- Termin: 23. bis 27. August 2026, Bonneville Salt Flats im US-Bundesstaat Utah
- Chris Rivas greift mit dem BUB Seven Streamliner den absoluten Rekord von 605,697 km/h an
- Eva Hakansson kehrt erstmals seit 2017 zurück, mit dem Elektro-Streamliner Green Envy
Eine Woche im August, eine Salzfläche mitten in der Wüste und ein Feld aus Motorrädern, das kaum unterschiedlicher sein könnte: Die Bonneville Motorcycle Speed Trials sind der wichtigste Termin im Kalender der FIM Land Speed World Records. In diesem Jahr sprechen die Vorzeichen für ein ergiebiges Treffen. Die Zahl der Anmeldungen liegt über dem Vorjahr, die Salzkruste gilt als tragfähig, und die Wetterprognose sieht besser aus als 2025. Genau daran war die Ausgabe im vergangenen Jahr teilweise gescheitert.
Wann finden die Bonneville Speed Trials 2026 statt?
Die Bonneville Speed Trials 2026 laufen vom 23. bis 27. August. Fünf Tage lang wird auf den Bonneville Salt Flats gefahren, rund 200 Kilometer westlich der Hauptstadt Salt Lake City und etwa 1.300 Meter über dem Meeresspiegel.
Veranstaltet wird das Treffen von Deliciate Promotions LLC, erstmals ausgetragen wurde es 2004. Die Veranstaltung ist doppelt sanktioniert: Sie gilt gleichzeitig als FIM-Weltrekordveranstaltung und als Land Speed Grand Championship der American Motorcyclist Association. Wer antritt, kann also einen Weltrekord und einen nationalen US-Titel gleichzeitig ins Visier nehmen.
Gefahren wird auf zwei Kursen. Die kürzere Mountain Track und die längere International Track werden je nach Zustand des Bodens freigegeben. 2025 musste die längere Strecke mehrfach aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, weshalb sich fast das gesamte Geschehen auf der Mountain Track abspielte.
Wie läuft ein FIM-Rekordversuch in Bonneville ab?
Ein Rekordversuch besteht aus zwei Läufen in entgegengesetzter Richtung, gemessen wird über einen Kilometer. Nach dem ersten Lauf bleiben zwei Stunden Zeit für die Rückfahrt, aus beiden Zeiten wird ein Durchschnitt gebildet, und dieser Durchschnitt zählt als offizielle Geschwindigkeit.
Die Klassen sind geschlechtsneutral. Eingeteilt wird ausschließlich nach technischen Merkmalen: Antriebsart, Verkleidung, Energiequelle, Hubraum und Zylinderzahl. Daraus entsteht ein sehr feines Raster, das vom 50er bis zum vollverkleideten Streamliner mit 3.000 cm³ reicht. Ein Streamliner ist dabei ein komplett umschlossenes Fahrzeug, bei dem der Fahrer in einer geschlossenen Zelle liegt.

Wie steht es um den Zustand der Salzpiste?
Der Zustand des Salzes gilt als deutlich besser als im Vorjahr. Delvene Reber, Eigentümerin und Direktorin der Veranstaltung und seit der Gründung 2004 dabei, verweist auf die Speed Week der Southern California Timing Association Anfang August, bei der bereits hohe Geschwindigkeiten gefahren wurden.
Reber beschreibt die Lage so: „the salt is so much better than last year when it was really brittle“, auf Deutsch: das Salz ist so viel besser als im vergangenen Jahr, als es wirklich brüchig war. Sie spricht außerdem darüber, dass die Anmeldezahlen über denen von 2025 liegen und dass die Organisation je nach Abnutzung auf einen anderen Abschnitt der Fläche ausweicht.
Das ist mehr als eine Randnotiz. Von allen FIM-Disziplinen hängt keine so stark vom Wetter ab wie die Rekordfahrten auf dem Salz. 2025 zwangen Regen, wechselnde Temperaturen und starker Wind zu Ausfällen, an einem Montag wurde der komplette Tag gestrichen, weil Wasser auf der Zufahrtsstraße stand.
Chris Rivas und die Jagd auf 400 Meilen pro Stunde
Im Mittelpunkt steht der einzige Versuch auf den absoluten Rekord. Chris Rivas, 59 Jahre alt und aus Florida, sitzt im BUB Seven Streamliner von Denis Manning, angetrieben von einem turbogeladenen V4 mit 2.997 cm³. Die zu schlagende Marke liegt bei 605,697 km/h und stammt aus dem Jahr 2010, aufgestellt von Rocky Robinson auf einer Suzuki Hayabusa 2600.
Rivas peilt darüber hinaus die symbolische Grenze von 400 Meilen pro Stunde an, also 643,738 km/h. Im vergangenen Jahr kam er gar nicht erst zum Zug, weil der Zustand der Strecke keinen Lauf zuließ. Bonneville ist für diese Rekordklasse ohne Alternative: Seit September 1955 wurde jeder erfolgreiche Versuch auf den absoluten Motorrad-Weltrekord dort gefahren.
Was hat Eva Hakansson mit dem Green Envy vor?
Eva Hakansson will einen neuen FIM-Rekord für Elektromotorräder aufstellen. Die 45-jährige Maschinenbauingenieurin stammt aus Schweden, lebt inzwischen in Neuseeland und kehrt erstmals seit 2017 nach Bonneville zurück.
Bekannt wurde sie mit der KillaJoule, einem Elektromotorrad, das sie in der heimischen Garage aufbaute. Damit fuhr sie 2014 eine Geschwindigkeit von 434,523 km/h und trug eine Zeit lang den Titel der schnellsten Motorradfahrerin der Welt. Ihr neues Gerät heißt Green Envy und ist ebenfalls ein Streamliner. Das Ziel ist die Bestmarke von 455,737 km/h, die der sechsfache Weltmeister Max Biaggi 2021 in Cape Canaveral aufstellte.
Welche Rekorde aus dem Vorjahr stehen erneut zur Debatte?
Von den drei Fahrern, die 2025 insgesamt vier FIM-Weltrekorde aufstellten, sind zwei wieder dabei. Beide treten mit veränderten Voraussetzungen an.
Lianne Langlois aus Kanada bringt erneut ihr Seitenwagengespann auf Basis einer Triumph Rocket 111 Roadster von 2012 mit, ein Dreizylinder mit 2.295 cm³ aus dem Hause JKR Powersports. 2025 stellte sie damit über den gemessenen Kilometer einen Weltrekord von 219,404 km/h auf. Inzwischen hat ihr Team eine Teilverkleidung montiert, damit wechselt das Gespann die Klasse und fährt um eine neue Bestmarke.
Lisa Cipolla aus dem Bundesstaat Washington sitzt wieder auf der Kawasaki ZX-6R von Zlock Racing LCC, ein Vierzylinder mit 600 cm³ aus dem Jahr 2012. Die 66-jährige Bibliothekarin holte sich 2025 gleich zwei Rekorde: 236,251 km/h mit Teilverkleidung und 217,979 km/h, nachdem die Verkleidung demontiert war.
Der dritte Rekordfahrer von 2025 fehlt. Dale Zlock, der mit 69 Jahren seine teilverkleidete Suzuki SV mit 600 cm³ auf 243,172 km/h brachte und damit seinen eigenen Rekord um mehr als 36 km/h verbesserte, tritt nicht an. Stattdessen startet sein älterer Bruder Dan Zlock. Er greift eine Marke an, die seit 33 Jahren steht: 299,825 km/h, aufgestellt von Loris Capirossi auf einer Werksmaschine von HRC Honda, in der Klasse der teilverkleideten 750er.
Wer sonst noch um FIM-Rekorde fährt
Das Teilnehmerfeld zeigt die ganze Bandbreite der Disziplin. Ronald Knight aus den USA tritt mit einer seltenen Yamaha mit 100 cm³ und zwei Zylindern von 1972 an, einem Modell, das nur ein einziges Jahr gebaut wurde.
Jay Allen, seit Jahren fester Bestandteil der Szene, nimmt zwei Rekorde ins Visier, auf einer Harley-Davidson Dyna und einer Electra Glide. Jim Cole startet mit einer Suzuki Hayabusa, der mehrfache FIM-Rekordhalter Hirohisa Koiso mit zwei Harley-Davidson Dyna Super Glide.
Dazu kommen Angus Wing mit einem Kawasaki-ZX-14-Gespann von 2009, Tyrell Marlow auf einer Suzuki TL1000R von 2002 und Kim Krebs aus Australien, die bereits 392,6 km/h gefahren ist und diesmal eine Suzuki GSX-R750 von 1999 bewegt. Sein Debüt bei der Veranstaltung gibt der US-Amerikaner Tyler Rafferty auf einer Kawasaki ZX-10R von 2025.
Warum Bonneville als Rekordort unter Druck steht
Die Salzfläche entstand vor über 10.000 Jahren, als der Bonneville-See nach der letzten Eiszeit austrocknete und eine Salzschicht zurückließ, die stellenweise fast zwei Meter dick ist. Genau diese Kruste ist heute das Problem.
Jahrzehnte industriellen Salzabbaus haben die Schicht geschwächt, trotz eines Programms zur Wiederauffüllung, das Mitte der 1990er Jahre begann. Dazu kamen ungewöhnlich starke Regenfälle, die Schlamm auf sonst nutzbare Bereiche spülten. Eine durchgehend sichere Strecke von rund zehn Kilometern zu finden, wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Die Speed Week fiel deshalb 2014 und 2015 komplett aus, und auch die Motorradveranstaltung musste in den vergangenen Jahren mehrfach abgesagt werden.
Vor diesem Hintergrund ist die diesjährige Ausgabe mehr als ein Termin im Rennkalender. Nach der durchwachsenen Saison 2025 mit vier Rekorden trotz schlechten Wetters wäre ein ergiebiger Jahrgang 2026 auch ein Signal dafür, dass die Salzfläche als Bühne für Geschwindigkeitsrekorde noch funktioniert.
Häufige Fragen
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Wann sind die Bonneville Speed Trials 2026?
Die Bonneville Speed Trials 2026 finden vom 23. bis 27. August statt. Gefahren wird an fünf Tagen auf den Bonneville Salt Flats in Utah, rund 200 Kilometer westlich von Salt Lake City.
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Wie hoch ist der absolute Motorrad-Geschwindigkeitsrekord?
Der von der FIM anerkannte absolute Rekord liegt bei 605,697 km/h. Rocky Robinson stellte ihn 2010 in Bonneville auf einer Suzuki Hayabusa 2600 auf. Chris Rivas greift ihn 2026 mit dem BUB Seven Streamliner an.
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Wie wird ein Geschwindigkeitsrekord in Bonneville gemessen?
Gemessen wird über einen Kilometer, und zwar in beide Richtungen. Nach dem ersten Lauf bleiben zwei Stunden für die Rückfahrt, aus beiden Zeiten wird der Durchschnitt gebildet. Erst dieser Wert gilt als offizieller Rekord.
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Warum wurden Veranstaltungen in Bonneville schon mehrfach abgesagt?
Die Salzkruste ist durch jahrzehntelangen Bergbau dünner und brüchiger geworden. In Verbindung mit starken Regenfällen war es mehrfach nicht möglich, eine sichere Strecke von etwa zehn Kilometern herzurichten.
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Wer ist Eva Hakansson?
Eva Hakansson ist eine 45-jährige Maschinenbauingenieurin aus Schweden, die in Neuseeland lebt. 2014 fuhr sie mit ihrer selbst gebauten KillaJoule 434,523 km/h und galt zeitweise als schnellste Motorradfahrerin der Welt. 2026 startet sie mit dem Elektro-Streamliner Green Envy.












