- Prototyp mit 21-Zoll-Vorderrad und 18-Zoll-Hinterrad gesichtet
- Erwartete Leistung zwischen 65 und 70 PS (48 bis 52 kW)
- Serienstart voraussichtlich nicht vor 2028
Zwischen der kleinen und der großen Reiseenduro klafft bei BMW seit Jahren eine Lücke. Unten steht seit der EICMA 2025 die F 450 GS, die die G 310 GS abgelöst hat. Darüber folgen die F 800 GS und die F 900 GS mit 895 Kubikzentimetern. Dazwischen gab es bisher nichts. Genau in diese Lücke zielt offenbar ein Motorrad, das jetzt als Prototyp auf öffentlichen Straßen fotografiert wurde. Auf den Fotos lassen sich die einzelnen Bauteile bereits ziemlich genau zuordnen.

Was zeigt der Prototyp der neuen Mittelklasse-GS?
Der Prototyp zeigt eine schlanke Reiseenduro mit klarer Geländeausrichtung. Verbaut wurde vorne ein 21-Zoll-Rad, hinten ein 18-Zoll-Rad, beide als Kreuzspeichenräder mit schlauchlosen Reifen.
Diese Radgrößen sind ein deutliches Signal. Die kleine F 450 GS setzt auf ein anderes Rezept, die neue Mittelklasse-GS rückt damit näher an klassische Reiseenduros heran. Die Verkleidungsteile wirken noch grob und provisorisch, einzelne Designelemente sind dagegen schon sauber ausgearbeitet. Die Frontleuchte greift sichtbar Elemente der R 1300 GS auf. Der typische GS-Schnabel über dem Vorderrad fehlt bisher, was auch daran liegen kann, dass die Entwicklung noch läuft. Nach Einschätzung von Beobachtern spricht die üppige Bodenfreiheit für einen Federweg von rund 230 Millimetern (etwa 9 Zoll).

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Eine der wenigen Zahlen zum Gewicht: Das fahrfertige Gewicht soll bei etwa 204 Kilogramm (rund 450 Pfund) liegen und damit zwischen der F 450 GS und der F 900 GS.
Woher kommt der Motor der neuen GS?
Der Motor ist der spannendste und zugleich unklarste Punkt. Sicher ist nur, dass es sich um einen Reihenzweizylinder handelt, der technisch sichtbare Verwandtschaft zur F 450 GS zeigt.
Ein Blick nach Großbritannien hilft weiter. BMW-Partner TVS, der die F 450 GS in Indien fertigt, nutzt eine weiterentwickelte Variante dieses Zweizylinders für die Marke Norton. In der Atlas und der Atlas GT kommt das Triebwerk stark überarbeitet auf 585 Kubikzentimeter und 70 PS (51 kW). Genau dieses Aggregat gilt als möglicher Ausgangspunkt.
Ganz eindeutig ist die Sache aber nicht. Auf den Fotos unterscheidet sich der Motor des Prototyps in mehreren Bereichen von dem der britischen Maschine, andere Bereiche wiederum ähneln sich stark. Einzelne Beobachter gehen sogar davon aus, dass BMW ein komplett eigenständiges Aggregat entwickelt, das weder auf der F 450 GS noch auf der F 900 GS noch auf dem Norton-Twin aufbaut. Eine offizielle Angabe von BMW gibt es zu keiner der beiden Deutungen.

Wie ist die Kurbelwelle ausgelegt?
Diese Frage ist offen und technisch besonders interessant. Der Norton-Twin arbeitet mit einem Zündversatz von 270 Grad, wie er in dieser Klasse üblich ist. Die F 450 GS setzt dagegen auf ungewöhnliche 135 Grad Hubzapfenversatz.
Der Zündversatz beschreibt, in welchem zeitlichen Abstand die beiden Zylinder zünden. Er beeinflusst, wie sich der Motor anfühlt, wie er klingt und wie gut sich die Kraft im Gelände dosieren lässt. Ob BMW die eigenwillige 135-Grad-Lösung in die Mittelklasse überträgt oder auf die übliche Auslegung wechselt, lässt sich anhand der Fotos nicht erkennen.
Wie viel Leistung ist zu erwarten?
Erwartet werden 65 bis 70 PS (48 bis 52 kW). Diese Spanne ergibt sich aus dem vorhandenen Modellprogramm, denn nach unten und oben ist der Platz eng.
Die F 800 GS leistet 87 PS (64 kW), die F 850 GS kommt auf 95 PS (70 kW), die F 900 GS auf 105 PS (77 kW). Eine neue Mittelklasse-GS müsste sich klar darunter einsortieren, sonst würde sie den eigenen Modellen Kunden abnehmen. Einzelne internationale Einschätzungen gehen etwas weiter und halten bis zu 80 PS (59 kW) für möglich. Belegt ist keine dieser Zahlen, alle beruhen auf Ableitungen aus dem Umfeld.

Fahrwerk und Bremsen mit Teilen der großen Schwestern
Beim Fahrwerk fällt der Blick nach oben statt nach unten. Der Stahl-Brückenrahmen des Prototyps orientiert sich eher an der F 900 GS als an der kleinen F 450 GS. Auch die Bremsanlage ähnelt der größeren Baureihe.
An anderen Stellen bleibt die Verwandtschaft zur Einsteigerklasse sichtbar. Die Aufnahme des hinteren Federbeins und die Schwinge erinnern an die F 450 GS. Auch Abgasanlage und einzelne Fahrwerksteile greifen auf ein ähnliches Rezept zurück. Unter dem Strich ergibt sich ein Motorrad, das Bauteile aus mehreren GS-Generationen zusammenführt.
Wie soll das Motorrad heißen?
Der Name ist offen, im Gespräch sind gleich drei Varianten. F 600 GS würde in die aktuelle Systematik passen, ebenso denkbar ist eine Rückkehr der Kürzel F 650 GS oder F 700 GS.
Gerade der Name F 650 GS hätte für viele Fahrer einen besonderen Klang. Die F 650 GS Dakar aus den frühen 2000er-Jahren gilt bis heute als Bezugspunkt für bezahlbare Reiseenduros mit Geländeanspruch. Eine Wiederbelebung wäre damit auch eine Verbindung zur eigenen Geschichte.
Der tatsächliche Hubraum dürfte beim Namen kein Kriterium sein. Die F 800 GS, die F 850 GS und die F 900 GS tragen unterschiedliche Zahlen, teilen sich aber dasselbe Zylindervolumen von 895 Kubikzentimetern.

Gegen wen tritt die neue GS an?
Als Referenz bei der Erprobung dienen offenbar die Honda Transalp und die Yamaha Ténéré 700. Beide Modelle bestimmen die Mittelklasse der Reiseenduros und sind damit die Messlatte.
Die japanischen Konkurrentinnen kommen auf 755 beziehungsweise 689 Kubikzentimeter. Sollte BMW tatsächlich bei rund 585 Kubikzentimetern bleiben, wäre die neue GS die kleinste Maschine in diesem Vergleich. In Indien wird das Motorrad ebenfalls erwartet, dort rechnet man mit einem Preis von rund 1,2 Millionen Rupien (circa 10.800 Euro / 12.550 US-Dollar) und damit einer Einordnung zwischen F 450 GS und F 900 GS. Diese Zahl ist allerdings eine reine Schätzung ohne Herstellerangabe.
Wann kommt die neue Mittelklasse-GS?
Vor 2028 ist nicht mit einem Serienanlauf zu rechnen. Der Entwicklungsstand des Prototyps zeigt, dass noch erhebliche Arbeit vor BMW liegt.
Bis dahin passiert im Modellprogramm ohnehin einiges. Der F 450 GS soll zur EICMA im Herbst 2026 zumindest ein Naked Bike zur Seite gestellt werden, mutmaßlich auch ein Sportler. Die Mittelklasse-GS wäre damit erst der übernächste Schritt auf der neuen Plattform. Möglich ist auch, dass die F 800 GS aus dem Programm fällt, sobald das neue Modell startet. Bestätigt ist das nicht.

Häufige Fragen
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Wann kommt die BMW F 650 GS auf den Markt?
Ein Serienstart wird nicht vor 2028 erwartet. Der gesichtete Prototyp befindet sich in einem frühen Entwicklungsstadium, viele Designdetails fehlen noch. Eine offizielle Ankündigung von BMW gibt es bisher nicht.
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Wie viel PS hat die neue BMW Mittelklasse-GS?
Erwartet werden 65 bis 70 PS (48 bis 52 kW). Damit läge sie deutlich unter der F 800 GS mit 87 PS (64 kW) und der F 900 GS mit 105 PS (77 kW). Einzelne Einschätzungen halten auch bis zu 80 PS (59 kW) für möglich.
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Welchen Motor bekommt die neue BMW Mittelklasse-GS?
Es handelt sich um einen Reihenzweizylinder mit sichtbarer Verwandtschaft zur F 450 GS. Als möglicher Ausgangspunkt gilt die von TVS überarbeitete Variante mit 585 Kubikzentimetern und 70 PS (51 kW), die in den Norton-Modellen zum Einsatz kommt. Ob BMW dieses Aggregat übernimmt oder eine eigene Konstruktion aufbaut, ist offen.
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Wie soll die neue GS heißen?
Der Name steht nicht fest. Genannt werden F 600 GS, F 650 GS und F 700 GS. Der tatsächliche Hubraum spielt dabei keine Rolle, da BMW auch bei der F 800 GS, F 850 GS und F 900 GS unterschiedliche Zahlen bei identischem Zylindervolumen verwendet.
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Gegen welche Motorräder tritt die neue BMW an?
Als Referenz bei der Erprobung dienen offenbar die Honda Transalp und die Yamaha Ténéré 700. Beide gelten als Maßstab in der Mittelklasse der Reiseenduros und kommen auf 755 beziehungsweise 689 Kubikzentimeter.

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