- Rennwochenende in Lusail vom 6. bis 8. November, ursprünglich für April geplant
- Yamaha verzichtet mit allen vier Motorrädern, die übrigen vier Hersteller treten an
- 19 von 22 Stammfahrern hatten sich schriftlich gegen das Rennen gestellt
Als die MotoGP im März ihren Katar-GP vom April in den November schob, war die Hoffnung groß, dass sich die Lage in der Golfregion bis dahin beruhigt. Seit Ende Februar führen die USA und Israel Krieg gegen den Iran, und Katar liegt nur auf der anderen Seite des Persischen Golfs. Jetzt steht der neue Termin unmittelbar bevor, und die Lage ist eher angespannter als zuvor. Am Abend des 2. November griffen US-Streitkräfte die iranische Insel Qeshm an, während Teams, Fahrer und Material bereits auf dem Weg nach Lusail waren. Für die MotoGP ist es das drittletzte Rennen der Saison 2026, danach folgen nur noch Portimão und Valencia.

Was ist beim US-Angriff auf die Insel Qeshm passiert?
Die USA haben am Abend des 2. November Luftabwehrstellungen auf der iranischen Insel Qeshm angegriffen. Die Insel liegt in der Straße von Hormus und wurde vom Iran genutzt, um Handelsschiffe in der Meerenge anzugreifen.
Es soll nicht der erste Schlag dieser Art gewesen sein. In den Wochen zuvor gab es offenbar bereits mehrere Angriffe auf den Iran, die nicht öffentlich gemacht wurden. Schon in der Vorwoche hatte es Hinweise gegeben, dass die USA und Israel nach den US-Zwischenwahlen am 3. November eine neue Offensive starten könnten. Die Reisehinweise des US-Außenministeriums raten für die gesamte Region entweder ganz von Reisen ab oder empfehlen, sie gut zu überdenken.
Wie ernst andere Veranstalter die Lage nehmen, zeigt ein Blick auf den Rallyesport. Die Rallye Dakar 2027 wird nicht wie geplant in Saudi-Arabien gestartet, sondern auf eine neue Route außerhalb der Region verlegt.
Warum hält die MotoGP am Rennen in Katar fest?
Die MotoGP stützt sich auf die Einschätzung des Staates Katar, der Rennstrecke Lusail International Circuit, unabhängiger Sicherheitsberater und ihrer eigenen laufenden Risikobewertung. Nach Angaben der Serie hat keine dieser Stellen Informationen geliefert, die eine Änderung der Pläne rechtfertigen würden.
Diese Haltung hat die MotoGP Group allen Herstellern und Teams mitgeteilt. Sie verweist darauf, dass alle Beteiligten umfangreiche Zusicherungen erhalten hätten. Gleichzeitig macht der Veranstalter klar, dass ein Fernbleiben Folgen haben kann. Fahrern, die das Rennen ohne Verletzung boykottieren, drohen Strafen. Eine Garantie, dass das Rennen in jedem Fall wie geplant stattfindet, gibt es damit aber nicht. Die Entwicklung der nächsten Tage bleibt der entscheidende Faktor.

Welche Sicherheitszusagen haben die MotoGP-Fahrer bekommen?
Die Fahrer haben einen großen Teil ihrer Forderungen erfüllt bekommen, aber nicht alle. Über Wochen hatten sie von der MotoGP klare Antworten zu Evakuierungsplänen, Versicherungsschutz und Haftung verlangt.
Während des Großen Preises von Malaysia unterschrieben 19 der 22 Stammfahrer einen Brief an die MotoGP Group. Darin machten sie deutlich, dass sie in Katar nicht antreten wollen, solange der Veranstalter nicht die volle Verantwortung übernimmt. Diese Forderung wurde nicht erfüllt. Katar soll aber zusätzliche finanzielle Zusagen für Fälle gemacht haben, die von den bestehenden Versicherungen nicht abgedeckt sind.
Francesco Bagnaia beschreibt das Ergebnis so, dass die Fahrer fast alles bekommen haben, was sie gefordert hatten. Einige Punkte seien noch offen, mit denen rechne er aber auch nicht mehr. Jack Miller dagegen sprach offen darüber, dass er nicht nach Katar will. Er hält das Nachbarland nicht für das Problem, sondern die Region drumherum. Ihn stört vor allem, dass ein weltweit übertragenes Ereignis mit öffentlich bekanntem Zeitplan direkt neben einem Kriegsgebiet stattfindet. Joan Mir sagte, wenn die Fahrer nach Katar reisen, dann nicht, weil sie es wollen.
Wie reagieren die Hersteller auf die Lage in Katar?
Yamaha ist der einzige Hersteller, der nicht nach Lusail reist. Ducati, Aprilia, Honda und KTM haben ihre Teilnahme zugesagt.
Yamaha begründet die Absage mit konzernweiten Reisebeschränkungen für den Nahen Osten. Nach der eigenen Bewertung der Lage sah das Unternehmen keinen Grund, davon eine Ausnahme zu machen. Die Entscheidung betrifft das Werksteam mit Fabio Quartararo und Álex Rins sowie das Satellitenteam Pramac mit Jack Miller und Testfahrer Augusto Fernández, der den verletzten Toprak Razgatlioglu vertritt. Beide Pramac-Fahrer sind bei Yamaha angestellt. Zurückkehren will Yamaha beim Großen Preis von Portugal. Wie der Konzern im Detail weiter verfährt, beschreibt der Artikel über den Yamaha-Boykott und die Strafandrohung der MotoGP.
Bei der Konkurrenz klingt es ganz anders. Ducati-Teammanager Davide Tardozzi sagt, die Veranstalter hätten die Sicherheit zugesichert, und man vertraue ihnen. Aprilia-Chef Massimo Rivola geht noch weiter. Er spricht darüber, dass er die ganze Aufregung nicht verstehe und dass jeder, der diesen Beruf nicht machen wolle, eben zu Hause bleiben müsse. Wenn der Veranstalter mit allen Informationen grünes Licht gebe, dann fahre man auch. KTM erklärt, der Plan habe sich nicht geändert, und Honda arbeitet nach eigenen Angaben eng mit den Fahrern und dem Veranstalter zusammen, damit das Wochenende stattfinden kann.

Warum reisen viele Fahrer erst kurz vor dem Rennen nach Katar?
Die meisten Fahrer wollen so wenig Zeit wie möglich in der Region verbringen und sich offenhalten, kurzfristig auf eine neue Lage zu reagieren. Die MotoGP hat deshalb den Zeitplan angepasst.
Die traditionelle Pressekonferenz am Donnerstag beginnt in Lusail erst um 20 Uhr Ortszeit statt wie geplant um 16 Uhr. Auf den eigentlichen Rennbetrieb hat die Verschiebung um vier Stunden kaum Einfluss, sie zeigt aber, wie ungewöhnlich dieses Wochenende abläuft. Pedro Acosta flog nach dem Rennen in Sepang zunächst nach Bali. WM-Spitzenreiter Marc Márquez reiste erst nach Spanien und will am Donnerstagabend in Katar landen, also so spät wie möglich.
Wer fehlt beim MotoGP-Rennen in Katar?
Sicher fehlen die vier Yamaha-Fahrer. Hinzu kommen mehrere verletzte oder angeschlagene Fahrer, deren Einsatz noch offen ist oder die ersetzt werden.
Álex Márquez hat sich nach dem Rennen in Malaysia an der rechten Schulter operieren lassen. Bei Gresini übernimmt Iker Lecuona sein Motorrad. Fermín Aldeguer kehrt nach seiner Handverletzung dagegen schneller zurück als erwartet. Joan Mir fiel in Malaysia erneut mit Sehproblemen aus, die ihn schon vier Rennen gekostet hatten. Für ihn soll Jake Dixon einspringen. Bei Aprilia ist offen, wie fit Jorge Martín und Raúl Fernández sind. Martín laboriert an einer Handgelenksverletzung aus Australien, Fernández an einem gebrochenen Finger. Beide hatten das Wochenende in Sepang vorzeitig beendet und wollen es in Katar zumindest versuchen.
Ohne die vier Yamaha bleiben höchstens 18 Plätze im Feld. Fallen weitere Fahrer aus und werden nicht ersetzt, könnte das Starterfeld so klein werden wie seit 2010 nicht mehr. Damals standen in Assen und Silverstone nur jeweils 15 Fahrer am Start.

Was steht beim Katar-GP sportlich auf dem Spiel?
Marc Márquez kann in Katar vorzeitig seinen zehnten WM-Titel sichern. Nach seinem Sieg in Malaysia hat er im Titelkampf den ersten Matchball.
Für Ducati ist ein Verzicht auf das Rennen deshalb keine Option. Jorge Martín liegt 44 Punkte zurück und muss trotz seiner Verletzung punkten, um seine Chancen zu wahren. Muss er passen, wäre der Titelkampf praktisch entschieden. Auch in der Moto2 geht es um viel: Das Moto2-Team von Pramac Yamaha reist trotz der Absage des Konzerns an. Izan Guevara liegt nur 3,5 Punkte hinter Spitzenreiter Manu González.
Für Yamaha selbst dürfte eine Strafe sportlich wenig ändern. In der Herstellerwertung liegt der Konzern mit 105 Punkten abgeschlagen auf dem letzten Platz, 73 Punkte hinter Honda. Über mögliche sportliche Folgen entscheidet der Motorrad-Weltverband FIM, dazu kommen mögliche vertragliche Konsequenzen gegenüber der MotoGP und der Teamvereinigung IRTA.

Häufige Fragen
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Wann findet der MotoGP Katar-GP 2026 statt?
Der Große Preis von Katar findet vom 6. bis 8. November 2026 auf dem Lusail International Circuit statt. Ursprünglich war das Rennen für April geplant, wurde aber wegen des Kriegs im Nahen Osten verschoben. Danach folgen noch die Rennen in Portimão und Valencia.
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Warum fährt Yamaha nicht beim MotoGP Katar-GP?
Yamaha nennt konzernweite Reisebeschränkungen für den Nahen Osten als Grund. Nach eigener Bewertung der Lage sah das Unternehmen keinen Anlass für eine Ausnahme. Betroffen sind das Werksteam und das Satellitenteam Pramac mit insgesamt vier Motorrädern.
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Welche Strafe droht Yamaha für den Verzicht auf Katar?
Die Strafe steht noch nicht fest. Über sportliche Folgen entscheidet die FIM, dazu kommen mögliche vertragliche Konsequenzen gegenüber der MotoGP und der IRTA.
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Kann Marc Márquez in Katar Weltmeister werden?
Ja, Marc Márquez hat in Katar die erste Chance, seinen zehnten WM-Titel vorzeitig zu sichern. Sein ärgster Verfolger Jorge Martín liegt 44 Punkte zurück und ist zudem am Handgelenk verletzt.












