nach Euro 3 plötzlich die Werte von Euro 5+ erreicht. Maßstab bleibt immer die Norm, nach der die einzelne Maschine gebaut und zugelassen wurde.

Umgesetzt werden soll das über bereits bestehende Paragrafen des Road Traffic Act 1988. Paragraf 42 betrifft die Nutzung eines Fahrzeugs, das nicht den Bau- und Betriebsvorschriften entspricht. Paragraf 75 regelt Änderungen an Fahrzeugen, und Paragraf 76 betrifft das Einbauen oder Liefern ungeeigneter Fahrzeugteile. Je nach Fall sind nach einer Verurteilung vor einem Magistrates‘ Court, also einem britischen Amtsgericht, Geldstrafen von 1.000 Pfund (circa 1.165 Euro / 1.330 US-Dollar) bis zu einer unbegrenzten Summe möglich.

Verboten wären damit drei Dinge: ein Fahrzeug zu fahren, das die Abgasnorm nicht mehr erfüllt, die Nutzung eines solchen Fahrzeugs zuzulassen und ein Fahrzeug selbst so umzubauen oder umbauen zu lassen, dass es die Norm verfehlt.

Welche Umbauten am Motorrad wären betroffen?

Betroffen wäre jeder Umbau, durch den ein Motorrad mehr Schadstoffe ausstößt, als bei seiner Zulassung erlaubt war. Das gilt ausdrücklich auch dann, wenn die höheren Werte gar nicht beabsichtigt waren.

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Das Ministerium betont, dass es nicht alle Umbauten verbieten will. In der Konsultation wird das Verändern von Fahrzeugen als legitime Praxis beschrieben, die Tuner, Werkstätten und Enthusiasten weltweit pflegen. Auch Nachbauteile statt Originalteilen sollen nicht grundsätzlich verboten werden. Entscheidend ist laut DfT allein, wie sich ein Umbau an Hardware oder Software auf die Abgaswerte auswirkt.

Einige Eingriffe will das Ministerium aber immer als illegal einstufen. Dazu gehören das Entfernen von Partikelfiltern, das Ausbauen des Katalysators, oft zusammen mit veränderten Sensoren oder einer neuen Motorsoftware, sowie Manipulationen an der Abgasnachbehandlung von Dieselfahrzeugen. Für Motorräder ist vor allem der Katalysator relevant.

In der Praxis könnten damit mehrere verbreitete Umbauten zum Problem werden: sogenannte Decat-Rohre, die den Katalysator ersetzen, andere Auspuffanlagen und veränderte Kennfelder des Motorsteuergeräts, im Fachjargon Remap genannt. Typgenehmigte Endschalldämpfer sollen nach bisherigen Einschätzungen nicht betroffen sein.

Hinzu kommt ein zweiter Punkt. Das Ministerium will nicht unterscheiden, ob zu hohe Abgaswerte durch einen Umbau oder durch schlechte Wartung entstehen. Mit zunehmendem Alter können die Systeme zur Abgasreinigung nachlassen, ohne dass der Fahrer es bemerkt. Wer ein älteres Motorrad fährt, könnte also unwissentlich gegen die Regeln verstoßen.

Besonders heikel ist das für Käufer von Gebrauchtmotorrädern. Nach Darstellung der MAG trifft die geplante Regel nicht den Umbau selbst, sondern die Nutzung. Wer eine gebrauchte Maschine mit Zubehörauspuff oder geänderter Motorsoftware kauft, könnte demnach bei jeder Fahrt gegen das Gesetz verstoßen, auch wenn er den Umbau weder selbst vorgenommen hat noch von einem Verstoß wusste. Einen Bestandsschutz für bereits vorhandene Umbauten sieht der Entwurf nicht vor.

Geparkte Motorräder in London
Hackney London Motorrad Parkgebuehren 2026

Warum sollen Motorräder überhaupt einbezogen werden?

Das Verkehrsministerium begründet die Ausweitung nicht mit konkreten Daten, sondern mit einem möglichen Problem. In der Konsultation räumt das DfT ein, nur begrenzte Erkenntnisse zu den Abgasen von Motorrädern im Alltagsbetrieb zu haben.

Da Motorräder aber grundsätzlich zu überhöhten Emissionen beitragen könnten, habe das Ministerium keinen klaren politischen oder technischen Grund gefunden, sie auszunehmen. Deshalb sollen sie einbezogen werden.

Die Belege, die das Ministerium in der Konsultation nennt, betreffen vor allem Autos. Eine Studie mit Messgeräten am Straßenrand hat mehr als 94.000 Fahrzeuge in mehreren britischen Städten erfasst. Dabei hielten weniger als 1 von 10 Pkw die offiziellen Grenzwerte für Stickoxide ein. Rund zwei Drittel der Diesel-Pkw nach Euro 5 und Euro 6 stießen mehr als das Dreifache der erlaubten Menge aus. Außerdem gingen bei der Marktüberwachung der britischen Fahrzeugbehörde DVSA im Jahr 2024 insgesamt 331 Hinweise auf manipulierte Abgassysteme ein. Motorradspezifische Zahlen enthält die Konsultation nicht.

Was das Verkehrsministerium schriftlich eingeräumt hat

Die MAG wollte wissen, worauf sich die Ausweitung auf Motorräder stützt. Am 27. Juli 2026 stellte der Verband eine Anfrage nach den Environmental Information Regulations 2004. Das ist ein britisches Gesetz, das Bürgern Zugang zu Umweltinformationen von Behörden gibt. Das Ministerium antwortete am 18. August 2026 unter dem Aktenzeichen EIR-00075203.

Auf die Frage nach den Belegen für die Einbeziehung von Motorrädern schrieb das DfT: „This information is not held; the Department holds no analysis or evidence of this kind that was relied upon in developing the proposal.“ Auf Deutsch: „Diese Informationen liegen nicht vor; das Ministerium verfügt über keine Analysen oder Belege dieser Art, auf die sich der Vorschlag bei seiner Entwicklung gestützt hat.“

Auch bei den weiteren Fragen musste das Ministerium passen:

  • Es gibt keine Analyse, die überhöhte Abgaswerte auf schlechte Wartung oder gezielte Manipulation zurückführt. Andere mögliche Ursachen wären etwa die Abstimmung ab Werk, Eigenheiten der Prüfzyklen bei der Zulassung oder normaler Verschleiß von Bauteilen.
  • Es gibt keinen Vergleich, wie häufig manipuliert wird und wie gut die Grenzwerte eingehalten werden, zwischen Fahrzeugen, die bereits unter die Regel fallen, und neueren Fahrzeugen.
  • Es gibt keine Einschätzung, wie viele Motorräder betroffen wären und welche Folgen das für den Gebrauchtmarkt, die Ersatzteilversorgung und die Tuning-Branche hätte.

Das Ministerium stellte zudem klar, dass es nicht davon ausgeht, dass Motorräder ein weit verbreitetes Abgasproblem haben. Der Vorschlag beruhe darauf, dass auch Motorräder bei der Zulassung Abgasnormen erfüllen müssen und daher im Betrieb zu höheren Emissionen beitragen könnten. Dem DfT sind nach eigenen Angaben Forschungsarbeiten wie das europäische Projekt Horizon Europe LENS zu Abgasen, Lärm und Manipulation bei Fahrzeugen der Klasse L bekannt. Bekannt ist ihm auch, dass es einen Markt für Motorradumbauten gibt. In die Analyse für den Vorschlag sei beides aber nicht eingeflossen.

Ein internes Papier, auf das sich die Konsultation beruft, hält das Ministerium unter Verweis auf interne Kommunikation zurück. Freigegeben wurde nur eine einzelne Zahl daraus: Die Stickoxid-Emissionen in Großbritannien sind zwischen 2010 und 2020 um 44 Prozent gesunken. Diese Angabe bezieht sich auf den gesamten Fahrzeugbestand und nicht speziell auf Motorräder.

Colin Brown, bei der MAG für Kampagnen und politische Arbeit zuständig, kritisiert die Begründung des Ministeriums deutlich. Er sagt: „Riders deserve better than being brought into a new criminal offence on a shrug.“ Auf Deutsch: „Motorradfahrer verdienen Besseres, als mit einem Schulterzucken in einen neuen Straftatbestand gedrängt zu werden.“ Für ihn ist das Fehlen eines Grundes zum Ausnehmen kein Beleg, sondern eine Umkehr der Beweislast.

Das Ministerium verweist seinerseits darauf, dass es die MAG bereits am 5. Juni 2026 vor dem Start der Konsultation per E-Mail kontaktiert und zu Fragen eingeladen habe. Die MAG erklärt dazu, dass diese einzelne E-Mail im zentralen Postfach untergegangen sei und das Ministerium nicht nachgefasst habe.

Ein Metropolitan-Police-Beamter in gelber Warnweste sitzt auf seinem gelb-schwarzen Sur-Ron-Ultra-Bee-Polizeimotorrad mit Aufschrift Police vor einer roten Londoner Telefonzelle
Met-Police-Beamter mit Sur-Ron Ultra Bee vor roter Telefonzelle in London 2026

Wie sauber sind Motorräder in Großbritannien laut vorhandenen Daten?

Die wenigen verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass Motorräder beim Abgas kein großes Problem darstellen. Die Zahlen stammen allerdings nicht vom Verkehrsministerium, sondern aus London.

Messungen der Londoner Verkehrsbehörde Transport for London zeigen, dass rund 97 Prozent der Motorräder, Roller und Mopeds, die in die Londoner Ultra Low Emission Zone fahren, deren Vorgaben erfüllen. Nur etwa 3 Prozent der einfahrenden Motorräder sind älter als die Norm Euro 3. Von diesen älteren Maschinen, die zur Prüfung vorgestellt wurden, erreichten 73 Prozent den Stickoxid-Grenzwert der Euro 3 und damit einen strengeren Wert als den, nach dem sie gebaut wurden. 48 Prozent schafften das auf Anhieb, weitere 25 Prozent nach einer einfachen Einstellung. Die Daten gehen auf eine Antwort des Londoner Bürgermeisters vom Oktober 2019 zurück.

Hinzu kommt der geringe Anteil am Verkehr. Nach Angaben der MAG machen Motorräder rund 1 Prozent des Verkehrs in Großbritannien aus. Eine Untersuchung des britischen Industrieverbands Motor Cycle Industry Association (MCIA) aus dem vergangenen Jahr kam zu dem Ergebnis, dass motorisierte Zweiräder nur 0,4 Prozent der Emissionen des inländischen Verkehrs verursachen.

Technisch gibt es bei neuen Motorrädern bereits eine Überwachung. Die Abgasnorm Euro 5+ verlangt, dass der Katalysator über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs richtig arbeitet. Dafür sitzt eine zusätzliche Lambdasonde hinter dem Katalysator. Sie misst den Sauerstoffgehalt im Abgas, damit das Steuergerät die Wirkung des Katalysators ständig prüfen und bei Problemen eine Warnleuchte einschalten kann.

Was fordert die Motorcycle Action Group?

Die MAG fordert, Motorräder, Roller, Mopeds, Trikes und Quads aus der neuen Regelung herauszunehmen, solange das Ministerium keine Belege vorlegt. Gegen das Grundprinzip hat der Verband dagegen nichts einzuwenden.

In seiner offiziellen Stellungnahme vom 1. September 2026 unterstützt der Verband ausdrücklich, dass die Lücke bei Autos, Transportern, Lkw und Bussen geschlossen wird. Auch gegen das gezielte Ausschalten von Abgasreinigung, etwa durch das Entfernen von Partikelfiltern oder Katalysatoren, will die MAG nichts einwenden. Die Stellungnahme wurde vom National Committee beschlossen, dem gewählten Gremium aus Vertretern der Regional- und Ortsgruppen.

Kritisch sieht die MAG vor allem die Gleichbehandlung von Umbauten, die gezielt die Abgasreinigung ausschalten, mit gewöhnlichen Änderungen. Eine Neuabstimmung der Motorsoftware für besseres Ansprechverhalten oder ein Teiletausch, dessen Wirkung auf die Abgaswerte ein Fahrer nicht kennen kann, dürfe nicht automatisch als illegal gelten.

Sollte das Ministerium Motorräder trotzdem einbeziehen, verlangt der Verband mehrere Schutzregeln:

  • Bestandsschutz für alle Umbauten, die vor Inkrafttreten der Regel vorgenommen wurden. Die Beweislast soll bei den Behörden liegen, nicht beim Fahrer.
  • Eine Ausnahme für korrekt gekennzeichnete, straßenzugelassene Zubehörteile.
  • Kontrollen, die sich auf gewerbliche Anbieter von Manipulationsteilen konzentrieren statt auf einzelne Fahrer.
  • Eine deutlich längere Übergangszeit als sechs Monate, verbunden mit einer Informationskampagne.
  • Eine eigene Folgenabschätzung für Motorräder, bevor ein Gesetz beschlossen wird.

Ein zentrales praktisches Problem ist nach Darstellung der MAG, dass es bei der MOT keinen gemessenen Abgastest für Motorräder gibt. Fahrer und Händler hätten also keinen Weg, herauszufinden, ob eine Maschine die Regeln erfüllt. Zudem gebe es keine Leitlinien, welche Umbauten künftig verboten wären. Manche Originalteile, die für einen Rückbau nötig wären, seien außerdem nicht mehr lieferbar.

Ein Register für Umbauten im britischen Fahrzeugschein V5C lehnt der Verband ab. Die MAG erinnert daran, dass sie in den 2000er-Jahren erfolgreich gegen eine geplante MOT nach deutschem Vorbild gekämpft hat. Diese hätte Teile, die nicht vom Werk stammen, verboten und jede Änderung im Fahrzeugschein vorgeschrieben. Außerdem fordert die MAG das Ministerium auf, das zurückgehaltene interne Papier so weit wie möglich zu veröffentlichen. Sie will auch eine Zusage, dass kein Abgastest für Motorräder bei der MOT ohne eigene Konsultation eingeführt wird.

Ein Metropolitan-Police-Beamter faehrt bei Nacht mit eingeschaltetem Blaulicht auf einem Sur-Ron-Ultra-Bee-Polizeimotorrad durch eine enge, blau beleuchtete Backstein-Gasse
Met-Police-Sur-Ron-Ultra-Bee im nächtlichen Einsatz in einer Londoner Gasse 2026

Welche Ausnahmen sind vorgesehen?

Das Ministerium will mehrere Ausnahmen der bisherigen Regel übernehmen, in denen trotz zu hoher Abgaswerte kein Verstoß vorliegt. Welche davon im neuen Gesetz stehen, war Teil der Befragung.

Die bisherige Regulation 61A nimmt folgende Fälle aus:

  • Fahrzeuge, die abseits öffentlicher Straßen genutzt werden.
  • Fehler, die der Halter oder Fahrer nicht beeinflussen kann. Voraussetzung ist, dass kein nachträglicher Umbau die Ursache ist, eine normale Wartung das Problem nicht beheben würde und alle Bauteile der Abgasreinigung vorhanden sind und funktionieren.
  • Fahrten zur Reparatur der Abgasreinigung, sofern kein Umbau die Ursache ist.
  • Fahrten zu einem Hafen für den Export.
  • Fahrten von Prüfern wie MOT-Testern während oder nach der Prüfung.
  • Fahrzeuge von Personen mit Wohnsitz im Ausland, die höchstens sechs Monate in Großbritannien sind und grundlegende Sicherheits- und Ausstattungsregeln erfüllen.

Die letzte Ausnahme ist für Motorradurlauber aus Deutschland interessant. Die Konsultation fragt, ob diese Ausnahme für bis zu sechs Monate innerhalb von zwölf Monaten erhalten bleiben soll. Eine Entscheidung dazu steht noch aus.

Ab wann könnte das neue Abgasgesetz gelten?

Die Regierung rechnet damit, dass das neue Gesetz im Sommer 2027 verabschiedet wird. Danach soll es eine Übergangszeit von sechs Monaten geben, bevor die Regeln tatsächlich gelten.

In dieser Zeit sollen Halter ihre Fahrzeuge warten lassen können. Unternehmen sollen ihre Angebote und ihre Werbung anpassen können. Für die Kontrollen wäre die DVSA zuständig. Da die jährliche Hauptuntersuchung nur begrenzt Aussagen über die Abgasreinigung zulässt, will sich die Behörde voraussichtlich vor allem auf Betriebe konzentrieren, die illegale Umbauten anbieten oder vornehmen.

Als Nächstes wertet das Verkehrsministerium die eingegangenen Antworten aus. Eine Zusammenfassung und die Antwort der Regierung sollen auf der Seite der Konsultation veröffentlicht werden. Ob Motorräder am Ende tatsächlich unter Regulation 61A fallen, ist damit noch offen.

Häufige Fragen

  • Was sieht das neue Abgasgesetz in Großbritannien für Motorräder vor?

    Motorräder, Roller und Mopeds sollen ihr ganzes Leben lang die Abgasnorm einhalten, nach der sie gebaut und zugelassen wurden. Dazu will das Verkehrsministerium die Vorschrift Regulation 61A erstmals auf Fahrzeuge der Klasse L ausweiten. Betroffen wären nach bisherigem Stand Maschinen mit Erstzulassung ab dem 1. Januar 2001.

  • Wird ein Zubehörauspuff in Großbritannien verboten?

    Nicht grundsätzlich, entscheidend ist die Wirkung auf die Abgaswerte. Verboten wäre ein Umbau, wenn das Motorrad danach mehr Schadstoffe ausstößt als bei der Zulassung erlaubt, auch ohne Absicht. Das Entfernen des Katalysators soll immer als illegal gelten, typgenehmigte Endschalldämpfer sollen nach bisherigen Einschätzungen nicht betroffen sein.

  • Wie hoch sind die geplanten Strafen?

    Die Geldstrafen reichen von 1.000 Pfund (circa 1.165 Euro / 1.330 US-Dollar) bis zu einer unbegrenzten Summe. Sie werden nach einer Verurteilung vor einem britischen Amtsgericht fällig. Die Strafen stützen sich auf bestehende Paragrafen des Road Traffic Act 1988.

  • Ab wann soll die neue Regelung gelten?

    Die Regierung erwartet die Verabschiedung des Gesetzes im Sommer 2027. Danach ist eine Übergangszeit von sechs Monaten geplant. Zunächst wertet das Verkehrsministerium aber die Antworten aus der Konsultation aus, die am 6. September 2026 endete.

  • Welche Belege hat das Ministerium für die Einbeziehung von Motorrädern?

    Nach eigener schriftlicher Aussage keine. Auf eine Anfrage der Motorcycle Action Group bestätigte das Verkehrsministerium im August 2026, dass es keine Analysen oder Belege zu Motorrädern hat, auf die sich der Vorschlag stützt. Auch zur Zahl der betroffenen Motorräder und zu den Folgen für den Gebrauchtmarkt liegt keine Einschätzung vor.

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